schen gewidmet ist, Rechnung getragen werden, und so muß auch au⸗
sandw. Akademien dies der Grundgedanke sein, der ihre Leiter be
zeelen muß. Niemand wird verkennen, daß diesen Gedanken festzu
halten, besonders auf diesen Arstalten hochwichtig ist, indem hien
An wesentlicher Theil der Nation seine höhere Bildung schöpfen will
Schulze, der Gründer der Akademie Eldena, der Gründer des landw.
Instituts zu Jena, hat das unsterbliche Verdienst, zuerst auf die Noth.
vendigkeit hingewiesen zu haben, daß der studirende Landwirth nicht
allein in den Grund- und Hülfswissenschaften, die heutzutage zu sei—
ner sachlichen Ausbildung unerläßlich sind, unterrichtet wird, sondern
daß er auch eine höhere Lebensanschauung gewinnt, und diese beson—
ders durch das Leben auf der landw. Akademie. Die jungen Män—
ner, die sich hier zusammen finden, müssen sich nicht nur als Lernende
betrachten, die für ihr Honorar, das sie entrichten, eine möglichst große
Menge von Kenntnissen einheimsen, die sie heimtragen wollen, damit
diese ihnen einst eine möglichst hohe Dividende zahlen, sondern sie
müssen neben dem gründlichen Fachstudium, dem sie sich mit vollstem
Ernste zu widmen haben, sich als die Träger jener hohen Idee der
Humanität betrachten, die besonders durch sie, die sie einst mit allen
Schichten des Volkes in engsten Contact treten, mehr und mehr zum
Gemeinen werden soll; — sind sie es doch besonders (nächst den
Beistlichen und Lehrern), die auf Volksbildung und Volksentwicklung
den entschiedensten Einfluß gewinnen können. Und ist der Geist, der
das Leben der Akademie durchweht, ein gesunder, so schließt er au
ihr alles Scheinleben aus, duldet keine sittenlosen Elemente, ist dem
Allgemeinen zugewendet, und muß so den edlen Gemeingeist fördern,
er verachtet alles Particulare zunft- und kastenmäßig Abgeschlossene,
er vereinigt Gleichstrebende nach einem Ziele, dem erhabensten, das
dem strebenden Menschen gesteckt wurde, dem Streben nach wissen
chaftlicher und menschlicher Durchbildung. Das Wahre, Schöne,
Gute ist der belebende Agens ihres Denkens und Thuns; denn wenn
Jünglinge nicht mit Begeisterung nach diesem Kolchis, das die Mensch
heit zu erringen bestimmt ist, steuern, — was sollen wir von den
Aelteren und Alten erwarten? Recht, Bildung, Wohlstand, dieses
inhaltschwere Dreiwort des großen Lehrers der Landwirthschaft von
Eldena und Jena, sei ihnen als Landwirthen der Kompaß bei al
ihrem Streben und Leben, Ringen und Gewinnen.
Möge man in unserer heutigen sogenannten praktischen Zeit ein—
solche Richtung, die jeder landw. Akademie zu wünschen sein möchte,
ja nicht als unpraktisch ansehen; wer dies thnt, legt nur davon ein
gar trauriges Zeugniß ab, daß er trotz seines praktischen Strebens
das praktische Studium, — das Studium der Geschichte und der
Philosophie gering geachtet hat. Wer an der Hand dieser beiden
großen Erzieherinnen der Menschheit die Entwickelung der Völker
durchdachte, wird von der Ueberzeugung durchdrungen sein, daß nur
dann ein Volk auf eine wirklich höhere Stufe der Entwicklung ge
langt, wenn jene Idee der Humanität sich zu realisiren und zu ver
allgemeinern begonnen. Und wird durch den Leiter der landw. Aka—
demie, wie durch jeden Einzelnen, der lehrend wie lernend Thei!
nimmt an ihrem Leben, ein solch gesunder Geist wachgerufen und
erhalten, so thut es ferner Noth, daß die studirenden Landwirthe au
diesen Anstalten für ihre Hauptwissenschaften (der Betriebslehre, dem
Pflanzenbau, der Thierzucht ꝛc.) in den Naturwissenschaften, der Na
lionalökonomie und der Arithmetik die Begründung finden lernen,
ihre Ausbildung also eine naturwissenschaftliche, nationalökonomisch
und merkantile wird.
Nur dann, wenn nach diesen drei Richtungen hin die Ausbil
dung der studirenden Landwirthe geleitet wird, ist sie eine zeitgemäße
eine völlständige.
Wenn wir aber als überaus wünschenswerth erkennen müssen,
daß die jungen Landwirthe auf Akademien sich nicht nur auf ihren
peziellen Beruf vorbereiten, sondern sich auch, und dies vor allem
eine allgemeine Bildung aneignen, so wird von selbst einleuchten,
wie wichtig es ist, wenn diese Akademien mit Hochschulen verbunden
ind, wie z. B. in Poppelsdorf bei Vonn, in Göttingen-Weende, in
Jena, in Eldena bei Greifswald, neuester Zeit in Gießen (wir fügen
hinzu Plagwitz bei Leipzig) ꝛc., wo ihnen also Gelegenheit geboten
ist, das höhere Ziel zu erreichen. Es ist und kann einmal nicht da
mit abgethan sein, die studirenden Landwirthe auf Akademien ledig—
z ihr Fach einzuschulen, — sobald nur dieses engbegrenzte Ziel,
as Brodstudium also, allein von ihnen erstreht wird pnden si 5.
und nimmer zu den Gebildeten in der wahren Bedeutung des Wor—
tes gezählt werden können, sie werden dann auf den Akademien „nur
das Handwerkszeug zum künftigen Gewerbe zusammen suchen“ und
die höhere Lebensanschauung wird ihnen fern und fremd bleiben.
Der hohe Vorzug, der denjenigen landw. Akademien zu geben
ist und auch wohl im Allgemeinen gegeben wird, die mit Hochschulen
verbunden sind, liegt aber nur theilweise darin, daß dort den Stu—
direnden jene den Menschen im Allgemeinen bildenden Wissenschaften
zugänglich sind, es ist noch ein wesentlich anderes Moment: „das
akademische Leben,“ das von denen in seinem vollen und hohen Wer—⸗
the gewürdigt werden wird, die Hochschulen besuchten, und zwar nicht
iur, um sich dort „tauglich“ machen zu lassen für den Staatsdienst,
sondern auf der Universität das suchten, was im vollen Maße nur
diese zu geben vermögen, wir meinen eine „universelle“ Bildung.
Daß universelle Bildung in keinem anderen Volke sich allgemeiner
verbreitet findet, als in unserem, dem deutschen, wem verdanken wir
es wohl zumeist und vor Allem, als unseren Universitäten? Daß
uinsere Universalität in der Bildung häufig zu objectiv geblieben ist,
wer vermag dies zu leugnen? aber Keinem wird es wohl beigehen,
dies den Universitäten zur Last zu legen. Sobald unsere Neuzeit,
die unstreitig nach Subjectivität hindrängt, sich mehr und mehr ge—
klärt haben wird, — mag auch bis dahin noch manche Sturm- und
Drangperiode durchzukämpfen sein, so werden wir auch in unserer
Bildung subjectiver werden, an Universalität aber, so wollen wir
hoffen, nichts verlieren.
Weil aber die Universalität in der Bildung vor Allen die Hoch—
schulen und zwar durch Lehre wie Leben zu fördern vermögen, sie die
Centralpunkte der geistigen Bildung der Nation sind, so sind sie
die Stätten, wo auch die Landwirthe vor Allem ihre sachliche wie
menschliche Bildung zu suchen haben werden, damit ihre ethisch-intel—
sectuellen Anlagen zu einer harmonischen Entwickelung gelangen, sie
einst die Grundsäulen der Nation, — die Träger wahrer Bildung
werden, ohne die wir heutzutage unergründlich versänken in den jäh
nach unten ziehenden Wirbel des Egoismus. „Der Ernst, den wir
der Bildung des Menschen widmen, ist der Prüfstein unseres eigenen
Werthes.“ (Der Dorfkbarbier.)
Die Viehseuche in England und Holland.
Den neuesten offlciellen Nachrichten zufolge dauert die Rinder—
pest in England nicht nur fort, und soll bereits 40,000 Stück zum
Opfer gefordert haben, sondern hat in neuester Zeit sogar die Schaf—
heerden ergriffen. Auch macht die Seuche in Südholland noch immer
Fortschritte. Bis zum 21. September waren daselbst 47 Ortschaften
verseucht. In den übrigen Provinzen von Holland sind ebenfalls ver—
einzelte Seuchenfälle vorgekommen. Während man daselbst bis jetzt
durch sofortige Tödtung des erkrankten Viehes und Absperrung der
inficirten Gehöfte der Weiterverbreitung der Seuche mit Erfolg vor—⸗
zebeugt hat, ist dies in Südholland nicht mehr möglich; das letztere
soll daher nun von Holland selbst wie Ausland hehandelt und mili—
tärisch abgesperrt werden. — In Belgien ist die Seuche zur Zeit nur
in wenigen Ortschaften aufgetreten, indem gegen England und Holland
energische Sperrmaßregeln ergriffen worden sind. Gleiches ist in
Frankreich und in den zunächst bedrohten deutschen Staaten: Preußen,
Hannover, Oldenburg und Hamburg geschehen, und zwar bis jetzt
mit dem beabsichtigten Erfolge. In einzelnen preußischen Grenzorten
an der holländischen Grenze hat sich die Seuche zwar gezeigt, ist aber
in Folge der ergriffenen Maßregeln immer auf einzelne Punkte beschränk!
geblieben und dort unterdrückt worden
Vermischtes.
Der dem Ackerbau durch Zerstörung der Vogelnester
entstehende Schaden ist nach einem Bericht aus Aix in Frank—
reich gar nicht zu berechnen. Früher als man noch nicht den un—
aufhörlichen schonungslosen Krieg den Amseln, Nachtigallen, Grase—
mücken, Stieglitzen, Meisen, Finken, Grünlingen, Hänflingen, Leichen,
Zaunksnigen ꝛc. erklärt hatte, rechnete man in dem Frühjahr durch—
schnittlich 10.000 Vogelnester auf ijede Quadratmeile auf dem Lande