Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Die Gurkenzucht.
Von Pfarrex Stetefeld in Hörselgau.
Auf ein Beet von 4 Fuß lege man zu beiden Seiten /, Fuß
‚om Wege ab, Gurkenkerne. Die beste Zeit dazu ist, wenn die Apfel⸗
zäume blühen. Wenn die Gurken anfangen zu ranken, lasse man
nur so viele Pflanzen stehen, daß sien! / Fuß von einander entfernt
iind, oder auch 8/, Fuß, behäufele dieselben, indem man die Erde aus
der Mitte des Beetes hervorzieht, so daß in der Mitte eine Mulde
entsteht. Nun stecke man starke Reife von der einen Reihe der Gur—
len zu dor andern fest ein, so daß der Halbmesser der Bogen etwa
11/, Fuß beträgt, die Bogen etwa 4 Fuß von einander entfernt. Auf
diese Bogen binde man 6 Stangen oder schmale Latten mit Bind—
jaden oder Draht, leite die Gurkenranke darauf, ‚wenn sie länger
verden, binde sie mit Bast oder Bindfanden an und behäufle die
Zurken dann noch einmal von außen. Ist das Gestell ganz bewachsen,
vas sehr bald der Fall sein wird, so schneide man die Ranken, die
zineingehen nach der Erde zu, so wie die, welche nach beiden Seiten
in die Wege wachsen, ab.
Diese Art, die Gurken zu ziehen, hat folgende Vortheile:
1) Die Gurken wachsen viel schneller und setzen mehr Früchte an,
wveil sie mehr Luft und Sonne haben;
3die Früchte bleiben auch bei Regenwetter ganz rein und werden
aicht von Schnecken und Würmern angefressen;
3) man kann die Gurken sehr leicht fördern und abnehmen, in⸗
dem man sieht, wenn man von beiden Seiten in den hellen Cylinder
hineinschaut, in dem die Gurken alle herunter hängen.
Diese Methode, die Gurken zu ziehen, habe ich als Knabe von
13 Jahren in Gera im Voigtlande gesehen, wo sie ziemlich allgemein
var. An einem andern Orte habe ich es nicht gesehen und, soviel
cch diese Methode, die Gurken zu ziehen, in Vereinen empfohlen habe,
o hat, meinem Wissen nach, noch Niemand dieselbe versucht. Wer
ich die Mühe geben will, es einmal zu versuchen, der wird sich ge—
viß von der Zweckmäßigkeit überzeugen und es dann jedes Jahr thun.
Wer nur einen kleinen Garten hat, der ziehe an einer Wand
die Gurken an Erbsenreisern, was auch sehr zweckmäßig ist und schön
aussieht, indem die Gurkenranken an denselben in die Höhe steigen
ind sich mit ihren Häkchen festhalten. Dieses habe ich in einigen
Zartchen gesehen. Auch an Bohnenstangen gziehe ich Gurken, was
desonders in nassen Jahren sehr gut ist und schöne Früchte liefert.
Man windet die Ranken wieder um die Stangen herum und bindet
dieselben an.

kebende Blumen zu färben und denselben Wohlgeruch
zu verleihen.
Schwarz, Grün und Blau sind die drei Farben, welche bei den
Blumen am seltensten vorkommen, daher wünscht man eben diese am
zftersten zu erhalten.
Um der Blume eine schwarze Farbe beizubringen, werden die
leinen Früchte des Erlenbaumes gesammelt, wohl getrocknet und zu
pulver gestoßen. Der Saft der getrockneten Ruthe (Herba Ruthea)
zringt die grüne Farbe hervor. Die blaue erhält man aus der
»lauen Kornblume. Diese Materialien muß man trocknen, um sie zur
dervorbringung der einen oder anderen Farbe gebrauchen zu können.
Der gewünschte Farbestoff wird in einem Maß Essig mit Schaf—
dung und etwas Salz der Art vermischt, daß der Farbestoff den dritten
Theil der Mixtur ausmacht. Nun wird diese, dem Mehlteiche ähnliche
Masse zur Wurzel einer weißblühenden Pflanze gelegt und selbe auf ge—
vöhnliche Weise gepflegt. Nach kurzer Zeit nimmt sie die beliebte
Farbe an. Um den Erfolg noch mehr zu sichern, bereite man das Erd⸗
eich genau auf folgende Weise: Man wählt leichte, aber sehr fette Erde,
rocknet selbe an der Sonne, stößt sie dann zu Puhver und seiht sie durch
ein Sieb. Hierauf füllt man damit einen Blumentopf und stellt in
zessen Mitte eine weiße Nelke, weil zu einer Metamorphose dieser Art
bloß die weiße Farbe brauchbar ist. Der Topf wird den Tag über
dem Sonnenscheine ausgesetzt, des Nachts darf die Blume nicht vom
Regen oder Thau benetzt werden.
Will man der weißen Blume eine Purpurfarbe geben, so nehme
mnan zur Zubereitung der Farbenmasse Brasilienholz. Auf diese Weise

wnd schon sehr schöne rothe Lilien erzeugt worden. Begießt man die
Farbenmasse mit dem Safte verschiedener Blumen, so erhält man bunte
rilien. Ein Tulpenliebhaber in Holland preßte den Saft aus den
Zwiebeln solcher Blumen aus, begoß damit andere Wurzeln und erhielt
von denselben ebenfalls bunte Blumen.
Wuürnscht man den etwa unangenehmen Geruch einer Blume zu
entfernen, so vermische man Schafdung mit Essig, füge etwas pulveri⸗
sirte Muskamuß, Schnittlauch und Amber hinzu, lasse die Samen ver
sonst übelriechenden Blumen in dieser Flüssigkeit einige Tage lang lie⸗
gen, und die Blumen werden einen künstlichen Wohlgeruch erhalten.

Gerben mit Anwendung eomprimirter Luft.
In der „Gerber⸗Zeitung“ ist die Frage vielfach ventilirt worden,
ob und in welchem Maße das Gerben dvurch Luftverdünnung be—
chleunigt werden könne. Die Ansichten über diese Frage scheinen noch
aicht fixirt zu sezn. Inzwischen ist in Nordamerika im vorigen Jahre
in anderes Verfahren patentirt worden, das gerade auf dem entgegen⸗
zesetzten Prinzip, auf der Luftzusammenpressung beruht. Die
Patentträger Fields und Townsend zu Wilmington im Staate
Delaware haben ein Faß construirt, das sie ein „Atmosphoric Air-Pressure
 Tan Vat“ nennen. Sie sagen: „Für schnelles und sorgfäl—
liges Gerben von Häuten und Fellen leistet dieses Faß weit mehr, als
irgend ein bisher bekanntes Verfahren beim Ledergerben. Beim Ge—⸗
»rauche dieses Fasses kann Oberleder in 6 Tagen, schweres Sohlleder
'n 12 bis 15 Tagen gegerbt werden. Gleich anwendbar sind Eichen⸗
ohe, Hemlocklohe, Gambir (terra japonica), Dividivi wie jedes andere
Herbematerial. Bei Benußung dieser Fässer fällt alle Arbein
des Treibens fort und der lange und kostspielige Gerbeprozeß, der
die Zeit von 6 bis 8 Monaien erheischt, wird ersetzt durch die Be—⸗
mutzung einer Druck-Luftpumpe (am Ende des Fasses angebracht), die
inen zusammengepreßten Luftstrom durch das Faß treibt. Dieser Strom
vird durch eine durchbohrte Röhre geführt, welche längs dem Boden
zes Fasses geführt ist und die Gerbeflüssigkeit in einem beständigen
Zustande des Aufwallens erhält, womit der Druck im Fasse, der ver⸗
chiedene Pfunde auf den Quadratzoll beträgt und nach dem Wunsche
des Gerbers regulirt werden kann, verbunden ist, durch den der flüssige
Berbstoff schnell in die Häute und Felle getrieben wird. Zwei oder
zrei solcher Fässer, d Fuß lang, 4 Fuß breit und 42/, Fuß tief, sind
in der Gerberei von Townsend im Gebrauch, in welchen wöchentlich
75 Kuhhäuite gegerbt werden. Die Gerber werden eingeladen, sich von
den Leistungen dieser so eingerichteten Fässer zu überzeugen.“
(Gerber⸗Itg.)

Literatur.
Der Kalk-Hand-Visébau und die Kalksandziegelfabrikalion, beson—
ders für die Bedürfnisse der Landwirthschaft bearbeitet von Fr.
Engel ꝛxc. Dritte verbesserte und vermehrte Auflage mit 10 Tafeln
Abbildungen und 46 Holzschnitten. Leipzig 1865. Verlag von
C. A. Seemann.

Der Kalksand⸗Pisébau hat bekanntlich große Vortheile, in Bezug
auf Wohlfeilheit, Festigkeit und Entbehrlichkeit des Putzes, er eignei
ich hauptsächlich für landwirthschaftliche Gebäude. Der Herr Verf.,
ühmlich bekannt durch sein Handbuch des landwirthschaftlichen Bau⸗
vesens für praktische Landwirihe und Baumeister, und mehrerer ande—
rer Schriften, hat in der uns vorliegeuden 3. Auflage viele Erfahrun⸗
zen und Verbesserungen, die in dieser Branche seit 1851, als die 2
Auflage erschien, gemacht worden sind, benutzt, um das Werk zu einem
nöglichst vollkommenen zu machen und durch zahlreiche Abbildungen
eine entsprechende Anleitung zu liefern, da nur durch sorgfältige und
»orsichtige Bauführung sich Dauerhaftigkeit und Festigkeit, sowie gleich⸗
zeitige Ersparniß von Baukosten bei Aufführung von Wohm und Wirth⸗
chaftsgebäuden aus Kalksand-Pisé erreichen lassen. Es ist dasselbe
allen Landwirthen und Baumeistern angelegentlich zu empfehlen.
            
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