Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Nach beiden Arten, besonders nach den Cognacs, ist in Bor—
deaux stets Nachfrage. Sie kommen theils rein, theils verschnitten
in den Handel und gehen zum größten Theile nach England.
Die in Languedoc, d. h. in den Gegenden von Nimes Mont—
oellier, Cette, Perpignan, Carcasson und Toulouse in enormer Menge
verfertigten Weinsprite stehen den ersten beiden Spriten in Qualität
bedeutend nach. Der Hectolitre bei 86 Grad Stärke wird mit 87
bis 99 Frs bezahlt. In der Regel werden sie mit Wasser bis auf
40 Grund verdünnt und in Frankreich als Branntwein consumirt
oder ausgeführt. Sie behalten trotz der Verdünnung ihren Weinge
schmack bei und werden deshalb allen andern gewöhnlichen Brannt:
weinen vorgezogen und nicht mit andern Spriten verschnitten.
Die Fabrikation der Weinsprite in Frankreich richtet sich nach
dem Ertrage der Weinernte. Je ergiebiger diese war, um so mehr
Sprit wurde fabricirt, so daß die Preise bedeutend fallen. Im um—
gekehrten Falle sucht man so viel Wein als möglich in natura zu
verkaufen. In neuerer Zeit aber ist die Weinconsumtion in Frank
reich selbst, sowie die Nachfrage nach französischen Weinen bedeu—
lend gestiegen, namentlich durch die mit England und Deutschland
abgeschlossenen Handelsverträge. Man glaubt, daß die Umwandlung
der französischen Weine in Branntweine sich dadurch vermindern werde
Rübensprit aus dem nördlichen Frankreich kommt zwar in ansehn—
lichen Quantitäten nach Bordeauxr, er hat aber den Mangel, daß er
einen unangenehmen Beigeschmack hat, der besonders beim Vermischen
mit andern Flüssigkeiten hervortritt. Seine Verwendung ist daher
eine beschränkte und deshalb ist er auch nicht besonders geschätzt
Trotz der Stärke von 90 Grad wird der Hectolitre nur mit 78 Frs
bezahlt. Mehr geschätzt sind die englischen Sprite, die in ansehn—
licher Menge in Bordeaux eingeführt werden, seitdem sie in Folge
des Handelsvertrags mit England nur einen Eingangszoll von 15
Frs. pro Hectolitre reinen Alkohols zu entrichten haben.
Noch höher aber wird der deutsche Sprit auf dem Bordeauxer
Markte geschätzt, da derselbe auch nicht den geringsten Beigeschmack
besitzt. Sie werden daher besonders zum Verschneiden der Cognacs
und Armagnacs benutzt, da sie dem Arom derselben nicht den gering
sten Eintrag thun. Außerdem können sie, von allen übrigen mannich—
faltigen Verwendungsarten abgesehen, selbst zur Fabrikation der
feinsten Liqueurs verwendet werden. Deshalb behauptet auch der
deutsche Sprit bei gleicher Stärke (90 Grad) einen um 10 Frs. hö—
heren Preis als der englische; letzterer wird mit 80, ersterer mit 90
Frs. pro Hectolitre bezahlt. Selbst als der deutsche Sprit einen
doppelt so hohen Eingangszoll zu zahlen hatte als der englische, be—
zog Bordeaur ganz ansehnliche Quantitäten von Berlin, Magdeburg
und Hamburg. Durch den deutsch-französischen Handelsvertrag ist
der deutsche Sprit dem englischen im Zoll gleichgestellt, so daß sich
in der Folge der Absatz des deutschen Spritus nach Frankreich be
deutend steigern wird, und zwar umsomehr, je mehr sich die Nach
rage nach französischen Weinen steigert.
Die hervorragende und ehrenvolle Rolle, die der deutsche Sprit
auf dem französischen Markte spielt, ist um so erfreulicher, als sie
oon neuem Beweis liefert, daß Deutschland die Ueberlegenheit Eng
lands keineswegs zu fürchten braucht. (Nach d. Lpz. Börsenh.)

Apparate zum Kochen von Viehfutter mit Dampf.
In England hat man sehr zweckmäßige einfache Apparate con—
struirt, um das Viehfutter mit Dampf zu kochen. Diese Apparate
werden jetzt auch in Deutschland ausgeführt und haben im Wesentlichen
jsolgende Construction:
Der Kessel ist eingemauert und faßt ungefähr 1050 Litres (à 7,
preuß. Quart) Wasser. Er ist mit einer Kuppel versehen, auf wel
cher sich ein Mannloch befindet, das zum Reinigen des Kessels dient
außerdem ist daselbst noch ein Sicherheitsventil und ein Wasserreser
voir angebracht. Letzteres ist durch ein Rohr mit einem Hahn ver
sehen. Im Kessel befindet sich ein Schwimmer mit Stopfbüchse, wel
cher den Hahn öffnet, wenn das Wasser zu tief sinkt, also den Was
serstand stets selbst regulirt. Unter dem Kessel befindet sich der Ros
und unter diesem der Aschenfall. Von der Kuppelung führt ein wei
tes Dampfrohr in ein eisernes cylindrisches Gefäß, welches zur Auf

nahme des zu dämpfenden Futters dient. Dasselbe steht vertical und
ist in 2 Zapfen, die etwa in der Mitte des Cylinders angenietet sind,
drehbar, so daß ein Entleeren der gedämpften Wurzelfrüchte durch ein—
faches Umkippen des Cylinders erfolgen kann. Die Zapfen sind auf
gußeisernen Lagern aufgestellt die auf Schwellen oder Mauerwerk be—
festigt werden. Derjenige Zapfen, welcher dem Kessel zunächst steht.
ist durchbohrt und für das Dampfzuleitungsrohr mit einer Stopfbüdhs⸗
eingesetzt und gedichtet.
Das Gefäß hat eine Höhe von 30 Zoll und einen Durchmeser
von 22 Zoll. Im Dampfzuleitungsrohr ist ein Absperrhahn —
bracht, um den Dampfzutritt beliebig reguliren zu können. Das Ge—
fäß wird durch einen Deckel verschlossen, der durch einen Bügel und
eine Schraube festgezogen wird. Man bringt gewöhnlich auf jeder
Seite des Kessels einen solchen Kochchlinder an. In Berlin hat J
Eckart einen solchen Apparat construirt. Zur Aufstellung desselhen
ist ein Raum erforderlich, welcher einen Schornstein oder ein soge⸗
ianntes russisches Rohr enthält, weil der Kessel ein ähnliches Maue
werk bedarf, wie ein gewöhnlicher, zu Wirthschaftszwecken dienender
offener Kessel. Der Raum, welchen der Kessel mit einem Kochfaß⸗
bedarf, ist ungefähr 8 Fuß lang und 5 Fuß breit. Die Construction
des ganzen Apparates ist einfach und mit Hülfe einer beigegebenen
Bebrauchsanweisung ist er von jedem Arbeiter leicht zu bedienen. De
Dampfentwickler besteht aus einem länglich runden Kessel, welcher
mit einem halbkugelförmigen Deckel mittelst Schrauben und Hanfzop
dampfdicht verschlossen ist; auf letzterem ist die nöthige Armatur, al⸗
Speisevorrichtung, Schwimmer und Sicherheitsventil befestigt. Erstere
besteht aus einem trichterartigen Gefäß, welches mit dem Kessel mit
telst eines durch einen Hahn verschließbaren Rohres verbunden ist
Das nöthige Speisewasser wird nun in dieses Gefäß geschöpft und
durch Oeffnen des Hahnes durch den eigenen Druck dem Kessel zuge
führt. Da die Höhe des Gefäßes über dem Niveau des Wassers in
Kessel nur ungefähr 30 Zoll beträgt, so leuchtet ein, daß die Spau—
nung in demselben nur äußerst gering sein darf, denn wäre der Drud
im Kessel größer als der Druck der ungefähr .2 Atmosphäre betrs—
zenden Wassersäule, so würde der umgekehrte Fall eintreten und
das Wasser, statt in den Kessel zu fließen, aus dem Gefäß heraus
zgetrieben werden. Es kann also von einer eigentlichen Spannung
nicht die Rede sein, und deshalb eine Gefahr bei Anwendung des
Apparates durch Zerspringen nicht eintreten. Diesem niederen Drude
entsprechend ist auch das Sicherheitsventil eingerichtet; dasselbe ist mit
einer Bleikugel direct belastet und so justirt, daß es bei größerrer
Spannung nicht nur gehoben, sondern aus seinem Sitz herausgewor—
fen wird, so daß alle überflüssigen Dämpfe von selbst entweichen könner
Zur Erkennung des richtigen Wasserstandes ist ein sogenannter Schwim
mer angewendet.
Die Einmauerung des Kessels geschieht auf ähnliche Weise, m
bei einem gewöhnlichen Waschkessel; zur Ersparung von Brennmite—
rial sind jedoch längere Züge vortheilhaft und ist es daher vorzuziehen
dieselben spiralförmig um den Kessel herum zu führen; zu diesem Be
hufe wird eine Zeichnung geliefert; auch werden die nöthigen Thüren
mit Zarge und ein Rost beigegeben, so daß zum Heizen des Kessel⸗
jedes Brennmaterial verwendet werden kaun. Neben dem Kessel zu
beiden Seiten stehen die Kochgefäße; dieselben lassen sich auch von
Holz anfertigen, doch werden dieselben der Leichtigkeit und Dauerhas—
tigkeit wegen aus Eisenblech mit gußeisernem Boden und Deckel an
gefertigt. Jedes dieser Kochgefäße kann gegen 4 Scheffel Kartoffeln
aufnehmen. Das Ueberführen der Dämpfe in diese Fässer geschieht
durch ein gußeisernes Rohr, welches, da dieselben in drehbaren Achsen
ruhen, mitten durch diese geführt ist und bis dicht auf den Boden
reicht; zum Dichten des Rohres in der Achse ist eine Stopfbüchse an
gewendet. Innerhalb des Fasses, etwa drei Zoll vom Boden entfernt—
ist noch ein fein durchlöcherter zweiter Boden befindlich, unter welchem
die Dämpfe eintreten; der dadurch entstehende leere Raum dient zu
Aufnahme des condensirten Wassers und ist zum Abfließen desselben
eine Oeffnung an der tiefsten Rolle des Gefäßes vorhanden; zum Ver
ichließen dient ein gewöhnlicher Holzpfropfen. Ein häufiges Ablaßfe
dieses Wassers ist in sofern nöthig, als bei Ueberfüllung des Raume
die Dämpfe dann in dasselbe treten und dadurch das schnelle Zerkochen
bedeutend verhindern.
Da bei ordentlichem Betriebe man im Stande ist, in einer Stun⸗
die Kochfässer sehr bequem abzudämpfen und wieder zu füllen, ĩp
            
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