Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Auch gegen Verluste, welche durch Seuchen, Feuer, Ueberschwem
mung und Krieg entstehen, kann man Versicherungen füglich zulassen
wenn man bei größeren Verlusten (etwa über 12 Proc.) die Reduc
tion der Vergütungen bestimmt oder das Maximum der Prämien
und Nachzahlungen feststellt.
Schließlich bemerken wir noch, daß Lücken in unwesentlicheren
Dingen wenig schaden, wenn das Statut dem Vorstande gestattet,
uber solche Fragen vorbehaltlich der späteren Genehmigung der Ge
neral-Versammlung zu entscheiden.
Da nun auch in vielen Gemeinden unseres Bezirks der Vieh
handel und namentlich das Ausleihen des Viehes den kleinern Wir
ihen zum Verderben gereicht, weil sie nicht vorsichtig genug rech⸗
ien (siehe Zeitschrift des landwirthschaftlichen Vereins für Rhein—
preußen, Jahrgang 1864 Seite 149 und folgende), so hat es uns
zur besondern Freude und Genugthuung gereicht, daß der Vorstand
des landwirthschaftlichen Casinos zu Mehring im Landkreise Trier
in dieser wichtigen Angelegenheit mit gutem Beispiele vorangegangen
st, indem er für alle Kühbesitzer der Bürgermeisterei Mehring eine
solche Kühlade zu Stande gebracht hat. Indem wir uns vorbehal.
sen, diese sehr zweckmäßig redigirten Statuten in einer der nächsten
Nummern dieses Blattes zu veröffenttichen, erwarten wir zuversicht
lich, daß recht viele andere Bürgermeistereien und Gemeinden dies
rützlichen Vereine zum Schutze gegen die Verarmung einzelner Mit
pürger ins Leben rufen und damit an sich selbst erkennen werden
daß die sicherste und nachhaltigste Hülfe auf der eigenen Kraft und
Thätigkeit beruht. (Amtsblatt.)

Die Entwickelung des Eisenbahnwesens in England
Dem englischen Hause der Gemeinen ist im vergangenen Früh—
jahr vom Board of Drade eine statistische Uebersicht zugestellt worden,
velche das Eisenbahnsystem Englands zum Gegenstande hat und dessen
rapide Entwickelung veranschaulicht. Dieser Zusammenstellung ist
nachstehender Auszug nach dem „Brem. Holsbl.“ entnommen.
Am Ende des Jahres 1862 betrug die Länge der eröffneten
Eisenbahnlinien in dem Ver. Königreiche 11,651 englische Meilen,
dagegen im Dezember 1863 12,322 engl. Meilen. Die Ausdehnung,
welche das englische Eisenbahnnetz in neuester Zeit erfahren, tritt
indeß noch deutlicher hervor, wenn man erwägt, daß die Gesammt:
liänge der englischen Bahnen im Jahre 1849 erst 6031 engl. Meilen
betrug, bis 1854 sich auf 8054 Meilen gehoben hatte, und in 1858
10,002 erreichte und in den folgenden Jahren 1860 und 1861 bis
auf resp. 10,433 und 10,809 engl. Meilen wuchs. In Proc. aus
gedrückt, hat sich somit die Länge der Bahnen in den letzten 15 Jah
ren um ca. 105 Proc. oder durchschnittlich per Jahr um 7 Proc.
vergrößert. Der Bau neuer Bahnen, besonders von Zweig- und
Nebenbahnen, hat im Jahre 1863 stetig Fortschritte gemacht, während
die seit einigen Jahren bestehenden großen „Trunk-Linien“ in voller
Thätigkeit geblieben sind.
Die Anzahl der im Jahre 1862 beförderten Passagiere beläuft
sich auf 180,485,721, während sie in 1863 die Summe 204,699,466
Personen erreichte. Der Viehtransport beziffert sich wie folgt: Es
wurden 1863 befördert: 7,700,000 Schafe, 2,000,000 Schweine und
3,000,000 Stück Rindvieh, zusammen ca. 12,700,000 Stück Vieh.
Die Masse der beförderten Güter erreichte 32,000,000 Tons (à 20
Etr.) und die Anzahl der abgelasenen Züge 4,675,633. Die Ein—
nahme von Passagieren und Gütern in 1863 und 1862 war wie
jolgt: 1862. 1868.
Passagiere 12,295,2783 Pfd. St. 15,216,573 Pfd. St.
Güter 12, 8337,. 110, 16,634,388608,
Total⸗Brutto⸗Einn. 25,132,383 Pofd. St. 31,851,442 Pfd. St.
Eine Vergleichung der Bruttoeinnahmen und der laufenden Aus
gaben in 1863 und 1862 ergibt für das Ver. Königreich in 1862
Einnahmen 29,089,100 Pfd. St. Ausgaben 14,268,409 Pfd. St.
in 1863: Einnahmen 31,076,165 Pfd. St., Ausgaben 15,027, 238
Pfd. St. Für 1862 belaufen sich somit die Nettoeinnahmen aus
14,820,691 Pfd. St., in 1863 auf 16,048,931 Pfd. St. Dagegen
muß auch hervorgehoben werden, daß das angelegte Kapital sich von
385,218,488 Pfd. St. in 1862 auf 404 215,802 Pfd. St. in 186
zehoben hat.

Die verschiedenen im Jahre 1863 neu projectirten Linien waren
zur Aufnahme von Capitalien zum Betrage von 19,072, 3828 Pfd. St
oermittelst Actienemission und Anleihen ermächtigt; der Betrag indeß,
welcher ihnen im Laufe des Jahres wirklich zugegangen ist, erreicht
nur 1,198,818 Pfd. St. und war somit gänzlich unzureichend, um
die nothwendigen Operationen vorzunehmen. Ungünstige Lage des
Geldmarktes und Furchtsamkeit des Publikums vor neuen Unterneh—
mungen sind als die Hauptgründe dieses auffälligen Ausfalls, der
zur Folge hatte, daß viele sehr nützliche Zweiglinien nicht in Angriff
genommen werden konnten, zu bezeichnen.
Von den auf das Anlagekapital entfallenden Durchschnittsdivi—
denden der Hauptbahnen war die geringste 5/, und die höchste 78/.
Procent.

Mineraldünger.
Versuche über die Wirkung desselben, angestellt auf der Versuchs—
station Möckern, mitgetheilt von Prof. W. Knop.
Verfasser weist nach, daß die Liebig'sche Lehre thatsächlich nie
mals die Nützlichkeit des Humus, Stalldüngers, Fleisches ꝛc. als Dün
ger bestritte, auch keineswegs leugnete, daß das Einpflügen von Stroh,
Stalldünger, Humus den Boden schon darum fruchtbar mache, weil
solche Stoffe den Boden lockerer erhalten, sie wolle vielmehr Nichts,
als die Ueberzeugung erwecken, daß der Humus als solcher, d. h. als
noch organisirte Substanz kein Nahrungsmittel für die Pflanze sei;
„der Humus, der Stalldünger, so wie alle Ueberreste von Pflanzen
und Thieren wirken vielmehr nur darum fruchtbarmachend, weil sie
bei der Fäulniß Kohlensäure und Ammoniak erzeugen und dabei die
in ihnen enthaltenen Mengen an Aschenbestandtheilen zur Förderung
der neuen Vegetation auf das Feld zurückbringen, das man mit sol—
chem Material düngt.“ Statt also den Humus und die organische
Materie des Stalldüngers als Nahrungsmittel anzusehen, sollen Koh—
lensäure und Ammoniak, letzteres (zufolge bezügl. Versuche) nachdem
es zu Salpetersäure oxrydirt ist, und die im Humus, Stalldünger ꝛc.
enthaltenen Minerale als Pflanzennahrungsmittel gelten. Diese Lehre
hat ihren Beweis durch die Ergebnisse der Pflanzenkultur in wässri⸗
gen Lösungen gefunden. Seit Sommer 1861 zog Berichterstatter die
Getreide und den Buchweizen in Lösungen, die Nichts weiter als«
Mineralbasen und 4 Mineralsäuren mit Wasser zur Nahrung erhiel—
ten, nämlich mit Mineralsalzen, welche 9 Oryde enthielten und zwar
tBasen, Kali, Kalk, Talkerde, Eisenoxyd, und 4 Säuren, Kohlen
äure, Salpetersäure, Phosphorsäure, Schwefelsäure und Wasser.
Dieses Faktum diene nun ein für allemal als Stützpunkt. Es falle
den Anhängern der Lehre Liebig's nicht ein zu bestreiten, daß Humus,
Stroh, Wurzeln, Fleisch, Stalldünger fämmtlich gutes Düngmaterial
sei, sie behaupten nur, die Zukunft der Landwirthschaft liege nicht
mehr allein in der Anerkennung des Werthes dieser Stoffe, welche
der Landwirth von je her als Dünger benutzt hat, sondern in der
Einsicht, daß das in der Landwirthschaft täglich fallende Quantum an
diesen Düngermaterialen noch beliebig vermehrt werden könne 1) durch
bergmännische Gewinnung des Feldspates als Kali enthaltendes Ge—
stein, 3) durch gleiche Gewinnung aller phosphorsäurehaltigen Mine—
rale und Zubereitung derselben zum Dünger, 3) durch Anlagen von
Plantagen, in welchen man, statt des theuren Kalisalpeters, salpeter⸗
sauren Kalk erzeugt. Wollte man gegenwärtig den Satz vertreten,
der Landwirth solle alljährlich ein Quantum Kalifeldspathmehl, ein
großes Ouantum Knochenmehl, Bakerguano oder Superphosphat und
endlich salpetersauren Kalk mit seinem Stalldünger auf's Feld brin—
gen, so würden Stimmen genug diese Lehre in's Lächerliche zu ziehen
wissen, weil für jetzt die Preise unverhältnißmäßig hoch sind. Der
Agrikulturchemiker aber darf sich dadurch nicht beirren lassen, denn
er weiß, daß alljährlich ein beträchtliches Quantum der pflanzener⸗
nährenden Minerale durch die Flüsse in's Meer abgeführt wird, die
auf oben angegebenem Wege dem Boden wieder gegeben werden kön—
nen. Ihm genügt es, nachzuweisen, daß jene Stoffe im Boden durch
Zufuhr von Mineralsalzen wieder ersetzt werden können, daß überall
Vorrath von diesen Mineralsalzen vorhanden ist und Nichts kann
seine Ansichten weniger schwankend machen, als der Einwurf, die
empfohlene Mineraldüngung sei zu theuer. Der Preis sei etwas Ver
änderliches, für jetzt seien die drei oben genannten Minerale, Kali
            
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