Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

jetzt im Wesentlichen darum, die Ueberzeugung zur allgemeinen Gel—
tung zu bringen:
daß die Streunutzung (namentlich die Laubnutzung) dem
Walde mehr schadet, als sie dem Consumenten nützt.
Zu diesem Zwecke empfehlen wir besonders zur Anschaffung für
die Gemeindebibliotheken folgende, nur wenige Groschen kostende
lleine Schrift:
Die Beseitigung der Waldstreunutzung. Für Land—
und Forstwirthe von Karl Fischbach. Frankfart a. M.
1864. 656 Seiten.
Der Verfasser, welcher gründliche naturwissenschaftliche Kennt:
aisse besitzt, beherrscht den Stoff auch auf praktischem Gebiete. Mit
Vermeidung jeder Einseitigkeit erörtert er in einer ansprechenden,
Jedermann leicht verständlichen Sprache die Nothwendigkeit des Be—
stehens der Waldungen, die Unentbehrlichkeit der Laub- und Moos
decke, den Einfluß der Streunutzung auf den Holzwuchs, den Werth
der Laub- und Moosstreu für den Landwirth, und die Mittel zur
Beseitigung derselben. Letzteres allerdings nur im Hinblick auf die
würtembergischen Verhältnisse, was aber insofern gar nicht unwill—
kommen ist, als dieselben in manchen wesentlichen Punkten mit den
unsrigen übereinstimmen.
Für die Gemeindewaldungen, in welchen der Streubezug von
den Gemeindemitgliedern ausgeübt wird und eine Ablösung nicht
stattfinden kann, empfiehlt der Verfasser folgende recht zweckmäßige,
meistentheils auch im hiesigen Bezirke schon zur Anwendung gelangte
Schutzmaßregeln:
1) Sorgfältige Ausscheidung der Orte, wo die Entziehung der Bo—
dendecke, ohne den Holzbestand zu gefährden, nicht mehr statt—
finden kann;
genügende Schonungszeit vor Beginn der Verjüngung und für
die Junghölzer;
3) zweckmäßige Reihenfolge und zeitweise Unterbrechung;
1) Bestimmung eines Theils der zur Nutzung kommenden Fläche
als Reserve für dringende Fälle;
Anordnung, daß die Streu nicht mehr durch die Consumenten,
sondern in der Gemeindefrohnde gesammelt und demnächst un
ler die Nutzungsberechtigten verloost wird;
Gewährung von Prämien an diejenigen Berechtigten, welche
keine Streu nehmen.
Außerdem wollen wir noch auf Seite 29 des so eben mit No.
10 und 11 der Zeitschrift des landw. Vereins für Rheinpreußen
ausgegebenen vortrefflichen dritten Berichts des Dr. Schneider
aus Worms über seine im laufenden Jahre in den Lokalabtheilungen
Saarbrücken, Saarlouis, Saarburg, Merzig und Simmern stattge—
habte Wanderthätigkeit hiermit besonders aufmerksam machen. Dr.
Schneider hat in vielen Gemeinden und zwar überall schließlich
mit einstimmiger Zustimmung seiner Zuhörer ermittelt, daß sich der
durchschnittliche Werth des pro Jahr einer Kuh erforderlichen Ein—
streulaubes in jenen Kreisen auf etwa 831/ Thlr. und der des so ge—
wonnenen Mistes nur auf 91/, Thlr. berechne, so daß also für alle
Exkremente (einschließlich der meistens verloren gehenden Jauche) nur
b Thlr. übrig blieben. Dagegen unterliegt es keinem Bedenken, daß
der kleine Mann von einer mittelmäßig ernährten Kuh mittleren Ge—
wichts bei gehöriger Vorsicht jährlich für 16 Thlr. feste Auswurfstoffe
und für 14 Thlr. Jauche, also im Ganzen 30 Thlr. nach den jetzigen
Düngerpreisen mindestens lösen könne.
Zur Verhütung dieses Verlustes empfiehlt Dr. Schneider an—
statt des Laubes die für die dortigen Sandgegenden besonders an—
wendbare Erdeinstreu mit gleichzeitiger Benutzung des Gypses, wofür
die Gesammtausgaben in eben jenen Versammlungen pro Jahr und
Kuh auf nur 31/, Thlr. durchschnittlich festgestellt worden seien.
Den Unterschied zwischen Laub und Erde als Einstreumittel gibt
Dr. Schneider wie folgt an:
Das Laub: Die Erde:
saugt den Urin nicht auf, im Ge⸗ saugt den Urin auf und hält
gentheile, es begünstigt dessen Ver- denselben bis zu ihrem Sättig
dunstung durch Benetzung der Blatt- grade vermöge ihrer Absorb—
flächen, resp. größere Vertheilung; tionskraft fest;
an den Blattflächen kleben die mit der Erde mischen sich die
esten Auswurfstoffe an, erfahren festen Auswurfstoffe, werden von

daher eine größere, die Verdunstung
begünstigende Vertheilung;
daher ist das Laub arm an flüch—
tigen Düngestoffen;

derselben eingeschlossen und vor
Verdunstung geschützt;
daher enthält die Erdstreu die
flüchtigen Düngestoffe vollkom—
men fest;
daher fehlt es ihm an treibender, daher hat sie stark treibende und
auch bodenverbessernder Kraft — er den Boden verbessernde Kraft —
J wenig Stroh. sie producirt viel Stroh.
Daß die Anwendung der Erdstreu auch ihre Bedenken hat und
dariu ein Universalmittel nicht zu finden ist, versteht sich von selbst.
Es ist aber jedenfalls ein sehr wichtiges Hülfsmittel, welches viele
Landwirthe bisher nicht genug beachtet haben.
Indem wir es allen betheiligten Staats- und Gemeindebeamten
hiermit zur Pflicht machen, diesem Gegenstande fortan ihre besondere
Aufmerksamkeit zuzuwenden, wenden wir uns vertrauensvoll auch an
die in unserem Bezirke vorhandenen 13 Lokalabtheilungen des land—
wirthschaftlichen Vereins für Rheinpreußen mit dem Ersuchen, diese
wichtige Frage in ihren Versammlungen und Vereinsblättern immer
wieder und wieder zu besprechen. (Amtsblatt.)

Dehnbarkeit des Eisens.
Das „Mining Journal“ schreibt: Es ist interessant, zu sehen,
bis zu welchem Grade man Eisen ausschmieden und auswalzen kann.
Bruder Jonathan bildet sich sehr viel auf den Bären ein, den jener
merkwürdige aus Pittsburg gesandte Brief machte, welcher auf dün—
nes Eisenblech geschrieben war. Das Blech war so dünn, daß 1000
einen Zoll ausmachten. Bald fing man in England an, der Sache
Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die Marjhfieldwerke fabricirten ein
Blatt, von dem 1500 1 Zoll Durchmesser hatten. Noch weiter brach—
ten es die Hope-Eisenwerke und Williams u. Comp.; endlich siegte
aber Marshfield wieder mit einem Blatt, von welchem 2950 auf 1
Zoll gingen. Poulardawe brachte es auf 3799 und endlich siegte der
Werkführer von Kallam u. Comp. mit einem so dünnen Blatte, daß
1800 Stück auf einander gelegt erst einen Zoll Durchmesser haben.
Schon hört man von eisernen Manschetten und Kragen, bald werden
wir wie unsere Vorfahren, wenn auch leichter, ganz in eisernen
Kleidern gehen können.

Vermischtes.
Tiefe der Unterbringung des Knochenmehls. Im
Herbste 1863 bestellte man ein in 2 gleiche Theile getheiltes Feld
mittleren Lehmbodens in der Weise mit Weizen, daß man auf Theil
a. das zur Düngung angewendete Knochenmehl mit der Saatfrucht
seicht unterpflügte, auf Theil b. aber gleich mit der Saatfrucht auf⸗
streute und dann mit untereggte. Auf dem Theile b. bestockte sich
der Weizen schöner, als auf dem Theile a. allein im Frühjahre wurde
die Entwickelung auf dem Theile a. schöner; auch hat der Theil a.
per Morgen 155 Pfd. Körner mehr geliefert, als der Theil b., ob—
gleich außer der verschiedenen Art der Düngerunterbringung alle üb—
rigen Verhältnisse vollkommen gleich waren.
Der Kornwurm. Bekanntlich ist jetzt noch ziemlich viel vorig—
jähriges Getreide aufgestappelt. Daher hört man denn auch mannig—
faltig von Zerstörungen, welche der Kornwurm anrichtet. Zwar ha—
ben wir vor nicht langer Zeit schon einmal über Mittel gegen dieses
gefährliche Insekt berichtet, allein wir glauben den Herrn Landwir—
then wirklich einen Nutzen zu erweisen, wenn wir mittheilen, daß uns
züngsthin Herr Gutsbesitzer Peters in Höllbach schrieb, es sei ihm ge—
lungen, durch Einlegen von Wermuthzweigen in Getreidehaufen die
Kornwürmer vollkommen zu vertreiben. Dieses Mittel ist zwar nicht
neu: allein immerhin noch nicht genugsam bekannt.
Vertreibung des Mooses an Bäumen. Wir machten
schon auf den Nachtheil aufmerksam, den die Obstbäume dadurch er—
leiden, daß Stamm und Aeste oft stark von Moos bedeckt sind. Da
aun gerade die gegenwärtige Zeit zur Vertreibung des Mooses am
geeignetsten ist, so verfehlen wir nicht, ein Mittel mitzutheilen, wel⸗
ches sich noch immer sehr gut bewährt hat. Man bereitet einen dün—
nen Brei aus Gyps und gleicher Menge Töpferthon und bestreicht
damit die bemoosten Stämme und Aeste. Hierdurch verschwindet das
Moos nicht nur, sondern die Bäume erhalten auch eine glatte Rinde
und bekommen ein verjüngtes Ansehen.
            
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