Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

nur die frühe oder späte, sondern auch die unter mehr oder weniger
günstigen Verhältnissen erfolgende Einbriugung des Samens sein
wird, wobei nicht zu übersehen, daß die Begriffe von „früh“ und
„pät“ bei der Saat nur im beschränkten Sinne absolute, vielmehr
relative zu nennen sind in Rücksicht auf örtliche Verhältnisse.

Die Chinesen als Düngerspeeulanten.
Mehrere Schriftsteller betrachten es noch als eine Frage, ob es
nicht vielleicht besser um die Gegenwart und tröstlicher um die Zukunft
unserer Felder, besonders in England, stände, wenn der Guano nie—
mals nach Europa gekomimen wäre. Man hätte sich dann, so behaup
ten sie weiter, statt dieses verführexischen Reizmittels der Aecker, wel—
ches denselben nicht alle durch die Ernte entzogenen Bestandtheile zu—
rückgibt und selbst den kalkreichsten Boden am Ende erschöpfen muß
pielleicht läägst an ein anderes natürlicheres Düngungsmittel gewöhnt
welches auch bei uns jede Familie produzirt und das China und Ja
pan zu den gesegnetsten Ackerbauländern gemacht hat. Bei der ver—
hältnißmäßig geringen Ausdehnung, welche bisher die Viehzucht in
Thina einnahm und der großen Sorgfalt, welche der Chinese der
Kultur des Bodens zuwendet, sucht er in vielen Gegenden den Man—
gel an animalischem Dünger nicht blos durch Oelkuchen, pulverisirte
Hörner und Knochen, Barthaare, Nägelabfälle, Ruß und Asche, son—
dern namentlich durch menschliche Excremente abzuhelfen, mit welchen
aus diesem Grunde ein förmlicher Handel getrieben wird. Wüßte
man nicht, wie hoch die Bewohner des himmlischen Reiches diese Ar!
Dünger halten, man könnte sich die ängstliche Sorgfalt nicht erklären,
mit welcher chinesische Grundbesitzer aller Orten unzählige klein,
Apartements zur Bequemlichkeit der Reisenden bauen. Es gibt keine
Stadt und kein Dorf, wo in dieser Beziehung nicht die übertriebenste
Concurrenz stattfände. Auf den besuchtesten Straßen und an den ver—
lassensten Orten wundert man sich, oft derartige Häuschen aus Stroh
und Erde, ja selbst aus Mauerwerk anzutreffen. Man möchte glau—
hen, in einem Lande zu sein, wo sich die Sorge für die Einrichtung
oon öffentlichen, nützlichen Bauten bis zum Extrem steigert. Der
Eigennutz ist aber die einzige Veranlassung zu allen diesen Schöpfun—
gen. Es ist nicht ungewöhnlich, daß man in?China und Japan den
zu Tisch geladenen Gast ersucht, er möge doch das Haus nicht ver
lassen, ohne von dem Genossenen die entbehrlichen Reste zu Gunsten
des nächsten Gartens oder Feldes zurückzugeben. — Je nach dem
größeren oder geringeren Fleischgenuß der Racen, von welchen die zu
Dünger verwendeten Exeremente kommen, erzielen dieselben einer
höheren oder-niedrigeren Preis. So wird z. B. der Picul mensch
licher Auswurfsstoffe von Chinesen zu 19,1 Dollar, von Portugiesen
und Mischlingen zu 185,.,, und von Engländern und andern sich
Jauptsächlich von Fleisch nährenden Europäern zu 21/2 Dollar ver
kauft. (Frd. Bl.)

Vertilgung der Inseeten.
Der Mittel, welche man zur Vertilgung der auf Pflanzen schma
rotzenden Insecten vorgeschlagen hat, gibt es unzählig viele; man
hat Alles Mögliche versucht, vom Vogelleim und von der Tabaks—
cäucherung bis zur Anwendung von Alkohol. Aber es hat sich im—
mer herausgestellt, daß die meisten thierischen Pflanzen-Schmarotzer
durch alle diese Mittel nur vorübergehend entfernt werden konnten.
Aus Belgien kommt jetzt die Kunde von einem neuen Insecten
bertilgenden Mittel. Dr. Decaisne, Oberarzt am Militärhospital in
Antwerpen, hat die Entdeckung gemacht, daß ein in rectifizirtes Pe—
troleum (Steinöl) getauchter Waschschwamm unfehlbar binnen einigen
Stunden die von der Kträtze befallenen Individuen heilt ohne irgend
einen lästigen Hautreiz, ohne irgend welche Unbequemlichkeit.
Dr. Decaisne empfiehlt nun dieses Mittel auch den Thierärzten
und Gärtnern zur Vertilgung der Schmarotzerinsecten auf Thieren und
auf Insecten.
„ In den Gärten, wo man dieses Mittel versucht hat, war der Er—
folg ein ganz vollkommener. Indessen sind die Versuche jedenfalls
in einem noch zu beschränkten Maßstabe angestellt worden, als daß
das Steinöl schon jett als eine unfetlbare BWnacee gegen die Spn

rotzer, die unsere lieben Bäume beschädigen und zu Grunde richten,
betrachtet werden könnte. Es wird aber nunmehr dem Interesse der
Pflanzenkultur dienlich sein, wenn die Gärtner jeden sich ihnen
darbietenden Fall von Insectennoth benutzen, um die Wirksamkeit
dieses Mittels zu erproben. Für Menschen ist dasselbe ganz un—
—
Anstatt eines Schwammes bedient man sich besser eines flachen
Dachspinsels, wie ihn die Maler brauchen, um ihren Bildern Lack zu
geben. Man wird dadurch an Steinöl sparen, während bei der Au—
wendung eines Schwammes ein stärkerer Verbrauch dieser Flüssigkeit
nicht zu vermeiden ist. Einige Gramme Steinöl sind hinreichend, um
die Zweige einer von Insecten befallenen Pflanze zu bestreichen.
—7 a e (Frauend. Bl.)

Vermischtes. J
Amerikanisches Zartgefühl. In den amerikanischen Zei—
tungen findet man jetzt „Couverte für Herren und Damen“ ange⸗
zeigt; das sind aber nicht solche, die man beim Briefschreiben ge—
bracht, sondern man umschreibt mit diesem Worte nur mit Yankee—
Sittsamkeit dasjenige Kleidungsstück, das man der Haut zunaͤchst zu
tragen pflegt, und welches das amerikanische Zartgefühl nicht zu
nennen wagt. Die englische Heiligthuerei nennt die Hosen bekannt—⸗
lich „in-expressibles““, d. h. Unaussprechliche! Die amerikanischen
„Couverte“ passen vortrefflich dazu— J

Zur Entfernung des Kesselsteines empfiehlt die Ztschr
d. Ingen. nachstehendes Verfahren, das von Erfolg begleitet ist.
Man bringt etwa 8 Quart gewöhnliche Salzsäure in den Röhren—
dampfkessel ein, läßt dann den Kessel in warmem Wasser 2 bis 8
Stunden stehen und spült dann mit warmem Wasser nach; der Kessel⸗
stein löst sich dabei in Schalen ab und die Kessel sind vollständig
rein und blank; ein Angreifen des Eisens durch die Salzsäure ist
bei deren starker Verdünnung nicht zu befürchten.—

Der schlechte Geschmack des Kaffees, worüber häufig
geklagt wird, wird oft genug durch nachlässiges Verfahren beim
Brennen hervorgerufen. Eine auf Erfahrung begründete gute Brenn⸗
methode ist folgende: Es muß zunächst jeder Kaffee im rohen Zu—
tande sauber gewaschen werden, da er in Folge des Transports siets
mit Kalkstaub geschwängert ist. Ist er demnächst halb gebrannt, so
chue man eine Messerspitze voll Zucker zwischen die Bohnen und
brenne sie nun vollständia, und man erhält einen ganz untadelhaften
Trank.

Compost als Wiesendünger. Der Compost hat als Wie—
sendünger noch nicht diejenige Anerkennung gefunden, die er verdient.
Im Herbste 1861 ließen wir eine nicht bewäaͤsserbare Wiese zur Hälfte
mit 32 zweispännigen Fuhren, Compost, der aus mit Jauche getränk⸗
tem sandigem Lehmboden bestand, überfahren. Wir haben nun in
den letzten drei Jahren den Mehrertrag durch Wiegen ermittelt und
zefunden, daß die 32 Wagen voll Compost bis jetzt eine Ertagser—
höhung von 781,2 Ctr. Dörrfutter gegenüber der gleich großen un—
zedüngten Hälfte zur- Folge hatte. Die Bereitung des Compostes,
ammt der Ausbringung desselben hatte uns im Ganzen 40 Thaler
zekostet, während wir den Mehrertrag in Dörrfutter zu 112 Thale—
herechneten. —

Nähnadelfabrikation. Der für die Nähnadeln erforder—
iche Stahldraht wird meistens aus englischen Gußstahlstangen herge—
sttellt und in Altena (Provinz Westphalen) und Iserlohn zu Draht ver—
arbeitet. Es wurden in Aachen 1864 ungefähr 1100 Mill. Nähna—
deln fabricirt und dazu ca. 4600 Ctr. Stahldraht verwendet und fan—
den in dieser Branche, einschließlich der verwandten Stecknadelfabrika⸗
tion, beinahe 2000 Arbeiter lohnende Beschäftigung. Von fremden
Absatzgebieten sind Spanien, Portugal, Italien, Oesterreich die wich—
tigsten. Von Stecknadeln mit Messingknöpfen wurden 530,000 Zollpfd.
hergestellt. Größere Vorstecknadeln mit Glasköpfen wurden 45 Mill.,
kleinere Stecknadeln mit Glas- oder Stahlkäpfen beiläufig 120 Mill
fabricirt
            
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