Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Die Temperaturveränderungen, die sie auf der Reise durchzumachen
hatten, äußerten auf ihren Gesundheitszustand keine besondere Einwir⸗
kung und die Heerde zählte, als sie im April 1854 in Frankreich ge—
landet wurde, zwölf Köpfe. Sie bestanden aus zwei Spielarten, ge—
hörnten und ungehörnten. Sie wurden in drei Abtheilungen vertheilt,
wovon die eine im Pflanzengarten zu Paris blieb, wo sie mit ihrem
Wärter das größte Aufsehen erregte, die zweite wurdt auf die Güter
des Grafen von Morny im Allier-Departement gebracht und die dritte
erhielt die Acclimatisations-Gesellschaft.
Später wurden Unterabtheilungen gemacht, um den Thieren alle
Vortheile der Verschiedenheit des Bodens und der Luft zukommen zu
lassen. Man haite sie deshalb theils in die Alpen und in den Jura,
cheils in das Flachland gegeben. Aus den betreffenden Berichten geht
jetzt hervor, daß sie allenthalben gut gedeihen, Sie haben sich überall
vermehrt und schöne Fließe gebildet. I
Im August 1855 nahm Hr. Jobez eine Scheerung vor, welche
folgende Ergebnisse lieferte: —
Der Stier an langen Haaren 686 Gramme, an Wolle 2 Kilogr.,
die Kuh u — „625 „ 625 Gram.,
ein 11 Monate altes Kalb 563 „ 625
(100 Grammen sind 1 Kilogr. oder 2 Zollpfund.)
Das Fell der Kälber, unmittelbar nach der Geburt, ist fein und
gekräuselt; es gleicht sehr viel demjenigen der berühmten astrachanischen
dämmer.
Die Wolle der Yaks ist außerordentlich fein und bildet einen Theil
des Malerials zur Herstellung der bekannten Cashmir-Shawls. Aus
den langen seidenen Haaren weben die Thybetaner dicke, wasserdichte
Zeuge, welche unter andern auch zur Bedeckung der Zelte dienen. Die
Versuche, die man in franzosischen Fabriken mit Wolle und Haaren
angestellt hat, haben glänzende Resultate geliefert. Die letzteren eignen
sich besonders gut zu Möbelstoffen und Teppichen.
Die Milch der Yaks⸗Kuh wurde von Hrn. Doyer ebenfalls unter—
sucht. Die Quantität, die er am 25. April 1854 des Morgens erhielt,
beirug 85 Centiliter (etwas weniger als 1 Maß), des Abends 47
Centiliter (/3 Maß). Dies wäre allerdings wenig, indeß fehlt dit
Angabe, wie lange die Kuh vorher gekalbt hatte und ob sie nich!
„abgemolken“ war, wie der Landmann sagt.
Die Morgenmilch war weiß und hatte eine Dichtigkeit von 1,0371;
die Abendmilch war blaßgelb und hatte eine Dichtigkeit von 1,0320.
Die Morgenmilch gab 3,10 pCt. und letztere 3,80 pCt. Käsestoff. Von
anderen Stoffen waren etwa 2,60 pCt. Eiweiß darin enthalten, eine
Menge, die sehr bedeutend und characteristisch is. In der Zusammen—
setzung nähert sie sich der Milch unseres Rindviehes, mehr aber noch
der unserer Ziegen.
Die zahmen Yaks haben verschiedene Farben; meist sind sie scheckig
(schwarz und weiß). Es gibt auch graue, ganz schwarze und ganz weiße.
Die letzteren sind am meisten geschätzt, weil die Wolle und Haare we—
gen ihrer Eigenschaft, sich färben zu lassen, in höherem Preise stehen.
In China versteht man es, ihnen ein glänzendes Scharlach und ein
glänzendes Blau zu geben. So gefärbt, werden sie zu allen möglichen
Zeugen verwendet.
Drag die Versuche, dieses nützliche Thier in Frankreich heimisch zu
machen, wie oben gezeigt, über alle Erwartung gelungen sind, so beab—
sichtigt man jetzt in England ebenfalls größere Heerden einzuführen
Wenn sich die englische Speculation einmal dieser Sache bemächtigt
hat, so wird man bald auch in Deutschland Gelegenheit erhalten, sich
solche Thiere zu verschaffen.

Preßhefe.
Obgleich bei der Gährung der gehopflen Bierwürze Hefe sich in
beträchtlicher Menge bildet, so ist sie doch zu gewissen Zwecken, nament—
lich in der Bäckerei, ihres bitteren Geschmackes wegen nicht zu verwen—
den, und ist es auch möglich, durch Behandlung solcher Hefe mit Soda—
loöfung oder Alkalilauge den Bitterstoff derselben zu entziehen, so geschieht
dieß aber immer auf Kosten ihrer Wirksamkeit. Es liegt daher in der
Natur der Sache, daß die Hefenfabrikation ein besonderer selbstständi—

zer Erwerbszweig geworden ist, dessen Product, die Hefe, nur durqh
den geistigen Gährungsprozeß erzeugt werden kann.
Mit der Fabrikation von Branntwein ist auch stets die der Hefe
verbunden, es gibt aber auch verschiedene Vorschriften zur Hefenfabri—
kation. Man mischt z. B. 1 Theil Gerstenmalzschrot mit 3 Theilen;
Roggenschrot auf die gewöhnliche Weise ein und kühlt mit dünner
Schlempe ab. Auf 100 Kilogramm (à 2 Zollpfd.) Schrot setzt man
/2 Kilogr. kohlensaures Natron und hierauf !/, Kilogr. Schwefelsäurtmit
 Wasser verdünnt und setzt die Maische mit Hefe in Gährung. Minn
Hülfe eines Schaumlbffels nimmt man die Hefe der gährenden Masse ˖
ab, schlägt sie durch ein Sieb und läßt das Durchgegangene in kaltem
Wasser absetzen. Das Abgesetzte wird gepreßt, vorher aber mit meh—
reren pCt. Kartoffelmehl vermischt, um besser entwässern zu können,
oder auch auf poröse Ziegelsteine oder Gypsplatten gebracht.
Nach folgendem Verfahren erhält man eine ziemlich bedeutende
Ausbeute an Hefe: 1 Pfd. Gerstenmalzschrot und 10 Pfd. Roggen⸗
mehl werden mit warmem Wasser eingemaischt. Man nimmt ungefähr
das sechsfache Gewicht Wasser von der Mehlmischung und läßt die
Mischung 2 bis 6 Stunden stehen, in welcher Zeit die Umwandlung
der Stärke in Zucker erfolgt is. Um die Gährung zu beschleunigen,
setzt man etwas Hefe zu, doch darf diese Zugabe nicht eher geschehen,
als bis die Maische auf 16 bis 22 Grad R. abgeküuͤhlt ist, bei welcher
Wärme man auch das Ganze zu erhalten sucht. Die während di
Bährung sich abscheidende Hefe wird dann mit einem Schaumloffel ab
zenommen und durch ein Haarsieb mit Wasser gerieben. Die aus dem
Wasser abgeschledene Hefe wird dann von dem Wasser durch Pressen
befreit. Ist die Hefe gut, so muß sie so trocken sein, daß sie zerbröckelt
und einen angenehmen obstartigen Geruch besitzt. Eine zähe Hefe hält
sich nicht lange und muß daher verbraucht werden.

Wetteranzeigen aus der Thierwelt.
Gutes Wetter ist zu erwarten, wenn beim Regenwetter die
kulen schreien, Lerchen und Rothkelchen hoch fliegen und dabei viel
ingen, Nachtigallen bis gegen Morgen flöten, Weiher, Reiher und
Rohrdommeln mit lautem Geschrei fliegen, Kiebitze und Sperber hoch
zufsteigen und laut schreien. Ferner, wenn die Fledermäuse Morgens
rüh und Abends spät fliegen, wenn Johanniswürmer ungewöhnlich
zell leuchten, Laubfrösche im Freien hoch sitzen, Schafe auf der Weid⸗
zjoch und munter springen, Roßkäfer Abends häufig fliegen, ebenso Hot
nisse und Wespen und wenn Blutegel ruhig am Boden der Wasser⸗
gefäße liegen.
Schlechtes Wetter steht in Aussicht, wenn die Finken vor
Sonnenaufgang sich hören lassen, Krähen hoch fliegen und die Kopfe
zufrecht tragen, nach solchem Fluge Wasser aufsuchen und die Köpft
eintauchen; Schwalben nahe an Mauern vorbeifliegen und in Gewässen
eintauchen; wenn sich Tauben baden, Abends spät vom Felde heim
kehren und die Störche ihre Jungen im Neste bedecken; wenn Kranich
and Geier bei schönem Wetter schreien und das Hauskedervieh sich ) in
Sande wälzt.
Dauernder Regen tritt ein, wenn die Hunde Gras fressen
die Katzen sich sehr lange die Pfoten putzen, Haushähne zu ungewöhn⸗
licher Zeit nund häufiger als sonst krähen und wenn Regenwürmer in
großer Zahl aus der Erde kriechen.
Vorübergehender Regen steht bevor, wenn die Laubfröscht
rufen und dabei niedrig sitzen, ins Wasser gehen und untertauchen
ströten hervor kriechen, Mäuse laut pfeifen, Maulwürfe hoch aufwerfenen
Mücken im Schaten spielen, sehr hartnäckig Menschen und Thiere ver—
olgen und wenn die Flohe mehr als gewöhnlich stechen.
Regen folgt bald, wenn das Hornvieh die Schnauze fleißige
leckt, wenn die Schweine das Futter verstreuen, Schafe bei der Rüch
kehr vom Weidegange sich das Grasfressen nicht wehren lassen und
ungern in den Stall gehen; wenn Blutegel in den Wassergefäßen sich
auf der Oberfläche des Wassers halten. Wenn Roßkäfer am Morgen
häufig fliegen, tritt Mittags Regen ein.
Gewitter entstehen binnen 20 Stunden, wenn der Schlamm
peitzler oder Wetterflsch unruhig wird und aus dem Wasser emyon
            
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