Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

essen bei seinem mageren Mahle. Fehlt nun gar der aufgehängte
Hering, so läßt er der Phantasie noch mehr Spielraum, da er dann
Batatoes and point (Kartoffeln mit Fingerzeig) ißt, indem er nach
der Stelle mit der Kartoffel weist, wo der Hering hängen könnte, um
sie erst dann nach dem Munde zu führen. In Schottland wurde sie
erst 1740 in Gärten gezogen, und Kylfith war der erste Mann, der
sie 1746 auf seinen Feldern baute.
Obgleich die Kartoffel schon 1625 nach Toscana durch einen Kar—
melitermönch kam, so wird sie dort noch jetzt nicht allgemein ge—
baut, höchstens nur in Gärten gezogen, da jenes Klima schönere Früchte
hervorbringt. In Neapel gelangte sie erst durch einen Württemberger
1770 in Folge einer Hungersnoth mehr zur Geltung, da die Regie—
rung ihn unterstützte, indem sie Preisr für die fleißigsten Kartoffelbauer
aussetzte und Anweisung zum Anbau verselben im Lande verbreiten
ließ. Besonders aber war es die im Jahr 1617 durch Mißernten her—
vorgerufene Theuerung, wodurch die Kultur der Kartoffel auch hier
tieg. In Venedig hat sich besonders das Handlungshaus Trewes um
die Anpflanzung der Kartoffel verdient gemacht, indem es eine Schiffs
jadung von England kommen ließ und diese zum Pflanzen vertheilte.
In Portugal blieb sie bis 1798 selten.
(Schluß folgt.)

Strohhutimitationen.
Solche Imitationen, die den feinsten Strohhüten täuschend ähn—
lich, leicht gewaschen werden können und höchst elastisch sind, bestehen
nach den Mittheilungen des niederbsterr. Gewerbevereins aus einem
zgefärbten Baumwollgewebe, welches nach einer Zinkblechform ausge—
schnitten, über ein Gypsmodell aufgezogen und auf beiden Seiten mit
einer Mischung von Chromgelb, einer Auflösung von Traganthgummi
in heißem Wasser und Alkohol, und dann mit einem Gemische von
Tollodium, Chromgelb und Traganthgummi überstrichen wird. Um das
den ächten Strohhüten eigenthümliche Geflecht darzustellen, wird von
einem feinen Strohhute galvanisch eine Matrize angefertigt und durch
Metallguß verstärkt, der Hut in diese Hutform gebracht und in seine
Höhlung ein vulcanisirter, der inneren Form sich anschließender Gummi—
schlauch gelegt. Dieser Schlauch wird mit Wasser gefüllt und so mit—
elst einer hydraulischen Presse auf die Wände des Hutes ein Druck
oon 18 bis 21 Atmosphären ausgeübt, wodurch man einen außer—
ordentlich scharfen Abdruck erhält. Der Hut kommt dann in eine zweite
Presse, welche eine mit Filz ausgefütterte Form hat, wahrscheinlich um
die zu starken Stellen des Abdruckes etwas zu mildern. Ein solcher
Hut kostet im Detailverkauf nur 53 Francs, während der ächte feine
Florentinerhut zu 40 Fres. verkauft wird. Die Fabrik von Simon—
neitt in Paris liefert mittelst drei hydraulischer Pressen in 10 Arbeits—
dunden täglich 400 Damenhüte.

Vermischtes.
Von der Saar. Die vielfach und auch in Regierungskreisen
aus gesprochene Behauptung von der Nützlichkeit des Maulwurfs findet
gar viele Gegner, besonders bei den praktischen Landwirthen. In man⸗
hven Gegenden, wo seit jeher der Maulwurf sorgfältig vertilgt wurde,
„B. im Kreise St. Wendel, liegen die Wiesen eben und als einfar—
big grüne Matten vor unsern Augen, während ein Theil der früher
zrade so schön geebneten Saarwiesen nur theilweise das Aussehen eines
hügelichen Leichenfeldes darbieten. Die ohnehin zu wockene Wiesenfläche
wird bei starker Verbreitung des Maulwurfs unterhöhlt, die Oberfläche
enkt sich stellenweise und es ist sehr schwierig, eine solche Wiese gut
ꝛbzumähen. Man sagte zwar, man konne ja fortwährend diese Hügel
heilen und diesen ausgestoßenen Boden als Dunger über die Wiesen
preiten, dieses ist aber bei nassem Wetter und schon fortgeschrittenem
deuwuchse nicht möglich. Daß der Maulwurf die Maikäfermotten oder
Engerlinge vertilge, haben wir nicht bestätigt gefunden, denn in Jah—
en, wo diese Landylage des Saarbodens erscheint, sind dieselben so

jahlreich im Boden verbreitet, daß der Maulwurf, Krähen ꝛc. nichts
jegen solche vermögen. Einen noch größeren Schaden verursacht der
Maulwurf in geackerten Feldern, wo er die Oberfläche hebt und beson⸗
ders in gut gedüngten Runkeln⸗ ꝛc. Feldern die jungen Pflanzen ab⸗
stößt. Eben so ist er als fleißiger Gärtner ein verhaßter Geselle, und
ich glaube, die Königl. Regierung hätte besser gethan, dies der Beurthei⸗
ung der Gemeinde-Verwaltung zu überlassen, ob sie einen Maulwurf—
fänger für nöthig finden oder nicht, als gegen die Vertilgung dieses
Thieres aufzutreten, wodurch unsere ohnehin zu trockenen Saarwiesen
hre schöne ebene Oberfläche einbüßen, und einen geringeren Ertrag lie⸗
fern. Es wird jetzt überhaupt über so vieles vom theoretischen Stand⸗
ounkte abgesprochen und behauptet, das sich praktisch ganz anders
herausstellt, deshalb sollte man dem Landmann vom griinen Tische aus
keine Vorschriften machen, über deren Nützlichkeit und örtlichen Werth
er nur allein competenter Richter ist.

Als Mittel gegen die Hundswuth empfiehlt tin italienischer
Arzt, Ratta zur Barallo, bei Bißwunden, wenn sie nur leicht und
oberflächlich sind, das Ausbrennen derselben, anstatt mit glühendem Ei—
sen, mit einer gut angebrannten Cigarre vorzunehmen. Durch dieste
Methode werde nicht nur allein Zeit gewonnen, sondern auch brim
Patienten jene Angst und Aufregung vermieden, welche durch die Vor—
bereitungen des Glühendmachens des Eisens gewöhnlich hervorgebracht
werden. Jener Arzt versichert, dieses Mittel wiederholt mit Erfolg an⸗
gewandt zu haben.

Garten- und Fußwege wasserdicht zu machen, die—
elben eben und von Unkraut frei zu erhalten, wird die Anwendung
einer Art von Beton vorgeschlagen. — Man gräbt zu dem Zwecke
den alten Kies auf, wirft ihn zur Beseitigung aller erdigen Theile,
der Unkrautwurzeln u. s. w. durch ein Sieb, mengt dann auf 6
Theile desselben 2 Theile scharfkörnigen, feinen Sand und 1 Theil
Portlandcement und breitet dann den, nach Wasserzusatz mäßig stei—
fen Brei mittelst eines Spatens oder einer Schaufel in einer etwa
Zoll starken Lage gleichmäßig über den Weg aus; geebnet und
estgeschlagen trägt man endlich für den nöthigen Abfall nach der
Seite Sorge und soll sich der, nach dem etwa 2 Tage währenden
Erhärten, so hergestellte Weg rein, eben und trocken erhalten und
durch Ersparung des Jätens, Hackens und Walzens u. s. w. die
ꝛtwas kostspielige Herstellung bezahlt machen. Auch für Gewächs—
häuser, Hühnerställe u. s. w. wird dieses Verfahren als zweckmäßig
zur Herstellung eines sauberen, dauerhaften Fußbodens bezeichnet.
(Ldw. C.«Bl. f. D.)

Schmalz. Ein Mittel, künstlich Schmalz zu bereiten, welches
dillig, wohlschmeckend und haltbar sein soll, hat der Magistrat in
Frankfurt a. d. O. angekauft, nachdem er dasselbe diesen Anfor—
derungen entsprechend gefunden. Darnach soll man 1Pfd. frischen
dammeltalg mit einem viertel Quart guter Milch schmelzen, und
)ann, so lange es noch warm ist, mittelst eines feinen Siebes ab—
zießen; hierauf unter beständigem Rühren fünf viertel Pfund gutes
Mohnöl zumischen und dieses Gemenge mit 4 Loth Brodrinde, einem
Loth Beifußkraut und zwei zerschnittenen Zwiebeln in der Pfanne
erhitzen und durchseihen. (Ldw. C.Bl. f. D.)

Gegen Brandwunden wird als ein ausgezeichnetes Mittel
von H. Grapp das heiße Wasser empfohlen. Die verbrannten Theile
müssen sofort in so warmes Wasser gehalten werden, wie man es ir⸗
gend nur ertragen kann. Sofort hört der Schmerz auf und wenn das
Wasser etwas abkühlt, so halte man heißes Wasser bereit, welches stets
nachgegeben und immer in einer solchen Temperatur erhalten wird, daß
dadurch keine andere Verbrennung entsteht.

Gefrorne Fenster aufzuthauen, taucht man nach dem in
Rußland gebräuchlichsten Mittel einen Schwamm in Wasser, in welchem
man Kochsalz aufgelöst hat, und wäscht die gefrornen Stellen. In
wenigen Minuten sind sie vom Eise frei und das Wasser ist abgelaufen.
            
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