Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Salz schmackhafter und gedeihlicher. — In einem Versuche wurde
Grummet von so schlechter Beschaffenheit verabreicht, daß die 60 im
Stalle stehenden Klühe die Aufnahme dieses Futters fast ganz verwei⸗
Jerten. Nur die Versuchsthiere, welche Salz erhielten, zehrten ihre
Ration vollständig auf, ohne daß irgendwie nachtheilige Wirkuugen ein
raten. Diese Beobachtung bestätigt die bekannte Thatsache, daß schlech—
es und theilweise sogar verdorbenes Futter durch Beigabe von etwas
—Ab noch gut ver⸗
werthet werden kann.
6. Bei den Milchkühen muß man bezüglich der Salzfütterung die
Vorsicht beobachten, daß man nicht zu große Mengen von Salz dem
Futter beimischt und die Thiere aufzunehmen nöthigt. In diesem Falle
aämlich wird die Milchproduction nach Quantität und Qualität leicht
oermindert. Kleinere Gaben jedoch von 1 bis 4 Loth pro Tag und
Fopf wirken niemals nachtheilig, oft dagegen sehr günstig, nicht sowohl
auf die Menge und Güte der produzirten Milch, als vielmehr auf das
Aussehen und das ganze Befinden der Thiere.
2. Die Versuche, welche man in Frankreich 2 Jahre hindurch an
den Pferden von 10 Schwadronen Cavallerie und 2 Batterien Artillerie
—V ——
Man hat bei einer Gabe von 1bis 2 Loth pro Kopf und Tag weder
eine bereitwilligere Aufnahme des ganzen Futters, noch eine größert
sraftentwickelung der Thiere, noch auch eine Verminderung der vor—
ommenden Krankheitsfälle beobachtet. Gleichwohl zeigen anderweitige
Bersuche deutlich, daß das Salz wenigstens bei jungen, noch im Wachs⸗
hum begriffenen Pferden, oder wenn die Thiere wegen vorgerückten Al—
lters oder aus anderen Gründen an Verdauungsschwäche und an zu
zringer Freßlust leiden, eine günstige Wirkung äußert.
8. Aus dem Vorhergehenden ersieht man, daß über die passendsten
Mengen, in welchen das Salz an die landwirthschaftlichen Thiere
»erfüttert werden muß, kaum allgemein gültige Vorschriften gegeben
wverden können. Die Salzmengen sind vielmehr bedingt, nicht allein
zurch die Gattung der Thiere, sondern auch durch deren Kraft- und
Gesundheitszustand und namentlich durch die Qualität nund Quantität
des sonstigen täglichen Gesammtfutters. Den Mastthieren muß man
„ffenbar die relativ größte Menge von Salz darbieten und zwar kann
»ie Salzgabe um so beirächtlicher sein, jemehr das Thier theils an
eicht verdaulichen und wässerigen, theils auch concentrirten Futtermitteln
äglich verzehrt. Jedoch wird die Salzgabe selten eine größere zu sein
„rauchen, als etwan!/ bis/, Loth täglich auf je 100 Pfd. Körperge—
vicht der ausgewachsenen Thiere zu Anfang der Mästung. Hiernach
wvürden einem Mastochsen etwa 3 bis 5 Loth Salz täglich zu verab—
zeichen sein; für ein Mastschaf würde/, Loth, für ein Mastschwein !/.
zis 1 Loth genügen. Pferde, Milchkühe und Zugochsen erhalten pas—
send 1 bis 2 Loth Salz pro Kopf und Tag, die Schafe im Behar—
rungszustande 14, Loth und die jungen Rinder 1 bis 19, Loth, die
nännlichen Thiere eine etwas größere Menge als die weiblichen.
Was die Methode der Verabreichung des Salzes betrifft, so ist es
allerdings am bequemsten, den Thieren größere Stücke von Salzsteinen
um Belecken oder das Viehsalz in besonderen Futtertrögen zur beliebi—
gen Aufnahme vorzulegen. Diese Methode wird wohl die allgemein
ibliche sein bei ausschließlicher Fütteruug der Thiere mit Rauh-— oder
Brünfutter. Es ist jedoch hiegegen zu erwähnen, daß die Thiere bei
zieser Art der Salzfütterung sich sehr leicht an die Aufnahme ganz un—
unöthig großer Mengen von Salz gewöhnen, wodurch nicht allein größere
Tosten veranlaßt werden, sondern auch möglicher Weise im geringeren
Brade eine günstigere Wirkung des Salzes stattfinden kann. Wenn
zie Thiere theilweise flüssige oder concentrirte oder zerschnittene Futter—
nittel erhalten, dann ist es vortheilhafter, diesen Futterarten jedesmal
das nöthige Salz beizumischen, um so mehr, als dadurch die bereit—
willige Aufnahme derselben oftmals wesentlich erleichtert wird.
Die Salzfütterung ist den Landwirthen dringend zu empfehlen.
Wenn auch in Folge der Salzfütterung häufig nicht mehr Milch oder
Fleisch produzirt wird, als ohne dieselbe, so wird doch das ganze Be—
inden und Aussehen der Thiere oft auffallend verbessert und ihr Kör—
ꝛer befähigt, allen nachtheiligen Einflüssen, welche sonst leicht Krankheits—
erscheinungen bedingen, in höherem Grade Widerstand zu leisten
Außerdem ist die bessere Qualität des unter dem Einflusse der Salz

uͤtterung produzirien Stalldüngers ein beträchtlicher Gewinn für den
andwirth. (Wochenbl. f. Land⸗ u. Forstw.)

Die Sonnenblume.
Die Sonnenblume, auch Sonnenrose, Sonnenwende genannt,
weil sie sich nach der Richtung der Sonne dreht, wird in England
in steigendem Maße ein lohnender Gegenstand des Anbaues.
Die großköpfige, gelbe, körnerreiche, vor einigen Jahrhunderten
aus Merxiko und Columbia in Deutschland eingeführte Gattung
dieser Pflanze ist bekanntlich bei uns mehr Zier- als Nutzpflanze;
hat fie ihre schöne Blühte abgestreift, so wird die samenreiche Scheibe
neistens den Vögeln überlassen und nur selten finden die Körner
eine nützliche Verwendung. Dagegen weiß der englische Landwirth
ich aus dieser Pflanze sehr erhebliche Vortheile zu verschaffen, sie
vird ihm in neuerer Zeit, da er ihre guten Seiten besser kennen ge—
ernt hat, eine ergiebige Nutzungsquelle. Aus den unzähligen kleinen
Blüthen, die jedes Samenkorn trägt, bereiten die Bienen eine Menge
Hdonig und Wachs, die Samenkörner, wie Leinsamen behandelt, lie—
ern ein vorzügliches Oel für den Tischgebrauch; die Maler können
ür Blau und grün kein besseres Oel finden; als Vogelfutter, nament—
ich als Mastfutter für Geflügel, sind die Körner sehr beliebt, Fasa—
ien sollen davon ein farbenvolleres Gefieder bekommen; aus dem
Sonnenblumen-Oel wird eine feine Toiletten⸗ und Bartseife bereitet;
das Mehl aus den Samenkörnern liefert das feinste Kuchenwerk;
dem Brod beigefügt, wird dieses nahrhafter und verdaulicher; die In—
zdianer wissen dies schon längst und bereiten sich Brod und einen
chmackhaften Brei daraus. Die grünen Blätter sind ein gutes Vieh—
utter und die sehr feinen Fäden des Pflanzenstengels sollen von den
Thinesen häufig unter die Seide gemischt werden; ihre Verspinnbar—
keit ist nicht zu bezweifeln und auch ihre Verwendbarkeit bei der Pa—
pierfabrikation ist schon hervorgehoben worden. Jedenfalls aber lie—
ert der dicke, zähe Stengel, wenn man auch von den erwähnten Ver—
vendungsarten absehen will, ein gutes Brennmaterial. In China
vird der Pflanze große Aufmerksamkeit geschenkt, Hundertausende von
Lentnern Samen werden dort von ihr geerntet und auf das verschie—
)enartigste Weise verwerthet. Auch bei uns gedeiht die Sonnenblume
hne alle Pflege vortrefflich; am geeignetsten pflanzt man sie zwi—
chen die Kartoffeln, nachdem diese zum letztenmale behackt worden
ine. Unsere Voreltern schon kannten die Sonnenblume nach ver—
chiedenen nützlichen Seiten, die hier in der Voraussicht, daß sie un—
eren Lesern ein ungläubiges Lächeln abnöthigen, aufgezählt werden
ollen. Im Hexenalter rühmte man der Sonnenblume nach, sie ver—
treibe den Krebs, Warzen, Skorpionen; mit Hülfe dieser Pflanze
oll man sich unsichtbar machen können; die Hexen kochten sie in ihre
Salbe und Albertus Magnus, der große, im Verdacht der Zauberei
gestandene Chemiker (gestorben 1320) räth sie — wenn die Sonne
m Löwen steht — zu sammeln und in die Kirche zu legen, es müssen
yann alle untreuen Frauen so lange darin verweilen, bis das Kraut
vieder enfernt sei.
Fürwahr, bei all' diesen edeln Eigenschaften eine unbezahlbare
zflanze.

Vermischtes.
Pferdezahnmais. Auch in der Provinz Rheinhessen und der
ingrenzenden bayer. Pfalz liefert der Klee schon seit einer Reihe von
Jahren nicht mehr diejenigen Erträge, wie man sie in früheren Jahren
u bekommen gewöhnt war. Es haben sich daher die Landwirthe ver—⸗
uchsweise dem Anbaue verschiedener anderer Futterpflanzen zugewendet;
illein keine hat bis jetzt so viel Beifall gefunden, als der Pferdezahn⸗
nais, denn er liefert bei rechtzeitiger Aussaat, gutem Saatkorn und tief⸗
zründigem in gutem Duüngerzustande befindlichen Boden nicht nur
ichere, sondern auch so reiche Futtererträge, wie sie bis jetzt durch an—
dere Futterpflanzen nicht gewonnen werden konnten. Schade nur, daß
der Samen hier nicht zur Reife gelangt und das Saatgut daher im—
ner von Amerika aus bezogen werden muß. Daher gebietet die Vor—
icht, die Samenbestellung bei den Samenhandlungen schon im Monait
ganuar zu machen, damit man zur Saatzeit (Mitte Mai) nicht in die
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.