Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

seitigte und die Papiergeldausgabe keiner Regelung unterwarf. Die
Bestimmung, daß der Papierausgabe ein entsprechender Auslösungs
fonds gegenüberstehen müsse, wird theilweise nicht eingehalten. Daf
aber diese Ueberfluthung mit fremdem, nicht gehörig gesicherter
(„wildem“) Papiergeld, das an den öffentlichen Kassen keinen Cours
hat, so daß ein Baarvorrath von 10,000 Fl. dazu gehört, um eine
Zahlung von 3000 Fl. an eine Staatskasse zu machen, den Verkehr
seht belästigt, ist klar. Eine feste Regelung der Papiergeldausgabe
durch Bestimmung einer Maximalgrenze nach Procenten der Bevöl.
kerung und eine Controle der Einhaltung dieser Norm nach derselben
Art, wie dies bei der Zollrevenüenvertheilung geschieht, wäre daher
wünschenswerth und gewiß auch ausführbar.
Wir haben nach wie vor die Münzgebiete, nämlich:
J J Quadratmeilen Einwohner
i) dasjenige des 80 Thalerfußes mit 5,326 28 Mill
9 46 Guldenfußes, 12,120 38,
und dazwischen eingeklemmt
3) dasjenige des 521/, Guldenfußes 2,261 —0,
Von diefen drei Mächten hätten also zwei vom Schauplatz ab
zutreten, wenn es zu einer vollftändigen Einheit kommen sollte. An
genommen, daß die Gruppe des 321/, Guldenfußes als die kleinste
und als diejenige, deren System sich zu den beiden anderen und zu
den fremden Münzfüßen am complicirtesten berechnet, das Geweh
strecken werde, welche der beiden größeren Truppen soll diesem Bei
spiel folgen? Oesterreich hat erst vor wenigen Jahren sein Münz
system von Grund aus geändert, und wäre es fast zu viel, ihm eine
nochmalige Reorganisation anzusinnen. Noch weniger wird von
Preußen und den übrigen Thalerstaaten, Nachgiebigkeit zu erwarten
sein. Daß der 521/, Fl.-Fuß fallen muß, ist klar, wenn man fol—
gende Reduction betrachtet:
Ein Gulden oder 60 Kreuzer süddeutsch sind gleich
2 Fres. 142/, Cent. französischh
17 Sgr. 18/, Pfge. preußisch,
877/ Kreuzer österreichisch ꝛc.
Was aber an dessen Stelle setzen? Es sind von den Handels—
kammern nach und nach eine Menge Verbesserungsvorschläge hierfür
gemacht worden; die Einen suchen die Rettung im österreichischen
System, weil dieses sich leicht in Thaler und Franken umrechnet
Andere reden den Franken das Wort, nicht bedenkend, daß damit
factisch die Goldwährung angenommen wäre; noch Andere erblicken
allein im Vereinsthaler den Kern und Keim der deutschen Münzein—
heit, und dazwischen hinein tönen Stimmen, welche, auf den deutschen
Handelstag von 1861 und auf den volkswirthschaftlichen Conareß
sich berufend, die Mark à 100 Pfg. empfehlen.
Wenn nach all' diesem eine Einigung auf der Grundlage der
Silberwährung kaum zu hoffen ist, so führt dies von selbst zu der
Frage von der Goldwährung. Von der neuen Vereinsmünze, de—
Goldkrone“, ließen sich bis jetzt nur vereinzelte Exemplare blicken
sie hat die Probe ihrer Brauchbarkeit, ihres passenden Verhaltens zu
dem Münzfuß und den Goldmünzen anderer Länder schlecht bestan—
den und die für sie vorgesehene stabile Coursfestsetzung bis jetzt nicht
gefunden. Es ist deshalb die Frage über eine passendere Goldmünze
und im Zusammenhange damit die Frage von Einführung der Gold—
währung da und dort zu lebhafter Erörterung gekommen. Doch sind
die Stimmen in letzterer Beziehung bis jetzt noch so sehr getheilt
Während die Einen unbedingt die Einführung der Goldwährung nach
dem Vorgange von Belgien, Frankreich, Italien und der Schweiz
verlangen, so würden die Anderen (schheinbar die größere Hälfte
deren Einführung derzeit noch als verfrüht erachten. Der Herr
Verf. faßt die Erwäqungen für und wider kurz in Folgendem z3u
sammen. *
Bis heute bildet in Deutschland das Silber den Werthmesser
und das Gold ist die Waare. Das umgekehrte Verhältniß einzu
führen, scheint nicht geboten, so lange das Mengeverhältniß und dem
entsprechend das Werthverhältniß der beiden Edelmetalle sich gleich
bleibt, oder nur unwesentlichen Schwankungen unterliegt. Allerdingẽ
verschlingen Ostindien und China ungeheuere Massen von Silber,
und von England allein flossen dorthin in den Jahren 1851 bis—
1858 etwa 800 Mill. Gulden. Besondere Geschäfte entstanden ir
London, Paris, Hamburg und Brüssel, welche auf die Werthdifferen
22Sishore mischen Euroyn und Msien sveruliren und eine Mone

dieses Metalls dem europäischen Markte entziehen. In noch größe—
rem Maßstabe als dieser Silberabfluß findet ein Zufluß an Gold
aus den californischen und australischen Goldfeldern statt, und eß
sollte hiernach, oberflächlich beobachtet, die Werthdifferenz eine unver
hältnißmäßige sein. Aber abgesehen davon, daß die Wiedergenesung
der Seidenraupe in Europa und die Einführung des Papiergeldes
in Ostindien eine Gegenwirkung gegen den ungeheuren Silberabfluß
bildeten, ist nicht zu übersehen, welchen ungeheuern Zerstreuungskrei
»das Gold hat. Zusammenhängend mit der Colonisation, blihen
fortwährend neue Gemeinwesen auf, deren gewerbfleißige Bevölkerung
rasch in den allgemeinen Verkehr eintritt und zu diesem Zweck Ve
triebsfonds und Umlaufsmittel bedarf, welchem Bedürfniß das Gold
am besten enspricht. Die Einführung der Geldwirthschaft an Stelle
der Naturalwirthschaft im nördlichen und östlichen Europa und in
den asiatischen Reichen, so wie die massenhafte Vernichtung von Gold
durch den Vergoldungsprozeß sind ebenfalls Factoren, welche diuß
Werthverhältniß zwischen Gold und Silber nicht in allzugroße
Schwanken gerathen lassen, und in der That ist sich auch der Prei
des Silbers, mit Gold gekauft, im Wesentlichen merkwürdig gleid
geblieben.
Dies ist aber auch für die Zukunft kaum anders zu erwarten
wenn man bedenkt, wie die Production des Goldes nach und nad
eine theurere wird, indem sich die reichen Fundorte durch unrationellt
Ausbeute erschöpfen und das Gold aus ärmeren Lagern und hartem
Gestein gewonnen werden muß, während andererseits die Silberge
vinnung immer rationeller und rentabler betrieben wird und in Cen—
tralamerika bedeutende Silberminen aufgefunden worden sind .
Wenn es nun auch als wünschenswerth zugegeben wird, daß
Deutschland, welches sich mehr und mehr am Welthandel betheiligt
mit der Zeit gleiche Währung mit England, Nordamerika ꝛc. erhalte,
so ist doch andererseits anzuerkennen, daß Deutschland bis jetzt noch
mit größeren Summen in Ländern mit Silberwährung, als in solchen
mit Goldwährung umsetzt, und zu bezweifeln, ob der Antheil des
Zollvereins am Welthandel sich durch Annahme der Goldwährung
wesentlich ausdehnen würde. Jedenfalls wird sich das Bedürfniß
kräftiger und allgemeiner aussprechen müssen, ehe ein Schritt von
solcher Tragweite geboten und gerathen erscheinen kann. Derselbe
ist dann gerechtfertigt, wenn durch natürliche volkswirthschaftlicht
Entwickelung, durch nachhaltige Hebung des Verkehrs und Wohlstan—
des alle Leistungen und Waaren auf einen Standpunkt des Preiseẽ
zehoben sind, bei welchem leichter mit Gold als mit Silber bezahli
wird. Daß dieser Zustand wenigstens in Süddeutschland noch nicht
vesteht, zeigen die täglichen Klagen über die Unbequemlichkeit des
Boldes und den Mangel an Silber. Auch ist wohl zu erwägen,
ob nicht durch Aufstellung des Goldes als Werthmesser im inländi—
schen Verkehr die Preisverhältnisse in bedauerlicher Weise verrückl
würden. Verbindlichkeiten würden mit dem wohlfeileren Golde, stau
mit Silber, bezahlt werden, und die Gläubiger wären um die Preis
differenz betrogen. —
Es soll, wie bereits bemerkt, mit diesen Einwürfen gegen so
fortige Einführung der Goldwährung durchaus nicht bestritten wer
den, daß die Verkehrsverhältnisse Deutschlands zu auswärtigen Märh
ten im Allgemeinen auf die Goldwährung hintreiben, ja daß di
Goldwährung sogar als Mittel zu endlicher Münzeinigung umsomeh
henutzt werden könnte, als eine solche, wie eben gezeigt, auf der Basi⸗
der Silberwährung zu erringen, ins Reich der frommen Wünsche ge
hört, und die Goldkrone nachgerade von den Regierungen selbst ab
zine versehlte Schöpfung anerkannt wird. Von diesem Gedanken aus
gehend, hat die Stuttgarter Handelskammer folaende Nereinsmünze
vorgeschlagen: 438
süddeutsch Thlr. Fres. Flösterr. Guineen
14 fl. ) schwere Goldkrone — 8 30 12 LI,2
7 fl. 2) leichte od. halbedo. 5 · 11 6 99
4 fI. 40 kr. 3) Drittelskrone — 22/3 10 4 O
(Nach d. Leipz. Börsenh.)

Die Fliegenlarven-Krankheit der Lämmer.
Diese Krankheit kommt seit etwa 4 Jahren in Nordholland mn
this dahin unbekannf gewesen und hat sich später in Süd
            
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