Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

In einem Versuch bei einer derartigen Fütterung ergab sich, daß die
Mastschweine, weiche eine tägliche Beigabe von hbis 2 Loth Kochsalz
erhielten, im Verlaufe von 4 Monaten um 50 Pfd. pro Stück an Le⸗
hendgewicht mehr zugenommen hatten, als andere gleich große Thiere,
velche ohne Salz, aber sonst in völlig gleicher Weise gefüttert wurden.
— Mastschafe ferner, welche außer einer geringen Menge von Heu
1 pfd. pro Kopf und Tag) nebst Stroh zum Ausfressen der feineren
Theile reichlich Kartoffeln und Pferdebohnen als Futter verzehrten,
nahmen unter Beigabe von täglich 1 Loth Salz an Lebendgewicht durch—
chnitilich um 17 Pfd., ohne Salz nur um 13 Pfd. in einem gleichen
Zeitraume zu.
2. Ist dagegen schon im sonstigen Futter die absolut unentbehr⸗
iche Menge von Kochsalz zugegen, dann kann eine Extrabeigabe von
Salz nicht wesentlich zur besseren Ausnutzung des Futters behufs der
Fleisch- Milch- oder Kraftproduction beitragen. In diesem Falle beobach—
jet man unter dem Einfluß der Salzfütterung meistens keine raschere
Zunahme des Körpergewichtes der Thiere. Gleichwohl aber wirkt un—
er solchen Verhältnissen eine kleine Beigabe von Kochsalz zum täglichen
Futter, z. B. von 1/, Loth auf je 100 Pfd. Köorpergewicht, sehr häufig
entschieden günstig für das ganze Wohlbefinden der Thiere, wie das
»essere Aussehen der letzteren oft genug schon deutlich beweist.
Junge Schweine erhielten z. B. in einem Versuche außer Bier
rebern und Kleien hauptsächlich Brannweinspülicht, Käsewasser und
Kochabfälle, also an sich schon ziemlich salzreiche Futtermittel. Durch
»eine weitere Beigabe von Salz wurde die Gewichtszunahme der Thiere
aicht wesentlich beschleunigt; aber die Salzschweine sahen gegen Ende
der Mastzeit gegen die anderen besser gemästet aus, wobei auch feinere
ind regelmäßiger stehende Borsten an diesen Thieren zu bemerken wa—
zen. — Eine ähnliche, nur gewöhnlich noch deutlichere Wirkung der
Salzfütterung beobachtete man in directen Versuchen bei Mastochsen.
„Größere Salzgaben nämlich, längere Zeit hindurch gegeben, bringen
»ei Mastochsen vermehrte Lebensfülle hervor, womit verbunden ist ein
ockeres Aufliegen der Haut, elastische Beschaffenheit derselben, feines
zlänzendes Haar und frlühzeitig eintretendes Hären. Durch diesen Um—
tand erscheinen die Thiere, nach ihrem Aussehen zu urtheilen, schwerer
als sie wirklich sind.“
In Versuchen, welche man mit jungen 300 bis 600 Pfd. schweren
Rindern anstellte, ergab sich ebenfalls, daß das Haar der ohne Salz
gefütterten Thiere matt und rauh war, unter dem Einfluß der Salzütterung
 aber eine glatte nund glänzende Beschaffenheit annahm. Bei
her Fortsetzung der Versuche traten die abweichenden Merkmale nur um
o entschiedener hervor. Die Thiere, welche keine Salz erhielten, hat—
len nach Verlauf eines Jahres ein wirres Haar und die Haut zeigte
hie und da ganz kahle Stellen; außerdem waren die Thiere durch ih—
ten schleppenden Gang und ihr kaltes Temperament auffallend ver—
chieden von den jungen Rindern der anderen Abtheilung, welche durch
die Lebhaftigkeit ihrer Bewegungen und die häufigen Versuche, den
Beschlechtstrieb zu befriedigen, ihre Kraft und Gesundheit zu erkennen
gaben. Ohne Zweifel hätte man auch auf dem Markte für die mit
Salz aufgezogenen Rinder auch einen weit höheren Preis erhalten, als
ür die anderen, sonst ganz ebenso gefütterten und ebenso schweren
Thiere.
Die Stiere, welche täglich Salz bekommen haiten,“ bemerkt Liebig
zu den obigen Versuchen, „blieben selbst in der ihrer Natur sehr wenig
entsprechenden Lebensordnung, der sie ausgesetzt waren, bei einem Ueber⸗
naß von Nahrung und Mangel an Bewegung gesund, ihr Blut blieb
ein und geeignet für alle Zwecke der Ernährung; sie empfingen mit dem
Salz ein mächtiges, in den gegebenen Verhältnissen unentbehrliches
Mittel des Widerstandes gegen äußere Stbrungen ihrer Gesundheit.
Der Körper der anderen Thiere dagegen war in Hinsicht auf Krank—
heiten einem Herde gleich, angefüllt mit dem leichtentzündlichsten Brenn—
naterial, dem nur ein Funke fehlte, um in Flammen auszubrechen und
oerzehrt zu werden. Das Salz wirkt nicht fleischerzeugend, aber es
hebt die Schädlichkeit der Bedingungen auf, welche sich in dem natür—
ichen Zustande der Mästung (Stallfütterung) vereinigen müssen, um
Fleisch zu erzeugen, und es kann der Nutzen seiner Anwendung nicht
)och genug angeschlagen werden.“
Auch bei Schafen will man beobachtet haben, daß bei Salzfütte⸗

rung in das Wachsthum der Wolle mehr Leben und Energie kommt,
heilweise die Wolle auch eine größere Geschmeidigkeit, eine bessere
Qualität erlangt. Es scheint überhaupt eine Beigabe von Salz die
Ablagerung von Fett im Thierkörper, namentlich unter der Haut, zu
begünstigen, worüber iedoch weitere genauere Versuche angestellt werden
nussen.
3. Durch die Salzfütterung werden die Thiere bestimmt, eine
zrößere Menge von Wasser freiwillig aufzunehmen; dieses trägt bei zur
steinigung des Blutes und somit überhaupt zur gesunden und kräftigen
Entwickelung des ganzen Organismus. Bei einem sehr wässerigen
Futter wird daher auch eine größere Beigabe von Salz nöthig, um den
Thieren dieses Futter in größerer Menge schmackhaft und gedeihlich zu
nachen, etwa nachtheilige, die Verdauungsorgane erschlaffende Einflüsse
»esselben zu beseitigen. Also bei reichlicher Fütterung von Kartoffel⸗
chlempe, von sehr wässerigen Rüben ꝛc. ist die directe Verabreichung
v„on Salz ganz am Platze. Auch bei Fütterung mit saftigem, üppig
Jewachsenem Grünklee zeigten z. B. Pferde einen weit größeren Salz⸗
appetit, als bei vorherrschendem Heufutter,
Schluß folgt.)

Vermischtes.
Versetzen der Pflanzen. Durch das mehrmalige Versetzen
der Pflanzen sucht man die Wurzelkrone zu stärken, um dadurch nicht
hloß ihr Wachsthum zu vermehren, sondern sie überhaupt zu veredeln
ind fruchtbarer zu machen. Die holländischen und belgischen Baum⸗
üchter verpflanzen die jungen von der Saatschule weg mehrmals, wo⸗
urch die Bäume einen wahren Wulst von feinen Saugwurzeln be⸗
'ommen, die zum ficheren Anschlagen neugepflanzter Bäume zur Verede—
ung ihrer Fruͤchte wesentlich beitragen. In Holland und in der bayeri⸗
chen Pfalz wendet man ein ähnliches Verfahren beim Tabaksbau an,
vas auch im Königreiche Sachsen mit Erfolg ausgeführt worden ist
Die Tabakspflanzen werden nämlich verstüppt, d. h. sie werden aus
dem Samenbeet erst im Vorbereitungsbeet und aus diesem auf den
oleibenden Standort versetzt, wodurch selbst ihre Vegetationszeit verkürzt
worden ist. In England findet auch ein Versetzen der Hopfenfechser
nit dem günstigsten Erfolge zur Ertragsvermehrung statt. Die Fechser
verden nämlich auf gut vorbereitete Beete gepflanzt und im folgenden
Jahre erst in die eigentliche Anlage versetzt.

Zertheilen von Gußeisen. Um große massive Gußeisenstöcke
»on 100 und mehr Centnern zu verkleinern, läßt L. Gugenheim
ijach einer Mittheilung im Oesterr. Ing.Verein in dem Blocke ein
doch aufe1/, der Dicke bohren, welches mit Wasser gefuͤllt und durch
inen Stahlzapfen geschlossen wird. Läßt man darauf den Fallklotz
ines Schlagwerkes fallen, so spaltet sich der Eisenblock beim ersten
Schlage in zwei Hälften.

Wie reinigt man Thür- und Fensteranstriche, ohne daß die Oel—
farbe leidet? Das Reinigen durch warmes Seifenwasser oder gar
durch Lauge ist dem Oelanstrich schädlich. Wenn reines warmes
Wasser den Schmutz nicht fortnimmt, so bediene man sich einer Misch
ung von 1 Theil Salmiakgeist in 12 Theilen Wasser.

Ein in mehreren Hausgärten Wiens angewendetes Mittel die
Hartenwege stets rein und fest zu erhalten, besteht in einem Ueber—
zuge von aufgelöstem Kalk, der, wenn die Wege roth, mit rothem
Ocher, und wenn die Wege gelb werden sollen oder von Natur durch
dieselsteine gelb oder weiß sind, mit gelbem Ocher versetzt wird.

Stockflecke, Wein- oder Obstflecke aus Leinenzeug
zu bringen. Man schabt ein Stück gute Seife und kocht sie mit et
vas Regenwasser zu einem steifen Brei, den man auf die Flecke
treicht, und streut etwas klein geriebene Pottasche darauf. Hierauf
hreitet man das betreffende Zeug auf dem Rasen aus und läßt es 24
Z3tunden liegen.
Ist es trocken, so besprengt man es mit Regenwasser und wäscht
hes aus. Die Flecke werden verschwunden sein.
            
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