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5r
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M 137.
Ueber die Giftpflanzen Deutschlands, besonders über
diejenigen, welche in unserer Nähe wachsen.
Vortrag gehalten im Maadeburger Gartenbauverein am 12. October 1864.
Echluß.)
Ich gehe nun zu einer ziemlich umfangreichen Gattung der Gift
pflanzen, der Familie der Euphorbiaceen oder Wolfsmilcharten, über.
Diese Familie ist fast über die ganze Erde verbreitet und ihre äußere
Form eine so verschiedene, wie wir sie kaum bei einer anderen Pflan
zengattung antreffen. Während dieselben bei uns nur frautartig
sind, werden sie in heißen Ländern (welche im weitern Sinne die
eigentliche Heimath der Euphorbiaceen sind) strauch-, fast baumartig
bis zu 10 Fuß Höhe, oft auch erscheinen sie als cactusähnliche Pflan—
zen meist ohne Blätter.
Sämmtliche Arten der Gattung Wolfsmilch (Puphorbia) stehen
ich in ihren Eigenschaften und Wirkungen sehr nahe. Sie enthalten
einen scharfen bittern Milchsaft, dessen Wirksamkeit auf einem schar
fen Harze beruht. Die Samen enthalten ein fettiges Oel, das gleich—
falls eine nicht unbedeutende Schärfe besitzt und wie die übrigen
Theile dieser Pflanzen und der Milchsaft derselben purgirend wirkt.
Diese purgirende Wirkung der Wolfsmilcharten ist eine sehr heftige;
es stellen sich meistentheils Erbrechen und empfindliche Kolikschmerzen
ein; leicht entwickelt sich eine Unterleibsentzündung, welche auch tödt:
lich ablaufen kann. Da nun die Wolfsmilch zu den drastischen
Pflanzengiften gehört, so sind auch die Gegenmittel, schleimige Ab—
kochungen, als Getränk oder Klystiere anzuwenden.
Die am häufigsten bei uns vorkomemnden Arten sind: die ge
meine Wolfsmilch; Esels- oder Teufelsmilch; Cypressen- oder Tan—
nenwolfsmilch; Sonnenwendige und die breitblättrige, außerdem noch
die Sumpfwolfsmilch (Buph. esala, cyparissias. helioscopa, pla—
yphyllos und palustris).
In der Arzneikunde wird nur das Harz von Ruph. antiquorum
»fficinarum und canariensis äußerlich als blasen ziehendes Mittel an
zewendet.
Zwei andere Pflanzen, welche den früher angeführten in ihren
giftigen Eigenschaften nicht nachstehen und durch ihre Frucht zum
Genuß reizen, sind die Tollkirsche (Atropa belladonna), auch Wolfs
kirsche genannt, und die Einbeere (Paris quadrifolia).
Die Tollkirsche wächst nicht bei uns, sondern in niedern frucht
baren, sonnigen Bergwaldungen im mittleren und südlichen Europa,
Sie bringt eine okergelbe, glockenförmige Blume, mit schmutzig violett—
braunen Saume; die Frucht ist rund, etwas niedergedrückt, im reifen
Zustande glänzend schwarz, in der Größe einer Kirsche. Die Pflanze
gehört eben zu denjenigen Giftgewächsen, welche am häufigsten zu
Vergistungen Anlaß geben, indem ihre hübsche Beeren oder Früchte
nicht allein Kinder, sondern auch unerfahrene Erwachsene nicht selten
zum Genuß einladen.
Brechmittel und saure Flüssigkeiten werden als Gegenmittel an—
zewendet.
Die Einbeere (Paris quadrifolia) wächst fast überall in Europa
n feuchten, schattigen Waldungen; sie hat einen glatten, 8—ÿ12*
gohen Blüthestengel, an welchem sich oben 4, auch 8 eirunde Blätter
befinden, welche quirlförmig stehen, aus deren Mitte —R
zrüne Blüthe erhebt und welche später eine bläuliche, runde zum Ge—
nuß einladende Frucht trägt, welche nicht so gefährlich wie die vorher
gehende in ihren Wirkungen ist.
Die hei uns auf feuchten Miesen machsonde cehr umfanagreiche
Donnerstag den 16. November
1865.
Familie der Hahnenfußarten (Ranunculaceen) haben für den Menschen
nichts gefahrbringendes, indem dieselben nicht zum Genuß einladen;
mehr schädlich wirken sie für das Vieh als Grünfutter, getrocknet hin—
gegen sind sie unschädlich, indem der Giftstoff durch das Trocknen sich
verpflüchtigt.
Bevor ich nun zum Schluß der blattartigen Giftpflanzen komme,
will ich Ihnen noch einige vorführen, welche uns durch ihre Blüthen
erfreuen und deshalb in Gärten vielfach gezogen werden. Wenn auch
Erwachsene sich blos mit dem Ansehen begnügen, so möchte ich doch
warnen, Kinder dergleichen Samen und Blumen zum Spielen zu ge—
ben, weil eben Kinder gern alles zum Munde führen und dadurch
leicht erkranken können.
Eine unserer ersten Frühlingsblumen ist der Kellerhals (Daphne
meézereum; laureola; eneorum), auch Seidelbast genannt, mit schönen,
wohlriechenden Blumen und scharlachfarbigen Beeren. Die Pflanze
ist in allen ihren Theilen sehr giftig; der Bast, auf die Haut gelegt,
ist blasenziehend.
Ihm jolgt in der Blüthezeit die Kaiserkrone (Fritillaria imperialis),
eine stattliche Blume, welche wohl jeder kennt. Der Honigsaft
im Kelche der Blume ist Brechen erregend, und aus der knolligen
Zwiebel, welche zwar auch giftig ist, läßt sich ein Mehl ausscheiden
welches sehr nahrhaft sein soll.
Eine andere schöne Zierpflanze in den Gärten ist der rothe Fin—
gerhut (Digitalis purpurea); er ist eine der schärfsten Giftpflanzen.
Eben so zählt der Eisenhut (Aconitum Napellus), auch Sturm—
hut, Mönchskappe genannt, mit allen seinen vielen Arten zu den sehr
heftig wirkenden Giftpflanzen. Die schöne blaue, mit einem Helm ge—
krönte Blume erscheint auf 324 Fuß hohen Stielen in einer lockern
Aehre.
Beide Pflanzen sind Waldbewohner.
Die Herbstzeitlose (Colchicum autumnalis) gehört auch hierher.
Sie wächst in ganz Deutschland auf feuchten Wiesen und ist mit ihren
lilafarbigen Blumen die letzte Zierde des Herbstes. Die länglich ei—
förmige Frucht erscheint im nachfolgenden Frühjahr mit den ersten
Blättern, weshalb auch unsere Vorfahren glaubten, daß die Herbst—
zeitlose vor der Blüthe Früchte trage.
Hiermit lassen Sie mich für heute schließen; in einer späteren
Versammlung werde ich mir erlauben, Ihnen die giftigen Schwämme
vorzuführen.
F. Lorentz,
Obergärtner in der Sudenburg
Heilmittel gegen die Rinderpest.
Von E. Maquet.
Dieses Mittel besteht aus Gaben von Pulicaria vulgaris (ge—
meines Flöhkraut; Christinenkraut) und Artemisia Absinthium (ge—
meiner Wermuth-Beifuß). Die offizielle Charakterisirung des ersteren
durch Prof. Dr. Kosteletzky ist folgende:
„Rispiger Stengel, aufrecht, 6 bis 15 Zoll hoch, stielrundlich,
e twas zottig, selten mit den Blättern fast kahl, von der Mitte, oder
bisweilen schon vom Grunde an, in abstehende Aeste getheilt. —
Die welligen, zottigen Blätter, länglich oder fast spatelig, stumpf
mit kurzem Spitzchen. — Blüthenäsichen den Blättern gegenständig.
Körbchen gelb, klein, end- und achselständig, kurz gestielt, Hüllblätt⸗
chen sehr schmal lineal, zugesnitzt, z2uttia,. so lang, als die fast flach⸗