vonnen haben. Die industrielle Erziehung der Nation auf der Grund—
jage dieses Systems ist eine Wissenschaft, welche bei richtiger Anwen—
dung, unter gehbriger Berücksichtigung der Zustände, die Mittel bietet
um jede einzelne Nation auf diejenige Höhe der ökonomischen Ausbil—
dung zu heben, auf welcher die Vereinigung mit anderen gleich gebil—
eten Nationen ihr möglich und nützlich sein wird. Zu dieser richtigen
Anwerdung gehört, daß die begabteren Nationen nach Maßgabe ihrer
Fortschritte mit ihrem System wechseln, indem sie durch allmälige Rück—
sehr zur freien Concurrenz auf den eigenen wie auf den fremden Märk—
sen ihre Manufacturisten und Kaufleute gegen Indolenz bewahren, und
ie anspornen in dem Streben, das Uebergewicht zu erlangen.
Fragen wir nun aber: auf welcher Stufe ist Rußland angelangt?
velche Elemente bestehen dort? Was zunächst die Landwirthschaft
betrifft, so ist die Jahr aus Jahr ein stattfindende Ausfuhr des rus—
iischen Getreides der sicherste Beweis, daß der Bedarf der einheimi—
chen Bevdlkerung zum eigenen Verbrauch der Ackerbauproducte schon
ange nicht mehr ausreicht, diest Rohproduction vielmehr eine solche
Staͤrke gewonnen hat, daß sie eine bedeutende Ausfuhr gestattet. Der
handel und die Gewerbe Rußlands aber beschäftigten bereits im Jahre
1853: 750 Baumwollfabriken, 390 Tuchfabriken, 213 Seidenfabriken,
190 Leinwandfabriken, 87 Hutfabriken, 90 Färbercien, 302 Stahl⸗ und
Eisenfabriken, 163 Kupierfabriken, 192 Krystall- und Glasfabriken.
122 Salpeterfabriken, 53 Porzellanfabriken, 57 Zuckersiedereien und
380 Rübenzuckerfabriken, 1600 Ledergerbereien, 223 Seifensiedereien,
500 Talgsiedereien, 185 Pottaschefabriken, 250 Lichtgießereien, 104
Papierfabriken und große Baumwollspinnereien. Unter den Zweigen
der fabrikmäßigen Gewerbsthätigkeit hat die Baumwollspinnerei und
Weberei die rascheste Entwickelung aufzuweisen. Schon im Jahre 1850
vurden in mehr als 300 Fabriken 8 Millionen Stück Baumwollenstoffe
erzeugt. Auch die Wollenindustrie hat bedeutend an Umfang zugenom—
men. Noch 1824 versorgten Schlesien und Polen ausschließlich den
russischen Tuchhandel für China. Jetzt sorgt die russische Tuchmanu—
factur für diesen Bedarf, und 1862 verkaufte man sogar russisches
Tuch auf der Londoner Industricausstellung, welches im Verhältniß zum
Preise und zur (mittleren) Qualität mit anderen Tuchen verglichen
für das bessere erklärt wurde. Aehnliches könnse von anderen Indu
zriezweigen berichtet werden, namentlich von der Metallfabrikation, die
dei dem großen Reichthum der russischen Bergwerke mit jedem Jahre
bedeutender wird. Ein Staat, der bereits eine Industriebevölkerung
von 6,064,700 Köpfen zählt, befitzt eine große Manufacturkraft. Ruß—
—
rothfärbereien sind ausgezeichnet, und seine Seidenmanufacturen haben
in der ersten Londoner Industrieausstellung den ungetheiltesten Beifal'
gefunden.
Mit großer Genugthuung erwähnt man in amtlichen statistischen
JZusammensiellungen der großen Fabriketablissements, wie der Höhe
der in denselben angelegten Capitalien und der Zahl der dabei beschäf—
stigten Arbeiter. Für Rußland ist also die Zeit gekommen, wo es nach
Maßgabe seiner Fortschritte sein bisheriges System verlassen und durch
allmälige Rückkehr zur freien Concurrenz auf dem eigenen wie auf dem
fremden Markte auftreten kann. Fehlerhaft wäre es, wenn das großte
Reich, nachdem seine Manufacturkraft zureichend ist, nicht zu einer durch—
greifenden Reform seiner Handelspolitik überginge, wenn es nicht durch
Zulassung einer größeren Concurrenz seiner Manufacturisten zur Nach—
tiferung anspornen wollte.
Welch ein unermeßliches Gebiet für Handel und Gewerbe in den
Baltischen Ländern des fernen Ostens sich findet, wie in Curland, Lief⸗
jand, Esthland, am Wolchowflosse und an der Düna ein handelspoli—
ischer Schlüssel liege, der bedeutende Schätze einschließt, erkannten schon
unsere Vorfahren, die deutsche Hansa; dort errichteten sie in Nowgorod,
der alten und berühmten Stadt an beiden Ufern des Wolchow, in der
GBegend, wo dieser Fluß aus dem Ilmensee tritt, ihre Comptoire und
Niederlassungen im 12. Jahrhundert und vertauschten die Waaren des
Nordens auf den Märkten des Westens mit Vortheil und Gewinn.
Mit der stetigen Fortentwidelung der Dampfschifffahrt und der
Eisenbahnen wird Rußland mehr und mehr das große Feld werden,
auf dem sich die am massenhaftesten gruppirten Bevölkerungen des Erd—
treises, die des mittleren und westlichen Eurova und die Ostasiens
China und Japan) mit ihren Rohstoffen versorgen und außerdem das
Blied, durch welches diese beiden Völkergruppen der Welt miteinander
oerkehren. Aus diesen Gründen erscheint das Bestreben: auf den
Abschluß eines neuen Handelsvertrages mit Rußland hinzuwirken, al—
höchst angemessen und zeitgemäß.
Wasser bringt Leben, Wasser bringt Tod!
Seit wenigen Tagen sind die Wiesen, diese, wenn verständig be—
jandelt, ewigen Quellen des Segens für den Ackerbau, einmal wie
der kahle Flächen. Die Erndte ist im Ganzen gering durch die an—
zehaltene Trockenheit. Aber, wie viel Futter wäre auch nothwendig
dis wir ausrufen könnten: ich habe so viel Thiere, als für Erzeug
ang des Mist's u. s. w. erforderlich, — und für meine Thiere
oiel gutes Futter, daß mir fast noch übrig bleibt! — Nicht wahr
venn wir da einmal wären, dann hätten wir das goldene Zeitalter
dann sollte auch bei uns, wie weiland im Lande Kanaan, Milch um
Honig fließen! —
Dahin werden wir nun freilich noch lange nicht kommen, —
iber lieben Freunde! man darf sich nur umschauen, um zu sehen
vie viel in dieser Hinsicht noch geleistet werden kann, — wie in der
That noch Tausende von Thalern an den Bäumen hängen, auf allen
Straßen liegen, und insbesondere im Wasser der Bäche, Flüsse nund
Ztröme uns und unserem Wohlstande auf immer entführt, dem fernen
MNeere zufließen. J
Idhr wisset, daß wir nicht gewohnt sind, solche Dinge nur so in
den Tag hineinzureden. Wir werden ein andermal darauf zurück—
'ommen und rechnend nachweisen, wie inhaltsschwer und wahr die
»ben gemachte Behauptung ist. Heute jedoch wollen wir nicht von
dem reden, was werden könnte, sondern vom dem, was bereits ist,
ind wie man es anwenden soll, damit es uns wirklich Nutzen bringt,
und nicht wohl gar noch Schaden.
Wir haben schon so manches gesehen und oft gefunden, daß die
Bewohner der wasserreichen Waldgebirge, wo die zwischen seichten
Afern mit jäher Hast hinziehenden Gewässer leicht aufzustauen wären
umeist Vorsorge getroffen hatten, das Wasser zum Berieseln der
Wiesländereien zu gebrauchen. Wir fanden auch in den Ebenen der
Flüsse und Ströme oft theuere Einrichtungen zu gleichem Zwecke, —
iber, lieben Freunde, — nehmt's mir nicht übel: es gibt fürwahr
venig Orte, wo man das richtig in Zeit und Maß zu benützen ver—
teht, und da thut es Einem denn innerlich leid, zu sehen, wie ofl
)as von Natur aus beste Wasser, statt zu befruchten, nur verdirbt,
vie an Stelle süßer Gräser, guter Pflanzen und des Klee's nur
Riedzeug, Moos, Binsen und diese sauere Sippschaft wachsen will.
Ja, daran ist doch manchmal das Wasser unschuldig, denn an
uns liegt es eben aufzupassen, wie man es am besten machen muß.
Da ist z. B. Einer, welcher glaubt, daß das Wasser Gras mache,
enn, sagt er, man sieht's ja, wo's recht naß ist, wächst Futter. Er
eitet das Wasser auf seine Wiese im Herbste, und thut's erst im
nächsten Sommer zur Heuernte wieder herab. Was wird er haben?
— Wenig und saueres Heu, welches Thiere nicht ernährt, wohl aber
rank macht. Wie unklug! Was würde aus unsern Früchten, wenn“
das ganze Jahr regnen wollte? Das möchten wir nicht wünschen.
denn Alles ginge zu Grunde. Gott läßt regnen und dann wiedel
die Sonne scheinen, und je mehr das wechselt, desto fruchtbarer ist
das Jahr. So müssen wir es auch machen; haben wir eine Zeit
ang gewässert, daun lassen wir den Boden wieder etwas abtrocknen.
damit er sich erwärmen kann, sonst wachsen keine gute Pflanzen.
Da ist ein Anderer, der, weil er es Nachts vielleicht nicht haben
onnte, nun am heißen Tage das Wasser auf die Wiesen leitet. Was
oll daraus werden? — Das Wasser ist an solchen Tagen kälter als
zuft und Boden, die Pflanzen werden erkältet, d. h. ihre Zellen
pringen, sie gehn zu Grunde. Wir jagen keine Thiere ins kalte
Wasser, wenn sie erhitzt sind, und lassen in so einem Zustande kein
Pferd saufen. Unsere Pflanzen leben in vielen Dingen ähnlich.
Jäher Temperaturwechsel tödtet sie, und wir müssen alsdann unseren
Anglauben mit schweren Verlusten im Ertrage bezahlen.
In ähnlicher Weise könnten wir eine ganze Reihe von Beispie
sen anführen. wie man es nicht machen darf, — soll anders der