Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

wolle in Amerika einheimisch, war doch die Cultur dieser Pflanze im
Großen in Louisiana und Georgia noch nicht ausgebreitet und obwohl
die Engländer zuerst die großen Vortheile der Industrie durch Fabriken
und rationelle Eintheilung der Arbeit kannten, so war es doch erst der
Erfindung der Spinnmaschine in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhun—
derts vorbehalten, die Entstehung ihrer industriellen Oberherrschaft zu
bezeichnen, deren Enwickelung wir in der folgenden Periode zu bestäti—
gen haben werden.
H Neueste Zeit. Diese Periode, welche wir seit der französi—
chen Revolution von 1789 datiren und welche erst zwei Generationen
amfaßt, erscheint, vermöge der während derselben statigefundenen uni—
zersellen Ausdehnung und ungeheuren Vergrößerung des Handels zu
dande und zur See, als die merkwürdigste in der Geschichte. Politi—
sche Ereignisse von unermeßlicher Tragweite, erhabene Entdeckungen
vunderbare Ersindungen, unendlich vieler Anwendungen fähig, entschie—
den und bereiteten diesen Aufschwung vor. Die Seewege waren ge—
bahnt, überall hatten unerschrockene Seefahrer den geheimnißvollen
Schleier zerrissen, welcher diese Wege bis dahin verhüllte. Durch die
Befreiung ver Vereinigten Staaten, deren Unabhängigkeit 1783 an—
rkannt wurde und deren Beispiel einige dreißig Jahre später auch die
Emancipation des spanischen und portugiesischen Amerikas zur Folge
„vatte, waren die Fesseln des Colonialsystems gebrochen. Einmal frer
wuchs und blühte das junge Nordamcrika mit reißender Schnelligkei
empor und es entwickelten sich zwischen ihm und England wechseltige
dandelsbeziehungen, welche das Letztere über seinen Verlust zu tröster
zähig waren und woraus manche Nutzanwendung bei der Verwaltung
einer zahlreichen Colonien, die es bisher unter strenger Vormundschaf:
gehalten hatte, gezogen werden konnten.
Was die amerikanische Revolution für den Seehandel, war die
franzbsische durch ihre directen und indirecten Folgen für den Hande
—
schaft, der Industrie und der commerciellen Thätigkeit in Frankreich
selbst vollendet, entfaltete sie durch ihre Propaganda nicht weniger Mach
in den anderen Ländern des Continents, über alle Hindernisse triumphi
rend, welche diesem Prinzip sich entgegenstellten. Die aufregenden Tage
der Republik und des ersten Kaiserreichs bis 1815 bezeichnen in der
Zeitperiode, welche uns beschäftigt, eine erste Epoche, welche ebenfalls
denkwürdig in den Annalen der Industrie und des Handels ist, obgleich
alle Branchen friedlicher Thätigkeit oft durch die Unordnungen der Re—
zolution oder durch die unaufhörlichen Uebel des Krieges aufgehalten
»der in ihrer Entwickelung gehemmt worden sein mögen.
(Schluß folat.)

Ueber eine neue Verzierung von Glasscheiben.
Von Prof. Böttger.
Ein sowohl in wissenschaftlicher wie in industrieller Hinsicht recht
interessantes, dabei außerordentlich leicht in Ausführung zu bringendes
Verfahren, Glasgefäße aller Art, insbesondere Glasscheiben mit einem
festhaftenden krystallinischen Ueberzuge zu versehen, ward dem Herrn
Verf. jüngst von Herrn F. Kuhlmann jun. in allgemeinen Umrissen
mitgetheilt und hiernach von ihm weiter experimentell verfolgt. Es sind
dabei die überraschendsten Resultate erlangt worden, die nicht mehr zwei—
felhaft lassen, daß das erwähnte Verfahren in Kurzem schon bei der
Decoration z. B. von Pavillon- und Vorplatzfenstern und dergl. werde
eine prakische Anwendung finden.
Man löose zu dem Ende in möglichst roncentrirten wässerigen Salz—
solutionen, z. B. schwefelsaurem Zinkoxyd, schwefelsaurer Magnesia ꝛc.,
eine entsprechende Menge Dextrin (weniger gut eignet sich arabisches
Bummi und Traganth) auf, filtrire das Gemisch durch weißes Fließ—
oapier, bestreiche mit dem klaren Filtrate (unter Mitanwendung eines
seinen breiten Pinsels) Glasscheiben gleichförmig dünn, und lasse die—
elben dann bei gewöhnlicher mittlerer Temperatur etwa eine Veertel—
tunde lang ruhig in wagerechter Lage liegen. Bei der langsam erfol—⸗
Jgenden Verdunstung des Wassers sieht man nun innerhalb dieser kur—
jen Zeit, nach gehbriger Ausführung, allmälig auf den Glastafeln
wundervoll schöne Krystallgruppen (den Eisblumen auf gefrorenen Fen⸗
terscheiben frappant ähnlich) sich bilden, die dem Glase so fest anhaf—⸗
ten, daß sie eine starke Reibung vertragen, übrigens aber auch durch
nachträgliches Bestreichen mit einer alkoholischen Schellacklö6sung dauernd
fixirt werden können. Einen besonders schönen Effect geben bei durch—
fallendem Lichte farbige Glasscheiben, weßhalb solche in vielen Fäl—
len auch zur Ausschmückung, z. B. von Corridoren und deral., eine
recht nützliche Anwendung finden dürften.
Für wissenschaftliche Zwecke, z. B. um Krystalle auf ihr optisches
Verhalten, unter andern auf ihr Verhalten zu polarisirtem Lichte zu
prüfen, genügt es, die erwähnten mit krystallinischen Gebilden versehe—
nen Glasscheiben mit einer Auflösung von Collodium zu überschütten
und das trockene Collodiumhäutchen dann vorsichtig davon abzuheben.
Verfährt man behutsam dabei, dann gelingt es leicht, die ganze Kry⸗
stallgruppe von der Glastafel abzuziehen und sie dem glashellen dünnen
Tollodiumhäutchen einzuverleiben. (Böttcher's vpolytechn. Notizbl.)

Bekauntmachung.
Sachregister zum Regierungs-Amts-Blaiti
oro 1864 find auf meiner Kanzlei zum Kosten—
zetrage ad 4 Sgr. pro Exemplar zu haben.
Saarbrücken, den 16. Januar 1865.
Der Königl. Landrath,
v. Glärfnor

6) Die Tüncherarbeiten, veranschlagt
zu rund. 88
Unternehmungslustige werden ersucht, ihr
Offerten versiegelt und mit entsprechender Auf
chrift versehen bis Samstag den A. Fe
bruare., Vormittags 10 Uhr, äu
dem Büreau des Unterzeichneten auf hiesigen
Bahnhofe abzugeben, woselbst die Eröffnung
der eingegangenen Submissionen in Gegen
der erschienenen Submittenten erfolger
wird.
Zeichnungen, Kostenanschlag und Beding
ungen können bis dahin auf dem Büreau des
Herrn Baumeisters Bender eingesehen, auch
don da gegen Erstattung der Copialgebührer
hezogen werden.
Saarbrücken, den 18. Januar 1865.
Der c. Ober-Betriebs-Inspector.
Quassowsky.
IRek,
Bekanntmachung.
Am Freitag den 27. Januar e.
Vormittags 11 Uhr,
findet auf der Trier-Straßburger Staats
straße von Nr. 8,36 bis 9,21 zwischen Eiwei
ler und Guichenbach, der öffentliche Verkau—
von 90 Stück Pappeln statt.
Die Bäume haben eine Stärke von 10 bi—
18 Zoll im Durchmesser.
Saarbrücken, den 19. Januar 1866.
—

Bekanntmachung.
Am Mittwoch den 253. Jannar e.,
Nachmittiags um 1 Uhr,
werden zu Bübingen in dem Hause des Gast⸗
wirths Herrn Ludwig Hertel nachstehende
Holzsortimente öffentlich an den Meistbietenden
versteigert:
7 Eichen⸗-Nutzstämme,
15 Buchen⸗
31/3 Klafter Buchen-Scheit⸗ u. Knuͤppelholz
1103, Reiser und
8 Eichen⸗-Stangen.
St. Arnual, den 14. Januar 1865.
Der Bürgermeister—
Quien.
Derkanntmachung.
Am Ponnerstag den 26. d. Mis..
Vormittags um 10 Uhr,
sollen die Lieferungen und Leistungen zum Aus—
bau eines Beramannsfußpfades von 155 lifd.
Ruthen Länge vom Kirschheckschacht Nr. 2 nach
der Tagesstrecke im Steinbachthale im Felde der
Königl. Steinkohlengrube von der Hepdt, im
Ganzen veranschlagt zu 325 Thl, auf dem
Schichtmeisterei⸗Büreau zu Burbach dem Min—
ZRestfordernden öffentlich verdungen werden.
Burbach, den 11. Januar 1865.
Der Königl. Oberschichtmeister
ZRmiterug

—— ———
Bekanntmachung.
Zur Erbauung von 2 Maschinenmeister und
Werkmeister Wohnungen nebst Oekonomie
‚ebäude auf hiesigem Bahnhofe sollen die nach
tehenden Arbeiten im Wege der öffentlicher
Zubmission vergeben werden:
Thlr.
1) Die Tischlerarbeiten, veran-schlagt
zu rund. .—. . 2887
2) Die Schlosserarbeiten, veranschlagt
zu rund.. . 0975
3) Die Glaserarbeiten, veranschlagt
zu rund.....3 199
4) Die Stuckaturarbeiten, veranschlagt
‚„u rund.. ..
5) Die Anstreicherarheiten nweran—
aaf 24 rruus

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