in Belgien und in den Frankreich damals einverleibten Rheinprovinzen,
aber auch diesseit des Rheins, entstanden. Die Fabrikation der In—
diennes entwickelte sich im Elsaß und eine wichtige landwirthschaftliche
Industrie, die Rübenzuckerfabrikation, welche heut zu Tage in den mei—
sten Ländern des Continents dem Rohzucker tüchtige Concurrenz macht,
bildete sich damals und machte rasche Fortschritte.
Die continentale Industrie jedoch, des mächtigen Hülfsmittels der
Maschinen entbehrend, war im Allgemeinen noch zu schwach, um gegen
die englischen Manufakturen anzukämpfen, deren Organisations-Supe—
riorität erst recht nach dem Aufhören des Continentalsystems zu Tagt
trat. Das Festland wurde mit einer Unmasse von Fabrikaten über—
schwemmt, die England unter dem Titel Subsidien zu erbärmlich niedrigen
Preisen lieferte, und so führte die britische Einfuhr in den ersten Jah—
ren nach Abschluß des Friedens eine Industrie-Krisis herbei, in deren
Folge man fast überall mittelst der Steuergesetzgebung Beschränkungs
maßregeln zu nehmen beschloß.
Frankreich unter der Restauration und Rußland 1821 traten mit
vollen Segeln in das Prohibitivsystem ein. Oesterreich hatte dasselbe
seit Maria Theresia und Joseph II. conservirt, die Niederlande und
1828 sogar die Verein. Staaten von Amerika nahmen Schutzzolltarife
an. Die Schweiz allein fuhr fort, sich der Vervollkommnung ihren
alten Industrie zu befleißigen, ohne den Schutzzoll zu Hülfe zu nehmen
und Preußen begnügte sich in seinem Tarif von 1818 davon einen
mäßigen Gebrauch zu machen. Diese Macht hatte außerdem eine drin—
gende Mission zu erfüllen, nämlich die, den Binnenmarkt Deutschlands
von dem Hemmniß einer Menge Zollschranken zu befreien, welche zwi⸗
schen den kleinen Staaten dieses Landes errichtet waren; es gelang ihr
im Jahre 1833 durch die Gründung des Zollvereins, an welchem allt
jene Staaten nach und nach Theil nahmen, mit Ausnahme Holsteins
Mecklenburgs und der Hansestädte. Die Bildung dieser Vereinigung
oerdient als eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte des Han—
dels neuester Zeit bemerkt zu werden, sie erhob Deutschland wieder zu
dem Range einer der größten commerciellen Mächte, den es seit dem
Verfalle der Hanse verloren hatte.
Im Allgemeinen stellt sich der lange Friede, den Europa seit 1815
fast ohne Unterbrechung genossen hat, dem Geschichtschreiber, ungeachtet
der vorübergehenden Uebel, mehrere Revolutionsmomente, Krisen und
peinliche Uebergänge, als eine Epoche dar, welche bezüglich der Wich
tigkeit und Andauer der Fortschritte, in der Landwirthschaft, der Indu
strie, der Schifffahrt und des Handels, mit keiner anderen zu vergleichen
ist. Die Wunder der gegenwärtigen Civilisation sind zum größeren
Theil die Frucht der immensen vollendeten Arbeiten durch das mensch—
liche Genie und der menschlichen Thätigkeitsbestrebungen in dem kurzen
Zeitraume von ca. 50 Jahren.
Der Einführung der Dampfschifffahrt zur See folgte bald die
Schoöpfung der Eisenbahnen, welche sich von England nach den Verein
Staaten, Belgien, Deutschland und Frankreich verbreitete und bald gan,
Europa mit Schienenwegen bedeckte. Eine andere wissenschaftliche Ent
deckung von noch wunderdarerer Wirkung war der elektrische Telegraph
welcher das Werk dieser Schöpfungen menschlichen Scharfsinns ver—
vollständigt hat; Raum und Zeit sind fast verschwunden, die Kaufleute
zu Paris und London, zu Hamburg und Triest können sich über ihre
Geschäfle, wie die nächsten Nachbarn unterhalten. Gedenken wir ferner
der Postreform, wozu Großbritannien 1840 die Initiative ergriff unt
welche seitdem in den meisten Staaten des Continents eingeführt ist
sie löste das Problem der größten Oeconomie im Dienste der gewöhn
lichen Correspondenz, indem sie als Briefporto einförmige und mäßige
Taxen schuf. Mit solcher Erleichterung der Bewegung, des Transporte
und der Correspondenz müssen selbst die renommirtesten Messen viel ver
lieren, während die Haupistädte als Centralpunkte der Schienenwege
durch den ungeheuern Zuwachs an Reisenden und Gütern enorm ge
winnen müssen, auch sind diese Städte jetzt meist Wechsel- und Handels—
plätze ersten Ranges und gleichsam immerwährende Mepßplätze.
Die Entwickelung der Creditmittel konnte hinter der rapiden Aus—
dehnung des Handels und der zunehmenden Wichtigkeit seiner Unter—
nehmungen nicht zurückbleiben. Die regelmäßige Organisation der
offentlichen Banken ist allerdings vom ältesten Datum, die Amsterdamer
»on 1609, die Hamburger von 1619, die Bank von Enaland von 16094;
aber die Etablissements gleichen Genrés, wie die Bank von Frankren—
zon 1800, die königl. preußische Bank und die österreichische Nationg
bank von 1815 und 1817 gehören der neuesten Geschichte an, so sie,
man jetzt auch Unternehmer von Privatbanken, vom Frieden begünstig
Anleihen und diverse Speculationen contrahiren, colossale Reichthüm
erwerben und einen verhältnißmäßigen Einfluß auf die Bewegung di
Fonds aller Art ausuͤben, wie z. B. Rothschild, Baring, Pereire ur
'o viele Andere, deren Vermögen und Emporkommen in so kurzer Ze
richt weniger merkwürdig ist.
Mit Vollendung der Eisenbahn⸗ und Telegraphenlinien ist die P
iser Börse immer mehr das Centrum der Geschäfte geworden, na
velchen die Börsen von Amsterdam, Berlin, Wien und Frankfurt a.
zrayitiren. Das System der freien Banken jedoch, d. h. derjenige
velche durch Associationen ohne Privilegium gegründet sind, hat nur
England, Schottland und den Verein. Staaten eine sehr große Aus
»reitung gewonnen, wo aber auch leider diese Creditinstitute oft gemiß
h»raucht und dadurch Krisen, obgleich nur vorübergehend, herbeigefüh
vorden sind, wie z. B. die der Jahre 1827, 1837, 1847 und 185
Erst von 1852 an, als die durch die Ereignisse von 1848 verursach
politische Aufregung vorüber, trat an ihre Stelle ein nicht weniger let
und fieberhafter Speculationseifer, welcher sich fast in allen Länden
des Continents ausbildete, nach Art des Pariser Credit mobilier ei
Menge Banken und andere auf Actien gegründete Creditinstitute sch
welche zum großen Theil durch den Einfluß der größeren öffentlich
Arbeitsunternehmungen und der industriellen Bewegung der letzten Jahr
hervorgerufen wurden, nichts weniger aber als aus den Bedürfnisse
des Handels entstanden waren. Der Geist der Agiotage mischte sit
hinein und das ansteckende Fieber ergriff auch die kaufmännische Spe
rulation. Daher kam jene Universalkrisis, theils finanziell, theils com
nerciell, welche so verderbenbringend für Hamburg war und dutn dol
gen überall in Europa, sogar in Amerika, so schwer auf den Geschäfte
ↄon 1857 zu 1858 lastete. — Seitdem hat sich die commercielle S
uation gebessert und einem solideren Geschäftsgange Platz gemach
aber wieder bereitete der in Amerika ausgebrochene Bruderkrieg de
Industrie und dem Handel neue Verlegenheiten, da die am meiste,
Baumwolle producirenden Staaten in diesem Kriege betheiligt sind
hedenkt man, daß die englischen und Continentalspinnereien auf d
Ausfuhr dieses Artikels aus den Südstaaten angewiesen und die Vo
räthe in den Fabriken nicht bedeutend waren, so ist leicht zu begreife
daß das plötzliche Ausbleiben aller Zufuhren aus Amerika eine Krif
herbeiführen mußte. Indessen hat der Handel und die euglische*
zierung nichts vernachlässigt, schon jetzt den Anbau der Baumwolle
Indien und anderen Ländern, wie in der Türkei und an den afrika
chen Küsten, zu befördern und zu ermuntern, es handelt sich nur da
im, ob das Resultat dem Bedarfe entsprechen wird. Aber, was au—
ommen möge, eine Krisis ist immer vorübergehender Natur und ft
oder spät muß die Vernunft über die entfesselten Leidenschaften
Sieg erringen: auch Amerika wird wieder zu seinen gewöhnlichen *
heiten zurückkehren müssen. Die Baumwollproduction mag sich alsda
eicht noch verdoppeln und die Bedingungen der Verproviantirung
eine der wichtigsten Industrien günstiger gestalten. Die für den Aug
blick beunruhigendsten Umstände endigen fast immer, unter der Leitu
der Vorsehung, zum Besten der Fortschritte der Arbeit und des Ha
dels, dieser beiden großen Motoren der Civilisation. (Du Commer
»t des progrès de la puißssance commerciale ete.,, par Charles Voge
Wichtig für Tabakraucher.
Der englische Physiolog Dr. W. Richardson hat das Tab«
auchen wissenschaftlichen Prüfungen unterzogen und namentlich
ohysiologischen Wirkungen des Tabaks in den Bereich der betreffend
Experimente gezogen. Um die Producte der Verbrennung des Tabal
genau kennen zu lernen, baute er einin automatischen Raucher, mitte
dessen er die verschiedensten Pfeifen und Tabakssorten probirte. D
Rauch, welcher bei dem Menschen in den Mund eindringen würd
ward bei dem Apparat aufgesammelt und untersucht. Die Resulta
dieser Forschungen verdienen bei der großen Verbreitung des Taba
brauchens alle Beachtung und find kurz gefaßt folgende