Nicht weniger als üble Gewohnheit, Ungeschick, Unverstand, In—
dolenz und Irrthum der Hufbeschläger, verschuldet der Mangel eines
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Jahren erkannt und empfunden, und wäre ich praktischer Hufbeschlä
ger gewesen, so wäre jenem Mangel schon eben so lange wahrschein—
lich abgeholfen. Apparate, Maschinen und Instrumente heben und
veredeln die Gewerbe, und diese vervollkommnen und erweitern sich
mit jenen und dem Bedürfniß; manche haben ganze Gewerbe umge—
staltet und auf eine neue Stufe der Vervollkommnung gestellt. Hoffen
und wünschen wir, daß mit der Erfindung eines neuen, zweckent
sprechenden Instruments für die Zurichtung des Pferdehufs zum Be—
schlage, auch für diesen eine neue Aera anbricht und derselbe auf die
jenige Stuse der Vollkommenheit erhoben wird,, auf: der er nothwen
dig stehen muß; daß damit der Zeit und dem Bedürfniß, wie es
unser Jahrhundert der Intelligenz und des industriellen Fortschritts
gebiekerisch fordert, Rechnung getragen wirrd.
Der Hufbeschlag ist, dies bedarf keines Beweises, mehr als ir—
gend ein anderes Gewerbe gegen die Anforderungen der Zeit und
des Bedürfnisses zurückgeblieben, er bedarf einer Umgestaltung und
eines Aufschwunges nothwendig, dies lehrt uns die tägliche Erfah—
rung und beweist uns die Literatur desselben. Ein Instrument, das
dem Zwecke der Zurichtung des Hufes in vollkommner Weise ent
spricht, muß nothwendig jene Umgestalttung wie jenen Aufschwung
im Gefolge haben; denn da beides ohne solch Instrument unmöglich
ist, ist es mit demselben naturgemäß. Kein Instrument, das nicht in
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entsprechen; dies habe ich seit Jahren erkannt und darum auf die
Herstellung eines solchen Instruments gesonnen und hingearbeitet und
so ist es mir schließlich gelungen, den Hufhobel darzustellen, der den
Anforderungen und dem Zwecke vollkommen entspricht. —
Es sind vorzugsweise 3 Momente, welche der Zwecdc des Instru—
ments erfordert und die das von mir erfundene, insofern in der
Tonstruktion und der Anwendung desselben die Idee des Hobels zum
Grunde gelegt ist, vollkommen erfüllt:
1) Instrument muß von der Tracht zur Zehe, also mit dem Laufe
der Hornfaser schneiden.
MEs muß eine möglichst vollkommen glatte Tragefläche schneiden,
so daß jedes gut gearbeitete und gerichtete Eisen dalt aufgena—
gelt werden kann und dicht anschließend paßt.
Es muß damit ein beliebig dicker oder dünner Spahn geschnit
ten werden können, und die Möglichkeit, mit dem Messer den
Aufhalter, den Huf oder einen andern Theil des Pferdes zu
verletzen, muß ausgeschlossen sein.“
Da der Hufhobel von der Tracht zur Zehe schneidet und so dem
vaufe der Hornfaser folgt, so bedarf er weniger Kraftaufwand, als
unser Stoßmesser; er beleidigt, resp. lädirt auch nicht die schwächere
Strecksehne und das Fessel- und Kronengelenk; seine Wirkung hat
allein die überaus starke Beugesehne des Fußes auszuhalten, für die
sie vollkommen indifferent ist. Daher stehen denn die Pferde beim
Auswirken mit dem Hufhobel viel ruhiger und werden durch dasselbe
nie sehnen- oder gelenklahm.
Da der Hufhobel einen vollkommen ebenen Tragerand schneidet,
so kann jedes gut gearbeitete und gerichtete Hufeisen ohne Weiteres
kalt aufgenagelt werden. Dies hat den Vortheil, daß das Eisen,
dichter anliegend, fester sitzt und überall gleichmäßig drückt, womit
Hufentzündungen, Hufgeschwüre, Steingallen und lose Wände ver
mieden werden. Ferner macht es das so überaus schädliche Aufbren—
nen, zum Zwecke des Nachputzens der Tragefläche, überflüssig, welches
die meisten Hufe total verdirbt, sie spröde, hart, brüchig und rissig
macht, Flach- und Vollhufe erzeugt, die schließlich keinen Beschlag
mehr zulassen; lose Wände und Hornspalten hervorruft und dami
dauernde Lahmheit und Unbrauchbarkeit der Pferde bewirkt. Es ge—
währt ferner den Vortheil, daß der ganze Beschlag im Stalle voll
zogen werden kann, sobald die Eisen nach Maß vorher passend an
gefertigt worden sind, und es bedarf alsdann nicht des lästigen, oft
mit Gefahr verbundenen Zuführens der Pferde zur Schmiede, wo
diese den Erkältungen ausgesetzt sind und oft unruhig und scheu wer
den und dabei sich verletzen. Endlich wird die Anwendung der Ras
pel zum Ebenen des Tragrandes überflüssig. Somit wird bei de
ganzen Operation, als ein weiterer wesentlicher Vortheil, noch di
Hälfte der Zeit erspart.
Die Verletzungen des Hufes, die mit allen bisher bekannten
Auswirk-Instrumenten nur die geschickteste Uebung und Sicherheit,
bei Beobachtung der sorgfältigsten Vorsicht vermeiden kann, erfolgen
nur zu oft, sind in manchen Fällen gefährlich und verursachen in
vielen Fällen lange schmerzhafte Lahmheiten und Unbrauchbarkeiten, in
andern wohl gar Verkrüppelung des Hufes und dauernde Unbrauchbar⸗
keit. Diese Verletzungen vermeidet der Hufhobel gänzlich, da seine
Klinge nie tiefer dringen kann, als sie über dem Schuh und Vor—
läufer vorsteht, dies ganz in dem Belieben des Operateurs liegt, der
die Klinge nach der Härte und Dicke des Hufhornes, namentlich der
Sohle, durch den Hammer oder die Hand nach leiser Lösung des
steils betiebig stellt und damit zugleich die Dicke des abzuschneidenden
dornspahns, den vian so fein wie Postpapier liefern kann, bestimmi
Verletzungen, wie sie mit unserm deutschen Stoßmesser dem Aufhal⸗
ter des Pferdefußes und dem Pferde an andern Körpertheilen os
zugefügt werden, sind mit dem Hufhobael unmöglich.
(Schluß folgt.)
Das Bier der Alten.
In der kaiserl. österr. Hofbibliothek hat man interessante Nottze
über das Bier der Alten aufgefunden. In einem geschriebenen Buch
von Dr. Guntram findet man eine Mittheilung unter dem Titel
„Von der göttlichen edlen Gabe der philosophischen hochtheuren und
vunderbaren Kunst, Bier zu machen. 1397.“
Er sagt in seiner Einleitung Folgendes: Das Wort Bier ist aus
dem Bibere entstanden; dieses Getränk ist bereits über 2000 Jahre
bekannt. Archilochus (720 v. CEhr. Geb.) nannte dieses Getrint
Vinum hordeaceum (Gerstenwein). Plinius (100 n. Chr.) spricht
von Bier und sagt in einem Capitel über Suff-Untugenden: „Die
Menschheit soll sich nicht mit diesem abscheulichen Getränk verderben
gebet nur ein Bischen Schwefel hinein und das Höllengebräu ist
fertig.“ Aus diesem Ausspruch geht hervor, daß es auch die Alten
oerstanden haben, schlechtes Bier zu brauen. Es dauerte sehr lange,
bis man die Bierbrauerei zu einem eigenthümlichen Gewerbe erhob
erst im 14. Jahrhunderte bildeten sich Zünfte diefes Faches, wo aber
auch gleichzeitig Gesetze erschienen, welche die Biererzeugung unter
strenge Controle setzten. Eine solche Brauerei von bedeutender Aus⸗
dehnung wurde in Zittau errichtet, wo man in einem Kessel von
Kupfer 10 Eimer Bier auf einmal braute. Dieses geschah im Win—
ter des Jahres 1390. In demselben Jahre erschien eine Rathsver
ordnung, welche unter Anderm sagt: „Die Gerichtsobrigkeit soll ein
wachsames Auge auf die Biersieder und Wirthsleute haben, so da⸗
Bier verschlechtert und die Menschheit verderbet.“ So heiß es auch
im XII. Capitel in Bezug auf Biersiedereiconcession: „Biertrunk i⸗
ein Labesal für Ritter und tugendliche Mannen, so christendli
denken und handeln, darum sollen unchristendlich Hantirer, die keir
Heiligthumb haben, nicht brauen törfen.“ Im Capitel XV. heißt es
„Mischknechte die jämmerliche Kerle sind und mit bösartige Krank
heit behaftet und ketzerische Gedanken umgehen, sind vom Bierkesse
auszustossen. — Komödianten und wohlberedte Poeten törfen fürder
allerhand Gesang und Lobpreiß diesem Labesal öffentlich spenden ꝛc.
Daß schon zu jener Zeit die Obrigkeiten das öffentliche Brau—
wesen streng überwachten, geht aus Folgendem hervor: Der Prage
Rath erließ im Jahre 1396 eine Verordnung, in welcher die Einfuhr
von Zittauer und Schweidnitzer Bier in so lange gestattet wird, bis
die Prager Brauherren ein eben so gutes und gesundes Bier erzeu
zen werden. Indem die Bereitung dieses Getränkes immer mehr
zunahm, so beschloß man auch, daß selbes gut und unverfälscht ab—
gegeben werde, wozu eigne Bierproben veranstaltet wurden. Eine
dieser Bierproben wird ihrer Sonderbankeit wegen erwähnt. St
mußten die Brauherren zu Bernau in Brandenburg in ledernen Ho
jen in die Stadtbrauerei sich begeben, wo allwöchentlich einer dieser
belederten Herren ein Gebräu machen mußte, und das von einen
solchen Brauherrn gebraute Bier wurde nur dann für gut erklärt
wenn ein damit bestrichener Schemel, worauf sich dieser setzen mußte
an der Lederhose so kleben blieb, daß er damit aufstehen konnte
Das war die damalige Areometrie (Messung des specifischen Gewichts
einer Flüssigkeit).
Dazumal waren an 200 Gattungen Bier bekannt. Diese unge—
heure Zahl rührt daher, daß jedes Bier nach seinem Brauorte ae