Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

net findet. Es versteht sich fast von selbst, daß mitten durch allt
diese Ställe Eisenbahnen hindurchgehen, welche den Dünger ab- und
das Futter zuführen. Der erstere wird benutzt, um ein weites Sand
feld zu befruchten, das, mit den edelsten Obstbäumen in regelmäßigen
Reihen bepflanzt, die herrlichsten Früchte hervor bringt.
Das Futter sieht man in sonderbaren Heuschobern von ungeheu—
rer Größe aufbewahrt, die, unten cylindrisch, von einem kegelförmi
gen Dache bedeckt sind. Und zwar werden für die Kühe nur die
einsten Gräser angebaut; vermuthlich würden ihre verwöhnten Gau
men die gröbern Grasarten mit Verachtung zurückweisen, mit denen
unser plebejisches Vieh sich mästet. In der Nähe befand sich eine
ierliche halbkreisförmige Laube, mit reinlichen Sitzen im Innern
„Melklust“ ist ihr Name; die Reisegesellschaft konnte jedoch nicht
heobachten, ob in dieser Veranda elegante Damen die köstliche Milch
aus den Eutern der Kühe entleeren, oder ob auch dies Geschäft die
Maschinen besorgen.
Bald sollte die Gesellschaft erfahren, daß die Sorgfalt, die hier
den edlen Rindern gezollt wird, nicht vergeblich verschwendet ist
Als man am Ende der Wanderung wieder an das Wohnhaus zu
rückgekehrt war, lud die gastfreie Hausfrau, die in Abwesenheit ih
zes Gatten die Honneurs machte, zu einem improvisirten Frühstücke
ein. Das Innere des Hauses zeugt von jenem behaglichen Comfort
den der Holländer mit dem Engländer zu theilen versteht. Die gro
zen Fenster lassen das hellste Licht ein; der Marmorkamin verbrei
tet behagliche Stimmung; die Fußböden sind mit schweren Teppicher
überdeckt, die Wände mit einer großen Menge alter und moderner
ODelgemälde geschmückt, wie überhaupt in Holland der Bilderschmuchk
aur selten einem Hause fehlt — eine glückliche Nachwirkung de
zroßen Kunstblüthe, die dieses Land einst erlebt. Die Beefsteaks, die
zum Frühstück aufgetragen wurden, waren auf dem Gute aufgewach
jen; sie waren groß, als seien sie aus der Lende eines Mammuthé
geschnitten, dabei zart und saftig wie eine reife Pfirsiche. Wäre das
Haarlemer Meer, meint der Referent, schon in der Vorzeit trocker
gelegt gewesen, die alten Götter Griechenlands würden es sicher vor
gezogen haben, statt der süßlichen Ambrosia sich an den Beefsteak—
von Ammorsfort zu letzten; auch würden sie die Butter und der
Käse ihrer olympischen Tafel nicht unwürdig gehalten haben

Ueber Asphaltpflasterung.
Der comprimirte Asphalt verspricht nach einem Bericht, welcher
herr Malo in einer Sitzung der Société des Ingenieurs civils er
stattete, die älteren Arten der Straßenpflasterung in Paris zu ver
drängen. Der in Paris zur Verwendung kommende Asphalt besteh
aus reinem kohlensaurem Kalk, der von Natur aus mit 6 bis 10
Proc. Bitumen durchtränkt ist. Dieser Stein bildet regelmäßige
Lager von einer Mächtigkeit von 12 bis 21 Fuß an verschiedenen
Stellen des Jura. In der Siedehitze des Wassers erweicht sich das
Bitumen so, daß der Stein zu Pulver zerfällt. Wird dieses Pulver
in der Hitze stark zusammengepreßt, so besitzt es, nachdem es wiede—
talt geworden, dieselbe Härte wie der natürliche Stein; und diest
besondere Eigenschaft hat in neuerer Zeit in ausgedehntem Maßstab—⸗
zur Herstellung der Straßen in Paris Anwendung gefunden. Zu
diesem Zwecke wird der rohe Asphalt auf mechanischem Wege in
kleine Stücke zerbrochen, pulverisirt und daun in große eiserne Kesse
zebracht, in welchen er bis auf 140 Grad C. erhitzt wird. Der
heiße Asphalt wird dann sofort in passenden Löffeln schnell an der
Ort seiner Verwendung gebracht. Er erhält eine Unterlage vor
Beton, welchem man die eigenthümliche Krümmung der Oberfläche,
velche die fertige Straße erhalten soll, schon gegeben hat. Auf diese
wird er ausgebreitet und mit heißen gußeisernen Rammen sorgfältig
festgestampft, so daß er eine feste Platte bildet. Drei schwere Wal—
jen, die erste ungefähr 5 Centner, die zweite 20 Centner, die dritte
15 Centner schwer, läßt man nach einander über die sich erhärtende
Straßenfläche gehen. Dadurch erhält die Asphaltdecke eine gleich
örmige Dicke, in Paris von 4 Centimeter. Zwei bis drei Stunden
nach der Anwendung der letzten Walze ist die Straße für den Ver—
tehr fertig.
Im VRaßre 18830 .

v EFufhefung diesos Nerfahrens

uschlug d'Arcy, Generalinspector der Straßen, die Anwendung dessel—
ben, auf einen Theil der Boulevards vor, aber erst 1854 kam sie in
der Rue des Bergers zu Stande. Heute beträgt die Gesammtlänge
der nach dem neuen Verfahren gebauten Straßen über 100,000 Meter,
abgesehen von vielen großen Höfen, für welche es ebenfalls zur Ver—
wendung gekommen, und zwar vorzugsweise wegen der damit verbun—
denen Geräuschlosigkeit.
Die Schwierigkeiten, welche sich Anfangs der Verwendung des
Asphalts entgegenstellten, bestanden in der Zubereitung des Materials
und dann, nachdem diese aufgehoben, in der Schwierigkeit, dasselbe
aufzutragen. War die Unterlage nicht vollkommen trocken, so verhin—
derten die durch die Hitze gebildeten und durch den Asphalt aufstei—
genden Wasserdämpfe das gehörige Zusammenbacken der Masse. An
manchen Stellen war der Boden bei Anlegung eines Abzugscanals
aufgelockert worden und verursachte, dann indem er sich wieder fest—
setzte, Risse in die Asphaltdecke. Alle diese Hindernisse wurden indeß
überwunden und so eine Straßenbekleidung gewonnen, welche folgende
Vorzüge bietet: 1) Vermeidung von Staub und Schmutz, da die jähr—
liche Abnutzung nur 1 Millimeter (1/, rheinl. Linie) beträgt; 2) fast
vollkommene Geräuschlosigkeit; 3) Verminderung der Arbeit der Pferde
im Vergleich mit dem Pflastern und Macadamisiren (was jedoch von
Tresca in Zweifel gezogen wird); 4) Ersparniß an Unterhaltungs—
kosten Wagen, welche nach Malo für Paris, wenn alle seine
Straßen asphaltirt wären, 81/, Mill. Fres. betragen soll; 5) Ver—
meidung der schädlichen Erschütterung für die Häuser.
Die dagegen erhobene Befürchtung, die Asphaltdecke könnte für
leicht beschlagene Wagen- und Reitpferde zu glatt werden, hat sich
nicht bestätigt, so lange die Straße nicht zu steil ansteigt oder zu stark
gekrümmt ist. Zu Folge angestellter Beobachtungen fiel ein Pferd
von 1308 auf einer gepflasterten und eins von 1409 auf einer as—
phaltirten Straße. Wird aber, was zuweilen geschieht, die Straße
durch fremde, bei dem Verkehr darauf fallende Substanzen schlüpfrig,
so genügt ein einfaches Waschen oder Bestreuen mit Sand.
Die Unkosten eines Quadratmeters Straße berechnen sich für
die verschiedenen in Paris gebräuchlichen Arten folgendermaßen
Material.
Comprimirter Asphalt mit Beton-Macadamisirung.
Herstellungskosten. Jährl. Unterhaltungskosten
7 fl. — ͤr. — fl. 35 kr.
3 fl. 16 kr. Lfl. 12 kr. bis 1fl. 24 kr

Der Obsthandel in Frankreich und der Pfalz.
Wie großartig die Versendungen von Obst nach dem Centrale
dieses Landes sind, gibt uns Desportes an. Aus Angers allein
gingen vom Juli 1863 bis 1864 44,000 Ctr. Aepfel und Birnen,
1308 Etr. Erdbeeren und 1580 Ctr. Kirschen nach Paris. — Aus
Afrika kommen in der frühesten Jahreszeit die schönsten Früchte nack
Frankreich, um auf dem Pariser Obstmarkt verwerthet zu werden.
Im südlichen Frankreich, wo Alles um 14 Tage früher reift,
sind die besten Anstalten getroffen, diese Produkte rasch nach Paris
zu bringen. Auf den Stationen, wo in der Nähe Früchte und Ge—
müse in reichlicher Menge gezogen werden, befinden sich Agenten,
welche die gefüllten Körbe in Empfang nehmen und nach Paris an
den Großhändler senden, um gleich in einer Auction unter der Auf—⸗
icht der betreffenden Behörde öffentlich versteigert zu werden. Der
zewöhnliche Händler setzt den Inhalt im Einzelnen weiter ab. Die—
'es Alles geht so rasch, daß man sich darüber verwundern muß. Die
hier eingehaltene Ordnung ist zu rühmen, daß man sie anderen aro—
ßen Städten auch empfehlen möchte.
Selbst aus der Rheinpfalz geht Manches, besonders Hasen, aui
dieselbe Weise zur Versteigerung nach Paris. Dagegen kommt aber
auch so viel Kopfsalat, Erbsen, Bohnen, Radies ꝛc. schon im Februar
aus Afrika über Paris und Metz an den Rhein, daß die Gärtnern
daselbst ihre Treibereien bald aufgeben müssen. Nur der Lattichsala⸗
allein lohnt sich noch, weil dieser nicht versendet werden kann, wie
man sich bereits auch auf die Erziehung der frühen Krautpflanzen
verlegt.
Die Früchtesendungen aus der Pfalz nach England werdern
ührigens immer hebdeutfenden ig solhst der Misak von Oshsshäumen
            
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