Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Sinnahme zu sichern, welche er bei Anwendung der gewöhnlichen
Tarife nicht finden würde. Man könnte auch für den Uebergang
über einen Kunstbau, welcher erhöhte Kosten verursacht hat, eine
uücht im Verhältnisse zum durchlaufenen Wege, sondern nach der
döhe der für dergleichen Arbeiten aufgewendeten Kosten zu bemessende
Tarifirung zulassen und hier eine gewisse suplementäre Anzahl von
Meilen in Rechnung ziehen, wie man dies schon für außergewöhn—
liche Arbeiten gethan habe.
Man sei überzeugt, daß die Gesellschaft, welche die Concession
ür das Netz besitzt, an welches sich eine secundäre Eisenbahn an—
schließen soll, den Betrieb zu billigeren Bedingungen übernehmen
önne, als jeder andere. Indessen müsse man sich darauf gefaß!
machen, daß man in gewissen Fällen die Concurrenz großer Gesell—⸗
chaften nur unter der Bedingung werde erlangen können, daß die
kinnahmen aus dem Betriebe der Abzweigung mit dem einen oder
indern Hauptnetz zusammen verrechnet würden.
Der auf Grund des Gutachtens der Commissson eingebrachte
und demnächst acceptirte Gesetz- Entwurf lautet also:“
1) Die mit oder ohne Zuthun der interessirten Eigenthümer, sei es
durch die Departements, sei es durch eine oder mehrere Com
nunen erlaubten sekundären Eisenbahnen' sind den nachstehen—
den Bestimmungen unterworfen:
Der Generalrath setzt auf den Vorschlag des Präfekten, die
Richtung der sekundären Bahnen, die Art und die Bedingungen
des Baues, so wie auch die Verträge und die Dispositionen
sest, welche den Betrieb sichern sollen.
Die Gemeinnützigkeit wird durch ein im Staatsrathe berathe—
ies Dekret auf die Gutachten der Minister des Innern und
er öffentlichen Arbeiten erklärt und die Ausführung gestattet
Der Präfekt setzt die definitivyen Entwürfe nach dem Gut—
achten des Chef-Ingenieurs fest, bestätigt die Tarife und con
rrolirt den Betrieb.
Die auf Grund des Gesetzes vom 21. Mai 1836 creirten Geld—
mittel können zum Theil von den Gemeinden und den Depar—
ements zu den Kosten der secundären Eisenbahnen verwende;
verden. —
Der Artikel 13 des genannten Gesetzes ist auf den außer—
oardentlichen Steuerzuschlag anwendbar, welchen sich die Ge—
neinden und Departements für die Ausführung dieser Bahnen
auferlegen werden.
Die secundären Eisenbahnen sind den Bestimmungen des Ge—
etzes vom 15. Juli 1845 über die Polizei der Eisenbahnen
»is auf die nachstehenden Beschränkungen unterworfen.
Der Präfekt kann von den Einfriedigungen auf der ganzen
»der einem Theil der Bahn dispensiren. Er kann ebenso von
der Errichtung von Barrieren an den Kreuzungen wenig fre
suentirter Wege entbinden.
Zur Ausführung secundärer Bahnen können Subventionen aus
Schatzfonds bewilligt werden. Die Höhe derselben kann bis
auf ein Viertheil der Kosten steigen, welche der in Betracht
kommende Betriebs-Vertrag zu Lasten der Departements, der
CLommunen und der Interessenten läßt.

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Branntweinbereitung aus Runkelrüben.
Die Runkelrüben werden gedämpft und auf einer Kartoffelquetsch
naschine gemahlen, und der erhaltene Brei durch Zukühlwasser ver
hünnt, bis die Maische eine Temperatur von 14 Grad R. erlangt,
vorauf man gute Bierhefe zusetzt. Aus diesen Runkelrüben werden
oro Centner 5,74 Maß Branntwein gewonnen. Die Kartoffelbrenne
ei steht zu der Runkelrübenbrennerei in folgendem Verhältniß: Man
rhält von einem Tagwerk Kartoffeln 20mal 24 Maß — 8 Eimer
Branntwein, dagegen von einem Tagwerk Rüben b0mal 17,2 Maß
»der 14 Eimer 20 Maß. — Das Maischverfahren ist bei der Runkel
übenbrennerei mit viel weniger Umständen als bei der Kartoffelbren—
ierei verbunden. Ueberdies kostet ein kleiner Brennapparat von Ei—
enblech sammt der übrigen Einrichtung etwa 500 bis 600 Fl. Die
Kunkelrübe ist endlich als Brachpflanze dankbarer, als die Kartoffel,
die dem Menschen zur Nahrung dient. Die Nunkelrübenbrennerei
myfiehlt sich aus dieser und mancher anderen Ursache.

Voermischtes.
Aus Schlesien. Den überaus anerkennungswerthen Bestre—
zungen des Vorstandes des in den fünfziger Jahren zu Breslau sich
constituirten Vereins zur Beförderung des Seidenbaues in der Pro—
vinz Schlesien verdankt auch unser Ort die Wiederaufnahme dieses
Industriezweiges. Seitens der Commune, die im Besitze von Maul—
beer-Anpflanzungen ist, welche bei richtigem Betriebe alljährlich den
Raupen aus 82410 Loth Graines hinlänglich Futter gewähren, wird
alljährlich Seidenbau in der städtischen Spinnschule getrieben. Außer
der Raupenzucht eines hiesigen Lehrers sind noch die Raupereien der
Lehrerwittwe Knoll in Leisersdorf und des gräflichen Försters Raded
in Panthenau, der sich zugleich um die Bienenzucht im Kreise ver—
dient macht, erwähnenswerth. So viel Referent erfahren ist nirgend
eine Krankheit der Raupen aufgetreten. Außergewöhnlich gut aber
ist die Zucht eines hiesigen Züchters von statten gegangen, der durck
oben erwähnten Vorstand einen Carton von ca. I/ß Loth japanischer
Original-Grünspinnen auslegen konnte. Auch nicht eine Raupe ist
der Krankheit erlegen und werden die ebenso wohlgerathenen Cocons
zum Grainiren verwendet werden.

Ueber die Ernte-Aussichten in Nordamerika sagt der Bericht des
Ackerbau⸗Departemants für den Monat April: Aus den Tabellen gehn
hervor, wie wenig Schaden die Winterfrüchte gelitten haben, in der
That niemals weniger als dieses Jahr. Das Aussehen der Winter—
und Frühsaaten ist auch so schön, wie es sich nur wünschen läßt, und
die reichen Weiden werden uns köstliches Rindfleich und Butter lie
fern. Ahorn-Zucker und Melasses sind nicht so reichlich, wie im letz—
ten Jahre; denn das Frühjahr kam bald und rasch und, wie dies off
der Fall ist, viele Farmer versäumten das erste Zuckerwasser, welches
das beste der Saison war. Der Zustand des Rindviehes ist sehr gut.
denn die gleichmäßige Temperatur des Winters war sehr günstig für
dasselbe. Nur Schweine sind rar. Der ausgezeichnete Zustand der
Schafe verspricht dem Lande eine reiche Wollschur. Die Zahl des
Mastviehes ist etwa 20 pCt. geringer, als im letzten Jahre. Da aber
der Rindfleisch-Consum vermindert werden wird durch die Heimkehr
der Soldaten, so wird jene Abnahme nicht genügen, um den Preis
zu erhöhen, obwohl sie ein bedeutendes Fallen des Preises, wie dies
bei reichlichen Lebensmitteln eintreten mag, verhüten durfte. Aber die
gegenwärtige Aussicht auf eine reichliche Ernte ist befriedigend, und
bei dem Ueberfluß an Lebensmitteln und der Nückkehr der jetzt in der
Armee sieckenden Arbeitskräfte zur Landwirthschaft, ist man berechtigt,
der letzteren den besten Aufschwung zu versprechen. Das Frühjahr
wird als ungewöhnlich regnerisch angesehen. In wiefern dies die
Anpflauzung von Sorhum Baumwolle, das Säen von Flachs u. s. w
afficiren mag, wird der nächste Bericht zeigen. Die „Tribüne“ sagt:
Aus allen Staaten und aus Canada wird berichtet, daß die Saaten
atie schöner standen. Die Weizen- und die Heu-Ernte wird besonders
gerühmt.

Ein fliegendes Gaunerkorps. Auf einer Eisenbahn—
ttrecke verkehren in der Regel mit jedem Passagierzuge drei, vier
Gauner, welche auf folgende sinnreiche Art ihre Opfer anzulocken
und zu rupfen pflegen. Während der eine dieser saubern Subjekte
als schlichter Hausirer, Landkrämer oder Bauer ernst für sich in einer
Ecke des Waggons dasitzt, unterhalten sich die übrigen besonders leb—
haft als gute Bekannte über ihre Landwirthschaft, Pferde ꝛc., und
uchen sich vor Allem den Anschein behäbiger Landjunker zu geben
Im Verlaufe wissen sie das Gespräch geschickt auf's Wetten zu leiten
Zum allgemeinen Ergötzen und zur Verwunderung etwa anwesender
Bimpel, auf welche es natürlich abgesehen ist, machen sie zum Scheine
sehr bedeutende Wetten über die unbedentendsten Dinge, z. B. über
den Unterschted der Tageszeit, welche ihre Uhren eben anzeigen, über
„Grad oder Ungrad“ der Münzen in der Hand ꝛc. Jede verlorene
Wette wird natürlich sofort blank ausbezahlt. Die Aufmerksamkeit
der Mitreisenden wird endlich angezogen, und es finden sich nicht
elten unter denselben einige, die einfältig genug sind, — angeeifert
zurch das Glück des scheinbaren Fremden, der aus seinem Winkel
Jeraus mit in die Unterhaltung eintritt und eine Wette nach der
indern gewinnt, — auf den Leim gehen. Ist das Geschäft einman
m Zuge, so folgen dann auch einige „Kartenkunststückchen“ nach, un⸗
            
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