Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

oder humose Lehmboden sagt ihm jedoch, wie den meisten anderen Früch—
en, am meisten zu, und liefert er auf diesem die quantitativ und qua—
itativ höchsten Erträge. Da der Joh.-R., wie schon sein Name an—
deutet, sehr früh bestellt wird, so ist es in hiesiger Provinz rathsam,
hn in reine gedüngte Brache zu säen, wenigstens wird man dann im—
ner die größten Grünmassen im Herbst erzielen. Meine diesjährigen
Versuche — nach zeitigem Wickfutter einfurchig bestellt — haben trotz
des kalten und nassen Sommers und Herbstes befriedigende Resultate
zeliefert; freilich war der Grünfunerschnitt nicht so bedeutend, als von
dem reinen Brach-Roggen, woran jedoch großentheils die erwähnte
ungünstige Witterung schuld sein wrd. Im Jahre 1865 beabsichtige
ich ihn einfurchig nach Rübsen zu bestellen, welches, wie auch nach
Brünfutter, durch einen Croskill oder eine andere schwere Walze unter—
tützt, jedenfalls gelingen wird. — In westlichen und südlichen Gegen—
den werden nach meiner Ueberzeugung die angegebenen Vorfrüchte nicht
nachtheilig auf die Entwickelung des Johannis-⸗Roggens wirken können,
da deren Saat⸗ und Vegetationszeit im Herbst gewöhnlich 2—26 Wochen
änger dauert, als in hiesiger Provinz. — Freilich ist anzunehmen, daß
elbst in jenen Provinzen der Joh.⸗R. die größten Grünfuttermassen
geben wird, wenn er, wie hier fast allgemein, in reine Brache gesäet
vird; jedenfalls wird man wohl nur auf diese Art zwei Schnitte im
Herbst erzielen können. — In vielen Fällen würde man auf das in
Brache gesäete Wickfutter verzichten können, da der Joh.-R. durch seine
eiden Schnitte im Herbst reichlich den Ausfall deckt und außerdem die
heure Wickensaat gespart würde.
Die beste Zeit der Aussaat ist Mitte Juni bis Mitte Juli, in
südlichen und westlichen Gegenden auch bis Ende Juli, welche Zeit
dem Landmann zur Bestellung eines Theils seiner Winterung sehr ge⸗
egen ist. Das Maximum des Saatquantums bei so zeitiger Saat
heträgt 8 Mtz. pro Magdeb. Morgen; hierbei ist also die bedeutende
Saat Ersparniß als ein großer Vortheil dem gewöhnlichen Roggen ge—
genüber hervorzuheben. Bei erwähnter zeitiger Bestellung ist os nicht
rathsam, ja sogar nachtheilig, stürker zu säen, da in diesem Fall die
inzelnen Pflanzen nicht genug Raum zu einer starken Ausbreitung und
Bestockung haben. Sollte sich die Aussaat bis in den August verzö⸗
gern, so ist ein Saatquantum von 10 Mtz. pro Morgen allenfalls zu⸗
lässig. — Behufs gleichmäßiger Vertheilung des geringen Saatquan⸗
ums ist die Anwendung einer Säemaschine von großem Vortheil. Vor
Allem aber ist es zu verwerfen, Wickengemenge mit unter den Roggen
ju säen, um dadurch im Herbst eine größere Grünfuttermasse zu ge⸗
winnen. Diese wird nur auf Kosten der nächstjährigen Roggen-Ernte
erzielt, indem die kräftige Entwiddelung der Roggenpflanzen ganz be—
deutend durch das Wicfutter, wenn auch nur wenig untergesäet, beein⸗
rächtigt wird. — Eine geringe Beimengung von Hafer, vielleicht 8
Mtz. pro Morgen, wird weniger schaden, da sich Hafer bekanntlich sehr
venig bestockt; doch nach meinen Erfahrungen rathe ich selbst diesen
fortzulassen, der Roggen wird desto kräftiger.
Nach dem Auflaufen der Saat ist das Feld bei der geringen
Aussaat natürlich sehr dünn mit Pflänzchen bedeckt, doch bedarf es bei
räftigem Acker und günstiger Witterung nur weniger Wochen, und das
Janze Feld gleicht einer grͤnen Wiese. Bei genauer Untersuchung fin⸗
)er man eine sehr starke Bestockung der Pflanzen; ich habe aus man⸗
hen Kbrnern bis 50 Halme entstehen sehen. Und gerade diese außer⸗
ordentlich kräftige Entwickelung der Pflanzen ist es, welche sie gegen die
Witterungs⸗Einflüsse, unempfindlicher macht und ihr Gedeihen sichert
Der Roggen wächst nun mit einer solchen Ueppigkeit, daß er im Herbsf
zinen bedeutenden Futterschnitt gibt, auf gemergeltem, gut präparirtem,
räfugem, Acker bei früher Aussaat hier oft zweimal geschnitten wird
Das Abmähen des Joh.R. im Herbst ist unbedingt nothwendig, es ist
dies die conditio sine qua non des sicheren Gedeihens desselben. —
Hauptsächlich hierdurch unterscheidet er sich von dem gewoöhnlichen Win⸗
erroggen und haben mehrrre von Herm Alfieri und mir angestellte
Versuche bewitsen, daß der Joh.⸗R entschieden eine ganz /eigenthümliche,
hesondere Species des gewehnlichen Roggens ist. Das Abmähen wird
zewiß auch schon Niemand des Futters wegen unterlassen, welches ge⸗
rade in dieser Zeit sehr willkommen ist; das: Funter hat namentlich für
Milchvieh einen sehr hohen Werth und wird. von sämmtlichem Vieh
gern gefressen.

Viele mir bekannte Wirthschaften haben sich seit dem Anbau de—
zilligen und sicheren Joh.-R. von dem theuren und durch oft eintretend—
Nachfröste unsicheren Anbau des Mais losgesagt, namentlich für größer—
Milchwirthschaften ein bedeutender Vortheil!
Der bequemeren Verwendung des Futters halber ist es zweckmäßig
die ganze Aussaat des Johannis-Roggens nicht auf einmal, sondem,
vie beim Wickfutter, in verschiedenen Sätzen mit Zwischenräumen von
8—10 Tagen vorzunehmen. Wenn man das Futter im Herbste nich
zeitig genug verfüttern kann, so thut man gut, einen Theil desselben u
deu zu machen, denn ihn bis kurz vor Eintritt des Frostes noch ab—
umähen, ist doch wohl bedenklich. Bei anhaltend nassem Wetter in
Herbst kann das Herunterschaffen des Futters vom Felde manchmal un
angenehm und kostspielig werden; doch sei man nicht übertrieben ängst
lich, bei solchem Wetter auf die junge Saat zu fahren; werden durch
die Rad-Geleise auch manche Pflanzen vernichtet, so ist der Schaden
Jewöhnlich nicht so schlimm als es aussieht, und thut man gut, in den
meisten derartigen Fällen ein Auge zuzudrücken.
Einer weiteren Pflege bedarf der Joh.R. nicht, seine Entwicke—
ung ist im Frühjahre ca. 14 Tage später als die des gewöhnlichen
Roggens, welcher Umstand schon manchen Landwirth ängstlich gemacht
nan warte nur ruhig ab und wird dann über die plötzliche Entwicke—
ung des Roggens erstaunen. Er treibt dann äußerst kräftige Halme
die sich durch ihre Stärke gegen anderen Roggen vorzugsweise aus—
zeichnen und selten oder fast nie ein Lagern des Roggens zugeben.
Sein Ertrag an Stroh sowohl, wie an Koͤrnern ist, wenn den gestell⸗
ten Anforderungen genügt worden, im Durchschnitt ein höherer als der
des gewöhnlichen Roggens. Den Ertrag an Körnern kann man in
hiesiger Provinz auf gutem Bodem durchschnittlich auf 14 Schfl. pro
Morgen annehmen. Die Ernte fällt gewöhnlich mit der des anderen
Roggens zusammen. Die Qualität des Joh.⸗NR ist der des gewöhn⸗
ichen Roggens ganz gleich, weshalb er auch denselben Marktpreis wie
dieser hat. Die Bäcker wollen verhältnißmäßig mehr Mehl und weni—
ger Kleie vom Johannis⸗Roggen gehabt haben, was auf eine dünnere
dülse schließen läßt. J
Stellen wir nun die wesentlichen Vorzüge des Joh.⸗R.⸗ zusam⸗
nen, so ergeben sich als solche:
1) Die bequeme Zeit der Bestellung und zugleich auch die Verrin—
gerung der Arbeiten der Herbstbestellung. Dieses ist namentlich
für die hiesige Provinz von der größten Bedeutung, da die ge—
wöhnlich schon Ende August beginnende Herbstbestellung mit der
Ernte des Hafers, der Bohnen und Erbsen zusammenfällt.
Die große Staat-Ersparniß.
Außer einer sicheren guten Körner-Ernte die Gewinnung großer
Futtermassen im Herbst zu einer Zeit! wo das Grünfutter at
wöhnlich knapp ist.
Das beruhigende Gefühl, einen Theil der Winterung schon früb
zeitig gut bestellt zu haben, so wie überhaupt die größere Sicher
heit des Gedeihens des Joh.⸗Roggens, welcher z. B. nie von der
verheerenden Wirkungen der jungen Engerlinge im Herbst wu
leiden hat.
Wohl dürften diese bedeutenden Vorzüge geeignet sein, auch' in
inderen Gegenden Anbauversuche mit dem Joh.-Roggen zu veranlassen,
usofern sie noch nicht gemacht sein sollten, da er, wie schon bemerkt, hier
ine äußerst günstige Aufnahme und ungemein rasche Verbreitung ge⸗
unden · hat und bald in jeder größeren Wirthschaft einen festen Plat
eben seinen Collegen einnehmen wird.*

) Es wird uns mitgetheilt, daß Johannis-Roggen zu Anbauversuchen sowohi
om Verfasser obigen Beitrages, als auch vom Wirthschafts-Inspektor J. Schmidt,
Aeinheide bei Königsberg in Ostpreußen, bei fruͤhzettiger Beftellung im nächsten
Frühjahr bezogen werden kann. Um den Vortheil der Waggonpreise gegenüber
zen bedeutend höheren Frachtsätzen für kleinere Sendungen genießen zu können,
vuͤrde es sich empfehlen, wenn der Johannis-Roggen, wie uͤberhaupt alle Saatgut—⸗
Sendungen ꝛe auf'genossenschaftlichem Wege bestellt würde, wozu die landw. Lokal⸗
bereine die beste Gelegenheit bieten — In Süde und West⸗-Deutschland dürfte es
imn zweckmäßigsten sein, den Johnnnis-Roagen nacht Inkarnatklee oder Awehl fol
an zu lassen.

* —A
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.