Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

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den Kreis Saarbrücken.

40 66.

Sonnabend den 3. Juni

1863.

Ueber das Herz und seine Empfindungen.
Schlu5.

sind das Resultat der einfachen Einwirkung der Sensibilität oder des
sensitiven Nerven auf den Bewegnerven, der sodann auf den Muskel
zurückwitkt. Alle unwillkürlichen Bewegungen des Herzens, die man
u beobachten haben wird, haben keine andere Quelle, als die Rückwir⸗
ung der Sensibilität auf die pneumo⸗-gastrischen Bewegnerven dieses
Organs, und wenn wir 3. B. sagen, daß ein schmerzlicher Eindruck
die Bewegungen des Herzens aufhält, so bedeutet dieß einfach, daß ein
irsprünglich erregter sensitiver Nerv seinen Eindruck auf das Herz über—
ragen hat, indem er den pneumo⸗gastrischen erregte, welcher seinerseits
einen bewegenden Einfluß dem Herzen fühlbar macht, gerade wie wenn
vir bei unseren Versuchen mit dem galvanischen Strom wirken.
Wie ist es möglich, den phystologischen Mechanismus zu begrei—
en, vermittelst dessen das Herz mit den Kundthuungen unserer Ge—
ühle in Verbindung steht? Erinnern wir uns, daß das Herz nie auf—
zört, eine Druckpumpe zu sein, d. h. eine Motor, der die Lebensflüssig—
eit an alle Organe unseres Leibes vertheilt. Wenn er still steht, tritt
iethwendigerweise Einstellung oder Verminderung in der Ankunft der
debensflüsigkeit in den Organen, und sonach Einstellung oder Vermin—
derung ibrer Verrichtungen ein; wenn bhingegen dem leichten Stillstand
des Herzens eine gröfere Intenñtät in seiner Trärigkeit folgt, so iñt
Rericciung cintt greseren Menge der Lebensflüffigkeit in die Organt.
ind senach Utberrtizenz ibtet Verrihteng vorbanden. Tie Nerven⸗
ergene, und besetders das Gehirn, weiche den Aprarat bilden, deñten
Textut die zarrteñne und behste in der pbysielegischen Ordnung iñ,
mofangen zuerñ die Stéße dieser Circulatior „orungen. Es ist ein
illgemeines Gesetz für alle Thiere: von dem Frosche bis zum Menschen
rührt die Einstellung des Blutumlaufs zuvördeist den Verlust der Ge—
hirn⸗- und Nervenverrichtungen herbei, ebenso wie die Uebertreibung der
Lirculation anfangs die Gehirn- und Nervenkundthuungen erhöht.
Dennoch verlangen diese Rückwirkungen der Blutumlaufsänderung auf
die Nervenorgane, um zu Stande zu kommen, je nach den Arten eine
ehr verschiedene Zeit. Bei den kaltblütigen Thieren ist diese Zeit sehr
ang, besonders während des Winters; ein Frosch empfindet mehrere
Stunden lang nicht die Folgen des Stillstandes des Blutumlaufs;
nan kann ihm das Herz ausreißen, und dennoch springt und schwimmt
er 4 oder 5 Stunden lang, ohne daß sein Wille oder seine Bewegun⸗
gen auch nur im mindesten gestört scheinen. Bei den warmblütigen
Thieren verhält es sich ganz anders: das Aufhören der Thätigkeit des
Herzens führt mit reißender Schnelligkeit das Verschwinden der Ge⸗
hirnphänomene, und zwar um soviel leichter herbei, je böber das Thier
st, d. h. je zartere Nervenorgane es besitzt.
Bei dem Menschen wird der Einfluß des Herzens auf das Ge—
irn durch zwei Hauptzustände übertragen, zwischen denen man viele
Zwischenzustände annehmen kann. Die Ohnmacht rührt von dem mo⸗
nentanen Aufbören der Gehirnfunctienen, durch Aufhören der Ankunft
des Arterienblutes im Gehirn her. Ter Siillstand des Herzens, wel⸗
her den Verlust des Bewußistins erzeugt, indem er das Gehirn des
Blutes beraubt, führt ebenfalls Erbleichen der Gesichtszüge und eine
Menge anderer Nebenwirkungen herbei, ven denen hier nicht die Rede
ein kann. Alle kräftigen und plötzlichen Sinneseindrücke sind im Stande,
Ohnmacht zu verursachen. Physische Eindrücke auf die sensitiven Ner⸗
zen, oder moralische Eindrücke, schmerzliche Gefühle oder Gefühle der
Wollust führen zu demselben Resultat und veranlassen das Stillstehen
des Herzens. Die Dauer der Obnmacht stebt natürlich in Verbindung

Wenn man durch Vivisection (Zergliederung lebendiger Thiere
einen Frosch so herrichtet, daß sich ein Nerv in den Muskeln eines
Bliedes isolirt, so sieht man, daß, so lange man diesen Nerv nicht be—
rührt, die Muskeln des Gliedes erschlafft und in Ruhe bleiben, und
daß, sobald man diesen Ners durch Zwicken oder besser durch einen
elektrischen Strom aufreizt, die Muskeln in eine kräftige und raschr
Zusammenziehung gerathen. Dieß ist eine allgemeine Thatsache, die
ich durch Versuche bei dem Menschen und bei allen Wirbelthieren dar—
hun läßt, seis während des Lebens, sei's unmittelbar nach dem Tode
so lange die Muskel- und die Nervensysteme ihre beziehentlichen Le—
zenseigenthümlichkeiten behalten. Wenn wir durch analoges Verfah—
ten auf die Nerven des Herzens wirken, so zeigt dieses paradoxe Mus
elorgan auch von diesem Gesichtspunkte aus wieder eine Ausnahme
ja es bietet einen vollständigen Gegensatz zu den Muskeln der Glieder.
Man kann dieß, die Worte des Satzes umkebrend, auch so ausdrücken.
„So lange die Nerven des Herzens nicht erreg: sind, schlägt das Her;
und bleibt im Funktionszustande; sobald die Nerven des Herzens natür—
uich oder kαç ertegt en—den, Liu das Herz it Etidicfurg und in
den Z2naͤ der Rüdee? Wenn maun derd VSidistcion ernen Freis
oder em anderes adentis odir Er; εNr grnνenισ Toitr dergena:
berrichtet, um das Herz zu brebachten und die in das GSeorche geben⸗
den prermo⸗gañtischen Nerven zu iseüren, se cenftaint man, daß, se
ange man nicht auf diese Nerven einwirkt, das Herz fertwähtend wie
zewöhnlich schlägt, und daß, sobald man sie durch einen mächtigen elek—
rischen Strom in Erregung bringt, das Herz in Erschlaffung bleibt.
Dieses Resultat ist ebenfalls allgemein; es besteht bei allen Wirbel⸗
chieren, vom Frosche bis zum Menschen.
Durch die galvanische Erregung der pneumo-gastrischen Nerven
wird das Herz um so kräftiger gehemmt, je plötzlicher die Anwendung
derselben ist und je weniger sie wiederholt wird. Wenn man die Erre
gung mehrere Male nach einander vornimmt, oder allzu sehr verlängert,
so stumpft sich die Empfindlichkeit des Herzens und seiner Nerven der⸗—
Jestalt ab, daß die Electricität sein Schlagen nicht mehr aufhalten kann;
ebenso ist es, wenn man die Nerven stufenweise reizt; man kann all—
mälig dazu gelangen, sehr heftige Ströme anzuwenden. ohne daß das
derz still steht.
Alle die bis jetzt erwähnten Resultate, sei's in Bezug auf die
Erregung der Muskelnerven der Glieder, seis bezüglich der Errcgung
der Nerven des Herzens, sind durch Vivisectionsoersuche an die Hand
zgegeben worden, bei denen man das Erregungsmittel auf die Beweg—
nerven selbst angewendet hatte; allein im natürlichen Zustande könnten
die Dinge sich nicht so verbalten: phbpsiologische Excitantien (Erregungs—
mittel) sind es, welche die Bewegnerven reizen, um ihre Reacuon auf
die Muskeln zu bestimmen. Dieser physiologischen Excitantien sind es
zwei an der Zahl, der Wille und die Empfindlichkeit. Ter
Wille kann seinen Einfluß nicht auf alle Bewegnerven des Leibes aus—
iben; die Nerven des Herzens z. B. sind außerbalb desselben. Die
Empfindlichkeit hingegen übt einen Einfluß, der allgemein ist und alle
Bewegnerven, mögen sie willkürliche oder unwillkürliche sein, erleiden die
Reflexthätigkeit derselben. Man hat Reflexe alle die sensiliren Thä—
tigkeiten genannt, welche auf die zu unwillkürlichen Bewegungen Anlaf
Jebenden Beweanerven urückwirken. Alle unwillkürlichen Bewegungen
            
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