nirversuche gemacht. Denkende und beobachtende Männer verbesserten
das anfänglich noch sehr unvollkommene Verfahren von Jahr zu Jahr
und der außerordentliche Nutzen desselben wurde immer einleuchten
der und immer allgemeiner auerkannt. Indessen hätte sich diese Ent
wässerungsart doch nicht so schnell Bahn gebrochen, wenn nicht ein«
Maßregel eingetreten wäre, welche den englischen Landwirth nöthigte
sein Getreide reichlicher und wohlfeiler zu erzeugen. Die gesetzge
bende Behörde Großbritanniens erklärte nämlich die Einfuhr des
fremden Getreides zollfrei. In Folge dessen sanken mit der vermehr
len Einfuhe bald die Getreidepreise. Sollte nun das englische Ge
treide die Konkurrenz mit dem fremden aushalten, so mußte es wohl
feiler erzeugt werden, um auch wohlfeiler verkauft werden zu können
oder mit andern Worten: der englische Landwirth mußte, um bestehen
zu können, seinen Boden dergestalt verbessern, daß er bei gleicher Ar—
beit ausgiebiger wurde. Ein Haupthülfsmittel hierzu gab ihm nun die
gesetzgebende Behörde dadurch an die Hand, daß sie beschloß, den
Grundbesitzern des Landes hundert Millionen zum Drainiren ihres
Bodens anzuleihen. Jeder, der eine solche zweckmäßige Entwässerung
unternehmen wollte, erhielt von der Regierung die erforderlichen Vor—
schüsse, welche er durch jährliche Zahlung von 61/, Prozenten in 22
Jahren mit Kapital und Zins heimzahlen muß. Die Folge davon
war, daß in kurzer Zeit (bis 1834) gegen 6 Millionen Juchart Bo—
den drainirt und so viel Getreide erzeugt wurde, daß der Landwirth
die Konkurrenz des ausländischen bestehen konnte. Die Staatsverwal—
tung ließ aber auch alle von ihr unterstützten Entwässerungungsan—
lagen von Anfang bis zu Ende sorgsam überwachen und machte es
zur Bedingung der Anleihen, daß andere wichtige Verbesserungen,
wie Anlage von Feldwegen, von Bewässerungen und Vertiefung des
Ackerbodens zugleich mit ausgeführt wurden. Auf solche Weise be—
wirkte die Regierung mittelst einer bestimmten Summe, die durch die
jährlichen theilweisen Heimzahlungen stets wieder in neue Hände über
geht, eine unbegrenzte Zahl der wichtigsten und nachhaltigsten land
wirthschaftlichen Verbesserungen.
Der große Erfolg in England veranlaßte im Jahre 1856 die
französische Regierung, hundert Millionen Franken zum gleichen Zwecke
und unter ähnlichen Bedingungen auszusetzen. In Belgien, Preußen
Sachsen und andern Staaten erfolgten nun, wenn auch in weit ge
ringerem Maße ebenfalls kräftige Unterstützungen für Verbreitung
dieser Hauptgrundverbesserung. In der Schweiz nahmen sich nur
wenige Kantonsregierungen, aber die meisten landwirthschaftlichen
Gesellschaften der Sache an, und es faßte das Drainiren auch bei
uns bald festen Fuß. Es bildeten sich viele Werkführer und Arbeiter
zu diesem neuen Berufe aus, und zahlreiche Röhrenfabriken entstan
den im eigenen Lande.
Wir wollen uns nun noch in Kürze darüber Rechenschaft geben.
was das Drainiren im Boden eigentlich für Veränderungen bewirkt
Wir werden daraus erkennen können, warum anderwärts so ungeheure
Anstrengungen gemacht worden sind. um seine Einführung zu be—
zünstigen.
Das Erdreich, auf dem die Gewächse fröhlich gedeihen sollen, isi
nur in dem Falle hiefür geeignet, wenn es bis in eine Tiefe, wohin
viele Pflanzenwurzetkn dringen (etwa 479, fähig ist, die belebenden
und befruchtenden Wirkungen der Sonnenwärme, der Luft und des
Regens aufzunehmen. Dies ist aber nur dann möglich, wenn das
Wasser bis auf jene Tiefe freien Abzug hat. Bleibt es schon be—
1 — 20 Tiefe aufgestaut liegen, so ergeben sich die schädlichen Fol
gen, die wir im vorhergehenden Abschnitte nachgewiesen haben.
Das Drainiren, welches das Wasser bei 4-5 Tieie im Erdreich
ableitet, bewirkt also:
1) Wiederherstellung der natürlichen Bodenwärme durch Ent
fernung der kältenden, verdunstenden Grundwasser, zugleich auch Ver
hinderung der Eisbildung im Boden und Verminderung der Wärme
ausstrahlung desselben, indem nasser Boden in kalten Nächten un
gleich viel mehr Wärme abgibt als trockener. In Folge dessen dring
die so wohlthätige Wärme der Luft und warmer Regen ungebinder:
in die Tiefe des Bodens.
2) Das Drainiren lockert und lüftet das Erdreich. Der
Raum, den vorher das stockende Wasser im Boden eingenommen hat
nimmt nun die Luft eiin Por früher vom MWasser angeschmalson
Thonboden zieht sich im Abtrocknen zusammen und bekommt vielt
seine Risse, zuerst in der Nähe der Röhrenlage, dann immer weiter
ringsum, so weit sich das Wasser zurückzieht, und Luft theils von
oben, theils aus dem Röhrenstrang dafür eindringt. Der strenge Bo—
den verliert dadurch an Zusammenhang und Bindigkeit; er wirt
mürber.
3) Das Drainiren erhält im Boden die den Gewächsen zuträg
liche Feuchtigkeit. Die frühere Befürchtung, daß es den Boden
(auf dem es zweckmäßig angewendet wird) allzusehr austrockne, ho
sich längst als nichtig erwiesen. Drainirter Boden wird bei Regenfab
bis auf den Grund mit dem Regenwasser getränkt und erfüllt. Waes
er nicht an sich zu halten vermag, gibt er als überflüssig an die Röh
renleitung ab. Trocknet dann bei Wiederkehr des warmen Wetter⸗
die oberste Bodenschicht ab, so steigt naturgemäß wie durch einer
Schwamm die Feuchtigkeit von den unteren, noch wasserhaltigen Schich
ten stufenweise und allmählig aufwärts und hält die Bodenkrume um
so länger feucht, je tiefer die Röhrenlage ist. Während undrainirter
Boden in heißer Zeit vermöge seiner Bindigkeit oft auf der Oberfläch
dürr und hart wird, beweist sich gleich schwerer drainirter als feudh
und mürbe.
4) Dies Alles bewirkt dann natürlich, daß drainirter Boden un
gleich fruchtbarer ist. Er nimmt die befruchtenden Gase der Luft
und des Regens leicht auf und befördert die Thaubildung; und die
anderen pflanzennährenden Bestandtheile können sich vermöge des Zu—
tritts der Wärme und des Sauerstoffes der Luft leicht zersetzen. Die
nährende Bodenschicht vertieft und verdoppelt sich damit, und die Pslem—
zen finden nicht nur ein reicheres, sondern auch nach unten zu eir
stark erweitertes und gelockertes Nahrungsfeld. In Folge dessen lie—
fern sie theils weit größere, theils bessere, gehaltreichere Ernten. Das
Getreide wächst üppiger, unterdrückt die Unkräuter besser, lagert sid
weniger und liefert gleichmäßiger reifende und körnerreichere Aehren
Auf den Wiesen machen die schlechten, sauren Gräser und die Sumpf
pflanzen den süßen Gräsern und guten Kräutern Platz. Runkelrüben
Kartoffeln u. s. w. gewinnen eine vollkommenere Ausbildung un
besseren Ertrag. Die in England angestellten Beobachtungen habe—
ergeben, daß drainirter Boden, zumal in nasseren Jahrgängen, ein
um die Hälfte, ja oft einen doppelt größern Ertrag abwarfen un
dieser Mehrertrag in wenigen Jahren alle Drainirkosten deckte.
Als fernere Vortheile kommen noch in Betracht:
5) Auf geneigten Ackerflächen verhindert das Drainiren di
Abschwemmung des fruchtbaren Erdreiches bei gewöhnlichen Re
genfällen, indem das Regenwasser ungehindert in den gelockerten un
durchlüfteten Boden eindringen kann, während es von undrainirten
mit Grundwasser angefülltem oberflächlich ablaufen muß und nicht sel
ten zahlreiche Wasserfurchen aufreißt, Erde abschlämmt und eine Mene
Dünger- und Humustheile entführt.
6) Drainirter Boden läßt, weil er früher warm und trode
wird, eine frühere Bestellung zu, gibt also auch sicher ere und
frühere Ernten und erfordert zugleich geringeren Aufwand
an Zeit und Kraft zur Bearbeitung, da er lockerer und für die Wi—
kung von Pflug, Egge, Walze u. s. w. empfänglicher ist. Auf solthe
Boden kann man in Zeiten und mit Zugthieren arbeiten, wie dies uu
undrainirtem nicht ausführbar wäre.
Endlich darf nicht unerwähnt gelassen werden, daß solche —X
wässerungen, die im Großen ausgeführt wurden und ganze vand
schaften umfaßten, wie dies in England und Frankreich der Fai
war, außerordentlich günstig auf das Klima einwirkten. Nachder
die weiten Bodenstrecken abgetrocknet waren und die Wassermassen
die früher verdunsteten, nun unterirdisch abflossen, erzeugten sich mert
lich weniger Nebel und Nachtfröste in der Gegend. Luft und Boden 6
wannen mehr Wärme. Mancherlei fieberartige Krankheiten, weld
regelmäßig die Bewohner befallen hatten, verschwanden, und auch de
Gesundheitszustand des Viehes, dem statt der nassen, sauren Weiden nu
trodene nahrungsreichere geboten werden konnten, verbesserte si
augenscheinlich. Ueberdies wirkten jene großartigen Drainiranlage
vortheilhaft ein auf die Regulirung der Gewässer und lieferten in man.
chen Fällen willkommene Vorräthe von Trinkwasser,