Das Rosten des Eisens.
Die Unmassen Eisen, die alljährlich auf der Erde producirt wer—
den, würden am Ende, wenn alle Eisenbahnen gebaut, alle Kanonen
zegossen, alle Brücken gebaut wären, eine Uebersättigung des Eisen—
narktes herbeiführen, wenn das Rosten nicht wäre. Man kann dreist
oehaupten, daß schließlich alles Eisen, welches aus den Eisenerzen, den
aatürlich massenhaft zusammengehäuften Eisenoxyden hergestellt wird,
schließlich wieder in den Zustand von Eisenoxyd oder Rost zurückkehrt
uunmehr aber in feinster, unmerklicher Vertheilung sich über den gan—
zen Erdboden verbreitet. Wenn die Spuren alter Cultur, die sich in
inseren Alterthumsmuseen finden, nur äußerst selten die Verwendung
des Eisens zeigen, so liegt dies vielleicht nur darin, daß das Eisen
bis auf die letzte Spur vom Rost zerstört worden ist, während die
so häufig gefundene Bronze unter ihrer Oxyddecke sich unverändert er—
halten hat.
Sicherer, als durch feindliche Kugeln werden die Panzerschiffe
zurch den Rost zerstört werden. Die Existenz der mit so großen Kosten
erbauten eisernen Brücken über den Rhein, die Weichsel, den Menai—
anal, ist, so fest sie auch heute dastehen. — durch den Rost — eine
ehr begrenzte.
Die Bildung des Rostes ist eine langsame Verbrennung des
kisens durch den Sauerstoff der Luft. 7 Theile Eisen mit 8 Theilen
Sauerstoff und wechselnden Mengen Wasser stellt den Rost dar. So—
bald der Rost einmal auf dem Eisen sich eingenistet, so geht der Oxy⸗
dationsprozeß mit steigender Schnelligkeit vor sich. Jeder Rostfleck bil—
det mit dem darunterliegenden Eisen eine Art galvanischer Kette, wobei
das metallische Eisen die Stelle des leicht oxydablen Metalls, also des
Zinks, spielt. Eine andere Ansicht läßt aus Eifenoxyd und metallischem
kisen Eisenoxydul an der Berührungsstelle entstehen; das Eisenoxydul
nimmt dann auf's neue Sauerstoff auf, wird wieder zu Eisenoxyd in
in sich selbst. In trockenem Sauerstoffgase, in absolut trockener Luft,
rostet das Eisen nicht. Sobald aber Wasserdünste und Kohlensäure,
die in der gewöhnlichen Atmosphäre nie fehlen, sich in's Spiel mischen,
ist die allmälige Zrrstörung des Eisens kaum zu vermeiden. Auf das
iußerste befördert wird sie durch Gegenwart von Spuren stärkerer Säu⸗
cen und mancher Salze. Ein überzeugendes Beispiel liefert der soge⸗
nannte Eisenkitt. Durch Salmiak, schwachen Essig, durch die aus dem
beigemischten Schwefel entstehende Schwefelsäure wird das Rosten des
feinvertheilten Eisens so befördert, daß eine starke Erwärmung der Masse
eintritt, daß die pulverförmige Mischung nach kurzer Zeit steinhart wird
Das gebildete Eisenoxyd nimmt ein viel größeres Volumen ein und
ʒewirkt dadurch die Dichtung. Diese Volumenausdehnung durch den
Orxpdationsprozeß ist so bedeutend und energisch, daß z. B. mächtige
Quadersteine am Straßburger Münster dadurch aus ihrer Lage geho⸗
ben und zersprengt worden sind, daß eine eiserne Stange, die hindurch
zing, durch daran herablaufenden Urin zu raschem Rosten gebracht
vurde. Den nachtheiligen Einfluß von Spuren von Säure auf Eisen
beobachtete man neuerdings in einem großen Eisenwaarengeschäfte, wo
man sogenannie Eismaschinen mit einer Mischung von starker Salz⸗
äure und Glaubersalz gefülli hatte. Durch die Spuren entweichender
saurer Dämpfe waren alle blanken Eisen- und Stahlwaaren erblinden
and in Gefahr zu verrosten. Die Eisennägel, welche in sogenannte
zonservirte, d. h. mit Chlorzink, Eisenvitriol, holzessigsaurem Eisen,
Quecksilberchlorid ec. getränkte Schwellen eingeschlagen werden, sind dem
Rosten auf das äußerste ausgesetzt. Die Einwirkung des reinen See⸗
vassers ist nicht so nachtheilig, als die des sogenannten Bradwassers,
nn dem faulige Zersetzungen vor sich gehen. Am günstigsten soll sich
caschfließendes klares Flußwasser erweisen, sodaß das Eisen darin kaum
ascher als an der Luft zerstört wird.
Man hat sich natürlich viele Mühe gegeben, das Rosten des Eisens
zu verhindern. Sehr wesentlich influirt schon die Natur der angewen⸗
deten Eisensorte. Am besten scheint das weiße harte Gußeisen zu wi—
derstehen, besonders wenn es beim Gießen moglichst gleichmäßig abge⸗
kühlt worden ist. In Schmiedeeisen und Stahl existiren nach Malle
wei verschiedene Verbindungen, die sich electro⸗negativ und electro posi tiv
zu einander verhalten. Die letztere wird zuerst zerstört. Hierauf beruht
wahrscheinlich die sehr ungleichmäßige Verbreitung des Rostes auf dem
blauen Eisen, sowie die räthselhaften Erscheinungen bei Dampffessel⸗
h»lechen, die besonders bei Anwendung sehr reinen Wassers eintrete
ndem das ganze Blech mit einzelnen Grübchen und größeren Vertn
ungen sich wie besäet zeigt. Im Allgemeinen kann man annehme!
daß Schmiedeeisen sich dreimal rascher oxydirt als graues Gußeisen
Spiegeleisen, diese gleichmäßige Verbindung von Kohlenstoff und Eisen
rostet fast gar nicht. Graues Gußeisen mit der Gußhaut hält sich bet
ser rostfrei, als dasselbe Eisen, nachdem es abgehobelt oder abgedreh
Eine oberflächliche Verstählung durch eine Einsatzhärtung odit Ein
sauchen in schmelzendes Cyankalium schützt ebenfalls etwas gegen den
Rost. Hier scheint indessen die dünne gleichmäßige Haut von Eisen
»pduloxyd, welche die Anlauffarben bildet, eine wesentliche Rolle u
pielen.
Sehr vielfach hat man den Schutz für das Eisen in galvanischen
Wirkungen gesucht. Zink, das bedeutend elektro⸗positiv gegen das Er
sen ist, wird vorzugsweise angewendet. Zinn und Kupfer schützen wu
so lange, als das Eisen vollständig damit überzogen ist. Sobald du
Ueberzug an irgend einer Stelle das Eisen bloßgelegt läßt, befördern
ie den electro⸗positiven Zustand des Eisens und damuͤ sein rasches Ven
osten. Wenn man als Ueberzug Messing, die Verbindung von Kupfe
und Zink, anwendet, so darf man keine Legirung wählen, die mehr al
31 Proc. Kupfer enthält. Im Jahre 1830 nahm G. G. Bompas
in England das erste Patent, worin Eisen durch galvanische Actior
zeschützt wurde; in demselben Jahr schlug John Revere vor, die
Theile der Kettenbrücken durch Anbringung von Zink⸗Protectoren u
chuͤtzen. Die großen Eisenblechpfannen der Salinen sollen ebenfalle
durch Zinkplatten, die in den Ecken angebracht sind, geschützt werden
Unglücklicher Weise hält dieser Schutz gegen Rost nur so lange vor
als das Zink noch nicht mit Zinkoxyd überzogen ist. Für eiserne Schiffe
ritt, wenn auch das Rosten verhindert wird, immer der Uebelstand en—
daß sich eine Schicht von kohlensaurem Kalk, Schlamm und endlich eint
Menge Seepflanzen ansetzen. Der Vorschlag Mallets, das Eisen
der Schiffe nach vollständiger Reinigung durch Abbeizen ꝛc. in en
Amalgam von Zink, Quecksilber und kleinen Mengen Natrium oder
salium einzutauchen, bezweckt eine Amalgamation des Eisens. Be—
anntlich gelingt es in der That, auf diese Weise Eisen zu amalgamiren.
Es dürfte indessen nicht lange dauern, daß nach der Oxydation der
kleinen Menge des Alkalimetalls das Quecksilber sich in Tropfen von
Eisen ablöste.
Einstweilen wird das Verzinken oder Galvanisiren des Eisens in
zroßer Ausdehnung ausgeführt und schützt in der That sehr gut gegen
Rost, wenn nämlich die Zinkschicht so stark ist, daß sie genug Zinkoryd
zu einer haltbaren Decke für sie selbst bilden kann. Das gewöhnlichtt
Miltel gegen Rost bieten die fettigen, harzigen und Theeranstriche
deberzüge mit Leinblfirniß, mit verschiedenen Farbenzusätzen sind sehr
zewöhnlich. Sollen diese Ueberzüge aber gut haften, so muß das Eisen
rein von Rost und vollkommen trocken sein. Wo es angeht, ist eine
näßige Erwärmung des Eisens vor dem Anstriche sehr zu empfehlen.
Dies soll in der That bei eisernen Schiffen durch tragbare Oefen oder
Hasflammen mit biegsamen Schläuchen bewirkt werden. Die Farben
nüssen mit Vorsicht ausgewählt werden. In Seewasser z. B. ist der
'o beliebte rothe Mennigeanstrich geradezu ein Verderb des Eisens. E
vird, wie zahlreiche Beobachtungen beweisen, das Seewasser durch Po⸗
sen des Anstrichs eindringen; es bildet sich dann eine Blase, die mit
iner Auflösung von Chlorblei angefüllt ist, das Eisen zeigt sich mi
seinen glänzenden Bleikrystallen bedeckt, und unter diesen findet man ein
cief ausgefressenes Grübchen im Eisen. Das metallische Eisen reduzit
die Mennige, und das ausgeschiedene Blei bildet eine galvanische Kette.
bei der das Eisen auch die Rolle des oxydablen Metalls spielt. Stau
der Mennige kann man Calcothar oder sogenannte Eisenmennige Eisen
oxyd) anwenden; indessen würde wahrscheinlich das feinpulverige Zinl.
der Zinkstaub noch mehr zu empfehlen sein, da hier noch eine günstigt
Jalvanische Action hinzutritt.
Sehr gut ist der sogenannte Eisenlack, eine Auflösung von Asphal'
n leichtem Steinkohlentheeröl, für sich oder unter Zusatz von Schellack
Harz, Kautschuk, angewendet. Für feinere Eisen- und Stahlwaarer
verden auch Auflösungen von Schellack in Spiriuus, von Wachs
Benzol vorgeschlagen. Besonders bei brünirtem, d. h. mit einer Schich
esthaftendem Eisenoryd absichtlich überzonenem Eisen, findet man diess