Scheibe, Strahlblume so kurz, daß man sie fast nicht sieht. Gemein
an überschwemmten Plätzen, auf nassen Tristen und in Gräben
Europa's und Mittelasiens. Blüht von Juli bis October. Einjährig
Die ganze unansehnliche Pflanze riecht stark, aber sehr unangenehm
und erregt leicht Niesen. Sie war früher gegen Unterleibskrankhei
ten sehr gebräuchlich. Ihr Geruch soll die Flöhe vertreiben.
Ueber Artemisia Absinthium dürfte kein Zweifel obwalten.
Nachdem von Maquet dem etwaigen Einwande begegnet wor
den, daß die Veröffentlichung eines Heilmittels der Löserdürre müßzig
erschiene, da seine Anwendung, wie jeder insgeheim vorgenomment
Heilungsversuch von bereits angesteckten Rindern streng verboten sei
wird eine bezügliche Bekanntmachung des Krakauer Magistratsrathes
Joseph Bernowsky aus der „Krakauer Ztg.“ vom 13. Apri
1864 wiedergegeben, in welcher rücksichtlich der Anwendung gesag
wird
„Diese beiden Pflanzen werden zur Zeit ihrer Blüthe gesammelt,
weil da die Säfte am kräftigsten sind. Man schneidet sie klein wie
Häcksel und trocknet sie an einem schattigen und trockenen Orte, und
an einem solchen werden sie auch aufbewahrt. Sie können sowoh!
im frischen als auch im trockenen Zustande angewendet werden. Be
der Anwendung des Mittels wurden die beiden Pflanzen in gleicher
Theilen gemischt und mit reinem Kornmehl zu einem Teig wie zun
Brotbacken angemacht. Von diesem wurden Kugeln in der Größt
einer mäßigen Faust geformt, diese flach gedrückkt und von den ge
mischten Pflanzen für ein ausgewachsenes Rind so viel genommen,
als man zwischen den Fingern erhalten kann; diese Dosis wurde ir
den Teig gewickelt und letzterer abermals zu einer Kugel gewalkt
Für jüngere Rinder wurde etwas weniger von den Pflanzen genom
men und wurden auch kleinere Ballen geformt.
„Diese Ballen werden bei der im Orte grassirenden Löserdürr«
dem gesunden Rinde, und zwar je zu einem Stück, als Präservatir
dem bereits erkrankten, jedoch nur so lange es wiederkäut, als Heil—
mittel beigebracht, resp. in den Schlund hineingesteckt. Von dem
Momente des dem Thiere beigebrachten Mittels an darf dasselbe
durch 24 Stunden kein wie immer geartetes Getränk erhalten, weil
es im andern Falle ohne Weiteres aufplatzen würde. Man muß
demnach die Stunde des Eingebens sich genau notiren. Nach Ablaus
der 24 Stunden ist es seh. vortheilhaft, dem Thiere ein schleimiges,
etwas fettes Getränk zu reichen; ich nahm gewöhnlich abgekochte
Stoppelrüben mit aufgeweichtem Hanfkuchen, gemischt mit Schrot oder
Weizenkleie, welches Getränk sich als Nachkur vortrefflich erwies.
Den ersten Versuch mit meinem Mittel machte ich im Jahre 1834
bei der in meiner Heimath stark grassirenden Rinderpest. Ich über.
nahm zwei von dieser Krankheit befallene, und von dem Eigenthümer
bereits aufgegebene Ochsen. Da ich bemerkte, daß noch beide wieder
käuten, wurde ihnen mein Mittel auf die obige Art beigebracht, und
ich hatte das Vergnügen, meine beiden Patienten in 48 Stunden gan—
hergestellt zu sehen.
Nach diesem ersten gelungenen Versuche habe ich meine Kur
weiter ausgedehnt und in einem einzigen Orte gegen 80 Stück Rin—
der, welche ich in Behandlung nahm, glücklich gerettet. Dieser gün
stige Erfolg erregte die Aufmerksamkeit der ganzen Gegend, und ich
hatte durch 8 Wochen nichts andres zu thun. als meine Mittel zu
hereiten.
Ich machte von meinem Mittel auch als Präservativ Gebrauch
Ein herrschaftlicher Stall, worin über 40 Stück Rinder standen
wurde von der Rinderpest ergriffen. Als schon mehrere Stück ar
der Seuche gefallen waren, ließ ich 3 Kalbinnen, die noch gesund
waren, mein Mittel beibringen, und alle drei sind von der Krankhei—
ganz verschont geblieben, obschon sie in dem inficirten Stalle blieben.“
Herr Maquet schließt seine Abhandlung mit der dringenden
Bitte um Anstellung von Versuchen unter der Leitung Sachkundige—
und um Veröfientlichung gewonnener Resultate.
(Nach d. Centralhl. f. d. gesammte Landescultur.)
Vermischtes.
Bei dem am 22. und 23. October in Mannheim abgehaltenen
landw. Vereinsfest des Pfalzaaues in Baden hielt Hr Prof Rau
von Heidelberg einen sehr interessanten Vortrag über die Vereinbo
rung des Zollvereins mit Oesterreich. Der Redner entwickelte zuerf
in höchst anziehender Weise eine Paralelle zwischen den Productions
verhältnissen am Rhein und zwischen denen des großen Oesterreis
und speziell von Ungarn und Serbien. Er wieß nach, wie günstig
sich dies Verhältniß für Ungarn gestaltet, wo dermalen, um nur Ei
Beispiel zu wählen, der Zollcentner Heu auf kaum 5 Sgr. zu stehen
kommt, während bei uns der Käufer einen Preis von 11/2—2 Thlr
dafür anzulegen sich genöthigt sieht. Die gleichen Verhältnisf sind
aber auch für den Handelsgewächsbau maßgebend, wie ja schon vor
Abschluß des Vertrags der ungarische Weizen unserm einheimischer
Product eine so fühlbare Concurrenz gemacht hat, die sich sicherlith
noch immer steigern wird. Fast das Gleiche ist von den ungarischen
Weinen zu sagen. An der Hebung des Weinbaues wird in Ungarr
verhältnißmäßig viel energischer gearbeitet als bei uns, wie wir j
erst dieser Tage wieder Gelegenheit hatten zu lesen, daß der Kaise
von Oesterreich zur Gründung einer Acker- und Weinbauschule ein—
Summe von 60,000 Thlrn. angewiesen hat. — Leider hat sich de
Heutransport, der durch die Heupressen so sehr erleichtert ist, bei un
noch nicht so eingebürgert, wie er es verdient, wogegen der Vieh
transport wesentliche Erleichterungen erfahren hat, so daß die Ein
führung von ungarischem Mastvieh bereits zu einem namhaften Han
delszweig herangewachsen ist, und unsern Fleischzüchtern bedeutend
Concurrenz macht, was eben, wie oben angedeutet, in den geringe—
Futterpreisen seinen Grund hat. Anläßlich dieses Satzes schaltet Hr
Prof. Medicinalrath Fuchs von Karlsruhe die Bemerkung ein, aud
aus den russischen Staaten würde uns durch Verringerung der Qu—
rantainezeit an der russischen Grenze von 21 auf 7 Tage eine ehl
noch nicht berechenbare Concurrenz erwachsen, da sich in Südrußland
ein zur Viehzucht und zur Viehmästung so günstiges Terrain vor
finde, wie kaum anderwärts. Als Beweis hiefür mag die großarti
Production von Talg in Südrußland dienen.
Als Mittel, um dieser unsere Landwirthe so bedrohenden Con
currenz entgegenzutreten, fordert Herr Prof. Rau:
zine gründliche, auf die Kenntnisse der Naturgesetze begründet
Bildung des Landwirthstandes im Allgemeinen;
eine intensive, von den Hülfsmitteln der Neuzeit gehobene Be
wirthschaftungsweise;
Hebung der Viehzucht im Allgemeinen, der Rindviehzucht speziell
Tiefbau unserer Felder, um eine größere Productivität zu er
zeugen und endlich
die Cultur solcher Handelsgewächse, deren Absatz in unserer Näh
ein gesicherter ist, als Gerste, Hopfen, Tabak ꝛc. ꝛc.
Die daran sich knüpfende Discussion beleuchtete manche Punki
der oben angeführten Grundsätze näher, ergab aber als schließliche
Resultat die vollständige Uebereinstimmung der anwesenden National
ökonomen und Landwirthe mit dem Hrn. Redner.
Allenthalben taucht die Frage auf, wie dem Moose auf Wi
sen zu begegnen und ein reicherer Graswuchs zu erzielen sei. De
verschiedenen Mitteln, die zu diesem Zwecke schon in Vorschlag ge
bracht worden sind, reihen wir eines an, das, unserer Erfahrun—
nach, besonders auf etwas schwammigen Wiesen, alle andern ülber
trifft. Man fahre Sand, oder auch stark sandigen Boden zu einen
Zaufen zusammen, begieße denselben täglich mit Jauche, damit
ortwährend durchfeuchtet ist. Nach jedesmaligem Begießen streue ma
zanz dünn Gyps darüber. Derselbe hindert bekanntlich den stan
riechenden Stoff der Jauche, genannt Ammoniak, am Verpflüchtigen
Etwa alle 8 Tage wühle man den Haufen tüchtig durcheinander. b
man 4 bis 5 Wochen lang den Sand täglich gepfuhlt und gegype!
dann bringe man ihn auf die Wiese. Dort ausgestreut wird de
Sand, seiner Schwere wegen, das Moos niederdrücken und so demse
ben den Luftzutritt abschneiden. Die dem Sande durch die Jaus
beigegebenen Düngerstoffe (Ammoniak und Kali) werden das Wach⸗
thum der guten Gräser rasch begünstigen und der üppige Graswuch
wird dann das Moos vollends ersticken. Seit 7 Jahren haben w
mit diesem Verfahren Versuche anstellen lassen, deren Resultate
überraschend waren, daß sich der so bereitete Sandcompost bei Ii—
die die betreffenden Wiesen früher kannten und später sahen, des groͤnt
sten Beifalls zu erfreuen hafte