Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

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fuͤr

den Kreis Saarbrücken.

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Sonnabend den 15. Juli

—1865.

neber Acelimatisation von Ziegen.
Wie bei dem Schweine um das Fleisch, handelt es sich bei der
Ziege um die Milch. — Welch' enorme Zahl von Wirthschaften in
Deutschland ist zu klein, um eine Kuh zu ernähren. Der größere Theil
derselben würde aber das Halten einer Ziege gestatten und wie gern
würde man sie halten, wenn sie nur, im Stalle gefüttert und bei ver—⸗
zälmißmäßig geringer Bewegung, gedeihen wollte. Eine an Stallfüt—
erung gewöhnte, das heißt bei ihr gedeihende, milchreiche Ziegenrace
nicht die Angora⸗Ziege) wäre wahrscheinlich in der Jetztzeit aus dem
Thierreiche eines der dankbarsten Einführungsprojecte in Deutschland.
In solchem Sinne hat man in Nassau die Einführung der Zie—
gen des Montd'or versucht, worüber nachstehend Einiges dem Be—
iichte von Herrn Zeller im „Wochenbl. d. Vereins nassauischer Land⸗
und Forstw.“ entnommen ist.
„Bei den anerkannt großen Nachtheilen, welche weidende Ziegen
der Landwirthschaft bringen, hat man sich fast überall in Deutschland
zʒeranlaßt gesehen, die Ziegenzucht möglichst zu beschränken, die Einzel⸗
hut ist namentlich verboten und Zuchtthiere dieser Gattung der landwirth⸗
chaftlichen Hausthiere sind auch bei Preisvertheilungen vom Concurriren
zreng ausgeschlossen. Es könnte demnach als Widerspruch erscheinen,
venn der nass. landw. Verein nunmehr sogar aus dem Auslande mit
zedeutenden Kosten Ziegen zur Hebung der inländischen Zucht einge—
ührt hat. Alle diese scheinbaren Widersprüche fallen jedoch weg, so—
»ald man bedenkt, daß die aus Frankreich bezogenen Ziegen seit lan—
zen Generationen in beständiger Stallfütt erung gehalten werden, und
onach aller Grund zur Mißachtung der Ziege umsomehr verschwindet,
ils sie andererseits wieder große Vortheile bietet.
Wenn man einerseits für den Großbesitz durch Einführung schwe—
er Viehschläge sorgt, so scheint es gerecht, auch den Kleinbesitzer an
andw. Verbesserungen, welche ihn in den Stand setzen, sich ein höhe—
tes Einkommen zu verschaffen, Theil nehmen zu lassen. Da aber, wie oben
zerwähnt, der Hauptgrund der Hintenansetzung der Ziegenzucht in den
zroßen Nachtheilen bestand, welche der Landwirthschaft durch Weide⸗
zang und namentlich durch Einzelheit dieser Thiere erwachsen, so wählte
man einen Schlag Ziegen, welche bereils an vollständige Stallfütterung,
und was für das nassauische Rheingau von großter Wichtigkeit er⸗
cheint, an eine vorwiegende Ernährung mit Reblaub gewöhnt ist. Die
kinfuhrung von Schweizer Ziegen würde für eine Weinbau treibende
Begend umsoweniger geeignet gewesen sein, als diese vorzugsweise auf
der Weide gehalten, an ein leckeres, aromatisches Futter gewöhnt, und
deshalb bei reiner Stallfütterung weit schwieriger und nur mit relativ
ziel mehr Futter zu erhalten sind; abgesehen davon, daß sie bei weni⸗
zer gutem Futter in hiesigen Verhältnissen durchschnittlich in ihrem Er—
rage zurückgehen würden.
Unter Montd'or ist das Gebirge zu verstehen, welches sich aus
»er Umgebung von Lyon bis gegen Clermont⸗-Ferrand in der Auvergne
zinzieht. Die Bewohner dieser Gegend treiben auf sehr stark parzel—
irtem Grundbesitz hauptsächlich Weinbau und haben seit langer Zeit
chon bedeutende Ziegenzucht, besonders der Milchgewinnung und Käse—
abrikation wegen, jedoch bei gewöhnlicher Weidehaltung bemrieben.
Da nun namentlich von Anfang dieses Jahrhunderts an, beständige
dlagen über den Schaden weidender Ziegen, sowie überhandnehmender
Waldfrevel laut wurden, so fühlte sich die Regierung veranlaßt, die
jegenhaltung durch das Verbot des Austreibens zu erschweren. Bei

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einem der Fläche nach so geringen Grundbesitz, wie er sich in allen
spezifisch weinbautreibenden Gegenden befindet, sah man jedoch bald
ein, daß die Rindviehhaltung nicht wohl überall durchführbar sei und
nan fing daher an, die Ziegen an Stallfütterung zu gewöhnen, was
auch vollständig gelungen ist und die Meinung, daß die Ziege bei aus—
zedehnter Haltung den Weidegang unbedingt verlange, widerlegt hat.
Ja man hat die Ziegen nicht allein bei vollkommener Gesundheit er⸗
halten, sondern auch den Milchertrag nach und nach bedeutend erhöht,
so daß man jetzt auf jede Ziege einen durchschnittlichen Milchertrag
ron 600 Liter (à ““ preuß. Quart) im Jahre erzielt. Freilich darf
vierbei nicht unerwähnt bleiben, daß die Thiere nicht allein gut gefüt—
ert, sondern namenilich auch sehr sorgfältig gepflegt und reinlich gehal⸗
en werden.
Die Ziegen des Montd'or bilden nun keineswegs eine besondere
dace, sondern sind vielmehr als durch gute Zucht und Haltung sehr
oeredelte Thiere der gewöhnlichen Ziegenrace anzusehen. Bei der großen
Bedeutung, welche die Ziegenzucht für die dortige Gegend gewonnen,
hat neuerdings auch die Regierung derselben wieder ihre besondere
Aufmerksamkeit geschenkt und glaubte namentlich durch Einführung fein—
Jaariger Bocke der Cachemir⸗ und Angorarace auf Verfeinerung des
Zaares wirken, und bei dessen Tauglichkeit zu verschiedenen Stoffen,
die Rente einer Ziegenhaltung wesentlich steigern zu können. Diese
zute Absicht ist jedoch an dem Widerstand der Züchter gescheitert, da
Ziese glaubten, daß durch solche Kreuzung der Milchertrag beeinträchtigt
vürde, weshalb sie sich zu den in dieser Richtung vorgeschlagenen Ver—
uchen nicht herbeiließen. Wie bereits erwähnt, haben die Montd'or—
Ziegen keine bestimmten Racekennzeichen; denn es gibt lang- und kurz⸗
‚aarige, gehbrnte und glattköpfige. Letztere sind am meisten geschätzt
ind zwar, weil sie die Stallgeräthschaften weniger verderben
Uebrigens darf man auch nicht vergessen, daß man in Montd'or
die Ziegen nicht in Ställe thut, welche für Rindvieh zu schlecht sind,
vie dies häufig bei uns zu sehen ist, sondern man verwendet auf Un
erhaltung und namentlich Reinlichkeit der Ställe viel Fleiß und Auf—
nerksamkeit. Jedes Thier hat in dem Stalle seinen besonderen Stand⸗
oxt und ist so weit von seinem Nachbar entfernt, daß beide sich nicht
iecken oder im Fressen stören können. Man läßt dabei die Thiere nicht
ius Krippen oder Raufen fressen, sondern man wirft ihnen, wie das
uuch für ein Weidethier angemessen ist, das Futter in kleinen Portionen
uuf den Boden neben das kleine Pfälchen, an welches sie mit einem
Ztrike angebunden sind. Man gibt die einzelnen Futterportionen des⸗
alb klein, weil bei großen Massen die Ziegen nur das Beste heraus—
uchen, den Rest aber in den Mist treten würden. Die Zahl der täg—
ichen Mahlzeiten muß natürlich bei der geringen Einzelration größer
ein und beträgt daher 7 bis 9.
Im Sommer besteht die Nahrung der Ziegen in allen möglichen
dräutern und Gräsern. Sie sind sehr genügsam und sollen es nicht
erschmähen, sogar Haidekraut und junge Disteln, wie auch überhaupt
ille bei der Weinbergsbereitung abfallenden Urkräuter zu fressen. Auch
Zaumblätter und Weintrestern bilden einen Bestandtheil ihrer Sommer⸗
ind Herbstnahrung. Letztere werden ihnen als Getränk gereicht, nach⸗
»em sie mit warmem Wasser angebrüht worden sind. Außer diesen
zerschiedenen Nahrungsmitteln reicht man ihnen auch noch alle Abfälle
‚on der Käsefabrikation und im Herbste Krautblätter von Staudenkohl,
»er eigens für sie anaebaut wird. Das Verabreichen von Zuckerüben⸗
            
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