Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

wohl immer aufgebracht werden können. So z. B. stellten sich nach
den amtlichen Mittheilungen des Königl. statistischen Büreau's in
1858/60 durchschnittlich bei der Rheinischen Provinzial-Feuer-Societät
die jährlichen Beiträge zur Versicherung von Gebäulichkeiten auf nicht
ganz 5 Sgr. für 100 Thaler Versicherungs-Capital, also auf etwa
i/Proc. des versicherten Werthes. Gegen so geringfügige Opfer
verschafft sich der Versicherte den Vortheil, daß er mit Ruhe der
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verbessert, und daß, wenn das Unglück ihn wirklich heimsßucht, er
keine oder nur unerhebliche Capital-Verluste zu beklagen hal.
An der Besserung dieser besprochenen Zustände haben ferner die
Gemeinden das wesentlichste Interesse, nicht nur weil dadurch die
Leistungsfähigkeit ihrer Mitglieder garantirt wird, sondern auch weil
nur die gezahlten Brandentschädigungs-Gelder es den kleineren Leu—
ten zu ermöglichen pflegen, ihre neuzuerbauenden Wohnungen solider
und weniger feuergefährlich herzustellen und so dem Eigenthum einer
ganzen Ortschaft eine größere Sicherheit zu verleihen.
Wir vertrauen deshalb, daß wie die Localbehörden, so alle ein—
sichtigen Gemeindeglieder ihren nachhaltigen Einfluß geltend machen
werden, um unserer oben ausgesprochenen dringenden Mahnunag all—
gemeinen Eingang zu verschaffen.

Die Getreideschälmaschine von Henkel und Seck in
München.
Der Berichterstatter über die internationale Ausstellung zu Köln
Arbeitgeber“ sagt über diese Maschine Folgendes: —
Eine Maschine, einzig in ihrer Art und von höchster Bedeutung
sfür die Darstellung unseres wichtigsten Nahrungsmittels, ist die von
Henkel und Seck in München erfundene und von denselben aus—
zestellte patentirte Getreideschälmaschine. Dieselbe konnte jeden Tag
in Betrieb gesehen werden, und haben sich täglich Viele von den
uberraschenden Leistungen dieser Maschine überzeugt. Dieses konnte
man um so leichter, als die Erfinder eine Reihe Loupen aufgestellt
hatten, durch welche man ungeschälte Frucht, Schalen und geschälte
Frucht getrennt beobachten konnte. Wir begrüßen diese neue Ma
schine aufs Beste, da es uns wirklich scheint, als habe sie die Auf
gabe der Getreideenthülsung, soweit dieselbe zu lösen ist, gelöst. Nach
unseren Beobachtungen wurde das Getreide von der den Kern um—
gebenden Holzfaserhülle vollkommen befreit, ohne daß der Kern ver—
letzt oder zerbrochen wurde; ebenso konnte man sih leicht überzeugen,
daß die getrennte Hülse aus reinen Strohfasern bestand. Durch diese
Absonderung werden bedeutende Vortheile in der Müllerei erreicht.
Es wird der Mahlprozeß bedeutend vereinfacht und die Quali
lät der verschiedenen Sorten um vieles verbessert, weil die das Brod
dunkelfärbende Holzfaser nicht mit in das Mehl gelangt, wie dies
deim Vermahlen von ungeschältem Getreide immer mehr oder weni
ger vorkommt. Ebenso wird die Ausbeute an Mehl größer; nament—
lich werden, wie von Sachverständigen bereits durch Mahlversuche
constatirt ist, beinahe doppelt so viel feinste Sorten (Nr. O und 1)
erzielt als aus ungeschältem Getreide. So lieferte nach den Mitthei—
ungen der Erfinder eine gewöhnliche Mühle aus geschältem Weizen
143 Proc. Nr. O und 1 Mehl, während dieselbe Mühle aus ganz
gleichem Weizen, ungeschält vermahlen, nur 24 Proc. Nr. O und 1
erzielte. Im Ganzen wurden aus geschältem Weizen 7 Proc. mehr
Mehl als aus ungeschältem gewonnen.
Diese letztere Thatsache, und wenn die Mehrproduction auch keine
⁊ Proc. erreichen sollte, ist allein schon hinreichend, um zu constati
zen, wie weit eingreifend die Schälmaschine in unsere ganzen wirth
chaftlichen Verhältnisse ist. Denn gelten bei der colossalen Getreide
production sogar nur geringe Procentsätze der Mehrproduction an
Mehl, welche man mit Hülfe dieser Maschine erzielt, so nehmen
schon die dadurch gewonnenen Kapitalwerthe riesenhafte Dimensionen
an. Hauptsächlich günstig wird diese Maschine bei der Darstellung
von feineren Sorten Mehl wirken und in allen Mühlen besonders
Eingang finden, die speziell für den Handel mahlen; man gewinnm'
mit Anwendung der Schälmaschinen nicht blos mehr von den feine
ren Sorten Mehl, sondern es liegt auf der Hand, daß diese Sorten
wie überhaupt das Mehl, bis zur gerinasten Sorte herab auch besset

ausfallen muß. Dadurch, daß alle Strohtheile von dem Kern ge
trennt sind, muß ein weißeres Mehl erzielt werden, es muß aber au
»emselben Grunde besser und billiger werden, und billiger zwar des
halb, weil in dem Mehl aus ungeschältem Getreide immer nod
Strohtheile enthalten sind, welche man ebenfalls für Mehltheile be
zahlen muß; die Anwendung der Schälmaschine beschützt uns davor
daß wir nicht Stroh für Mehl bezahlen müssen.
Ein weiterer Vortheil dieser Maschine ist, daß sie „brandigen
Weizen vollkommen reinigt. Unter den Augen der Jury wurde ei
Versuch mit solchem Weizen gemacht, der so brandig war, daß —
zur Verwendung als menschliches Nahrungsmittel kaum brauddut
war; Auf der Maschine gereinigt, zeigte sich der Weizen von alle
kranken Theilen befreit und gab, in einer Mühle auf dem Auske
lungsplatz geschroten, ein Schrot, das dem aus gutem Weizen nahep
gleichkam und sich zur Darstellung guten Mehles vollkommen eignet
In nassen Jahren, wo oft die ganze Ernte „brandig“ wird, ist die
Eigenschaft der Maschine von höchster Bedeutung.
Die Maschine liefert bei verhältnißmäßig geringem Kraftaufwan
(2 bis 3 Pferdekräfte) ein Quantum von 8 Ctr. Weizen per Stund
Sie bedarf, da zum Enthülsen keinerlei scharfe Theile verwendet sind
ein Nachschärfen also nie vorkommt, wenig der Reparatur. Di
Maschine speist sich selbst, wodurch die Bedienung auf ein Minimum
reducirt wird. Ihre Handhabung erfordert keine besonderen Kenntmise
Das Getreide wird beim Schälen nicht im geringsten erhitzt um
leidet eben so wenig durch „Netzen“. Es wird zwar unmittelbar vor
dem Eintritt in die Maschine etwas angefeuchtet, das Wasser abe
mit den Hülsen wieder entfernt, so daß das Getreide trocken die Mea
jchine verläßt.. J
Die abgeschälten Hülsen geben nach Mittheilung eines auf de
Ausstellung anwesenden Papierfabrikanten ein ausgezeichnetes Ma—
terial für die Papierfabrikation. Ihre Menge beträgt 11/, bis
Proc. vom Weizen. J
Ueber die Construction der Maschine können wir, da sie not
nicht in allen Staaten Deutschlands patentirt ist, nur Folgendes sa
gen: Die Maschine besteht aus einem feststehenden eisernen Cylinde
von 1u/, Fuß Durchmesser und 6 Fuß Höhe. In demselben beweh
sich eine aus 15 Terrassen zusammengesetzte Trommel, welche so
eingerichtet ist, daß die Körner genöthigt werden, sich während de
Ganges der Maschine 6 bis 8 Minuten lang an den Cylinderwän
den und unter sich selbst zu reiben, wodurch sich die Schale ablöß
Diese Reibung findet indeß ohne jeglichen Druck Seitens der Mo
schine statt: sie entsteht nur unter dem Einflusse der Centrifugalkraß
vährend die Hülsen von dem durch die Trommel erzeugten Wind
durch ein Sieb an der Seite der Maschine, in die sogenannte Kleien
fkammer gejagt werden. Hieraus läßt sich der leichte Gang der Na
schine und die Erscheinung, daß keine Körner zerbrochen werden, er
tklären. Auch für die Dauerbaftigkeit der Maschine zeugt diele
Umstand.
So viel wir durch die Vergleiche mit den Resultaten, welche
andere Schälprozesse erzielt haben, beurtheilen konnten, arbeitet di
Schälmaschine von Henkel und Seck auf die vollkommenste Weis
und entspricht sonach am besten ihrem Zweck. Das allgemeine Ur
theil lautete, wenn wir recht unterrichtet sind, sehr günstig für die
Maschine, und wurde ihr die Ministerialmedaille zuerkannt; durd
die Kölner Ausstellung wird diese Maschine bereits Eingang in be
deutenden Mühlen Deutschlands und Ungarns finden. Hoffen wi
daß die Müllerei, welche, trotz ihrer vielfachen und complicirten Re
nigungsmaschinen, doch noch nicht die gewünschten Resultate erzieh
ich bald dieser Maschine bemächtigt, und somit den Mahlprozeß po
ꝛinfacht und verbessert

Ueber die Drehkrankheit der Schafe.
Ueber die Frage: „Durch welche Mittel kann der Schafhalter
größeren Verbreitung der Drehkrankheit vorbeugen“, sprach An
der Professor der Thierheilkunde, Kueff von Hohenheim, bei eine
Versammlung von Schafzüchtern zunächst dahin aus, daß mit diese
Krankheit von den Schäfern häufig die sogenannte Taubkrankhei
verwechselt werde Die letztere komme her von der Entwickelung mehre
            
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