Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Bürgermeister Bölsch auf und machte auf die großen Vortheile auf—
nerksam, welche sowohl für den Produzenten, den Consumenten, als
zuch für den Gewerbetreibenden aus einem gut besetzten Viehmarkte
nispringen. In Heusweiler beständen zwar schon seit langer Zeit der—
gleichen Märkte, dieselben seien aber bis dahin von den Produzenten
ehr spärlich beschickt und dadurch auch wenig Consumenten resp. Han—⸗
»elsleute herangezogen worden. Alle Anwesenden traten den Ansichten
des Hrn. Bürgermeisters Bölsch bei und erklärten sich gerne bereit,
Alles aufzubieten, um die Viehmärkte in Heusweiler möglichst zu heben
ind dieselben mit Vieh aller Gattungen fortan zahlreich zu beschicken
Nach diesem machte
dr. Koch von Bieischeid auf die in Aussicht stehende Futternoth
uufmerksam, indem nicht nur allein der Klee und das Wiesengras einen
chlechten Ertrag liefern würden, sondern es würde auch, der großen
Trockenheit wegen, der Runkelrüben wenig gepflanzt und selbst deren
Ertrag gering ausfallen. Für Klee und Wiesengras sei für dieses
Jahr auf Ersatz wohl nicht mehr zu hoffen, dagegen sei der Ausfall
'ei der Runkelrüben-Erndte noch durch den Anbau der Erdkohlrab'
Rutobaga) zu decken. Die Kultur der Erdkohlrabi sei der der Runkel—
cüben ganz ähnlich, nur in dem Punkte verschieden, daß der Samen
der Erdkohlrabi, jetzt noch an Ort und Stelle gelegt, vollkommen ge—
deihe und dicke kräftige Knollen, ohne holzige Hülse, litfern könne. Es
ei also Jedem zu rathen, um diese Zeit statt Runkelrüben-Pflanzen zu
retzen, an deren Stelle 254 Kornchen Erdkohlrabi-Samen zu legen,
mit diesem auch die etwa fehlende Runkelrüben-Pflanze zu ersetzen. —
Die Erndte der Erdkohlrabi falle nach der der Runkelrüben, da ihr
der Frost weniger, als dieser schade; es sei dagegen besonders darauf
zufmerksam zu machen, daß die Erdkohlrabi im Winter nicht zu warm
jedeckt sein dürfe, indem ihr zu große Wärme mehr als aeringer Frost
chade.
Was der Ertrag der Kohlrabi anbelange, so stehe derselbe, dem
Bewichte nach, zwar dem der Runkelrüben nach, dagegen sei der Fut—
erwerth viel höher, denn es würden nach dem Lesebuch von Tschudi
325 Pfd. Runkelrüben und nur 250 Pfd. Erdkohlrabi gleich einem
Lir. Wiesenheu gerechnet. Andere Schrifisteller als: Schwarz, Thaer,
Baussingoult ꝛc. stimmen mit obigem Futterwerthe ziemlich überein.
Mehrere der Anwesenden ersuchten um Ablassung von Samen
der Erdkohlrabi, welcher ihnen zum Kostenpreise gerne zur Verfügung
gestellt wurde.
Zum Schlusse wurde Herr Bürgermeister Bölsch ersucht, noch—
nals 12 Exemplare des landw. Lesebuches von Dr. Friedrich Tschud
nachzubestellen, welche schon im Voraus ihre Abnehmer gefunden.
B.

Ueber die Sterblichkeit
zeißt es in einem Artikel der „Illustr. Gewerbeztg.“. Nach Beobach
ungen von 33 Jahren stellt sich die durchschnittliche Lebensdauer be
zen einzelnen Berufsständen folgendermaßen heraus: Bei den Geist—
ichen 6511,2 Jahre; Lehrern, Gärtnern, Fleischern 655/, Jahre; Kauf
euten 653/, J., Fischern, Schiffern 558,, J.; Juristen 54',, J.; Aerz
en 521/1 J., Bäckern, Bierbrauen, Zimmerleuten, Maurern 5122— 48/.
J. Schuhmachern, Tischlern, Schlossern, Schneidern 471.-45/3 J.
Steinmetzen, Lithographen, Schriftsetzern 435,3— 405,5 J. Die Ursacht
»cs späteren Todes tritt natürlich schon früher in ganzen Arbeitsclassen
hurch den schwächeren Körperbau auf und es ist in dieser Beziehuns
olgende Tabelle, welche angibt, wie viele Rekruten von 100 Dienst—
zflichtigen in Sachsen innerhalb 3 Jahren untauglich waren, interessant
Bei Fleischern, Steinmetzen, Zimmerleuten, Maurern 43 — 55 Mann
»ei Bergleuten, Bauern, Schuhmachern, Tischlern 61 — 70 Mann; be
Webern, Spinnern, Schneidern 72 — 80 Mann; bei Schriftsetzern
Uthographen, Lehrern 88 — 90 Mann. — In England haben die
Stahlarbeiter, namentlich die Schleifer, nur eine durchschnittliche Lebens—
dauer von 29 — 35 Jahren. Höchst erfreulich ist die Thatsache, daß
zie durchschnittliche Lebensdauer der Menschen mit der zunehmenden
Livilisation erheblich wächst. Während in Genf die durchschnittlicht
debensdauer im 16. Jahrhundert nur 212/, Jahre, im 17. Jahrhun
dert 252/3 Jahre, im 18. Jabrhundert 327/ Jahre betrug, beträg
ieselhe ietzt 28 Jahre

Die Stockerauer oder Kaifsererbse.
Es wird in unsrer Zeit häufig über Erbsenmüdigkeit des Bodens
zeklagt, die sicher keine andre Ursache hat, als daß die Erbse nich
ille Nahrungsstoffe in genügender Menge im Boden findet. Insbe—
ondre scheint der Mangel an Kalk das Gedeihen der Erbse herab
zu setzen und das Ausarten derselben zu befördern.
Es ist nichts wahrscheinlicher, als daß die Erbse dadurch an
hrem gnten Geschmack und an ihrer Größe und Nahrhaftigkeit ver—
liert; deswegen kommt wohl auch die Erbse immer seltener auf die
Tafel und will den Dienstboten ein Erbsengericht nicht mehr munden.
Als Nahrungsmittel nimmt die Erbse in Bezug auf Kräftigung
des Körpers gewiß den ersten Rang ein. Sie ist sogar ein sehr ge—
zesundes Nahrungsmittel, wenn der Magen nur halbenwegs in Ord—
uung ist. Ich habe gefunden, daß erst kürzlich ein Arzt einem Mädchen
den öftern Genuß der Erbse verordnete.
Wir sollten also trachten, das Gedeihen der Erbse durch eine
ationelle Cultur zu befördern und eine gute Sorte zum Anbau zu
vählen. Aber auch die Kochkunst kann viel dazu beitragen, um die
Erbse schmackhafter für den Tisch herzurichten.
Freilich ist der Hunger der beste Koch. Es wird erzählt, daß
in Tagelöhner bei seinem Dienstherrn keine Erbsen mehr essen wollte
ind dieses auf eine sonderbare Weise kund gab. Kamen Erbsen auf
den Tisch, so fuhr er 'mit der hohlen Seite des Löffels nach unten
gekehrt in die Schüssel, so daß auf convexen Seite desselben keine
Erbse liegen blieb und immer der leere Löffel aus der Schüssel ge—
ogen wurde. Wegen dieser Demonstration gegen die Erbsen wurde
»er Taglöhner entlassen. Allein aus Mangel an Arbeit und Ver—
dienst kam er sehr bald wieder mit einem Sacke und bat um eine
Zuantität Erbsen zum Genuß. Dies war dem Herrn recht; denn
uch er wollte gegen seinen gewesenen Tagelöhner eine Demonstration
zusführen, die ihn beschämen und wo möglich zur bessern Einsicht
hringen sollte. Der Herr führte den Tagelöhner auf den Schütte—
boden zu einem Haufen Erbsen und stellte sich an, mit der Schausel
die Erbsen in das Maaß zu geben; allein er nahme die Schaufel so,
wie der Tagelöhner den Löffel beim Einmessen; keine Erbse wollte
uuf der Schaufel bleiben und in das Maaß kommen. Der Tage—
öhner bekannte und bereute seinen frühern Fehler und Undank ge—
jen seinen gewesenen Herrn und bat demüthigst um Verzeihung.
Der Herr verzieh ihm und schenkte ihm das begehrte Maaß von
Erbsen.
Wie sehr man in Amerika von der Nahrhaftigkeit der Erbsen
iberzeugt ist, geht daraus hervor, daß die Bergwerksbesitzer ihre Berg—
eute, welche das schwere Erz aus bedeutenden Tiefen auf der Rücken
zu Tage fördern müssen, nöthigen, Erbsen zu essen.
Es wird über die Schwerverdaulichkeit der Erbse geklagt. Diese
iegt wohl größtentheils in der äußern Schale derselben, welche eine
erfahrene Köchin während des Kochens, wenn auch nicht ganz, so doch
um Theil, zu entfernen weiß. Auch kann man die Erbsen durch
einen Seiher passiren lassen, wo dann die Hülsen zurückbleiben. Das
Durchgeseihte kann entweder als Mus oder Suppe gegessen werden,
velche letztere besonders schmackhaft und kräftig wird, wenn man sie
nit Graupen, Speck, Grünzeug ꝛc. ⁊c. versetzt.
Daß man die größern Sorten von Erbsen den kleinern vorziehen
nüsse, liegt auf der Hand; die größeren haben nämlich verhältniß—
näßig weniger Hülsen als die kleinern.
Auch die Farbe der Erbsen scheint auf ihre Güte hinzudeuten.
Die weißen Erbsen sind gewöhnlich zarter, wohlschmeckender und ver
»aulicher als die gelben.
Manche Erbsen wollen nicht ganz und nur sehr langsam weich
kochen. Dagegen hilft ein vorheriges 24 — 28stündiges Einweichen
»der auch eine Zugabe von etwas doppeltkohlensaurem Natron.
Damit die angebauten Erbsen ihre Größe und Güte behalten,
st es nothwendig, zu ihrem Anbau einen kräftigen, tiefgründigen
Boden zu wählen und sie sehr dünn auszusäen. Bei uns sagt man
es müsse sich zwischen den aufgegangenen Erbsen ein Schaf legen können.
Am besten thut man aber, wenn man sie drillt.
Nun gibt es verschiedene Sorten von Erbsen von verschiedener
Züte, Um sich davon zu überzeugen, darf man nur einen Samenka⸗
alog zur Hand nehmen. Aber nicht alle Sorten gedeihen überall
uut: doch werden die meisten in einem aut zuhereiteten Gartenboder
            
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