Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

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für

den Kreis Saarbrücken.

38 72.

Sonnabend den 17. Juni

1865.

Amtliches.

Bekanntmachung.
Die diesjährige Fortschreibung des Güterwechsels für die Gemein—
den der Bürgermeisterei Bischmisheim findet dahier bei dem Gastwirth
drn. Zell an folgenden Tagen statt, für die Gemeinde:
Clausransbach am 26. Juni von 8-512 Uhr Vormittags,
und 224,Nachmittags,
Scheidt 27., von 8-12 Vormittags,
und 224 , Nachmittags,
Fechingen „ 28., von 8-212 , Vormittags,
und 2—24 ,„ Nachmittags
F „29. „ von 8-12 Vormittags,
Brebach „ 29. „ von 223 , Nachmittags,
Bischmishein, 30. , von 8-212 , Vormittags,
und 2—24, Nachmittags.
Brebach, den 13. Juni 1866.

Bekanntmachung.
Die diesjährige Fortschreibung des Güterwechsels (Grundstücke
uind Gebäude) für die Buͤrgermeisterei Gersweiler findet statt im Hause
»es Gastwirthes Hrn. Raven in Gersweiler:
1) am 21. Juni c., den ganzen Tag von 8ÿ12 und von 2-4 Uhr,
und am 22. Juni c. Vormittags: für die Gemeinde und Bann
Bersweiler⸗Oitenhausen.
2) am 22. Juni c. Nachmittags: für die Gemeinde Krughütte.
3) am 23. Juni c. den ganzen Tag für die Gemeinde Clarenthal.
Gersweiler, den 8. Juni 1868.
Der Bürgermeister,
Sprink.

Der Bürgermeister
Klein.

Seidenbau und Seiden-Industrie
zaben in den letzten Jahren in Preußen einen großen Aufschwung ge—
zommen. Was der Geist Friedrich des Großen geschaffen, ging in
der folgenden Generation wieder zu Grunde. Von den Millionen
Maulbeerbäumen waren an verschiedenen Orten nur schwache Ueberreste
jeblieben, und erst unter den Regierung Friedrich Wilhelm's WV. fand
der fast vergessene Kulturzweig eine neue sorgsame Pflege. Von allen
Seiten zeigte sich eine so rege Theilnahme, daß wir neue Rückschritte
und neue Vernachlässigung jetzt wohl nicht mehr zu beklagen haben
verden. Die öffentliche Meinung ist für die Sache gewonnen; und die
im Kleinen und Großen hervorgetretenen Erfolge sind ein natürlicher
Sporn zu neuen Unternehmungen, welche außerdem von Seiten der
»erschiedenen landw. und Seidenbau⸗-Vereine, und durch das Wohl⸗
vollen unserer Regierung jeden Vorschub finden. Es ist annähernd
anzunehmen, daß die Gesammternte der letztverflossenen Jahre in Preu⸗
zen auf 335—40,000 Metzen Cocons sich herausgestellt hat. So groß
dieses Quantum auch erscheinen mag, so ist es doch bei Weitem nich!
m Stande, den Consum zu vecken; denn es werden noch jährlich etwa
2 Mill. Pfund roher Seide zu den Zwecken unserer Fabrikation aus
dem Auslande eingeführt. Um unseren Bedarf an roher Seide zu
decken, müßten wir also mindestens 20 Mill. Pfd. Cocons ernten, und
»s würden demnach sich 400,000 Züchter mit Seidenbau beschäftigen
nuͤssen. Welch' eine freudige Regsamkeit müßte in unserem Vaterlande
zurch den erweiterten Seidenbau sich entfalten, und was wird aus dem
deutschen Seidenbau werden, wenn erst China und Japan, diese Wiege
des Seidenbaues, für den Weltverkehr vollständig erschlossen wären!
Hierzu kommt, daß unser nordisches Klima auch vorzugsweise der Zucht
des Seiden-Insekts günstig und namentlich nicht der verheerenden Krank—
heit so, wie in Fraukreich und Italien, unterworfen ist. Dennoch ist
nicht in Abrede zu stellen, daß gewissenlose Händler, welche die aus
chlechten Zuchten stammenden werthlosen Eier in den Handel brachten,
ierdurch die Krankheit auch bei uns verbreitet haben. Nicht unbedeu—
ende Geldmittel sind ferner von der Regierung, um dem Uebel zu
jeuern, aufgewendet worden. Eine der wichtigsten Maßregeln in dieser
Beziehung war die Einführung von Original-Graines des Japanischen
Maulbeerfeidenspinners durch pie Preuß. Expedition in den Ostasiatischen

Gewässern. Denn diese schuf ja für den Deutschen Seidenbau eine
neue Aera, in sofern durch Reinzucht der gesunden Eier und durch
Kreuzung mit unserem alten Maulbeerspinner eine Regeneration der
Race bewirkt wurde. Dieses erfreuliche Resultat mußte natürlich die
Aufmerksamkeit der vorzugsweise Seidenbau treibenden Länder erregen
ind unser, oft verächtlich behandelter, nordischer Seidenbauer empfing
etzt die Besuche Ital, und Franz. Händler. Seit dieser Zeit sind wie⸗
der vier Jahre verflossen und Preußen hatte die Genugthuung, auf
einen Coconmärkten namhafte Ankäufe für auswärtige Rechnung ab⸗
hließen zu sehen. Dieser Aufschwung unserer Seiden⸗Industrie mußte
atürlich auch in Frankreich den Wunsch rege machen, durch Einführung
»on Japanischen Original-Graines ein gleiches Resultat zu erzielen,
ind die Folge war, daß die Franz. Acclimatisationsgesellschaft, in Ver—
indung mit dem Ministerium für Handel, Anfangs dieses Jahres
322 Kisten, ungefähr 6000 Pfd., Graines, im Werthe von 1,485,7 14
Fres., direkt aus Japan bezogen hat, welche meistbietend in den Sei⸗
enbau treibenden Departements versteigert worden sind. Eine solche
olossale Einführung erfüllte unsere inländischen Seidenbauer nicht al⸗—
ein mit Besorgniß, sondern sie sehen auch mit Neid auf unsere west⸗
ichen Nachbarn, und es wurden vielseitig von hier aus Schritte ge⸗
han, die kostbare Waare zu hohen Preisen, die Unze nämlich mit 20
Frs., käuflich zu erwerben. Um so erfreulicher wirkt die Nachricht, daß
Fer Minister für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten, Hr. v. Selchow.
in Würdigung der Wichitigkeit des Gegenstandes für unsere vaterländi⸗
chen Interessen, aus eigener Entschließung und ohne daß davon etwas
in die Oecffentlichteit drang, durch Vermittelung des Preuß. Consuls
u Kanagawa, Hrnu. v. Brandt, gleichfalls die geeigneten Schritte that,
Driginal-Graines von Neuem aus Japan zu erhalten. Diese Bemuͤ—
zungen haben den glänzendsten Erfolg gehabt. Nachdem im Monat
März eine große Sendung wohlbehalten hier eingetroffen war, ist der—
elben kurz darauf eine noch größcre gefolgt, welcher außerdem noch
inige Pfunde Graines des Japanischen Eichen-Seidenseidenspinners
eigefügt waren. Mit nicht genug anzuerkennender Liberalität hat nun
auch der Herr Minister die Bestimmung getroffen, daß dem Vorgange
er Franz. Regierung entgegen diese Eier unentgeltlich an die Preuß.
—eiluban-Nereine Anustlten und ZNüchter abgegeben werden sollen
            
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