Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

schein auf dem Wege von Bliesransbach nach Saarbrücken, oder inner⸗
halb der letztgenannten Stadt, vor eirca 3 Wochen verloren habe, wird
dieser Gewerbeschein für ungültig erklärt, und indem wir hierunter das
Signalement des ꝛc. Koch folgen lassen, fordern wir den etwaigen Fin⸗
der des fraglichen Scheins auf, ihn der nächsten Polizei-Behorde zur
Einsendung an uns zu uͤbergeben.
Trier, den 13. Juni 1865.
I. 6846. Königl. Regierung.
Signalement: Alter 360 Jahre, Größe 5* 2“, Haare braun,
Stirn flach, runzlich, Augen blaugrau, Nase stark, Mund groß, Kinn
rund, Bart blond, Gesichtsfarbe gesund, besondere Kennzeichen keine.

Bienenzucht.
Die künstlichen und die Naturschwärme.
Wie im Leben überhaupt, so tritt auch in der Bienenzucht, vor—
züglich in den verschiedenen Methoden derselben, bald mehr die Prosa,
bald mehr die Poesie in den Vordergrund. Am sichtbarsten scheiden
sich beide in der Erlangung neuer Bienenvölker; hier durch künstliche.
dort durch natürliche Schwärme. Heute wollen wir Schwärme machen,
Ppricht der Bienenvater oder vielmehr Bienenmeister und Bienenbeherr—
cher. Er hat die Stocke auseinander genommen und kennt sie genauer,
als sein eignes Innere; sie sind vollgebaut, volk- und buntreich. Aus
dem einen Stocke wird die Königin genommen und aus einem zweiten
ind dritten das Volk hinzugekehrt, der Kasten verschlossen und nach
zinem entfernten Stande gesandt. Der Schwarm ist fertig und man
hat nicht darauf lauern müssen. Die alte Familie bekommt eine Stief
mutter, jung, fruchtbar oder erzieht sich eine solche aus der eignen Fa—
nilie und es ist bald wieder Alles in der Ordnung. Der gemachte
Schwarm wird einem Stiefvater in Pflege gegeben und dieser sendet
dagegen eines seiner durch Kunst erzeugten Kinder in die entfernte Er—
iehungsanstalt.

Für die Wissenschaft ist ein solches Verfahren und Können von
unbeschreiblichem Gewinn und steht hoch neben Schirachs Entdeckung,
nus jedem Ei eine Königinn erziehen zu lassen; aber der Schwarm⸗
duft ist abgewischt. Noch stärker tritt des Lebens harte Prosa hervor,
vo künstliche Schwärme durch Abtrommeln erzeugt werden. Mit kräf—
iger Faust nimmt der Bienenherr den geeigneten Immen herab vom
Brett, stürzt ihn auf den Kopf und jagt mit mehr oder weniger Rauch
das verwunderte Volk zurück, denn Bestürzung der Bienen ist eine Be
dingung zum gefahrloseren und leichteren Gelingen der Operation.
Deßhalb werden einige harte Schläge gegen das Haupt geführt. Kein
Ort der gewohnten Wohnung darf der Königin und ihrem Volke eine
ãchere Zufluchtsstätte bieten. Von unter herauf folgt ihnen Schlag auf
Schlag, rechts und links. Will das nicht helfen, wollen sie von ihrem
nühsam gesammelten Eigenthum nicht scheiden oder zu viel davon ret—
en, so hilft Rauch sie treiben; es wird auch wohl ein Bakel zur Hülft
zenommen, wenn der Zug ermüdet oder zweifelnd still steht. Feuer,
Rauch und Lärmen, als ob die ganze Heimath in Flammen stehe, hat
endlich die verzagten Auswanderer in die neue Wohnung hinaufgetrie—
ben. Einsam sitzen sie an den Wänden umher, sind froh, nicht mehr
»en ängstigenden Lärm zu vernehmen, nicht mehr die Bastonade an
hren Füßen zu empfinden. Sie erholen sich; ein theures Haupt ist
hnen geblieben, ihre Königin ist noch unter ihnen; um diese schaaren
äe sich wieder. Die Noth zwingt zur Arbeit; wie Abgeordnete gehen
ie daran, ein neues Hauswesen zu begründen und die neue Kolonie
zedeiht, wenn der Himmel schöne Tage und Tracht sendet oder wenn
der eifrige Naturkünstler mit reichlichen Honigtellern nachhilft.
Wie siehts im alten Hause aus? Ein Theil der Bevölkerung hat
ich weder durch Schläge noch durch Feuer bewegen lassen, die geliebte
Heimath und die in der Wiege schlummernden Kinder zu verlassen.
Erschütterung Trommelschlag schweigen endlich; sie gehen daran, das
Verletzte auszubessern und zu stützen, und sie fühlen sich wieder, wenn
auch nur halb, auf ihrem alten Platze. Aber die Hoffnung, ihre Kö—
nigin zu besitzen, ist getäuscht und es fehlt ihnen ihr Ein und Alles.
Bald erkennen sie ihren Verlust; ein Glied des Hauses fragt das an—
dere nach dem Aufenthalt der Gebieterin und hinaus vor das Thor
des Hauses stürmt eins nach dem anderen, sucht anastvoll nach der

Bekanntmachung.
Die Fortschreibung des Güterwechsels in der Bürgermeisteren
Sellerbach findet dahier statt:
für die Gemeinden Niedersalbach und Herchenbach am 3. Juli
— Rittenhofen, Coln und Sellerbauch 4.,
J Engelfangen und Etzenhofen „5.,
F Guichenbach und Ueberhofen „6.,
Hilschbach und Walpershofen 7.,
Heusweiler, den 22. Juni 1866.
Der Bürgermeister
Bölsch.
Theuern; hoffnungslos und ohne sichere Kunde geben zu können, keh—
ren alle zurück. Nun erhebt sich eine allgemeine Wehklage durch das
Haus, von Angstschweiß triefen die Wände und wenn das Wehllagen
vorüber ist, sich die Mehrzahl beruhigt hat, erinnert eine einzene
Stimme wieder an den gemeinsamen Verlust und von Neuem beginnt
das Geheul, bis durch das Uebermaß der Schmerz selbst erlischt und
die Zeit ihren lindernden Balsam auch an diesen Verlassenen bewähri
oder berechnende Menschenkunst eine fremde Königin unter sie sender
der ein Abkommling der vertriebenen Beherrscherin in längerem Zeit
aume aus der Wiege zur Führerin aufgezogen ist.
Draußen aber steht der Bienenzüchter und horcht, ob der Friede
noch nicht wieder eingekehrt ist und möchte mit seinen jammernden Bie—
ien weinen, deren verlassenen Zustand er herbeigeführt hat. Doch er
beruhigt sich mit den Gedanken, nun sicher einen Stock mehr zu haben,
ohne auf Gunst des Himmels und sonstige Verhältnisse lange warten
zu müssen. Das Geschäft ist zur gelegenen Zeit vollbracht; die kundige
Berechnung hat zum Ziele geführt. Mehr zufälligen, günstigen und
ungünstigen Verhältnissen ist das natürliche Schwärmen anheimgegeben,
hat aber sicherlich für die meisten Bienenzüchter auch mehr Poetiisches,
»as Gefühl Ergreifendes und Erquickliches. Da ist nicht von einem
Sollen und Müssen die Rede und keine kalte Berechnung an ihrem
Orte; denn auch das sicherste Mittel, die Fütterung auf den Schwarm
führt nicht unbedingt zum Ziele und noch ist kein durchaus sicheres
Vorzeichen des nahenden Schwarmauszuges aufgefunden. Da leitet
eine unsichtbare Kraft, die auch im schwachen, bewußtlofen Insekt mäch
ig ist, den Mutterstock, eine neue Kolonie vorzubereiten, sie zur rechten
Zeit in ihrer Mitte zurückzuhalten oder zur rechten Zeit auszusenden.
Da ist ein frisches, fröhliches Naturleben, da bedarf es eines Zusam—
nentreffens glücklicher Umstände, einer guten Weide, sonniger Tage.
varmer weicher Luft, wenn alles gelingen soll und es bleibt der Rei—
des Fürchtens und des Hoffens.
Der lange Winter ist endlich vorüber; der Hornung bringt ein—
elne helle warme Tage. Die Bienen schwärmen dicht um den sonnb
jsen Bienenstand, schöpfen frische Luft und Kraft, um von Neuem den
östlichen Nektar genießen zu können, der daheim in hermetisch ver⸗
chlossenen Bechern aufbewahrt ist. Der Bienenvater steht vor seinen
Bienenstande und schwelgt in der Lust seiner Pfleglinge, beurtheilt abet
auch mit scharfem Blicke aus ihrem Treiben den Gesundheitszustand—
hres Haushaltes. Der Frühlingsmonat bringt mehr dergleichen schöm
Tage. Der Hausvater nimmt seine Stöcke vor, beschneidet ihnen di
eeren Waben handhoch, spannenhoch hinauf, je nachdem das Volk stat
zenug ist, es bald zu decken und freut sich, wenn er hinaufschauend
eichliche Brut entdeckt. Aus den Ecken fällt auch manch schönes' Stü
donig ab; denn Familie und Nachbarn wollen auch ein wenig nasche
wenn die Bienen geschnitten werden. Wage oder Augenmaß geben gM
wie viel zu lassen ist; denn nicht zu reich und nicht zu arm, das erhäl
Muth und Lust zur Arbeit und zur Brut.
Noch gibt es wenig auf der Flur zu holen; nur einzelnes Weiden—
ind Haselgesträuch bietet eiwas Blumenstaub. Der sorgsame Bienen.
»ater kömmt seinen Völkern zur Hülfe. Erbsen- Weizen⸗, Roggen⸗ un
Berstenmehl, auch Kartoffelnstärkemehl wird ihnen auf Drohnentafe!
einige Schritte vor dem Bienenstande vorgesetzt. Hat sich aus jeder
Stocke erst eine Biene dahin locken lassen und davon gekostet, zu Tar
enden kommen die Uebrigen nach; in wenigen Stunden sind Pfund
»hne besondere Wahl aufgepackt. Wie der Hirt unter Lämmern, steb
der Pienenvater zwischen feiner Heerde. Auf seinen Händen, Obrer

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