Der Herr des Gartens bricht noch vorsichtig einige Aestchen weg, bringt
den Schwarmsack möglichst nahe und der Nachbar sucht den besten Griff
am Aste. „Fertig!“ heults von Peloton zu Peloton. Durch sanften
Ruck stürzt das Centrum und die Widerspenstigen am Aste werden
nachträglich noch von heftigerem Rütteln gezwungen, zu folgen. Die
Tharybdis schließt sich den Gefallenen und der Herr wiegt die schöne
dast behutsam in seiner Hand. Rascher als hinauf gehts nun von
heiden Seiten die Leiter hinab. Die Handschuh werden abgeworfen,
venn es auch einige Stiche absetzt, das Band des Schwarmbeutels
zeloöst und hinein in den offenen Korb strömt das gefangene Volk
Das Decdbrett liegt schon wohlbereitet zur Seite, es fliegt darauf
Vorsichtig wird der Stock gewendet und auf den Stuhl gestellt, das
Flugloch geöffnet und dem Schwarmplatze zugewendet, doch so, daß es
anicht vom Sonnenstrahl belästigt werde. Eine schwarze Mütze setzt
man auf, damit ja kein Nachzugler des Wegs verfehle. Es ist Alles
geschehen, die Kämpfer treten zur Seite und wischen sich den Schweiß
oon der geharnischten Stirn ab. Ob das Werk auch gerathen sein
vird? Zum Flugloch stürzen Schaaren heraus; aber bald machen sie
Halt, kehren um und schlagen fröhlich mit den Flügeln. Sie wissen
ihre Königin darin. Der Schwarm ist gerathen. Die Wildesten und
Zersprengten sammeln sich am Eingange und summen freudig. Am
Baum blieb noch ein kleiner Theil des Heeres; doch bald werden sie
rege, auf und ab suchen sie die Führerin. Sie hören das Summen,
sie fliegen ab auf den Stock, bald ist der Ast leer und keine Leiche
hezeichnet das Schlachtfeld. Doch nun rasch, ehe das neue Leben an—
hebt, wird der neuen Colonie ihre Stelle angewiesen, denn schon kom⸗
nen die Eifrigsten heraus und besehen sich Stock und Lage. Im In—⸗
nern beginnt der Bau, es geht an ein Knappen und Fegen, bald an
ein Fliegen und Holen. Noch einige lebhafte Vorspiele und alle sind
heimisch und der neue Staat beginnt zu floritre.
Wie mags im alien Stocke stehen? Da ist Ruhe eingetreten. Zwar
wurde manches Kistchen geleert, denn die Auswanderer konnten nicht
nit leeren Händen aufs Ungewisse hinausgesendet werden; aber der
Peter wollte nun einnmal nicht länger bleiben und so mußte die Tren⸗
aung überstanden werden und ist es gut, daß die Brauseköpfe fort sind.
Manches Mutterkind, dem der Auszug gereute, kehrt ja wieder
in's Mutterhaus zurück und gar manche jüngere Geschwister in der
Wiege wachsen frisch heran. Die alte Mutter kann abkommen, denn
schon legen hoffnungsvolle Töchter im Stillen das königliche Gewand
in und bis sie gereift sind, dem Haushalte vorzustehen, geht Alles
einen ruhigen Gang fort und die Wirthschaft ist in der besten Ord—
nung. Die Partheisucht im Hause hat aufgehört, jedes Glied geht
rührig an die Arbeit. Das Bienen⸗-Zeideln ist eine Freudenzeit, es
abt sich Alt und Jung am süßen Honigseim. Der Glanzpunkt aller
Bienenzucht aber ist die Schwarmzeit, um des Poetischen willen, das
n ihr liegt. Es könnte manche Mühe dabei erspart werden, aber ich
wvill nicht weniger Sorge und Mühe um die Schwärme und dies ist
zerade der Reiz, der die Bienenzucht würzt.
Soll ich wählen, sagte ein nicht begüterter Bienenwirth, ob ich
Honig oder Schwärme wolle, dann würde ich antworten: Wo es sein
'ann, beides, doch wo es nicht sein kann, lieber Schwärme.
Mag die künstliche Vermehrung der Wissenschaft dienen, diese wird
es ihr Dank wissen. Im natürlichen Schwärmen aber ruht die Poesie
der Bienenzucht. ⸗ Eduard Pauls in Benrath.
leber die Verbesserung des Weinbaues, die besonders
in Deutschland dringend nothwendig geworden ist.
Von Hrn. Schattenmann in Landau.
Der Weinbau ist einer der wichtigsten Zweige der Landwirthschaft
jeder Gegend, die sich für seine Cultur eignet; er bringt das meiße
Geld ins Land und hebt dessen Wohlstand um so schneller, je vollkom—
mener er betrieben wird. Frühe blühte derselbe schon selbst im Ueber—
maße in südlichen Ländern (weshalb Kaiser Domitian den Weinbau
in Gallien verbot, welches Verbot Kaiser Probus aber wieder aufhob),
und wurde auch schon zu Julius Cäsar's Zeiten in den römischen Co—
lonien der allemannischen Stämme am ohern Rhein nach Mustern he—
rieben, die heute noch in einem Theil des untern Elsaß und der an
zrenzenden baierischen Rheinpfalz gebräuchlich sind.
Die Klöster verbreiteten den Rebbau zuerst in Deutschland und
varen die Erhalter der besseren Rebculturarten. Kaiser und Konige
rechneten es sich zur Ehre, den Rebbau hauptsächlich durch Selbstbetrieb
in ihren Villas zu verbessern, was sie besonders durch die Einführung
ꝛdler Rebsorten und mittelst einer passenden sorgfältigeren Cultur be—
verkstelligten. Die nachher eingetretenen häufigen Kriege und die
dreuzzüge störten diesen Fortgang wieder und der französische Revo—
utionskrieg führte größtentheils die Zertrümmerung der großen Wein—
züter herbei und brachte solche meist in die Hände der ärmeren Win—
erklassen, welche die Weinkultur auch noch in nicht für solche geeigneten
dagen ausbreiteten, was früher untersagt war; solche legten sich meiß
uuch auf den Anbau der Reben von weichen Traubensorten ihrer Er—
ziebigkeit wegen, wozu sie durch den ungeheuern Verbrauch des Weines
vährend des Krieges veranlaßt wurden, was aber nach den mehreren
»arauf folgenden sehr ergiebigen Weinjahren einen solchen Ueberfluß
an Wein hervorbrachte, daß solcher unter den Werth des Bieres und
der des Rebgebäudes unter den des guten Ackerlandes herabsank, se
daß dessen Ertrag kaum mehr dessen große Culturkosten deckte.“
Ungeachtet der großen Forischritte, welche die Naturwissenschaften
in neueren Zeiten gemacht haben und mancher Beispiele vorzügliche
Weinkulturen am Hardgebirg, der baierischen Pfalz, im obern Elsaß,
in Württemberg, im badischen Oberlande und selbst in einigen Theilen
Norddeutschlands, steht unser Weinbau im Allgemeinen noch auf einer
niedrigen Stufe von Vollkommenheit, daher solcher weit nicht so nutz⸗
zringend ist, als er sein könnte. Hieran ist hauptsächlich Schuld die
neist noch gleichfirmige Behandlung des Rebbaues nach altem Her—
fommen, ohne Rücksichtsnahme auf die oft so sehr große Verschiedenheit
des Klimas, des Bodens und die besonderen Eigenschaften jeder Reb—
orte; auch hat selbst die wohlgemeinte, besonders von den landwirth⸗
chaftlichen Vereinen in neuerer Zeit empfohlene allgemeine Anpflanzung
der edlen Rebsorten nachtheilig auf die Cultur eingewirkt, da diese Reb—⸗
orten oft in nicht für sie geeigneten Lagen angepflanzt wurden und
also auch in allen mittelmäßigen Weinjahren nur wenig und geringen
Wein liefern konnten.
Um zu einer allgemeinen fortschreitenden Verbesserung unseres
Weinbaues zu gelangen, wäre eine gesammte Revision desselben vorzu⸗
nehmen, da nur von einer solchen großer Nutzen zu erwarten ist. Zu
dem Ende ist für jede Gegend ein Modell der für sie passenden Reb⸗
erziehungsart aufzustellen, welches besonders deren Lage, klimatischen
ind Bodenverhältnissen entspricht und von einer ausführlichen Beschrei
»ung der darnach vorzunehmenden Rebbehandlung begleitet ist. Durd
die Ansicht dieses Modells und die Prüfung der Gründe, worauf die
vorgeschlagene Erziehungsart beruht, kann der Winzer am besten von
der Nützlichkeit des Vorschlages überzeugt und zur Nachahmung ver
anlaßt werden. (Nach d. Pom.)
Einflusßß der Berußung von Dampfkesseln auf den
J Heizeffeet.
Nach Dr. Noggerath.
Die bekannte Thatsache, daß das Absorptionsvermögen des Rußes
gegen Wärmestrahlen größer, als das eines anderen Körpers ist, hat
‚ielfach zu der Annahme Veranlassung gegeben, daß die Wärmeleitungs
fähigkeit metallener Heizflächen durch eine Rußlage vergrößert werde
Man nahm dabei an, daß die Berußung von Dampfkesseln eine We
zrößerung des Wärmedurchgangscoefficienten, d. h. derjenigen Zah'
herbeiführe, welche die Anzahl der Wärmeeinheiten angibt, die durch
die Quadrateinheit der Fläche in der Zeiteinheit für jeden Grad der
Differenz zwischen den Temperaturen der Heizgase und der zu erwät—
menden Flüssigkeit wansmittirt werden.
In diesem Sinne hat sich Béède ausgesprochen. Dagegen i
zu beachten, daß es sich bei Erhitzung der Heizflächen über Feuerzügern
nicht um die Aufnahme von Wärmestrahlen, sondern nur um Mitthei—
lung der Wärme von den Heizgasen durch die Kesselwandungen an ein—
zu erwarmende Flüssigkeit handelte. Da nun einerseits die Wärmelei
unasfähiakeit des Rußes fast 100mal geringer ist. als die des Eisene