entsprechenden Viehstand halten können, wenn die Luzerne neben der
Esparsette fleißig angebaut wird. Nach Metzger gewährt die Kul—
tur dieser Pflanze in der ehemaligen Rheinpfalz, wo Wiesen oft
zänzlich fehlen, die Hauptnahrung für den nicht unbedeutenden
Viehstand.
Die besonderen Vortheile des segenbringenden Luzernebaues sind
kürzlich folgende: 1) Den höchsten, man möchte sagen, einen unschätz
baren Werth hat die Luzerne in Futternothjahren, die gewöhnlich
burch das Mißrathen des Klee's entstehen. Mancher hat dadurch
seinen Viehstand erhalten können, wenn ihn andere um Spott
preise veräußern mußten. 2) Die Luzerne kann alljährlich auf eine
Dauer von 5 bis 15 Jahren, ausnahmsweise noch länger, 2, 3 bis
und mehr reichliche Futterschnitte liefern. 3) Sie liefert nicht bloß
das zeitigste Frühjahrs-, sondern auch das späteste Herbstfutter unter
allen Kleearten. 4) Die Futterschnitte der Luzerne reihen sich so
recht füglich an die Rothkleeschnitte an. Der erste Schnitt kann vor
dem Rothkleeschnitt genommen werden, und zwischen dem ersten und
zweiten Rothkleeschnitt kann die Luzerne zum drittenmal gemäht wer
den. 5) Auf einen Nachschnitt ist im Herbst noch zu rechnen, wenn
die Rothkleestoppel längst gestürzt ist und wenn es an Kraut- und
Rübenblättern fehlt. 6) Das Luzernegrünfutter bläht das Viel
nicht so leicht auf, als der Rothklee. 7) Es gewährt eine groß
Sicherheit in heißen, trockenen Jahren, wo andere Futterkräuter
Blattgewächse und Gräser so leicht verdorren. 8) Grünfutter und
Heu von der Luzerne ist nicht nur voluminös, sondern auch sehr ge
sund und zugleich nahrhaft. 9) Für die Pferde ist es viel geeigne
ler, als Rothklee, indem sie nach diesem leichter den Durchfall be
kommen und abmagern. 10) In Folge der langen Lebensdauer de
Luzerne werden die jährlichen Kosten für Bodenbereitung, Düngung
und Samen erspart, die man bei anderen Culturpflanzen nöthig hat.
11) Sterile Kalkberge werden durch die Luzerne und Esparsette am
höchsten ausgenutzt, sicher gebunden und für andere Folgefrüchte art
barer gemacht. 12) Man ist mit dem Futterkräuterbau sicherer ge—
stellt, wenn in Folge der Kleemüdigkeit, des Mäuseschadens, der
Auswinterung das Gedeihen des Rothklee's plötzlich unsicher wird.
13) Zur Heubereitung eignen sich die zwei ersten Schnitte vortrefflich
und mindestens ebenso gut, wie der Rothklee. 14) Die Luzerne be
gnügt sich mit einem geringeren Boden, als der Rothklee, wenn die
ser die entsprechenden Bestandtheile enthält. 15) Im Saatjahre ift
sie gegen Dürre weit unempfindlicher, als andere Kleearten. 16) In
warmen Gegenden ist Luzernesamenbau sicherer und seine Erzeugung
scheint nach Schwerz weniger gefährdet zu sein, als beim Rothklee
Ueber die Ursachen der Seidenwürmerkrankheit.
Bekanntlich herrschen hierüber zwei verschiedene Meinungen
Wäre es nicht möglich, daß beide Unrecht hätten und die Wahrhei
zwischen ihnen läge; daß nicht der Baum und nicht die Raupe, son
dern die Nahrung die Krankheit veranlasse? Das heißt die Art und
Weise der Nahrung, nicht sowohl das Blatt selbst. Ich habe im
vorigen Jahr, freilich nur vom Standpunkte und mit den Kenntnissen
des Dilettanten, aufmerksame Studien der türkischen Seidenraupen
zucht in Brussa gemacht und dabei das folgende Resultat gefunden.
Alle Raupen, und es waren wirklich im Versuchshofe des Fran
zosen Dufour von allen existirenden Gattungen je zwei Etablisse
ments neben einander aufgestellt, die nach europäischer Weise gefüt—
tert wurden, waren krank, alle nach türkischer Art gezüchteten gesund
Der Türke gibt sich nicht die Mühe, seinen Thieren die Blätter des
Maulbeerbaumes einzusammeln, er setzt ihnen, sobald sie nur über
die allererste unbehülfliche Jugend hinaus sind, die Zweige selbst vor
Auf den Speichern der Bauernhäuser — viel weniger sorgsam, als
man das bei uns nothwendig glaubt — schichtet er die belaubten
Zweige in Vierecken auf. Die Raupen krabbeln in den Stößen
lustig aufwärts. Je mehr sie unten die Blätter auffressen, so daß
zuletzt nur noch die Ruthen übrig sind, desto mehr legt ihnen der
Züchter oben neue Zweige zu; die unteren werden dann herausge
zogen, ohne daß dem empfindlichen Thiere dadurch die leiseste Be
lästigung zugefügt wird. Auf diese Weise wird das Thier gezwun
gen, Bewegung zu machen, die genossene Nahrung zu verdauen unf
den Appetit zu neuer zu sammeln. Es wird aber überdies vermie
den, daß die Blätter, wie das bei der bloßen Blätterfütterung ge⸗
schieht, in eine Art von Gährung übergehen und der Wurm die
Nahrung nicht nur auf eine üble, seiner Natur widerwärtige Weise,
sondern auch geradezu vergiftet genießt.
Was unsere Seidenraupen zu Grunde richtet, ist nichts, als eine
Indigestion (Unverdaulichkeit) des Magens. Herr Dufour, der
dieses Studium seit Jahren zu seinem Vergnügen und mit großen
Geldopfern betreibt, hat auch beobachtet, daß die einmal verdorbene
Seidenraupenzucht auch krank in ihrer Nachkommenschaft werde. Die
Krankheit ist erblich, aber nicht ansteckend. Mit beitragen zu der
jelben mag übrigens wirklich auch das europäische Maulbeerblatt,
und insofern mag Herr v. Liebig zum Theil Recht haben. Der
Türke verwendet nicht den gezähmten, sondern den wilden Maul—
beerbaum, und dicesen läßt er nicht zum Baum, sondern nur, schon
weil er ihm fortwährend die Zweige abbricht, zum Strauch aufwach
sen. So hätte denn der Türke, den wir verächtlich ob seiner Faul—
heit schelten, in seiner Einfalt das Richtige getroffen, weil er, wie
dies die edle Art des Orientalen ist, sich der Natur näher gehalten
hat. Denn daß es der ursprünglichen Lebensweise der Raupen meht
entspricht, auf Zweigen herumzukrabbeln, statt zwischen Blätterlagen
gepackt zu sein, ist doch einleuchtend. Man versuche einmal was im⸗
mer für eine Raupengattung auf so unnatürliche Art zu erziehen.
wie das bei uns mit den Seidenwürmern geschieht, und man sehe
wie viele Jahre man auf die Vrrderbtheit seiner Zucht warten mur
Gratz, den 14. Juli 1865. GBeilage zu der Allg. Ztg.)
Dürre Jahre.
Nicht selten hört man bei extravaganten Witterungs- oder son
stigen Naturerscheinungen die Meinung aussprechen, als sei Derglei—
hen noch nie oder doch seit Menschengedenken nicht dagewesen. St—
ist es auch mit der Witterung dieses Jahres, besonders des letztver—
zangenen Frühjahrs und Sommers, und dennoch brachte selbst dieses
Jahrhundert mehrere Jahre, deren Frühjahr- oder Sommerwitterung
der heurigen, wenn auch nicht in allen Stücken vollkommen gleich, so
doch sehr ähnlich war. Solche Jahre sind folgende:
1) Das Jahr 1811, ein sogenanntes Kometenjahr und bekannt
als sehr gutes Weinjahr. Nach einem vorherrschend nassen Früh—
linge und Sommer (1810) folgte ein Herbst mit einer beispiellosen
Dürre, in Folge deren die Wintersaat sehr mangelhaft und zum
Theil gar nicht auflief. Der dann folgende Winter war ein sehr
gelinder, brachte aber gleichsfalls nur wenig Nässe. Dagegen war
der April 1811 mehr naß als trocken; dann aber trat eine bis gegen
die Ernte anhaltende außerordentliche Dürre ein und die Ernte
wurde in Folge dessen eine sehr schlechte. Aehnlich wie bei uns ver⸗
lief die Witterung im ganzen Deutschland, weiter in England, Franb—
reich, Spanien, Italien, der Türkei ꝛc.; auch gab es überall in die⸗
sen Ländern eine Mißernte. — Der Wispel Weizen galt 1811 in
Magdeburg im Mai 30 Thlr. und im darauf folgenden Dezember
36 Thlr.; der Roggen im Mai 16 Thlr. und im Dezember 42 Thlr—
Die Preissteigerung würde aber bei weitem noch größer gewesen sein
hätten nicht die Jahre 1809 und 1806 sehr gute Ernten gebracht.
2) Das Jahr 1822, gleichfalls ein sogenanntes Kometen- und
sehr gutes Weinjahr. Auf einen sehr gelinden Winter und vorhert.
schend nassen April folgte eine durchgehende Trockniß und große
Hitze, die fast den ganzen Sommer hindurch andauerte. Auch dies
mal gab es eine geringe Ernte und ähnlich stellten sich die Witte
rungsverhältnisse und Ernteerträge in den obgedachten Ländern; je
aus vielen Gegenden hörte man über eine totale Mißernte klagen.
Damals galt der Weizen im Juni 16 Thlr. und im Juli 41 Thlt.
der Roggen im Juni 16 Thlr. und im Juli 29 Thlr. — Die Ern—
ten der drei vorhergegangenen Jahre 1819, 20 und 21 waren gut
und sehr gut. — Im Jahre 1819 (hier beiläufig erwähnt) belan
der Roggen'am 1. Mai Aehren, blüthe am 12. Mai und die Ernle
begann am 2. und 4. Juli.
3) Das Jahr 1826. Auf einen im Ganzen gelinden Sin
folgte ein Anfangs veränderliches Frühjahr. Dann begann eine Zio
niß, welche sich später zu großer Hitze fteigerte, und wurde die Ern
in Folge eine geringe. Auch diesmal war die Witterung im ganzer