ohne daß es bis jetzt möglich gewesen wäre, den Urhebern jener
Gaunerei auf die Spur zu kommen.
Ich warne deshalb Jeden, sich ferner auf jene oder ähnliche
Offerlen einzulassen, ehe man sich durch zuverlässige Erkundigungerp
sicher gestellt hat, welche einzuziehen die Königlichen Consularbehörden
sich gewiß gern bereit finden lassen werden.
Trier, den 28. August 1865.
Der Königl. Ober-Prokurator.
Das Haarlemer Meer.
Dr. F. C. beschreibt in der „N. Fr. Pr.“ einen Sonntag im
Haarlemer Meer, welcher interessanten Schilderung Nachstehendes im
Auszuge entnommen ist.
Was wir Binnenländer „das Meer“ nennen, das nennt der
Holländer, wie alle germanischen Küstenbewohner von Somland bis
nach Devonshire niemals Meer, sondern immer nur „die See“. Da
gegen versteht der Holländer unter „Meer“, was man bei uns „einer
See“ nennen würde. Die Südersee (Zuidersee) ist wirkliches Meer
das „Haarlemer Meer“ dagegen ist oder war vielmehr ein See
Und auch kein natürlicher See, keine Ansammlung der Gewässer an
der tiefsten Stelle eines Thales, gleich den Seen der Alpen; ein
Dammbruch am N hatte im 15. Jahrhundert hier 17,000 Hectaren
(über 66,300 preuß. Morgen) bewohnten Landes mit 14 Fuß Wasser
überdeckt und die stete Vermehrung der Wassermassen bedrohte die
Nachbarstädte Haarlem und Leyden mit dem Schicksale Vinetas. Im
Jahre 1839 beschlossen auf Antrieb der hochverdienten niederländi
schen Landbau-Gesellschaft Generalstaaten die Trockenlegung des
Sees; 1853 waren 5 Quadratmeilen der Civilisation wieder erobert
Bei der Inangriffnahme dieses Unternehmens wurde der Se—
zunächst mit einem hohen Ringwall und einem tiefen Ringgraber
eingeschlossen. Sodann bedienten sich die Holländer colossaler Dampf
maschinen, die das Wasser aus dem See heraus und in den Ring
graben hineinpumpen mußten, aus dem es dann ins Meer ablaufer
konnte. Noch jetzt müssen diese Maschinen Tag und Nacht arbeiten,
den alten Seeboden trocken zu erhalten; denn da derselbe 7 Ellen
unterhalb jenes Grabens liegt, so können die jahraus jahrein durch
den Regen und Schnee vom Himmel herabfallenden Wassermassen
selbstverständlich keinen natürlichen Abfluß finden und würden das
Land bald wieder ersäufen, wenn die Maschinen einen Augenblich
rasten wollten.
Der Weg auf der Krone des Ringwalls führt an einer dieser
Maschinen vorüber, deren stolze Gebäude einem schottischen Castle
nicht unähnlich sehen. Drinnen arbeiten die Maschinenkräfte gehor
sam im Dienste des Menschengeistes; 7 riesige Pumpen müssen sie
gleichzeitig in Bewegung setzen, in jeder Stunde 400mal die Kolben
heben, um das Wasser aus dem Seeboden auszuschöpfen und 14 Fus
höher in den Ringgraben auszugießen. Die Dampfmaschine, die
alles verrichtet, wird von 10 Kesseln gleichzeitig gespeist uͤnd arbeite:
mit 450 Pferdekräften. — Von der Warte des Maschinenhauses kann
man sich ein Bild machen von den Arbeiten, die hier stattfinden
mußten; denn auf der anderen Seite des Ringwalls wird eben ein
kleiner See ausgeschöpft (de Lutje Meer) das nur 187 Hectaren be
deckt. Schon seit dem vorigen Jahre liegt der schwarze schleimige
Moorboden wieder dem Tageslicht offen; auf diesem gefährlichen
Grunde ziehen die Arbeiter schnurgerade Gräben parallel neben ein
ander, indem sie sich durch eine Art Schneeschuhen vor dem Versin
ken schützen. In ihnen sammelt sich das Wasser, das durch die
Dampfmaschine in den Ringgraben gehoben werden soll; das Lant
aber, nachdem das Wasser sich von ihm geschieden, setzt sich zusam
men und ist für den Pflug bald vorbereitet.
Bei dem Haarlemer Meer haben, wie bei den meisten solcher
gigantischen Unternehmungen, die directen Erträge die Kosten (9 Mill
Gulden) nicht gedeckt; denn als die neugewonnenen Polder zum Ver
kauf gestellt wurden, brachten sie nur 6 Mill. ein; da der Boder
oon ungleichem Werth, bald Moor, bald Sandboden ist, wurde di—
Hectare (39,12 preuß. Morgen) von 125 bis 750 Gulden (417 Sgr.
bezahlt; heute freilich ist ihr Werth mindestens ums Dreifache ge
stiegen.
Nun aber herab von dem Ringwall auf den Boden des See's
nar dem erston der NRandaüfer in wesche das Hgarsemer Mashor go
Bekanntmachung.
Zu Perl wird am 5. September cer. eine Telegraphen-Statio
mit beschränktem Tagesdienste (confr. 8. 4 des Reglements für du
telegraphische Correspondenz im Deutsch-Oesterreichischen Telearapher
Verein) eröffnet werden.
Berlin, den 2. September 18685.
Königl. Telegraphen-Direction
theilt wurde, halten die Wagen. Badlust ist der Name, der ibe
der Hausthür steht; es ist die berühmte Oekonomie des Herrn An
mersfort.
Nichts ist verschiedener, als die Wirthschaft alten Schlages un
diese Musterwirthschaft der Zukunft. Hier sucht man vergeblich d
großen viereckigen, rings von Scheuern und Ställen eingeschlossene
Hof, dessen eine Seite das Schloß bildet, oft noch von außen m
Graben und Wall geschützt, zur Erinnerung an jene Zeiten, wo d
Rittergüter die ritterliche Tapferkeit ihrer Besitzer oft ernstlich au
die Probe stellten, und wo das Schloß im Nothfall auch als Festun
zu dienen hatte. Badlust gleicht viel eher einem kleinen Bahnho
denn in allen Ecken erheben sich respectable, massive Gebäude, di
ämmtlich durch Schienengeleise mit einander in Berbindung stehen,
und diese Eisenbahnen laufen weit in die Feldmark hinaus. Hie—
cährt der Bauer mit Lokomotiven in sein Feld, läßt dieselbe dan
pflügen und eggen, mähen und einheimsen, dreschen und Häcksel schne
den, während er ruhig seine Thonpfeife raucht und die Zeitung ließ
Da man auf diesem Gute statt Vieh und Menschen nur Maschwe—
arbeiten läßt, so mußten für diese natürlich begueme Wohnungen;,
sorgt werden. Hier das „Pfloghuis“ (Pflughaus) ist ein wahn
Museum der vollkommensten Ackergeräthschaften, wie man sie bei ur
aur in landwirthschaftlichen Ausstellungen zu sehen bekommt; drüb⸗
das „Wagenhuis“ enthält Fuhrwerk von allerlei Art, von dem Ka
ren bis zur Karrosse. Nicht wéit davon ist der Stall für die eis
nen Zugthiere, wo die Lokomobilen von ihrem Tagewerk ausruhen
zierliche blanke Gesellen, denen man es kaum ansieht, daß jeder sit
14 Pferde zu arbeiten im Stande ist. Bald dahinter ist die Futtr
kammer für diese Eisenrosse, wo die Torfziegel zu mächtigen Maur
aufgeschichtet stehen; sie sind auf dem Grundstücke selbst durch and
Maschinen ausgestochen (Stechtorf), oder aus dem aufgerührr
Moorschlamm durch wieder andere Maschinen in viereckige Form
sammengepreßt worden (Mengtorf).
Doch fehlt es dem Gut auch nicht an lebendigem Vieh, dies
im Gegentheil die Krone und der Stolz der Wirthschaft, nur iß
viel zu edel, als daß diese Aristokraten zu gemeiner Tagearbeit hero
gewürdigt werden sollten. Wie prächtig ist nicht das Koeboer, de
Quhstall, der zwar nur von Holz gebaut ist, aber auch außen latit
und gefirnißt, wie ein imitirtes Schweizerhaus; im Innern die —X
mer (Ställe kann man dergleichen doch nicht nennen) sind wohl
pflastert und mit weißem Holz getäfelt; ihre prächtigen Insassen s
reinlich und glänzend, und wenn Eine sich ihre natürliche Un—
noch nicht abgewöhnt hat, so wird ihr der Schwanz an einem H
in der Wand festgebunden, damit sie sich die Flanken nicht besun
tann. Noch stattlicher vielleicht präsentirt sich der massive Pferd
oder Maarstall, wie er hier heißt, denn allen diesen Gebäud⸗
ihre Bostimmung über der Thür angeschrieben; eine Verada
sich um sein vorspringendes Ziegeldach, und schön modellirte J
köpfe ziehen die Giebelfelder. Am gemüthlichsten sind vielleich
Schweine logirt; keine Antilope in einem zoologischen Garten
es besser haben. Unter gemeinschaftlichem Dach sind eine große,
kleiner Häuschen aneinander gereiht, jedes ist von einem dieser schu
weißen oder rosenrothen, kugelrunden Ungethüme bewohnt, dei be
sich selbst Kopf und Beine in blühenden Speck und Schinken verwe
delt zu haben scheinen. Will das Thier sein schmuckes Zimmera
mit der frischen Luft vertauschen, so braucht es nur aus der offer
Stubenthür hinauszutreten in das ihm allein reservirte, rings
Mauern eingefaßte Gärtchen, beschattet von einer Weinrebe, die
Ranken über das Dach spaunt. Die Achtung vor der Wichtis
dieser beneidenswerthen Geschöpfe wird noch gesteigert, wenn p
an jeder Thür den Namen des Bewohners und seiner Eltern, sei
ibe 3 reang n ßusihe Morsonalnatizen aufaer