Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

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den Kreis Saarbrücken.

38 63.

Sonnabend den 27. Mai

1863.

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Ueber europäische Weine.
Der Capwein, vom Cap der guten Hoffnung, ist nach dem
ichten Tokayer der theuerste aller Weiue. Er ist aus Reben von Schi⸗
ras in Persien, aus dem Rheingau, aus Querey und von der Insel
Madeira, die dorthin verpflanzt wurden. Es gibt verschiedene Arten,
rother und weißer: der Constantia, Steinwein, Pontac und Madeira—
Tap. Eine Flasche Constantia kostet an Ort und Stelle 3 fl.; er kommt
daher selten unverfälscht nach Europa. Das Capland producirt in den
—V
30 Flaschen erhält. Der Muscatwein vom Ufer der Falso- und Ta—
elbau wird in Europa meist als Constantia verkauft; er steht diesem
jedoch sehr nach. Der Rola-Capwein ist äußerst aromatisch, fein und
tark. Der Capsteinwein ist trocken, Rheinwein ähnlich, aber von feinem,
dlem Geschmack. Die Robbeninsel wird von europäischen Landesver⸗
viesenen stark mit Reben vom Cap bepflanzt.
In Nordafrika keltern in Egypten nur die Christen noch Wein;
er ist aber nicht so gut, als der der alten Egyptier, man benutzt die
neisten Trauben zu Rosinen.
Die asiatische Türkei hat Weingärten, die von Juden bebaut wer—
»en und große Rosinen und Wein liefern. In Smyrna wächst treff⸗
icher Muscat. — Der Vino d'Oro vom Libanon ist ein vortrefflicher
Wein, fein, duftend, mit einer schönen Goldfarbe und einem angeneh—
nen Feuer. Alt zählt er zu den edelsten Weinen. In Palästina sind
iur geringe Weine; die von Jerusalem haben einen unangenehmen
Schwefelgeschmack. — Die weißen und rothen Muscateller von Chios
und Samos sind süße, kräftige, angenehm schmeckende Weine. Auf
Lhios bereitet man noch heutigen Tages den Nectar, welchen die Al—
ten als jenen Göttertrank bezeichneten, der im Olymp gespendet wurde.
— Der Weinbau, durch welchen diese Inseln früher berühmt waren,
st jetzt sehr vernachlässigt.
Persien hat in Schiras vortreffliche rothe und weiße Weine. Letz—
ere riechen und schmecken nach Safran, welchen die Armenier ihnen
usetzen. Die Trauben des in einem herrlichen Thale gelegenen Schi⸗
ras sind köstlich. Die vorzüglichsten Trauben sind die Kischmisch und
ie rothe Damastraube. Aus letzterer keltert man den Schiras. Er
jat eine schöne hellrothe Farbe, Körper, viel Geist und Würze bei einem
iußerst aromatischen Fruchtgeschmack und gerade soviel Süße, um ihn
uils einen der feinsten süßen Weine zu charakterisiren. Er läßt den
Mund frisch und bringt in demselben ein Gefühl von Kühlung hervor
Man versendet diesen Wein in sphärisch geformten Flaschen, die 2 bis
3 Litres (à 7/ Berl. Quart) halten; sie sind mit Matten überzogen,
zaben einen langen Hals und werden mit hölzernen, in Baumwolle
zewickelten Kapseln, die mit einer Schnur befestigt und mit Wachs
iberschmolzen sind, verschlossen. In Kaschemir wachsen madeiraähnliche
Weine.
In China trocknet man bloß die Trauben zu Rosinen.
Die cauarischen Inseln liefern den Teneriffa, den Canariensect
ind den Palmsect; die beiden letzteren gehören zu den edelsten Liqueur⸗
veinen.
Madeira liefert 50 bis 60,000 Pipen Wein, welche sich in ganz
kuropa Eingaug verschafft haben. Man sortirt die Trauben und macht
verschiedene Pressungen, von denen die beste Pinzo heißt. Der Mal—
zasier ist der theuerste und wird aus einer von Canada herstammenden
Traubenart bereitet. Die Märme haft vortheilbaften Einfluß auf die

Entwickelung des Madeira; darum nennen die Engländer Denjenigen,
velcher die Reise nach Ostindien hin- und zurückge macht hat, Cast India
Madeira. Dry Madeira bedeutet trockener Madeira. Durch Wärme
ucht man dem Madeira ein künstliches Alter zu geben.
Nordamerika hat in Pensilvanien Weine, die bordeauxähnlich sind;
benso in Neworleans. In Missouri bei Herman haben deutsche Ein⸗
vanderer Weinbau, der dortige Wein gleicht dem Rheinwein. In
Texas wird ebenfalls die Rebe von deutschen Einwanderern cultivirt.
Lalifornien verspricht mit der Zeit ein ausgezeichnetes Weinland zu
verden; die dortigen Weine sind dem Madeira und dem spanischen
Weine ähnlich; die bedeutendsten Pflanzungen liegen an der Küste süd⸗
ich und nördlich von Monterey. Besonders geschätzt sind die Weine
zon San Diego, San Juan, San Bunaventura, Santa Barba, San
Orse ꝛc.
Am Rio del Norde, bei El Paso sind von den Spaniern ange—
egte Weinpflanzungen, welche einen der vorzüglichsten Rothweine der
Erde liefern. Die Lage und die geringe Quantität sind Schuld, daß
er bisher nicht in den Handel gekommen ist. Bei Cincinnati sind eben⸗
'alls Pflanzungen. Der Verf. hat vor 8 Jahren Reben aus der
dagyachja dorthin geschickt; obwohl der Wein nicht ächter Tokayer
st, so lobt man ihn doch sehr, und die Reben haben sich unter der
Zeit beträchtlich vervielfältig.. In Südamerika zieht man nur in Bra⸗
ilien Trauben für die Tafel. Auf der Insel Hayti wachsen an der
Seeküste an dem Traubenbaume 15 Zoll lange und 6 Zoll dicke schmack⸗
jafte Trauben, die dunkelcarmoisinrothe Beeren in Größe von Tauben⸗
iern haben.
Auch Südaustralien verspricht ein gutes Weinland zu werden,
Zwei deutsche Anfiedler in Bethanien, Fiedler und Habermann, haben
dort den xeres- und madeiraähnlichen Wein erzeugt. Sowie früher
die römischen Legionen, wo sie hinkamen, die Rebe pflanzten, so sind
es jetzt die deutschen Einwanderer, welche in den fernsten Welttheilen
die Reben pflanzen. Ueberhaupt bringt der Deutsche überall seinen
Fleiß hin, gründet sich überall Wohlstand — warum aber der Deutsche
ich nirgends des Ansehens erfreut, dessen andere Nationen genießen,
das möge er, wenn er kann, sich selbst beantworten. (Nach K. A.
dellenthal's Hülfsbuch f. Weinbesitzer u. Weinhändler. 7. Aufl
Pesth und Wien. Verl. von C. A. Hartleben.)

Ueber Leistungen der Mae Cormyck'schen Mähe⸗
maschine.
Hierüber macht Dr. Neuning im Amisbl. für die landw. Ver
m Königr. Sachsen interessante Mittheilungen auf Grund von Nach—
ichten der Herren Oppel in Wellerswalde, Hähnel in Thallwitz bei
Wurzen, Richter in Kittlitz bei Löbau, Trenkmann im Helmsdorf bei
Ztolpen. Aus diesen Berichten ist Nachstehendes entnommen und wird
nur noch hier bemerkt, daß in Berlin die Fabrik von Schneitler und
Andree die Verbesserung gerade dieser Gattung von Mähemaschinen
ich durch eine Reihe von Jahren zur Aufgabe gemacht und in der
That auf einen hohen Grad von Vollkommenheit gebracht hat.
Nach den von Herrn Dr. Neuning mitgetheuten Berichten mähte
ie Maschine 30 sächs. Aecker (à 21/, preuß. Morgen) Hafer in 6,16
Icker Bohnen in 2 Tagen. Aur Bedienung waren 2wei Mann erfor—
            
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