in anderen Städten hat man dieselbe zu einer gewissen Ausdehnung
zebracht. Die Glasfabriken haben schnelle Fortschritte gemacht und
iind namentlich jene von Tula und Twer berühmt. Die Baumwoll—⸗
pinnereien haben ihre Garne bei den hohen Preisen nach Manchester
und Newyork gesandt. Die Manufacturen von Tabak und Cigarren,
Pottasche und Seife haben sich schnell vermehrt, Papier in jeglicher
Battung, grobe und feine Erdwaaren, Gold⸗ und Silbersachen werden
in Moskau, Petersburg und anderen Plätzen fabricirt. Die gesammte
Eisenprodetion beträgt 10 Mill. Ctr. und die Salzproduction 8 Mill.
Ter. Nach amtlichen Angaben beträgt der Werth der Güter, welche
zegenwärtig in Rußland fabricirt werden, 480 Mill. Silberrubel (à 1
Thlr. 21/3 Sgr.) und die Zahl der dabei beschäftigten Arbeiter
3,064,700.
Der innere Verkehr findet größtentheils auf den zahlreichen
Märkten und Messen statt, welche theils schon Jahrhunderte bestanden,
heils mit der stets wachsenden Bevölkerung sich bedeutend gehoben und
oermehrt haben; die beträchtlichsten davon sind zu Nischney-Nowgorod,
Irbit, Rostow, Poltawa, Kiew, Archangel, Kiachta, Tangarog, Irkutskꝛc.
Fuͤr 1859 stellte sich die Einfuhr auf 162 Mill., die Ausfuhr auf
.94 Mill. Silberrubel; mithin der Gesammtumsatz des internatio—
aalen Verkehrs auf 356 Mill. Silberrubel.
Wenn Thatsachen daflr Zeugniß geben, daß die Entwickelung des
inneren Verkehrs fast auf allen Gebieten auch in Rußland forfischrei—
et und dasselbe bereits ein großes productives Land geworden, welches
dahin strebt, seine Rohstoffe mittelst eigener Gewerbthätigkeit zu ver—
edeln; wenn in Folge dessen der Werth der inneren Betriebsamkeit nach
der Angabe der Nationalhkonomen bereits die Höhe von 1250 bis
1500 Mill. S.-R. erreicht hat, so ist es andererseits zu beklagen, daß
die Einfuhr fremder Producte bisher nur gering gewesen. Die inter—
nationale Verkehr des russischen Reichs leidet offenbar unter dem har—
en Drucke des hohen russischen Zolltarifs. Zu der Frage aber, welche
Veränderungen denn eigentlich noth thun, wird man zunächst das ge—
zenwärtig Bestehende genauer ins Auge zu fassen haben, um die Un—
erschiede kennen zu lernen, welche in den beiderseitigen Zolltarifen liegen
Nach der Herstellung des allgemeinen Friedens im Jahre 1815
zeigte sich die Staatsregierung zu Gunsten des freien Handels. Man
ieß sich selbst durch die ersten Stöße, welche die inneren, während der
Tontinentalsperre entstandenen Fabriken in Folge der englischen Con—
rurrenz erlitten, nicht abschrecken. Doch die übertriebene Einfuhr frem—
der Fabrikate machte sich endlich doppelt fühlbar, und man sah jetzt mit
Schrecken, daß die Handelsbilanz unter unabhängigen Nationen doch
eine gewaltige Rolle spielt. Graf Nesselrode erklärte in einem offi—
ꝛiellen Circular von 1821: „Rußland sehe sich durch die Umstände ge⸗
abthigt, ein unbhängiges Handelssystem zu ergreifen. Die Producte
änden auswärts keinen Absatz, die inneren Fabriken seien ruinirt oder
wuf dem Punkte ruinirt zu werden, alle Baarschaften des Reiches ström⸗
en nach dem Auslande und die solidesten Häuser seien dem Sturze
nahe.“ Rußland ging nunmehr vom Freihandel zum entgegengesetzten
Extrem über. Der im Jahre 1823 in Wirksamkeit getretene neue
russische Zolltarif begründete ein Prohibitivsystem der strengsten Art,
welches ohne wesentliche Veränderungen bis zum Jahre 1850 in Kraft
plieb. Unter dem Reize dieses Systems enistanden viele Garnspinne—⸗
reien, Tuchfabriken, Kattundruckereien, Seidenwebereien, Zuckerraffinerien
ind Rübenzuckerfabriken, welche Etablissements bedeutende Ausdehnung
»rlangten. Im Jahre 1850, als ohnehin die beabsichtigte Zolleinigung
Polens mit Rußland eine Revision des russischen Zolltarifs erforderlich
nachte, entschloß sich die russische Staatsregierung zu einiger Milderung
uind zur Aufstellung eines neuen Tarifs. Manche der früheren Ein—⸗
fuhrverbote wurden aufgehoben und durch hohe Eingangszölle ersetzt,
auch einige Zollsätze wurden ermäßigt. Die neuen Zollsätze waren je—
yoch noch viel zu hoch, als daß der legale Verkehr mit dem Auslande
hieraus eine erhebliche Fürderung hätte erfahren können. Bedeutender
varen die Veränderungen, welche der Tarif durch die im Jahre 1857
horgenommene Revision erfuhr. Man verminderte die Zahl der Tarif—
positionen von 471 auf 367; man führte eine rationellere Classification
ein, man führte die 18830 begonnene Aufhebung der Einfuhrverbote
veiter und ersetzte sie durch hohe Eingangszölle, man vermehrte die
Zahl der zollfreien Artikel und ermäßigte die Zoölle auf manche Ver⸗
ehrungsgegenstände, Rohstoffe, Halb- und Ganzfabrikate. Auch seit
1857 sind noch einige nicht unwesentliche Reformen eingetreten, so 1861
die Aufhebung des Verbotes der Einfuhr von Thee über die europäi—
sche Grenze; 14. März 1863 gewisse Modificationen der Zuckerzblle;
9. Juni 1863 Zollherabsetzungen auf Gewürze, Rum, Arac und Franz⸗
hranntwein, Käse, Indigo, Seide, Fayence, Baumwolle, Leinen und
Wollwaaren, Tischlerarbeiten, Schreibpapier ꝛc.; immerhin trägt der
Tarif doch noch heute ein durchaus handelsfeindliches Gevräge
(Schluß folgt.)
— —
Vermischtes.
Schlotfeger zu ersparen. In Amerika wird der Kamin im
Innern mit einer Kalkschichte überkleidet und dem dazu verwendeten
dalk Kochsalz beigemischt. Bei trockener Witterung setzt sich nun aller—
zings Ruß im Kamin an, sobald aber die Luft feucht wird, zieht das
ekanntlich stark wasseranziehende Salz Feuchtigkeit; die Bindung des
Rußes an der Kalkwand wird zerstört und er fällt von selbst ab.
Natürlich wird die Mündung des Kamins über dem Herde so einge⸗
ichtet, daß der fallende Ruß über demselben aufgefangen und in keiner
Weise lästig wird. Eine gefahrdrohende Ansammlung von Glanzruß ist
auf solche Art kaum möglich.
Gastwirths-Speculation. Ein neues Mittel, die Leute
in das Gasthaus zu locken, hat ein Wirth in Lerchenfeld erfunden.
Derselbe läßt allabendlich Knödel mit Schwarzfleisch“ auf eine ei—
zene Art für seine Gäste bereiten. In einem der ersteren befindet sich
eine Marke von Metall. Derjenige Gast welcher diese Marke in sei—
nem Knödel findet, erhält dadurch acht Tage „Knödel mit Schwarz——
leisch“, ohne bezahlen zu müssen.
Das Küchenschränkchen. Ein Mann, der eine geizige Frau
jatte, kam von einem Geschäftsgange nach Hause und fand das Küchen—
chränkchen verschlossen. Da er Appetit hatte, fragte er die Magd,
vo der Schlüssel wäre „Den hat die Frau, als sie zur Nachbarin
uuf Kaffeevisite ging eingesteckt,“ war die Antwort. — „Dann gehe
jinüber,“ befahl der Hausherr, „und hole mir den Schlüssel.“ —
Die Magd ging und kam mit der Antwort zurück: „Die Frau wolle
ogleich kommen.“ — Der Magen knurrte und — die Frau blieb
us. „Halt!“ dachte der Mann, „die willst du ein- für allemal
uriren.“ Die Magd mußte nun mit anfassen, und sie trugen das
Schränkchen zur Nachbarin in das Visitenzimmer. „Frau, sei so
zut und schließe mal auf, ich habe Hunger!“ Allgemeines Gelächter
solgte, und die Frau soll sich gebessert haben.
SHaarbrücker Eisenhahm.
Bekanntmachung.
Der Neubau eines Dampfmaschinenhause‘
iuf dem Bahnhofe Merzig, einschließlich Liefer
aing sämmtlicher dazu erforderlichen Materia—
ien, veranschlagt zu 1674 Thlr. 9 Sgr. 7
Pfg., soll an den Mindestfordernden, im Wege
der Submission, zur Ausführung übergeben
verden.
Indem ich Unternehmungslustige zur Abgabe
pon Offerten hierdurch einlade, bemerke ich
aß, zur Eröffnung der verfiegelt, portofrei und
ind mit gehöriger Aufschruͤt einzureichende,
Dfferten. Testie duf
Samstag, den 15. Juli er.
Vormittags 11 Uhr,
zier auf meinem Büreau ansteht und daß An
chlag, Zeichnung und die näheren Bedingun—
jen bis dahin dort eingesehen und auch, gegern
Erstattung der Copialien, in Abschrift bezoger
verden koͤnnen.
Saarbrücken, den 29. Juni 1865.
Der Königl. Eisenbahn-Baumeister.
L. Wilde.
soll die Lieferung der eines 18zölligen Druck—
satzes zur Satzhoͤhe von 22 Lachter im Wege
der Submission verdungen werden. Der Ter—
min der Eröffnung der Submission ist auf den
22. Juli, Nachmittags 83 Uhr, iestge—
ssetzt. Unternehmungslustige werden ersucht,
ihre Offerten bis zu diesem Termin frankiri
dem Unterzeichneten einzureichen.
Die Bedingungen liegen auf der hiesigen
Schichtmeisterei zur Einsicht offen und können
gegen Erstattung der Copialien bezogen werden.
Louisenthal. den 3. Juli 1865
Der Ober⸗Schichtmeist
II MMAM
Bekanntmachung.
Für den Hohbergschacht der Königlicher
Steinkohlen-GGrushe Gerhard Prinz Wilhelin