Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

sämmtlich nicht mit einer Reserveschraube ausgestattet seien, die, da
eine Reparatur im Falle einer Beschädigung im Eise nicht möglich
sein würde, unbedingt erforderlich erscheint. Die Kriegsschrauben
dampfer sind sämmtlich mit einer Reserveschraube ausgestattet, haben
sehr kräftige Maschinen und gestatten vermöge ihrer Takelage auch
die volle Benutzung günstigen Segelwindes; sie allein sind also für
den vorliegenden Zweck besonders geeignet, und wenn auch ein Schiff
der Handelsmarine allenfalls eingerichtet werden könnte, so würde
dies doch zu viel Zeit erfordern. Wünschenswerth ist die Ausrüstung
zweier Schiffe, welche in Berücksichtigung der Gefahr des Einfrierens
— wenn derselben auch von Dampfern leichter aus dem Wege zu
gehen ist, als von Segelschiffen — auf drei Jahre verproviantirt
werden müssen.
Die Kosten für Ankauf und Ausrüstung zweier Schiffe, Gehal—
und Heuer der Mannschaft und Kosten hat Hr. Werner auf 220, 000
Thlr. berechnet, allerdings, wie er sagt, durchaus reichlich, damil
auch unvorhergesehenen Zufällen begegnet werden könne. Sollte nur
ein Schiff zu erlangen sein, dann würde auch mit diesem allein die
Fahrt unternommen werden müssen, die Kosten dann aber auch nur
die Hälfte jener Summe betragen. Uebrigens liegt es im Plane,
die ganze Fahrt in nur acht Monaten zu vollenden, und nur für
den Fall, daß doch Ereignisse eintreten können, welche zu einem län—
gern Verweilen im Norden zwingen, wie z. B. das Einfrieren der
Schiffe, ist eine dreijährige Dauer bei dem Kostenanschlage in Aus—
ficht genommen.
Wie schon für die frühere Recognoscirungsfahrt, so sind auch
für die eigentliche Entdeckungsreise vielfache Anerbietungen tüchtiger,
erfahrener und wissenschaftlich gebildeter Seeleute eingegangen, eine
große Zahl junger Leute aus den Navigationsschulen hat sich eben
jalls gemeldet, so daß die Besatzung zweier Schiffe durchaus aus
Freiwilligen genommen und dazu die besten Kräfte ausgewählt wer—
den können. Wenn auch ein Theil der Mannschaft aus der Zahl
gewöhnlicher Matrosen genommen werden würde und müßte, so wirt
die größere Zahl derselben doch aus wissenschaftlich tüchtig vorgebil—
deten Männern bestehen können, welche der ganzen Exrpedition eine
Zusammensetzung verleihen, wie keine frühere sie gehabt und vielleicht
leine andere Nation zu liefern vermöchte.
Vor allen Dingen aber erscheint es nöthig, daß die Regierung
sowohl als die Nation sich schnell entschließen und daß die Mittel
für die Erpedition, so weit sie nicht der Staat hergibt, durch frei—
willige Beisteuern aufgebracht werden, zumal kaum mehr zu hoffen
ist, daß die preußische Regierung eins ihrer Schiffe hergeben wird,
in welchem Falle die Beschaffung eines zweiten also Sache der all
gemeinen Betheiligung bleibt. Noch scheint von der Regierung kein
Entschluß gefaßt zu sein, um so dringender erscheint also, daß Samm—
lungen veranstaltet werden, um das lebhafteste Interesse des Volks
an der Ausführung des Unternehmens zu bekunden, und damit die
Mittel zur Hand sind, wenn der rechte Moment gekommen ist.
Schließlich sei noch kurz bemerkt, daß, an den Vortrag des Hrn.
Werner anschließend, Prof. Koner noch zwei Berichte über frühere
Nordfahrten in der Richtung über Spitzbergen mittheilte, von denen
die eine von Holländern vor 180 Jahren ausgeführt, eine offene
Passage von mehreren Meilen Breite durch das Eis nach Norden
hin gefunden habe, und nur aus Furcht, doch vielleicht vom Eise
eingeschlossen zu werden, habe man die Rückfahrt angetreten. Von
der höchsten Mastspitze aus aber ist durch das Telestop nach Norden
hin offenes Wasser bemerkt worden.

Der Industriepalast für die Weltausstellung 1867
in Maris.

Zu bem Platze für diesen Palast ist bekanntlich das Champ de
Mars (Marsfeld) auserkoren. Die Vorarbeiten zu diesem großartigen
Bau haben bereits begonnen; ganze Schaaren von Arbeitern sind
beschäftigt, auf dem ungeheuern Platze, der bisher fast stets nur
kriegerischen Zwecken gewidmet war, die Grundlage zu legen zu einem
Gebäude, das ausschließlich nur den Segnungen des Friedens ge
widmet sein wird. Schon umfassen weite Schranken den Bauplatz
und man kann sich einen Begriff machen von der gewaltigen Aus.
dehnung, die das projectirte Riesengebäude einnehmen wird. Um

die ganze perimetrische Linie des Gebändes herum wird eine unter⸗
irdische Galerie geführt werden, die 8 Meter breit und 3 Meter hoch
ihrer Länge nach durch eine Scheidemauer in zwei Theile getheilt
werden wird; der eine Theil wird zu Kellern ꝛc. verwendet werden,
während der andere Theil unversehrt bleiben und zur Ventilation
des Gebäudes dienen soll. Ueber dieser unterirdischen Galerie nun
wird sich eine zweite und zwar sichtbare Galerie erheben, die einen
bedeckten Umgang um den ganzen Palast bilden und den Besuchern
der Ausstellung zu einer angenehmen Promenade dienen wird. In
dieser Galerie werden Cafés, Musterbrauereien, englische Tavernen,
französische, deutsche, italienische, sogar chinesische ec. Restaurationen
eingerichtet werden, so daß die culinarische Kunst aller Länder und
aller Nationen daselbst Vertretung finden kann.
Um den Industriepalast herum wird ein großartiger Kunstpark
im englischen Geschmack angelegt werden; in diesem Park werden
sich eine Menge kleiner populäter Theater erheben, auf welchen die
landesüblichen Spiele aller Nationen zur Darstellung gebracht werden
sollen. Auch ein großes Theatergebäude wied daselbst errichtet wer—
den, das, obgleich nur provisorisch erbaut, dennoch als Mustergebäude
in seiner Art dienen soll. Auf diesem Theater werden nun die dia—
matischen und lyrischen Meisterwerke der verschiedenen Nationen
Europas aufgeführt werden, so daß man daselbst: ein Lustspiel von
Molière, dargestellt von den Schauspielern des théatre frangais, ein
Trauerspiel von Schiller, aufgeführt von deutschen Künstlern, ein
Drama von Shakespeare, wiedergegeben von englischen Histrionen,
oder auch eine deutsche oder italienische Oper, gesungen von den
namhaftesten Gesangesgrößen der Gegenwart, wird bewundern können.
Dieser Plan, der einigermaßen phantastisch oder wohl gar un⸗
ausführbar erscheinen könnte, darf bereits als vollkommen gesicher!
betrachtet werden, Dank den Vorkehrungen, die von der kaiserlichen
Commission, welche für die Angelegenheiten der Weltausstellung spe⸗
ciell niedergesetzt ist, bereits getroffen worden sind. In anderen
Theilen des Parkes werden Musterwohnungen für die arbeitenden
Klassen, so wie auch zwei Mustermeiereien, eine französische und eine
englische, angelegt werden; eine großartige Blumenausstellung wird
die schönsten und seltensten Blumen- und Pflanzenexemplare vereini⸗
gen, die von allen Theilen des Erdballs herbeigeschafft werden sollen.
Das Marsfeld ist 1000 Meter lang und 420 Meter breit und
umfaßt einen Flächenraum von 164 preuß. Morgen, wovon der In⸗
dustriepalast ca. ein Drittel einnimmt. Die Weltausstellung wird
dem Publikum durch 8 große Eingänge zugänglich sein, und es wird
eine besondere Eisenbahn erbqut werden, die dis auf das Champ de
Mars führt. Während der — Dauer der Ausstellung wird der
letzte Zug dieser Bahn erst um 1 Uhr nach Mitternacht abgehen,
also nach Schluß der Theater und der sonstigen Vergnügungsorte
Nach allen Plänen, die entworfen sind, und nach allen Vorbereitun—
zen, die mit Emsigkeit bereits betrieben werden, wird die Pariser
Weltausstellung von 1867 wohl zu den großartigsten Unternehmun;
gen nicht allein unserer — sondern aller Zeiten zu rechnen sein.

Och senauge.
So neunt man jene kleinen, in jede Hosentasche leicht unterzu—
bringenden Handlaternen, welche aus einem runden Gehäuse vor
2u /ꝛ Zoll in der Rundung bestehen und 13/, goll Dicke haben. Die
selben sind von gepreßtem Messingblech und haben eine in einer
Charniere bewegliche Rückwand, an deren innerer Seite eine spiegel—
hell versilberte convexe Platte gelöthet ist. An der Vorderseite befin—
det sich ein Prisna von ziemlich starkem Glas zur Ausstrahlung des
Lichtes. In dem Gehäuse selbst ruht am Boden ein nicht ganz den
dritten Theil desselben einnehmendes Schiffchen, welches gänzlich ver—
ichlossen ist und herausgenommenden werden kann. Es hat auf der
oberen glatten Fläche einen Schraubenhals, in dessen Mitte eine
kleine 19/,3 Linien weite Dochthülse angebracht ist. Nachdem man
diesen Oelbehälter gefüllt hat, wird er durch die Schraube geschlossen,
in die Laterne eingeschoben und oben durch zwei kleine Klammern
festgehalten. Zum Aufhängen der Laterne dient ein Haken, an wel⸗
hem sich der im Gehäuse herauszuziehende durchlochte ovale Rauch—
fang befindet. Auch der Boden des Gehäuses ist durchlocht, um die
aöthige Luft einströmen zu lassen, und hat einen Ansatz, um auch die
            
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