in den Außenwänden ohne weitere Verkleidung der Witterung ausge—
setzt sind, eine feine Krystallauswitterung zeigen. Die weiße Krystall⸗
nasse, welche sich nach und nach ablöst, besteht hauptsächlich aus Gyps.
Durch das Heraustreten der Krystalle wird anfangs der Backstein al⸗
erdings nicht sichtlich beschädigt und es dauert oft Jahre, bis die Back—
teinmasse anfängt, an der Oberfläche, wo die Gypskrystalle zum Vor⸗
chein kommen, pulverformig abzufallen, „auszufaulen“, wie man sich
echnisch ausdrückt. Daß dies für das Ansehen und die Erhaltung der
Bebäude ein bedenklicher und Kosten verursachender Umstand sein muß,
st wohl keine Frage..
Fortgesetzte Beobachtungen haben gezeigt, daß diese Gypsauswit⸗
erungen nicht von der Natur des Ziegelthons, sondern von der Art
des Brennens abhänge, und zwar tritt sie niemals auf bei Bachsteinen,
die mit Holz oder Torffeuerung, sondern nur bei solchen, die mit Stein⸗
fohlenfeuer gebrannt worden sind.
Die Bildung von Gys in letzterem Falle findet ihre Erklärung
einerseits in dem Kalkgehalte des Thones und andererseits in dem
Schwefelgehalte der Steinkohlen. Nun weiß man aber wohl, daß fast
»hne alle Ausnahme eine gJede Lehmsorte Kalk in größeren oder ge—
ringeren Mengen enthält; nicht minder ist der Schwefelgehalt der Stein⸗
phlen bekannt. Die beim Verbrennen der Steinkohle sich entwickelnde
chwefelige Säure bildet nun mit dem in dem feuchten Bakksteine noch
vorhandenen Wasser, sowie mit der darin enthaltenen atmosphärischen
duft Schwefelsäure, welche sich mit dem Kalke zu Gyps verbindet.
Diese in der Wochenschrift des Bamberger Gewerbevereines von Seee⸗
zerger sehr klar auseinander gesetzten Verhältnisse geben dem Hrn.
Berf. Veranlassung zur Mittheilung einiger schon früher über diesen
Begenstand angestellten Versuche, welche mit den hier angedeuteten An—
ichten in einiger Beziehung stehen dürften.
Von einem Thone, wie er in einer nahe bei München gelegenen
Ziegelei zur Herstellung von Backsteinen verwendet wird, waren einige
Stücke genau getrocknet und davon zweimal 20 Grm. abgewogen wor⸗
»en. Aus jedem der Theile wurde unter entsprechendem Wasserzusatze
»ine Kugel formirt und der einen Kugel durch Reiben etwas Schwefel
ugesetzt. Das Trocknen und Brennen der beiden Kugeln geschah auf
Kohlenfeuer. Die ohne Zusatz von Schwefelblumen gebrannte Kugel
eigte, nachdem sie fein gepulvert worden, bei der Behandlung mil
Wasser 2,1 Proc. Verlust; die wässerige Lösung trübte sich nur schwach
nit Chlorbarvum. Der mit Schwefel vermischte und dann gebrannte
Thon dagegen gab an das Wasser 7,25 Proc. ab und die wässerige
dösung gab einen beträchtlichen Niederschlag mit Chlorbarvum. Es ist
zier durch den directen Zusatz von Schwefel zum Thone die Bildung
zon schwefeliger Säure in einem Maßstabe ermöglicht worden, wie die
zatürlich beim Brennen mit sehr schwefelhaltigen Steinkohlen wohl nur
rusnahmsweise eintreten könnte. Der Versuch bestätigte indeß in au—
zenscheinlicher Weise, daß die Menge der löslichen schwefelsauren Salze
'm Backsteine durch eine Zufuhr von schwefeliger Säure sehr wesentlich
hefördert werde.
In einem zweiten Versuche wurde von derselben Thonsorte ein
vorher auf Holzkohlenfeuer scharf ausgetrocknetes Sück mit schwefelhal—
igen Braunkohlen gebrannt, ein anderes Stück mit Holzkohlen. Bei
»er Behandlung mit Wasser ergab sich zwischen beiden kein Unterschied
n Beziehung auf die Menge der in Wasser loslichen Bestandtheile.
Endlich wurde der Versuch in der Art abgeändert, daß ein Stück
»es noch feuchten Thones auf Holzkohlenfeuner, ein anderes Stück auf
Braunkohlenfeuer langsam getrocknet und dann gebrannt wurde. In
diesem Falle ergab das mit Braunkohlen gefertigte Stück eine wesent—
iche Vermehrung der in Wasser löslichen Salze im Vergleiche zu dem
mit Holzkohlen getrockneten und gebrannten.
Das Auswittern des Gypses aus Bachksteinen steht somit zu grö—
zerem oder geringerem Wassergehalte des Steines beim Anfang des
Trocknens und Brennens mit Steinkohlen in bestimmtem Verhältniß;
»enn je mehr Wasset in dem Steine enthalten ist, desto mehr wird die
uus dem Steinkohlenfeuer, welches gewöhnlich in der unmittelbaren Nähe
)er Steine sich befindet, sich entwickelnde schwefelige Säure in Schwe—
elsäure verwandelt und Gyps erzeugt.
Als praktisches Resultat füür die Ziegelbrennerei ergibt sich aus
dem hier Angeführten, daß dem Mißstande der Gypsbildung in Ziegel—
deinen, auch bei einer Feuerung mit schwefelhaltiger Steinkohle, vorge—
»eugt werden könne, wenn man nur das sogenannte Schwindfeuer, wo—
zei der größte Theil des Wassers aus den Steinen entweicht, mit Holz
»der Torf unterhält. Sind die Steine einmal unter Holz- oder Torf—
feuerung der Glühhitze nahe gekommen, so kann nun ohne alle Gefahr
für die spätere Haltbarkeit des Steines zum Garbrennen Steinkohlen—
feuer angewendet werden. Es bedarf wohl kaum der Bemerkung, daß
Steinkohlensorten, welche kaum Spuren von Schwefel enthalten und
daher nur verschwindend kleine Mengen von schwefeliger Säure ent—
vickeln, ein dem Brennen der Steine vorhergehendes Holz⸗ oder Torf⸗
feuer überflüssig machen, sondern unmittelbar zum Schwindfeuer benutzt
verden können. (D. Illustr. Gew.⸗Zta.)
Reichthum der amerikanischen Petroleumquellen.
Nach Prof. Draper an der Universität Newyork beträgt der
Werth des im Jahre 1864 auf den Markt gebrachten Petroleums nicht
veniger als 15 Mill. Sterl.,“ des Werthes der größten Baumwol—
enernte, die jemals in Nordamerika gemacht worden ist. Vor 4 Jah—
ren wurde die erste Petroleumquelle erbohrt, und gibt es kein anderes
Beispiel einer so rapiden Handelsentwickelung. In verschiedenen Thei—
en der Welt sind in den letzten Jahren große Vermögen gewonnen
vorden, aber niemals schneller, als von den glücklichen Eigenthümern
des Grund und Bodens der Petroleumquellen. Einer derselben, John
ZSteele, hat jetzt ein Einkommen von 150,000 Pfd. Sterl. jährlich von
einem Stück Land, das vor vier Jahren nicht soviel Pennys (Pfennige)
zrachte. Landgüter, die im Jahre 1859 mit 400 Pfd. St. zu theuer
»ezahlt worden wären, sind jetzt für 120,000 bis 200,000 Pfd. St.
»erkauft worden. Ein kleiner Strich Landes im Oilcreek (Oeldistrict)
Balley im westlichen Pennsylvanien, 20 engl. Meilen lang und 2 engl.
Meilen breit, der vor 1889 mit 1 Pfd. St. per Acre (I7?/ preuß.
Morgen) verkauft worden wäre und höchstens 25,000 Pfo. St. ge⸗—
bracht hätte, ist jetzt mehr als 850 Mill. Pfd. St. werth. Sein Werth
hat sich also 20,000 Mal gesteigert. Das Anlagecapital des Brunnen⸗
enkens und der Reinigungsanlage wird auf 30 Mill. Pfd. St. ge⸗
chätzt und ist durch 350 Actiengesellschaften aufgebracht worden.
Nachhaltige Wirkung des Knochenmehls
Ein engl. Blatt berichtet, daß auf einem Gute in der Grafschafr
storfolk die Wirkung einer starken Düngung mit Knochenmehl! noch
nach 11 Jahren in die Augen fiel.
Ein engl. Edelmann ritt nämlich eines Tages mit einem Freund
iach demjenigen seiner Weizenfelder, welches er vor 11 Jahren mit
Knochenmehl sehr stark düngen ließ und welches seitdem zum 3 Male
mit Weizen bebaut war und ersuchte seinen Freund, es ihm sogleich
inzudeuten, wenn er am Stande der Weizenfelder etwas Besonderes
entdecken sollte.
Nachdem sie eine kurze Strecke in einer Furche fortgeritten waren,
hielt der Freund sein Pferd plötzlich an und rief aus: „Was in aller
Welt haben Sie da gemacht? Dieser Weizen ist ja viel höher und
überdies so stämmig wie der andere. Wie ging das zu?
Der Edelmann erzählte nun, daß er vor 11 Jahren, wo ihm
biel Knochenmehl zur Verfügung stand, diesem Felde das doppelte
der in der Regel üblichen Menge Knochenmehls zur damaligen Wei—
zensaat geben ließ.
Dieser Vorfall bestätigt in sprechendster Weise die schon vielfach
gemachte Wahrnehmung, daß die Knochen nicht nur für eine einzige
Ernte von großer Wirkung sind, sondern daß sie bei ihrer langsamen
Zersetzung, während welcher sie die, insbesondere zur Körnerbildung
»en Pflanzen unentbehrliche Phosphorsäure abgeben, sogar einen nach—
haltigeren Werth besitzen, als jede andere Düngerart