Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

res Hausgeräthes übernachten und zwei Wochen später war die Hälfte
an Bord eines Auswandererschiffs gegangen.
„Dies sind,“ fährt der Berichterstatter fort, „keine Ausnahme
fälle. Fast jedes Jahr ist mit denselben gezeichnet. Es erklärt dies,
weshalb, wie im Parlamente oft genug erwähnt worden ist, Hundert—
tausende von Morgen Ackerlandes Viehweide geworden sind oder
„theuer vermietheter Jagdgrund“ für Advocaten oder Commis „auf
Ferien“; es erklärt, daß der Reisende im Süden und Westen Irlands
eingefallene Häuser und Hütten auf der Haide in Menge erblickt;
es Lerklärt dies die Entmuthigung der ackerbauenden Bevölkerung,
etwas Anderes zu thun, als nur aus der Hand in den Mund zu
arbeiten; es erklärt die Auswanderung (1,800,000 in 9 Jahren)
zum großen Theil; es erklärt, daß das „arme Irland“ dennoch 14
Mill. Pfd. Sterl. in Sparkassen liegen hat, gegen geringen Zinsfuß
lieber deponirt, als auf Verbesserungen von Farmen verwendet. Die
Summe ist erstaunlich; aber sie ist eben das Ersparniß von beinahe
anderthalb Millionen kleiner Leute. Dies Sparen währt nur so
lange, bis der Ertrag aroß genug ist, um damit auswandern zu
können.
Die erwähnten Verhandlungen im Parlament hatten „den Schutz
der Schafe und senstigen Eigenthums gegen die Hunde in Irland“
zum Gegenstande. Wirklich besitzt Irland einen Ueberfluß an Hun—
den, diese aber kränkeln, wie sich leicht denken läßt, durchaus nicht
an Nahrungsüberfluß, und die Folge davon ist, daß sie ihren Neben—
thieren und selbst Menschen gefährlich werden. Wie Wölfe durch—
streifen sie herrenlos in großen Rudeln das Land, fallen Reisende
an, beißen Pferde und Kühe auf der Weide, hausen mörderisch unter
dem kleinen Wild und den Schafheerden. Es erschiene kaum glaub—
lich, wäre es nicht amtlich nachgewiesen, daß allein im Jahre 1868
7324 Schafe von Hunden zerrissen worden, was, das Schaf nur zr
30 Schilling gerechnet, einen Totalverlust von über 11,000 Pfd. St
ausmacht. In Donegal sollen 1551, in Cork 1156 Schafe auf diese
Weise binnen einem Jahre zu Grunde gegangen sein, und das Uebe!
ist im Zunehmen, denn manche arme irische Familie, die selbst nichts
zu beißen hat, ernährt, d. h. erhält in ihrer Hütte 8 oder 10 solcher
Bestien. Diesem schädlichen Luxus soll nun das Parlament dadurch
Einhalt thun, daß es die irischen Hunde gerade so wie deren eng
tische und schottische Vettern besteuere. Wenn Paddy erst 12 Schill
für jeden Hund zahlen muß (Schäferhunde sind auch in England
und Schottland frei), dann wird er gegen die Vermehrung seines
Hundehaushaltes es an wirksamen Protestmitteln gewiß nicht fehler
lassen und sich um wohlfeileren Zerstreuungsstoff umsehen.
Vor wenigen Tagen kam im Unterhause die Bill gegen die
Hunde wieder zur Sprache. Das Folaende ist der betreffende Theil des
Sitzungsberichtes:
„Herr Heygate beantragte die zweite Lesung dieser Bill. Es
handle sich um die irischen Raubhunde, eine Klasse von Geschöpfen,
die verdienten in den Abruzzen geboren zu sein und mit Fra Diavolo
und Chiavone Brüderschaft zu trinken. Auch diese schafzerfleischenden
Thiere sollen jetzt von der Cultur beleckt, das heißt besteuert werden
Der Antragsteller bemerkt, er habe nicht den Schutz des Wildes, son—
dern das Interesse des Landwirths im Auge. Durch die ungeheurt
Anzahl irischer Hunde werde furchtbarer Schaden angerichtet und
viele Leute schienen es für unmöglich zu halten, die gewöhnlichen
Lebensfunctionen zu verrichten, ohne fortwährend einen Hund au
den Fersen zu haben. Man habe den Hund mit dem Namen Freund
des Menschen oder Menschenfreund belegt, und dieser Auffassung zu
solge würde es einem Irländer nie an Freunden fehlen. Wohl aber
dürfe der Irländer ausrufen: „Herr, bewahre mich vor meinen
Freunden!“ Diese nutzlosen Bestien seien eine Landplage für Irland.
Was nütze es, daß man die Wölfe ausgerottet habe, wenn man den
Kötern gestatte, ihren Unfug ungestört fortzutreiben? Er besitze Briefe
von Aerzten, die sich darüber beklagten, daß sie ihre Patienten nicht
ohne Gefahr besuchen könnten, und wie unter den Schafen aufge
räumt werde, sei unglaublich. Im Jahre 1861 seien, amtlichen Be—
richten zufolge, 8897 Schafe und im Jahre 1863 nicht weniger als
7324 Schafe von Hunden zerrissen worden. Diese amtliche Zahl sei
aber viel zu niedrig gegriffen. Man nehme gemeinhin an, daß es
eine Million Hunde in Irland gebe. Dabei gehe man von der Vor
aussetzung aus, daß in jedem bewohnten Hause ein Hund sei. Eine
Stimmo Mahbrscheinsich doch wei“ Mun sia, os mächton naufß 3.

zwei Häuser drei Hunde kommen. Schätzt man die Zahl der Hunde
auf blos eine Million, so komme ein Hund auf je 8310 Stück Rind
oieh, auf je 831/2 Stück Schafe und auf je 1 Schwein. (GHeiterkeit,
Es sei in hohem Grade wünschenswerth, daß die Schweine zu⸗- und
die Hunde abnähmen. Irland sei vorzugsweise zur Erzeugung vor
Wolle und Fleisch geeignet, und die Bill werde bedeutend zur För
derung dieser beiden Gegenstände beitragen. Der Secretär für Irland
Sir R. Peel, bestätigt die Angaben des Vorredners über die von
den irischen Hunden unter den irischen Schafen angerichteten Ver—⸗
heerungen. Der ehrenwerthe Baronet habe die Zahl der Hund«
uͤbrigens viel zu niedrig veranschlagt, indem er sie auf eine Million
geschätzt habe. Er seines Theils schätze sie auf zwei oder drei Mil
lionen, Mit der Bill selbst könne er sich jedoch nicht einverstanden
erklären, da sie ihm nicht als zweckmäßig erscheine. Lord Naas sagt.
die aus der großen Zahl von Hunden erwachsende Landplage se
wahrhaft unbeschreiblich. Auch O'Conor Doe meint, die öffentlich
Meinung verlange, daß etwas geschehe, um der ungebührlichen Ver—
vielfältigung der Hunde in Irland Einhalt zu thun. M'Mahor
spricht für die Bill. In vielen Theilen Irlands, bemerkt er, habe
eine große Menschenentvölkerung und natürliche Folge davon eitn
übermäßiger Zuwachs der Hundebevölkerung stattgefunden. Si
R. Peel gibt schließlich seine Opposition auf und die Bill wird zun
zweitenmale verlesen. Das Gleiche widerfährt einer ähnlichen Schaf
und Hundebill, deren Urheber H. Fenwick ist.“

Eine Verbesserung im Gerbereiwesen.
Die zu gerbenden Häute wurden bekanntlich bisher durch das
„Schwitzen“ von den Haaren befreit, d. h. durch die Einleitung einer
Fäulniß. Die auf diese Weise bewirkte Lockerung der Haare in de
Wurzel erfordert immerhin noch einen ziemlichen Kraftaufwand, un
sie von der Haut wirklich abzustoßen (abzupählen). — Jene Fäulniß
— V
bestreitbar ein gewisses Quantum thierischen Leim und überhaupt
Material, so daß das Leder dadurch an Festigkeit und besonders an
Gewicht verliert. Dies muß der Fall sein, wenn auch das „Schwitzen!
auf das nothwendigste Maß beschränkt bleibt; sehr leicht wird aber
dieses Maß überschritten, und dann ist der Schaden am Leder natür⸗
lich noch größer.
Um diese Nachtheile zu vermeiden, ist neuerdings ein ganz an—
derer Weg eingeschlagen worden, die Häute zu enthaaren; und zwar
geschieht dies dadurch, daß die rohen Häute kalten Wasserdün—
sten ausgesetzt werden. Diese Wasserdünste lassen sich leicht in der
Art erzeugen, daß man in einen dicht geschlossenen Raum (wozu am
besten der bisherige Schwitzraum benutzt wird) durch Rinnen Wasser
hereinleitet, und dieses durch eine einfache Vorrichtung zerstäuben
läßt. Die so entstandenen Wasserdünste dringen, sofern sie nirgends
einen Ausweg finden, in die Poren der in einem solchen Raume
zufgehängten Häute und weichen die Häute so innig durch, daß sid
die Haare nach 5 bis 10 Tagen ganz leicht von der Haut entfernen
assen.
Was die Art der Aufhängung der Häute betrifft, so muß dier
aatürlich so geschehen, daß die Haarseite für den Zutritt der Wasser
zünste völlig freigelegt ist. Sind die Häute auf die angegeben⸗
Weise zubereitet, so geht das Enthaaren derselben so leicht von stat
ten, daß ein Mann in der gleichen Zeit 3 mal mehr Häute enthao
ren kann, als nach der bisherigen Methode.
Bei der angegebenen neuen Art der Zubereitung der Häute
welche man mit „Kaltwasserschwitze“ bezeichnen mag, obgleich hier
gar keine Erhitzung der Haut und somit nichts vorkommt, was mar
mit Schwitzen im eigentlichen Sinne bezeichnen könnte, tritt selbst
verständlich keine Fäulniß ein, ebenso fällt daher der üble Gerud
weg, und ist auch keine Gefahr, die Häute zu beschädigen, wenn su
länger als durchaus erforderlich den Wasserdünsten ausgesetzt bleiben
Die erforderliche Dauer der Zubereitung hängt ab von
Menge des zugeleiteten Wassers, dem Maße seiner Verdunstung, un
endlich von der mehr oder weniger vollständigen Luftabschließung
Das Uebergewicht, welches durch die Schonung der Häute auf die
Maoge gewonnen mird hotfrägft auf eine GOonfündige Salezhouf
            
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