das Pferd zwar mit der ganzen Fläche des Hufeisens auf, aber auf
glattem Wege und im Winter taugen diese Eisen wenig. Man ha
deshalb die Hufeisen auch so eingerichtet, daß sich Stollen und Griff
anschrauben lassen. — In der Leipziger polytechnischen Gesellschaft
wurde nun kürzlich ein von H. Gaitzsch in Groß-Zschocher bei
Leipzig gefertigtes Patenthufeisen vorgelegt. Es ist dasselbe auf sei—
ner Unterfläche mit einer hervorstehenden Riefe versehen, welche aus
sehr hartem Stahl besteht, dessen Herstellung H. Gaitzsch als Ge
heimniß behandelt. Diese Riefe ist für schwere Zugpferde breiter,
kür Reit- und Kutschpferde schmaler, im Winter wird sie schärfer
genommen als im Sommer ꝛc. Die Leipziger Omnibus-Gesellschaft
verwendet bei ihren Pferden seit einiger Zeit solche Hufeisen mi—
gutem Erfolg; die Thiere haben dabei einen angenehmen und hüb—
schen Gang. Es werden diese Hufeisen fabrikmäßig hergestellt, was
den großen Vortheil hat, daß die Nägel immer wieder an dieselbe
Stelle des Hufes kommen. Später wenn sie größere Verbreitung
finden, soll ein Walzwerk benutzt werden, nur im Querschnitt T-förmige
Stahlschienen herzustellen, aus denen die Hufeisen gefertigt werden
Von den größten Eisen kostet das Stück 4 Ngr.
Vermischtes.
Viehhandel. Im Hinblick auf den geringen, diesjährigen
Heuertrag war es voraussichtlich, daß man sich aus Furcht vor großem
Futtermangel allenthalben anschickte, die Viehbestände zu vermindern
Daher kam es denn, daß ebensowohl die deutschen Märkte, wie
auch diejenigen von Frankreich und England in den letzten Mo—
naten stets außerordentlich zahlreich, namentlich in Großvieh, beschick
wvaren und für Kühe und Zugstiere stets fallende Preise meldeten
während für gut gemästete Thiere steigende Preise angelegt werden
mußten. Seit einigen Wochen hat sich die Sache insofern geändert,
als der allenthalben stattgehabte Umschwung in der Witterung die
Aussicht auf reichliche Ernten in Nachmaht, sowie in Kartoffeln und
Rüben eröffnete und die Viehbesitzer in dem Vertrauen bestärkte, daf
es ihnen möglich sein werde, die ihren Wirthschaften entsprechende
Bestände passend zu durchwintern. Daher ist die Zufuhr auf den
Märkten in letzter Zeit gering und die Preise haben sich für Wirth
schaftsvieh gehoben, namentlich ist letzteres in der Schweiz der
Fall, von wo man über eine Preissteigerung von 5 bis 7 Proc. be
richtet. In Holland dagegen halten sich die Preise noch fort
dauernd niedrig, was man dem Umstande zuschreibt, daß die letzter
starken Regen bei den Kartoffeln einen starken Nachwuchs veranlassen
der bekanntlich in Niederungsgegenden bei rasch eintretendem Herbst
ein rapides Faulen der Knollen verursacht. Die letzten Berichte der
englischen Fettviehmärkte sprechen sich dahin aus, daß die Fleisch
preise, ebenso wie die Preise für Heu im Abschlagen seien; auch in
der Gegend von Mezz sind die 100 Kilo's Fleisch durchschnittlich um
5 Franken zurückgegangen. Auch in Berlin machte sich schon Mitte
August eine gedrücktere Stimmung bemerkbar, selbst beste Qualitä
fonnte nur um den Preis von 16 bis 17 Thlr. per 100 Pfund ab
zesetzt werden. Auf den ostdeutschen Märkten concurrirt das unga
rische Fettvieh bereits stark. Es ist dies um so leichter erklärlich,
da dort das Heu sich nahezu um die Hälfte, ja stellenweise sich noch
wveit billiger stellt, als in Böhmen, Mähren, Franken ꝛc. Wenn
einmal der Werth der Heupressen in ihrer Wirkung auf die erleich—
erte Trausportfähigkeit des Heues allseitiger erkannt ist, dann dürfte
auch in dieser Beziehung eine Ausgleichung der Verhältnisse nicht
ausbleiben. — Auch für Mastschweine macht sich seit 8 Tagen, mit
Ausnahme von Lothringen, Luremburg und dem südlichen Belgien,
eine gedrücktere Stimmung bemerkbar, dagegen sind Läufer mehr ge—
sucht, ja im Ganzen rar, weil schon im vorigen Jahre die fabelhaft
niedrigen Preise für Ferkel zur Haltung von Zuchtsauen wenig
animirten
Einwirkung der Wärme auf das Conserviren des
Weines. In der Sitzung der Akademie der Wissenschaften zu Pa
tis vom 1. d. Mts. machten, so berichtet die „Deutsche Weinzeitung“
ie Herren Bouissingault und Pasteur Mittheilungen über die Ein
virkung der Wärme auf die Verbesserung und Erhaltung der Weine
hekannt ist, daß Reisen in die Troven den Wein verbessern: Bu
zunderweine, welche die Reise um die Welt gemacht, sind in ausge.
zeichneter Qualität wieder zurückgekommen. Ebenso hat man Wein
in Flaschen drei Monate lang in einem auf 40 bis 50 Centigrade
erwärmten Raume aufbewahrt und ausgezeichnete Resultate erzielt.
Der Chemiker Pasteur entwickelte, daß die Krankheiten der Weine
in der Ausbreitung microscopischer Pflänzchen ihren Grund haben.
Um dem Wachsthum dieser microscopischen Gährungsstoffe entgegen
zu wirken, habe er verschiedene chemische Substanzen angewendet,
jedoch alle ohne entschiedenen Erfolg. Seit einiger Zeit habe er auch
die Anwendung der Wärme verfucht, von dem Gedanken ausgehend,
daß hierdurch die Keime dieser Gährungsstoffe zerstört werden könn—
ten, und der Erfolg habe seine Erwartungen übertroffen; es genüge
zu diesem Zwecke, um ihn vor jeder Alteration zu schützen, 152
Stunden auf eine Temperatur von 60—-70 Centigrade zu erwärmen;
auch in seiner Qualität nehme er durch eine solche Behandlung nicht
ab, vielmehr haben Kenner dem so behandelten Wein, sowohl was
Kraft als Bouquet betreffe, immer den Vorzug gegeben.
Rattenvertreibung. Seit vier Jahren habe ich, so schreibt
der „Canada-Farmer“, zu meiner großen Genugthuung die Erfahrung
zemacht, daß wil de Pfeffermünze ein sicheres und verläßliches
Mittel gegen Ratten ist. Vor dieser Zeit war meine Scheuer regel—
mäßig von Ratten heimgesucht und waren sie so zahlreich, daß ich
große Furcht hegte, mein ganzes Korn von denselben vernichtet zu
sehen. Zufällig hatte ich zwischen meinem Weizen 2 Morgen mit
vilder Pfeffermünze stehen; als nun der Waizen gemäht wurde,
vurde die Pfeffermünze auch geschnitten, und mit dem Waizen zu—
ammen eingeheimst, worauf die Ratten aus diesem Theil meines Wirth⸗
chaftsgebäudes verschwanden. Nachdem ich nun Pfeffermünze überall in
meine Kornspeicher gelegt, bin ich seitdem von keiner einzigen Ratte
nehr belästigt worden, während meine Nachbarn stark von ihnen
heimgesucht werden. Ich bin fest überzeugt, daß nur dieses einfache
Mittel die Ratten verscheucht hat und empfehle es zu allgemeiner
Nachahmung.
Pressen der Strohhüte. In früherer Zeit wurden die
zusammengenähten Strohhüte nur durch Bügeln geplättet. Später
legte man sie in eine Form und setzte dann einen sechstheiligen Kern
hinein, der, durch Eintreiben von Keilen in die Fugen erweitert, die
Pressung bewirkte. Jetzt wendet man statt dessen einen starken Kaut—
chuksack an, der in den, in der Form befindlichen Strohhut gelegt
wird. Man deckt dann eine schwere eiserne Platte darüber, welche
den Beutel zurückhält. Das Zuführungsrohr für das Wasser, welches
den Kautschukbeutel ausgeweitet, geht durch diese Platte dicht schließend
hindurch. Man wendet einen Wasserdruck von 8 bis 10 Atmosphä—
ren an, der die Pressung der Hüte in sehr rascher und vollkommener
Weise bewirkt. (Dingl. Journ.)
Verhütung des Blauwerdens der Milch. Hierzu gibt
der Gutsbesitzer Elten zu Notzendorf in Westpreußen als bestes, durch
mnehrjährige Erfahrung bewährtes Mittel das Schwefeln der Milch—
cammer an. Sobald sich das Uebel einstellt, werden Thüren und
Fenster des Zimmers dicht verschloßen und dann in der Kainmer zwei
leine Hände voll Schwefelfäden angezündet, worauf dieselbe 4 bis 5
Stunden dicht verschlossen und dann gelüftet wird. Diese Operation
nuß täglich wiederholt werden, aber höchstens 8 Tage lang.
Die Kohlrübe. Häufig hört man die Landleute klagen, daß
sie keinen guten Kohlrübensamen erhalten hätten; ihre Kohlrüben—
hätten alle lange Hälse und schwache Rüben gehabt. Meistentheils
liegt aber der Grund; dieses Mißwachses der Kohlrüben nicht am
Samen, sondern an der Behandlung der Pflanzen. — Die Kohlrübe
gedeiht am besten in einem lehmigen, sandigen Boden, muß weit
läufig, ungefähr 19, Fuß weit von einander, gepflanzt und der Bo—
den darf nicht zu tief gegraben oder gepflanzt werden. Befolgt man
diese Regeln nicht, so kann man versichert sein, daß man allemal
langhalsige, dünne Kohlrüben bekommen wird, da sie dann mehr in
das Kraut und den Strunk, als in die Rübe treiben.
Mittel gegen die Rinderpest. Der englische General—
onsul in Warschau E. E. Mansfield hat folgende Depesche unterm
24 Nuqust an das Ministorium vdes Nusmärftigen in London gesandt