Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

nimmt es in den verschiedenen Hitzegraden verschiedene Farben (gelb,
raun, roth, blau) an. Bei der Bildung der Erde, wo hohe Hibe
zrade mitwirken, wurden die vorhandenen Eisentheilchen verschieden
rhitzt und gefärbt und verleihen nun auch dem Thone, dem sie bei
zemengt sind, die verschiedenen Farben; ebenso vielen Erd- und Stein
Tlen. Dem Sauerstoff der Luft und der Kohlensäure des Wassers
ausgesetzt, verbinden sie sich mit Sauerstoff (zu Eisenoryd) und dann
roch mit Wasser zu gelbem Eisenrost. Die gelben, braunen und rothen
Wasseräderchen, die man in saurem und Thonboden rinnen sieht, sind
von solchem Eisenrost oder Eisenocker gefärbt. n
Wie verschiedenartige Zusammensetzungen enthält also ein erbsen⸗
zroßes Stückchen Thones! Thonmetall mit Sauerstoff (— Thonerde),
sieselstoff mit Sauerstoff ( Kieselerde) und dazu noch Eisen mit
Sauerstoff. Betrachten wir nun die besondern Eigenschaften des
Thons.
Im Wasser löst er sich nicht auf und bildet deshalb für sich keine
pflanzennahrung. Dagegen vermag er sehr viel Wasser in sich ein—
uschlucken, und unter gewissen Verhältnissen zieht er auch mancherle
»flanzennährende Gase (Kohlensäure und Ammoniak) an sich. Das
Wasser läßt er nicht durchdringen; daher fertigt man aus Thon was—⸗
erdichte Gefäße. Aus dem gleichen Grunde geben Thonschichten im
krdboden häufig den Quellen ihre Entstehung, indem sie das von
»benher durchsickernde Wasser fortleiten und au einem tiefer liegenden
Punkte zu Tage fördern. Im Feuer verbrennt und schmilzt der Thon
nicht. Der Luft ausgesetzt, wird er mürbe und weniger bindig, in
dem mit seinen Bestandtheilen gewisse Veränderungen eintreten.
Besteht das Erdreich mehr als zur Hälfte aus Thon und weni—
ger als zur Hälfte aus Sand und andern Stoffen, so heißt es Thon—
hoden. Dieser rührt häufig aus der Verwitterung von Granit—
zestein her, welches sich in Thonerde und Quarz zersetzt, nebst den
m Glimmer enthaltenen Eisentheilchen. Ebenso verwittern Feldspat,
Porphyr, Thonschiefer und Glimmerschiefer zumeist zu Thonboden.
Dieser hat nun ganz ausgesprochene Eigenthümlichkeiten.
Er ummmt die Wärme nur langsam auf; deßwegen heißt er
„kalter Boden“. Der Pflanzenwuchs beginnt daher auf ihm spät
ind schreitet langsam fort; er ist ein „träger Boden“. In trockenen
Jahren hält er die für die Gewächse nöthige Feuchtigkeit länger zu—
ück, als anderer Boden. Beim Austrocnen zieht er sich aber zusam⸗
nen, bildet Risse und beschädigt durch seine Veränderlichkeit die fei—
ieren Pflanzenwurzeln, die sich ohnehin in ihm nicht leicht ausbrei—
en können. In regenreichen Jahrgängen ist er zu naß und kalt,
uim den Gewächsen recht zuzusagen.
Der Bearbeitung setzt der Thonboden vermöge seiner Bindigkeit
zroßen Widerstand entgegen und verlangt viel Arbeit und Kraft. Er
heißt darum auch „schwerer, strenger Boden“. Naß gepflügt, bildet
er glänzende, speckige Furchen, die nur im Frost gut verwittern, und
hängt sich stark an die Arbeitsgeräthe; trocken gepflügt, gibt er große,
ähe Schollen. Im Frühjahr und Sommer muß er daher womöglich
uur dann bearbeitet werden, wenn er weder zu trocken noch zu naß
st. Die Hauptbearbeitung aber durch Tiefpflügen muß in den Herbst
jallen, damit er über Winter tüchtig ausfriere, was ihm größere
dockerkeit verleiht als alles Eggen und Hacken. Daher heißt es mit
Recht: Der Frost ist für den Thonboden der beste Ackersmann.
Im Thonboden zersetzt sich der Dünger nur langsam, weil er
»on den Einflüssen der Luft mehr abgeschlossen ist als in lockerem
Boden. Doch verlangt und erträgt der Thonboden eine starke Dün—
zung, bleibt aber dafür auch lange in guter Kraft und widersteht
änger als andere Bodenarten der Erschöpfung durch den Pflanzen—
»au. Soll der Dünger rasch in ihm wirken, so müssen vergohrene
und zersetzte Düngerarten wie Jauche, Guano u. A. angewendet wer
zen; unvergohrene dagegen, welche gährungsfähig sind, wie Stroh—
ind Laubmist, machen ihn wärmer und lockerer. Die bei der
Fäulniß des Düngers und der Pflanzenreste sich entwickelnden Gase,
Säuren und Salze läßt er vermöge seiner Bindigkeit nicht rasch ent
veichen oder auswaschen und speichert so eine große Fülle von Pflan—
zennährstoffen in sich auf.
Daher gilt der Thonboden mit angemessener Behandlung für
inen „reichen“, „kräftigen“, „frischen“ Boden. Auf ihm gedeihen
»orzüglich Weizen (weßhalb er auch „Weizenboden“ heißt), Korn,
verste, Reps, Bohnen, Klee, Kohl, Hanf, Nüben und verschieden
zute Grasarten.

Enthält der Thonboden viel mehr als die Hälfte Thon, z. B.
in 100 Theilen 75— 90 Theile und nur 10-25 Theile Sand und
andere Bestandtheile, so ist er zäher, bindiger, strenger und kälter,
als der eben geschilderte, und heißt „schwerer Thonboden“. Bildet
aber der Sandbestand über die Hälfte, etwa 50—70 Proc. und der
Thon nur 30-60 Proz., so heißt der Boden Lehmboden oder
auch „Gerstenboden“, da Gerste fast immer auf ihm gedeiht. Uebri—
gens ist sowohl beim Thon als Lehmboden nicht nur die Menge,
sondern auch die Beschaffenheit des beigemischten Sandes von Wich—
tigkeit. Ist dieser Sand sehr feinkörnig, fast staubartig, so vermag
er, auch wenn er dem Thon in großer Menge beigemischt ist, die
Bindigkeit desselben nur wenig zu mildern; ist er dagegen gröber,
so thut er dies ganz fühlbar.
Lehmboden mit angemessenem Kalkgehalt gilt für die fruchtbarste
Bodenart und besitzt eine sehr glückliche Mischung. Er ist weder zu
varm noch zu kalt, weder zu bindig noch zu locker und vereinigt die
zuten Eigenschaften des Thonbodens und des Sandbodens, ohne ihre
schlimmen zu theilen. Er ist auch nicht besonders schwer zu bearbei—
ten, für jede Art Dünger geeignet und gewährt bei guter Behand—
lung besonders reichen Ertrag an Sommergetreide und Klee. Er ift
übrigens für die meisten Garten- und Feldgewächse geeignet und für
Obst- und Waldbäume die günstigste Bodenart.
Schwerer Thonboden wird durch frischen Strohdünger, durch
Ueberführen mit grobem Sand, Mergel, Kalkerde, Gyps, Torferde,
Bauschutt, Straußenstaub, gebranntem Thon verbessert, nasser vor
allem durch Entwässerung seines Untergrundes, von welcher später
die Rede sein wird, und ohne die jede Verbesserung mehr oder min—
der verschwendet ist.

Vermischtes.
Obsternte. Es gibt wohl selten einen Jahrgang, in welchem
die Berichte über die zu hoffende Obsternte so verschieden lauten wie
jetzt. England berichtet über äußerst günstigen Verlauf der Blüthe.
erklärte jedoch bald nachher, daß kalte Nächte die Hoffnungen sehr
zestört hätten und jetzt wird von dort mitgetheilt, daß die Obsternte
'ast Null sei. In Frankreich wird aus der Gegend von Metz und
Straßburg günstig berichtet, während in fast allen übrigen Landes—
heilen kaum eine drittels Ernte erwartet werden dürse. Am Ober—
rhein der Pfalz und Rheinpreußen waren strichweise die Bäume noch
vor Kurzem so gesegnet, daß sie unterstützt werden mußten, allein ein
am 21. Juli stattgehabter, von den ältesten Leuten nicht erlebter Or⸗
kan hat alle Hoffnungen vereitelt. Aehnlich wird auch aus Würtem—
herg und Franken berichtet. Aus Schlesien lauten die letzten Be—
richte noch günstig, ebenso aus Böhmen, wo man durchschnittlich auf
eine halbe Obsternte rechnet; dagegen wird aus der Gegend von Ber—
lin, ebenso aus Hannover und Holland viel geklagt über den Scha—
den, den im heurigen Jahre Stürme an den Obstbäume verrichtet
haben.

Phosphate. Sehr häufig begegnet man der Klage, daß die
dalmfrücht von Jahr zu Jahr einen geringeren Körnerertrag liefern
Es ist dies leicht erklärlich. Die Körnerfrüchte entnehmen dem Bo—
den fortwährend gewisse Mengen von phosphorsaurem Kalke, die ihm
durch den Stallmist um so weniger ersetzt werden, als die oft start
—DVDD
ür die Knochenbildung verbraucht. Bedenkt man nun, wie sehr lange
chon die Felder der betreffenden Gegenden, auch schon in Folge des
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es einleuchten, das nicht nur die Quantität der Körnerernte, sondern
auch die Qualität derselben in stetigem Sinken begriffen ist. Dem
läßt sich unter den obwaltenden Verhältnissen nur durch die Anwendung
von Knochenmehlpräparaten wirksam begegnen. Die Beweise hierfür
liegen nahe; denn wo man bis jetzt im Körnerertrage zurückgekom—
menen Felder mit solchen Mitteln düngte, ergab sich eine namhafte
und gut rentirende Vermehrung des Ertrags und wie schon in man—
hen Gegenden, so namentlich in Rheinhessen, die Hebung des allge—
meinen Wohlstandes mit dem Verbrauche von Knochenmehl Hand in
Ddand ging und geht, so wird es auch da geschehen, wo man über
geringen Ausfall der Körnererträge Klage zu führen hat
            
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