Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Wie lange ein Kind ausschließlich an Milchnahrung zu halten sei,
aßt sich nicht ein fuͤr allemal festsetzen. Jedenfalls mache man die
Aenderung nicht zu früh. Namentlich die beliebten Mehlbreie, Zwieback
suppen u. s. w. werden in den ersten Lebensmonaten unvollständig ver—
daut und geben leicht zur Bildung von Säuren im Magen Anlaß.
Erst nach dem Durchbruch einiger Zähne darf man, wenn es nöthig ist,
nach und nach zu solcher Nahrung übergehen und wählt dann die er—
rahrungsmäßig am leichtesten verdaulichen Mehlarten wie Arrowroot
oder Pfeilwurzelmehl, Tapioca oder solche, die bereits durch die Znbe—
eitung einen Theil der allmähligen Verwandlungen in Gummi und
Zucker erlitten haben, welche durch die Verdauung hervorgebracht wer—⸗
den. Solche sind namentlich die gut ausgebackenen Zwiebacke aus
Weizenmehl, die klein gestoßen und mit Milch zu einem dünnen Brei
oder einer Suppe gekocht werden. Alle diese mehligen Nahrungsmittel
inthalten keinen oder sehr wenig Ersatz für den Käsestoff der Milch
and können daher mit Wasser allein zubereitet, kein genügendes Nah
rungsmittel abgeben; mit sehr käsestoffreicher Milch bereitet, ersetzen sie
dagegen zum Theil den Butter⸗ und Zuckermangel derselben und machen
durch die weitere Vertheilung der einzeln gerinnenden Theilchen des
Käsestoffs im Magen diesen leichter verdaulich. Vom vierten Monan
an kann man auch leichte Fleischsuppen und dann und wann süße
Wurzeln, wie junge Mohrrüben und dgl. zu Hülfe nehmen.
Wenn die Zeit der Entwöhnung herannaht, also gegen das Ende
des ersten Lebensjahres, so darf die Aenderung der Ernährungsweise
durchaus nicht plötzlich vorgenommen werden, sondern muß ganz all—⸗
mählig geschehen, indem man nach und nach andere und etwas festere
Nahrung einschiebt. Aber immer muß auch im zweiten Lebensjahre
zute Milch noch die Hauptrolle spielen, wenn die Kinder gesund und
kräftig bleiben und werden sollen. Omnibus.)

Vermeidung von Unglücksfällen bei Dresch—
maschinen.
Aus Württemberg wird über eine Reihe von Unglücksfällen berich—
jet, welche durch den Betrieb von größeren, namentlich Dampfdresch—
maschinen, im Laufe dieses Winters hervorgerufen worden sind. Herr
Böhm aus Hohenheim nahm hierdurch Veranlassung, in dem „Wochen—
hlatt für Land- und Forstw.“ auf die Vorsichtsmaßregeln bei der Be—
dienung dieser Maschinen aufmerksam zu machen, und ist dieser Mit—
heilung das Nachstehende entnommen.
Das Dieschen mit den erwähnten Maschinen ist nichts weniger
als gefährlich, wenn der bei dieser Arbeit Verwendete lediglich nur an
sein Geschäft denkt und in seiner Bekleidung einigermaßen sich an die
Vorschriften binden läßt.
Die in jüngerer Zeit vorgekommenen Unglücksfälle wurden ihrer
Mehrzahl nach durch den Dreschcylinder herbeigeführt. Theils erfaßte
derselbe bei sciner raschen Bewegung (1000 bis 1200 mal in der Mi—
aute) die Hände des Einlegers, theils einen Theil der Kleidung (Blou⸗
en, Halstücher, Handschuhe) und mit der Kleidung auch Theile des
sKörpers, oder aber entschlüpfte (wie auf den englischen Maschinen)
dem Garbenbieter sein Standpunkt unter den Füßen und ein Fehltritt
bon 2 bis 3 Zoll genügte, den armen Menschen sich eines Fußes be—
raubt zu sehen. Die Vermeidung dieser wirklich leicht zu umgehenden
Gefahren beruht nach des Herrn Verf. Ansicht auf folgenden Punkten:
1) Man verwende zu den am meisten Vorsicht erfordernden Ar—
heiten nur geübte, gesetzte Arbeiter, was ja schon im Interesse der Ar—⸗
zeit liegt.
2) Frauenspersonen theile man ihrer Kleidung wegen bei dem Ge—
schäfte so ein, daß dieselben mit den Riemen und sonstigen sich bewe—
zenden Theile der Maschine nicht in Berührung kommen können.
3) Im Anzuge vermeide man flatternde Halsbinden, Jacken,
Blousen; eine in die oberen Theile der Beinkleider gesteckte wollene
Jacke ist ein warmer und sehr bequemer Anzug.
4) Man weise dem, der die Garben dem Einleger darbietet, sei⸗—
nen Platz sitzend neben dem Einleger an und dulde schlechterdings nicht
as Stehen auf dem Bieta der Dreschmaschine, wenigstens sollte die
Deffnung um den Cylinder mit einem 2 bis 3 Zoll hohen Rande ver—
ehen sein, was dem Einlegen besondere Hindernisse nicht bereitet.

5) Weit abstehende eiserne Keile an den Achsen sind einzutreiben
6) Man schmiere an nicht ganz exponirten Plätzen nur dann, wenn
die Maschine steht.
.7) Das Auflegen von Riemen, während die Maschine im Laufen
ist, ist ganz verwerflich.
8) Vor dem Beginn der Arbeit gebe man stets ein Zeichen.
9) Der Gebrauch vpn sogenannten Fausthandschuhen für den
Maschinenführer und den Einleger ist sehr gefährlich, da die Arbeit eine
ziemliche Annäherung an die Maschinentheile oft erfordert und rasch
zenug die Spitzen des Handschuhs und 'nicht selten dadurch die ganze
dand erfaßt werden.

Schutz gegen die Mäuse und anderes Ungeziefrr.
Man sieht oft Nachtseulen an die Scheuerthore gekreuzigt, und
»och ist die Nachtseule der nützlichste Nachtswächter, den der gütige
Abpher dem Menschen zum Schutz seiner Saaten auf die Welt ge—
etzt hat.
Als im letzten Herbste die Mäuse so namhaften Schaden an Korn—
ind Kleestückern gemacht hatten, da gab ein fleißiger Beobachter der
Natur in der Gegend von Coblenz den Leuten das Mittel an, Pfähle
in der Höhe von etwa 3 Fuß in die Erde zu schlagen, er sagte nicht
veshalb, weil dann nichts Wunderbares mehr dran gewesen wäre, und
die Leute hätten es nicht so gerne gethan. Das Geheimniß der Sache
nachte sie dann auch vorwitzig, und es gaben sich einige kühne Bauern
die nicht grauelten ausgelacht zu werden, dran, und schlugen die Pfähle,
und siehe die Mäuse verschwanden von diesen und den Nachbarfeldern;
ietzt wurden die Pfähle allgemein. Als der Vorwitz nun die Leute doch
anlockte, zu sehen, was mit den Pfählen geschah, siehe, da kam es
heraus! Auf einem jeden Pfahl stand eine Nachtseule und lauerte auf
die Mäuse, und man sah sie von ihren Pfählen herabschießen wie der
Blitz, wenn eine Maus sich zeigte.
Aber die Eitelkeit bringt die Jungen, wie zum eckligen Tabak—
rauchen, so auch zur Verfolgung dieser fliegenden Katzen, damit sie
olche an ihr Scheuerthor kreutzigen, und die unwissenden Alten stehen
dabei und lachen noch wohl dazu, nach dem alten Spruch: „kreuzige
freuzige Ihn; denn er hat dir geholfen!!“
Wie die Nachtseulen, werden eine Menge anderer Vögel noch
perfolgt, wie Marder saugen die Jungen ihnen die Eier aus, zerstoren
hre Nester und bringen ihre Jungen um, und meinen noch wunder
vie gescheidt sie gewesen wären und was für Heldenthaten sie ausge⸗
richtet, wenn sie das gethan, und die dummen Alten stehen dabei und
lachen wohl dazu. Allein ungestraft geht ihnen dieser Frevel nicht hin;
dafür werden sie denn auch durch Ungeziefer aller Art an ihren Saa
sen und Früchten geplagt, indem sie die Wächter und Beschützer ver—
folgen, die der Schöpfer selbst dem Bauer zu Hülfe gegeben.
Weil nun Jung und Alt gleich dumm und boshaft sind, die einen
m Uebelsthun, die andern im Uebelszulassen, so hat die Regierung
einmal strenge Polizeistrafen auf solchen Frevel gesetzt.
Wer ein Vogelnest muthwilligerweise zerstört oder der Eier oder
Jungen beraubt, hat Geldbuße von 1 bis zu 10 Thalern zu gewaͤrti⸗
zen, oder an deren Stelle entsprechende Gefängnißstrafe. Mit dersel—
hen Strafe wird belegt, wer außer den Monaten Oktober und No—
»ember Vögel fängt oder tödtet, oder Vorrichtungen zu diesem Zwecke
aufstellt, als Leimruthen, Netze, Schlingen, Fallen, Sprenkel, Dohnen
u. s. w.

Eine Vogel scheuche.
Ein Landschullehrer, dem nach gethaner Arbeit die Pflege seines
Hausgartens die größte Freude machte, hatte im Sommer zur Kirschen
zeit viel Verdruß darüber, daß die unverschämten Spatzen ibm von
seinem Lieblingsbaume, mit der Doctorkirsche veredelt, die besten Früchte
jolten und dazu mit einem Geschrei, als wollten sie ihr Vorhandensein
erst anmelden oder aus der ganzen Umgegend ihre Geschwister herbei—
ufen. Am Aufstecken sog. Poppelmänner hatte es unser Lehrer nie
ehlen lassen, aber, wie es die Spatzen machen, die ersten Tage scheu—
            
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