neine Ansicht. Alle diejenigen, welche die geringste Erfahrung in der
Zeitenzucht besitzen, müssen das gelegentliche Vorkommen von einer oder
nehreren dunkelgrauen oder schwärzlich gefleckten Raupen unter einer
Brut bemerkt haben, welche auffallend und sonderbar gegen die blasse
Färbung der Mehrzahl contrastiren. Diese werden von den französischen
Züchtern „verstigreès“ oder „Zébrès“ (getiegert oder zebra⸗artig gestreift)
genannt und mehr als Varietät angesehen; es sind jedoch gerade diese
die ursprünglichen, naturgemäß gefärbten Raupen.
Nachdem meine Aufmerksamkeit lange Zeit auf diesen Umstand ge—
cichtet war, glückte es mir schließlich, durch eine Reihe von Versuchen
die Ursache festzustellen. Meine Ueberzeugung war, daß entweder die
Art zu irgend einer Zeit mit einer anderen, verschieden gefärbten ge—
reuzt worden, und daß die Natur nun, wie sie es früher oder später
mmer thut, beide wieder zu trennen bestrebt sei; oder daß die ursprüng⸗
iche Farbe der Raupe in der That dunkel war und man darauf hin—⸗
virken müsse, den siechen Zustand derselben wieder in den ursprünglich
gesunden umzuwandeln. Von dieser Idee ausgehend, beschloß ich, die
Natur dadurch, daß ich ihr freien Spielraum ließ, zu unterstützen, und
vählte daher alle dunkelfarbigen Raupen aus, um sie getrennt zu er—
iehen und um die daraus hervorgehenden Spinner sich ausschließlich
anter sich begatten zu lassen. Dieselbe Praxis wurde mit den blaßge—
ärbten Raupen befolgt. Im folgenden Frühjahr lieferte die eine
parthie der Eier fast nur dunkel gesprenkelte Raupen, während die an—
dere weiße ergab, welchen, wie früher, nur vereinzelte dunkele beige—
nengt waren. Letztere wurden zu der dunkelen Brut gebracht und diest
zleichzeitig von allen hellen Raupen gesäubert. Im dritten Jahre
varen die Raupen schon dunkeler als früher und immer größer und
räftiger als die blassen, gaben auch gleichzeitig größere und besser be—
chaffene Cocons. Unglücklicher Weise warf, als die Eier des dritten
Jahres bereits abgesetzt und gesammelt waren, ein heftiger und unver—
nutheter Windstoß die ganze Zucht über den Haufen und zerstreute sie
dermaßen, daß sie unwiederbringlich verloren war. Ich hatte jedoch
zereits so gute Erfolge erzielt, daß ich hoffen durfte, bei Fortsetzung der
Methode die Gesundheitsbeschaffenheit der Raupen vollständig zu ver—
hdessern und begann also von Neuem. Das Resultat war das Gleiche.
Nach den jetzt vielfach gemachten Erfahrungen und Versuchen
Jlaube ich behaupten zu dürfen, daß eben die dunkele Färbung die na—
urgemäße, dagegen die sehr allgemein gewordene blasse das Product
iner geschwächten Gesundheit sei. Wir finden dieses auch bei unseren
dausthieren, bei denen die ursprüngliche Färbung nach und nach ver⸗
oren geht, erst scheckig und nach und nach ganz weiß wird. Jemehr
zie Art ihren ursprünglichen Charakter einbüßt, desto mehr wird sie in
hrer Kraftfülle beeinträchtigt. Daß die lange fortgesetzte Züchtung des
Seidenwurmes viel dazu beigetragen hat, seine ursprüngliche Constitu—
ion zu verschlechtern, beweisen die zahlreichen Krankheiten, welchen er
iberall unterworfen ist. Eine ungesunde Atmosphäre, verbunden mit
inzureichender Nahrung und anderen Nachtheilen, wie sie die künstliche
Zuͤchtung mit sich bringt, müssen früher oder später eine merkliche Wir⸗
ung auf die Constitution des Thieres ausüben, nicht nur, daß es seine
Färbung verändert, sondern auch siech und krank wird. Unter solchen
Umständen nun und wenn die Art dem Aussterben nahe ist, macht die
Natur selbst Anstrengungen, dieselben zu erhalten und sie in ihren ur⸗
prünglichen Eigenthümlichkeiten wieder herzustellen und diese Symptomc
der Umkehr, wenn sie von Seiten des Menschen mit Verstand und
Energie benutzt werden, setzen ihn in den Stand, die Krankheit aus—
zurotten und zugleich die ursprüngliche Färbung und Constitution wieder
jerzustellen.
Darin besteht das ganze Geheimniß meiner Experimente, welche
cch mit dem Bomb. mori angestellt habe. Da ich sah, daß zuweilen ein
ehr auffallender Unterschied in der Färbung vorkam und von der
Wahrheit in dem Ausspruch des Generals Daumas, daß „Färbung
und Eigenschaften eines Thieres Veränderungen oder Beimischungen
ur im Zustand der Domesticirung und unter ihren Einflüssen erleiden“
iberzeugt war, beschloß ich festzustellen, ob die dunkele Färbung einiger
Naupen durch einen Anlauf von Seiten der Natur, zum Ausgangspunk!
3 Domesticirung zurückzukehren, bewirkt worden sei oder nicht. Daß
ies in der That der Fall ist, wird nicht nur dadurch bewiesen, daß die
farbe bei der schwarzen Race constant bleibt —, was sie bei der wei—
zen nicht thut —, sondern auch dadurch, daß die der Art urspruͤnglich
anhaftenden Eigenschaften (welche aber den hellgefärbten Raupen ab⸗
zehen) wieder erlangt werden.
Welchen Einfluß die Verschlechterung des Seidenwurms auf die
Quantität der Seide hat, geht daraus hervor, daß von den zu Lucknow
im Oudh von Dr. Bonavien gezogenen Cocons 5200 auf ein Pfund
Seide kamen; in Candabar rechneten im Jahre 1840 die Afghanen
ztwa 4500 Cocons auf 1 Pfund Seide und in Frankreich reichten zu
einem solchen vor der letzten Epidemie nach Hrn. Baschfords Zeugniß
chon 2500 aus.
Wie bedenklich und kritisch es mit dem Seidenwurm steht, ist von
französischen Züchtern oft anerkannt worden; nur will es mir sehr
weifelhaft erscheinen, ob sie auch die besten Mittel zur Beseitigung sei—
ner Krankheiten in Anwendung gebracht haben. Es hat nicht an Mark—
chreiereien mit Geheimmitteln gefehlt, aber das bisher angewandte Ver⸗
ahren war nur gegen bestimmte Krankheitsphasen und darauf gerich—
et, einen temporären Erfolg zu erzielen. Ganz nutzlos ist es, in an—
deren Ländern nach einem kräftigeren, gesunderen Zuchtstamm zu suchen,
da der Seidenwurm überall seine ursprüngliche, naturgemäße Existenz
eingebüßt hat. Zur Widerherstellung eines solchen ursprünglichen, na—
urgemäßen Zustandes gibt uns allein die Natur ein Mittel, einen
»eutlichen Wink an die Hand, indem sie mitten unter der durch Dome⸗
lieirung geschwächten und siech gewordenen Brut noch einzelne, durch
»unkele Färbung ausgezeichneten Individuen erhalten hat, welche nütz⸗
iich und mit Einsicht verwendet, das Verlorene wiederherstellen können.
daßt den Seidenzüchter solche dunkelgefärbte Raupen von den übrigen
absondern, sie getrennt auffüttern und daraus Nachkommenschaft erzielen;
'aßt ihn aus dieser abermals alle hellgefärbten Raupen entfernen und
er wird binnen drei oder vier Jahren eine Race erzielen, welche an
Besundheit selbst diejenige noch weit übertrefsen wird, welche uns jene
Mönche bei der Einführung des Seidenwurms nach Curopa über
ieferten.“
Nachtrag. Wie wichtig für alle Seidenzuͤchter die Erfahrungen
ind Versuche des Capt. Hrn. Hutton sind, geht aus dem Angegebenen
ur Genüge hervor. Herr Kamphausen, Dirigent der Haspel-Anstalt
). landw. Vereins f. Rheinpreußen in Bendorf, schrieb mir vor einigen Ta—⸗
sen: „Die schwarz gezeichneten Raupen halte ich ebenfalls für Thiere der
Urrace am nächsten; ich selbst habe auch davon, was mich sehr freut.“
Unter den vielen Tausenden (japan. Race), die jetzt meine Zeit gar
ehr in Anspruch nehmen (viele haben die 4. Häutung schon passirt
ind sind jetzt wahre Vielfräße) — befinden sich auch einige hundert schwarz
zeringelte Raupen, die ich lediglich zur Nachzucht bestimmen werde. Nach
den schwarz geringelten folgen zunächst die braunroth geringelten, wo⸗
jon viele gar wunderschön gezeichnet sind. Auch von diesen werde ich
»inige hundert der dunkelsten zur Nachzucht wählen, sie von den übri—
gen trennen und separat einspinnen lassen.
Nach und nach werden wir dann wohl der Urrace witder näher
'ommen und die Krankheit wird hoffentlich gänzlich schwinden.
Sollten Seidenzüchter unserer Lokal-Abtheilung ebenfalls schwarz
geringelte Raupen unter ihren Pfleglingen haben, dann bitte ich, es mit
diesen ebenso zu machen, damit wir eine kräftige, gesunde Nachkommen⸗
chaft erhalten. (Landw. Centr.Bl. f. das berg. Land.)
Zur Salzdüngung.
Ein englischer Landwirth bemerkte schon 1861 in „Farmers Ma—
jazin“, daß er durch Salzdüngung nicht allein seine Felder von Un—
raut gereinigt, sondern auch bessere Ernten erzielt habe. Das Salz
bereinige als Düngmittel folgende Eigenschaften: Es lockere und zer⸗
heile die Klöße, sowie die zähe Oberfläche der Aecker; ziehe Feuchtigkeit
ius der Erde an und übermittele dieselbe den Pflanzenwurzeln; versetze
Alles, was zur Ernährung der Pflanzen geeignet ist, in einen löslichen
Zustand, schlitze die Frucht vor den Angriffen der Schnecken und des
Drahtwurmes und vertilge das Moos auf den Wiesen. — In Kur—⸗
essen will man 2 Ctrn. Dungsalz (Gehalt ca. 80 Proe. Kochsalz
ei richtiger Anwendung auf Wiesen einen Mehrertraag von 6 bis