Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

wird man zugeben, daß das neue System die electrische Telegraphi—
in eine ganz neue Phase treten läßt.
Die dem Publikum seit dem 16. Februar eröffnete Linie zwischern
Paris und Lyon ist die einzige bis jetzt im Betrieb befindliche. Zwe
Bureaur sind in Paris für deren Dienst eröffnet, und hängen dor
Rahmen zur Ansicht des Publikums aus, welche Originale und Pro—
hen von zwischen Paris und Lyon gewechselten Depeschen einschließen
(Nach „L'illustration. Journal universel.“)

Der Boden und die Bodenbereitung.
Was die künstliche Vodenbearbeituug bewirkt.
So wohlthätig und nothwendig auch die natürliche Bearbeitung
des Erdreichs ist, so reicht doch der Vorrath von Pflanzennahrung, den
sie bereitet, nicht aus, um den großen Ansprüchen, die der Landmann
macht, zu genügen. Er muß also der Natur kräftig zu Hülfe kom
men und durch künstliche Mittel zur Bearbeitung und Bereitung
des Bodens mithelfen durch Pflügen, Graben, Eggen, Hacken u. s. w
Diese künstliche Bearbeitung bewirkt dann in weit höherem und
vollkommenerem Grade, was die natürliche ohne die Beihülfe in ge—
ringerem Grade thut, oder vielmehr: sie bewirkt, daß die natürlich«
Bodenzersetzung und Bereitung der Pflanzenspeise weit ergiebiger und
rascher vor sich geht.
Die Bearbeitung des Bodens durch den Menschen hat mämlich
diese Erfolge:
1) Die vollständige Mengung der verschiedenen Be—
standtheile des Bodens. Die Pflanzen gedeihen am besten, wenn
diese Bestandtheile recht innig mit einander gemengt sind. Ist dieses
nicht der Fall, befinden sich z. B. an einer Stelle des Bodens meist
nur Thon oder Eisentheile, in einer andern größtentheils nur Kalk—
theile in einer dritten beinahe nichts als Quarzkörner, so wachsen
die meisten angebauten (Kultur-) Pflanzen nur kümmerlich oder gar
nicht weil die Wurzeln nicht dasjenige Gemisch von Nahrungsmitteln
vorfinden, welches sie zu ihrem Gedeihen durchaus nöthig haben
Eine sorgfältige Bearbeitung des Bodens ist daher aus diesem Grunde
schon unerläßlich.
2 Die Aufbewahrung und Erhaltung der auf den
Boden gelangenden Feuchtigkeit. Der gelockerte Boden be
—DD auflösen
müssen, bevor sie in die Wurzeln der Pflanzen übergehen können,
länger in seinen Zwischenräumen als der feste Boden. Bei diesem
dringt das Wasser nicht gehörig ein und nicht genug in die Tiefe,
so daß die Wurzeln leicht entweder an Trockenheit oder Nässe leiden
Dagegen steigt bei einem gelockerten Boden das Wasser selbst aus
der Tiefe allmählig an die Oberfläche und versieht die Faserwurzeln
mit der nöthigen Feuchtigkeit. Davon kann man sich leicht überzeu
gen bei einem mit trockener Erde gefüllten Blumentopfe, der im Bo
den durchlöchert ist und in einen mit Wasser gefüllten Teller ge
stellt wird. Ferner zieht ein gelockerter Boden auch mehr Wasser
dunst aus der Luft als ein fester, ganz besonders Thon⸗ und Hu
musboden.
3) Erhöhte Fähigkeit zum Einsaugung und Verdich—
ten der Luft. Gelockerter Boden zieht mehr Sauerstoff, Kohlen
säure und Ammoniak aus der atmosphärischen Luft und aus den ver—
wesenden Stoffen an als ein ein fester. Durch die Aufnahme von
mehr Sauerstoff erfolgt eine größere Wärme und eine größere Thä
tigkeit des Bodens, daher auch ein schnelleres, kräftigeres Wachsen
der Pflanzen. Der Zutritt des Sauerstoffs wirkt auch dadurch in
sehr vielen Bodenarten wohlthätig, daß er sich mit dem im Wasser
leicht löslichen Eisenrost verbindet und diesen in eine mit Wasser
nicht lösliche Verbindung überführt, also für die Pflanzen unschäd
lich macht.
9) Beförderung der Verwitterung des Bodens. In
lockerem Boden kann die Feuchtigkeit, der Sauerstoff und die Kohlensäure
 besser zu den größeren und kleineren steinigen Bestandtheilen
hinzutreten, und daher geht die Verwitterung desselben auch schnel
ler vor sich. In Folge dessen wird der Boden auch von dieser Seit
viel eher wieder mit den nöthigen mineralischen Stoffen versehen, al
wenn das Erdreich nicht gehörig bearbeitet wird.

Von großem Nutzen ist in dieser Hinsicht namentlich das tie
Amgraben oder Pflügen des Bodens im Herbst, weunn man alsdanz
das Land den Winter über in rauher Furche liegen läßt. Dahe
soll man, wenn immer möglich, das Land, welches man erst im Früh
ling ansäen will, schon im Herbste zuvor umgraben oder pflügen
Die tiefer liegenden Erdschichten werden dadurch an die Oberfläch
gebracht und die in demselben enthaltenen Nahrungsstoffe für die Pflan
zen löslich gemacht oder „aufgeschlossen“.
5) Zerstörung des Unkrauts. Die Unkräuter sind ther
Samen-, theils Wurzelunkräuter. Die ersteren werden dadurch ze—
stört, daß man den Boden lockert, umwendet und so in die Ackerkrum—
liegenden Unkrautsamen an die Oberfläche bringt, daß sie hier keinen
können. Dann muß man sie vor dem Samentragen durch Umpflüger
oder Hacken zerstören. Wurzelunkräuter aber (Quecken, Hauhechehn
a.) vertilgt man durch die Bodenbearbeitung, indem man ihre Wu
zeln aus der Erde bringt oder verdorren läßt, oder noch besser ein
sammelt und verbrennt.

Die Krankheit der Seidenraupe.
Liebig sagt: „Die Krankheit der Seidenraupen ist eine Folg⸗
ihrer schlechten Ernährung; die Maulbeerblätter enthalten nicht mehr
die genügende Menge Nahrung, welche die Raupe zu ihrer norma—
len Entwickelung bedarf; an dem geringen Gehalt der Blätter an
Nahrungsstoffen ist aber der erschöpfte Boden schuld.“ Dumas in
der neulichen Senatssitzung zu Paris dagegen sagt: „Die Seidenraupen
krankheit ist nicht Folge der Nahrung, sie ist unabhängig von der—
elben.“
In der That können hier nur Beobachtungen entscheiden, uns
wir erwähnen einer solchen; sie spricht geradezu für die Ansicht vor
Liebig. Im verflossenen Jahre wurden Proben von Maulbeerblättern
aus Italien nach München geschickt, mit dem Bemerken, daß di⸗
Blätter gute Resultate bei der Fütterung der Seidenraupen geliefert
— DD
im Laboratorium des Prof. Dr. Zöller untersuchten die Hemen
Neumayr und Ullmann die getrockneten Blätterproben, und jun
den in den guten Blättern 22,3 Proc. Eiweißstoffe, in den schlech
teren nur 17,7 Proc. Dies ist ein auffallendes Resultat. Die Eiweiß
toffe nämlich können, ohne großen Fehler, die plastischen thierischa
Nahrungsstoffe genannt werden; das Product der Raupe, die Seide
besteht außerdem aus Eiweißsubstanz. Es ist daher sicher nicht gleich
gültig, und Jedermann wird es eine abnorme Ernährung nennen
wenn die Raupe, um dieselbe Menge Eiweißstoffe in den Leib zu be
kommen, statt 4 Gewichtstheile guter Blätter 58 Gewichtstheile schlech
ter Blätter verzehren muß. Die tägliche Erfahrung beweist cber
und die zu den nach München gesandten Blättern gemachte Bemet
kung bestätigt die Erfahrung, daß ein abnorm ernährter Organis
mus zu Krankheiten viel mehr geneigt ist, als ein gesund ernährtet.
Was uns aber hauptsächlich veranlaßte, die obige Beobachtund
mitzutheilen, ist die Leichtigkeit, mit der sie wiederholt werden kann.
und die Sicherheit, mit welcher sie die Streitfrage zu lösen im Stand'
ist. Wie viel einfacher wäre es doch, und so ganz der naturwissen
chaftlichen Forschungsmethode entsprechend, wenn man, statt die Ur
sache der Seidenraupenkrankheit in allen möglichen, in ihren Wit
kungen auf die Raupen nicht näher studirten Einflüssen zu suchen
den Seidenraupenzüchtern sagte: macht es wie die rationellen Land
wirthe, und stellt den Nahrungswerth der Blätter fest, womit ih
eure Raupen füttert; ihre werdet dann in kurzer Zeit gefunden he
ben, in welchem Zusammenhang Nahrung und Krankheit steher
Vorerst würde es genügen, nur einmal die organische stickstoffhaltio
Substanz der Maulbeerblätter dem Gewicht nach zu bestimmen.

Hufeisen.
Die gewöhnlichen Hufeisen mit Stollen und Griff haben haupt
sächlich den Nachtheil, daß das Pferd nur an drei Steilen auftritt,
wodurch ein ungleichmäßiger Druck auf den Huf entsteht, der öfters
Steingallen zur Folge hat. Bei den englischen Hufeisen, welche na—
mentlich bei Reit und leichten Kutschpferden in Gebrauch sind, trit
            
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