Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

schnalzt, Blutegel aus dem Wasser wollen, convulsivisch sich bewegen
und wenn Bienen sich schon in der Frühe nicht vom Bienenstock ent
fernen oder Mittags schaarenweise heimkehren.
Sturm steht in Kurzem zu erwarten, wenn die Drosseln
Finken und Ziemer sehr unruhig klattern, die Fische springen, das
Wasserhuhn untertaucht, die Bienen ihren Stock nicht verlassen und
Moven und ähnliche Seevögel nach dem Lande fliegen.
Sturme legen sich bald, wenn der Eisvogel zur See fliegt
See⸗ und Flußfische nahe an der Oberfläche schwimmen, Delphine
ewährend des Sturmes Wasser spritzen, wenn Sperlinge frohlich schwir
wren, und Maulwürfe aus ihren Gängen hervorkommen.
Wenn alle derartigen Wetterprophezeihungen fich nun auf die
nächsten 12 24 Stunden beziehen, so ist es doch auch eine anerkannte
Thaͤtsache, daß aus genauen Beobachtungen vieler Thiere sich Schlusse
auf die Beschaffenheit des Wetters auf längere Zeitabschnitte bauen
lassen, daß in ihren Vorempfindungen manche Thiere Andeutung ge—
ben, ob die Jahreszeiten kalt oder gelind, trocken oder regnerisch
ausfallen und wann Frühling, Sommer, Herbst und Winter zu ver—
muthen sind.
Vicle Mäuse im Herbst, sowie spät in den Winter hinein bockende
Schafe lassen mit Wahrscheinlichkeit auf einen gelinden Winter schließen.
Desgleichen wenn die Finken bis in den Dezember hinein bei uns
oleiben.
Strenge und andauernde Kälte steht zu erwarten, wenn
Störche, Schwalben, Kraniche, Schnepfen und andere Wandervöge
ungewohnlich früh fortziehen, wenn die heimischen Waldvögel im Octo—
ber und November in die Nähe der menschlichen Wohnungen kommen
um dort ihre Nahrung zu suchen.
Ein fast untrügliches Merkmal eines strengen Winters ist, wenn
die nordischen Zugyögel an den Küsten der Nord⸗ und Ostsee erschei—
nen und tiefer in das Land ziehen, wenn Saatkrähen schon im October
wandern und Staare, Krammetsvögel und Schneegänse schon früb er—
ccheinen.
Ebenso lassen hohe Ameisenhaufen im Sommer und itef ausge—
daute Mäusenester einen kalten Winter erwarten.
Wenn bei strenger Kälte der Fuchs bellt, wird die Kälte zuneh.
men. Wenn noch im October Hornissen und Wespen in großer An
zahl bemerkt werden, so prophezeihen sie ebenfalls einen kalten Winter.
Rauhes Frühjahr steht bevor, wenn früh die kleinen Vögel.
namentlich Rothkehlchen und Meisen in größeren Schwärmen in der
Nähe der Wohnhäuser erscheinen.
Nasser Sommer steht in Aussicht, wenn die Kibitze und Wach—
telklvnige auf den Höhen bauen, wenn die Seeschwalben auf höher ge—
jegenen Sandbänken oder in steilen Ufern ihre Nester anlegen, ja dann
sind auch wohl Ueberschwemmungen zu befürchten. Bauen sie ihre
Nester auf flachen Sandbänken im Strom,. so darf man auf einen
rocknen Sommer reichnen—

Ueber Weideland.
Bestes und dauerndes Weideland zu erzeugen, soll ein jeder Grund
besitzer sowohl herzustellen suchen, als das beste Ackerland für jede
andern Zweck. Um ein gutes Gras zu erzeugen, ist wie bei jeder an—
dern Halm⸗ oder Grünfrucht nöthig ein gut verarbeitetes, gut gedüng—
tes Ackerstück. — Ein gut verarbeitetes Ackerstück soll sein: krumig, tie
„gebaut, so tief als zwei starke Pferde zieben können, geeggt und anwalz
nach besten Kräften.
Ein Ackerstück, welches Hafer getragen, hat vorher schon Klee,
Roggen oder sonst eine Frucht im aufgefahrenen Dünger getragen, se
daß eine Schwächung des Düngers — der dem Lande zugefügten
„Kraft, woraus Früchte erztugt werden sollen — schon um zwei Dritte.
stattgefunden hat.
Das andere Ackerstück, welches Roggen getragen, verliert im
Werth, um das in Absicht zu habende Weideland zu erzeugen, schon
ein Drittel der Vollkraft des darauf verwendeten Düngers. F
Das erstere Stück wird ein minder gutes Weideland liefern, da—
gegen das Roagenland ein besseres.

Gräser, sie mögen Namen haben, wie sie wollen, brauchen um
einen vollständigen, ergiebigen Wuchs zu erlangen, sorgfältige Pflege,
wie alle Halm⸗ und Grünfrüchte, wie das ergiebige Wiesentheile im
schönen, dunkelgrünen Wuchse unserm Auge stets darthun.
Die vorgeflihrten Theile, die ein Grundbesitzer bei Lennep zu
Weideland einrichten will, scheinen sonach keine besondere Weidestücke
zu geben, da schon Düngkräfte dem Voden durch getragene Früchte eni⸗
nommen sind und nur eine anhaltende Vegetation des darauf zu säen⸗
den Samen in gut gedüngtem und verarbeitetem Lande zu erwar⸗
ten steht.
Was die dargelegten Ackerstücke anbetrifft, so wäre es zweckmäßig,
da das Land jetzt noch gebrochen, das Haferstück nachträglich mit Düin—
ger, Knochenmehl ꝛc. stark zu bestreuen (das Roggenstück weniger) und
dann unterzupflügen, zu besäen, zu eggen und zu walzen; dann wird
sicher ein gutes Weideland nach Wunsch erzeugt werden.
Was das Samen-Quantum anbetrifft, so sind auf den Morgen
8— 12 pfd. zu rechnen, die man am geeignetsten in mehreren Sorten
entmnimmt, wovon sich der Boden die ihm zusagenden Gräser aneignet
während er die ihm mißliebigen aussterben läßt.
Oderberge, bei Schwelm. H. Weddigen.

Vermischtes.
Obstbau. Der Herr Minister für die landwirthschaftlichen An—
gelegenheiten hat in einem Circular-Erlaß vom 30. November 1864
den Direltoren der landw. Akademien in Preußen die Förderung der
Obstkultur dringend anempfohlen. Zu diesem Zwecke sollen in dem
Barten und der Baumschule der Akademie diejenigen Obstsorten gezo⸗
zen werden, welche entweder als besonders zutragend und von den
Witteruugseinflüssen weniger abhängig erprobt, oder wegen ihrer vor—
züglichen Eigenschaften auf den pomologischen Versammlungen zu An—
bauversuchen empfohlen worden sind. Der Akademie⸗Gärtner hat fer—
ner durch die Kultur möglichst vieler und verschiedenartiger Obstfsorten
festzustellen, für welches Klima, welchen Standort, welche Bodenbeschaf⸗
fenheit u. s. w. die einzelnen Sorten sich am besten eignen, und welche
„esondere Eigenschaften vorhanden sind oder sich zeigen.
Ueber alle, auf die Obstbaumzucht bezügliche Anfragen find die
Akademien gehalten, bereitwilligst Auskunft und Belehrung zu ertheilen,
außerdem aber sind den Obstzüchtern auf ihren Wunfch diejenigen
Sorten zu bezeichnen, welche sich zum Anbau besonders eignen. Die
vbessern und empfehlenswerthen Sorten sollen wo möglich in größerer
Zahl in jungen gesunden Stämmchen vorräthig gehalten und verkäuf⸗
lich abgegeben werden. Der Akademie-Gärtner hat sich ferner die Aus—
bildung von Obstgärtnern zur Aufgabe zu machen. Es ist deshalb
angeordnet, alljährlich im Garten und in der Baumschule der Akademie
einen Curses über die Behandlung, den Schnitt, die Veredelung des
Obstbaumes u. s. w. unentgeltlich zu halten und außerdem die Auf—
nahme von Lehrlingen zu fördern, welche sich wegen der gründlichern
Erlernung der Obstbaumzucht längere Zeit daselbst aufhalten wollen.
Ueber die Einrichtung eines Obst-Mustergartens, in welchem alle
als empfehlenswerth anerkannte Obstsorten als Stammbäume zu kulti⸗
viren sein würden, und aus welchem jährlich Edelreiser in möglichst
großer Zahl, vielleicht unentgeltlich, abgegeben werden könnten. werden
noch weitere Verbandlungen gepflogen werden.

Ueber die Seidenzucht bringen franzosische Journale die übel⸗
sten Nachrichten, nach welchen keine Vorficht die Seidenzucht mehr zu
besonderem Gedeihen bringen kann. Dieselben prophezeien für das
Jahr 1865 wieder keine genügende Ernte. Bald werden nur mehr
fremde Seidencocons in den Webereien verarbeitet werden, und nicht
die Kräfte aller Seidenzüchter, noch die Studien der Gelehrten ver—
mochten das Uebel zu bessern. So scheint denn diese Industrie, welche
Frankreich 380 Mill. eintrug, zerstört, und nur die Zuflucht zur großen
Ausdehnung des Weinbaues kann die seidezüchtenden Devartements
vor totalem Ruin schützen.
            
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