Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Der mineralische Reichthum der Türkei.
Das ottomanische Reich besitzt großen Reichthum an metallischen
Mineralien, und kommt dort ganz besonders Gold, Kupfer, Blei, Ei—
een, Silber vor; indessen die Apathie der Türken hat sich des weisen
Spruchs des Koran, „daß Arbeit, Kunst und Industrie den Menschen
ron Noth retten,“ noch nicht angenommen. Außer diesen Mineralien
st das Vorhandensein von Kohlen sehr beträchtlich. Sie finden sich in
Albanien, Rumelien, auf der Insel Candia, am europäischen Gestade
des Schwarzen Meeres; besonders reich ist ein Lager bei Enegli (der
Aten Stadt Heraclea) in Kleinasien, das 90 engl. Meilen breit ist.
Hier werden jährlich ca. 200,000 Tons (à 20 Ctr.) Kohlen gefordert.
In Serbien an der Donau liegt ein Kohlenlager, das 14,000 Acker
engl. (17/12 preuß. Morgen) umfaßt, nämlich die Dobra-Gruben, die
einer franzoͤsisch-englischen Compagnie überlassen sind. Die Kohle, wo—
zon hier 100 Tons per Tag gefordert werden, soll sehr schön sein
Trotz dieser Ausbeute sind im Jahre 1858 noch 200,000 Tons engl
dohlen nach der Türkei exportirt, ein Beweis, daß die reichlich vor—
zandenen Kohlengruben des Landes noch einmal so stark in Angrif
jenommen werden müssen, wenn sie den Consum des Landes decken
ollen.

Das Entspitzen der Triebe bei Birn⸗ und
Apfelzwergen.
Das Entspitzen der Triebe ist längst nichts Neues mehr und ha—
zen wir deßhalb nicht nöthig, uns auf Mittheilungen über Details
ieser Methode einzulafsen. Aber da sie das sicherste Mittel ist, um
schöne Bäume zu bilden und eine frühzeitige und anhaltende Tragbar—
eit hervorzurufen, so darf man im Interesse der Obstbaumzucht nicht
interlassen, diese hochwichtige Operation wieder und immer wieder der
Beachtung zu empfehlen.
Das Entspitzen der jungen Triebe wird im Frühiahre vorgenom⸗
nen, wenn sie eine Lünge von 426 Zoll erreicht haben. Entspitzen
eißt, den Gipfel des noch kräftigen Triebes mit dem Nagel des Dau—
nens und Zeigefingers wegzunehmen. Dadurch wird der allzukräftige
Trieb in Schranken gehalten und der Saft genöthigt, seine Richtung
zu ändern und sich auf die bis daher zu wenig beeinflußten Theile zu
venden, welche dadurch an Kraft gewinnen und auch ihrerseits zur
Entwickelung gelangen. Dadurch, daß man die Triebe und Wosser—
weige nach dem Grade ihres Wachsthums endspitzt, ist man im Stande,
die Saftbewegung in allen Theilen des Baumes und somit auch die
Produktion im Gleichgewicht zu halten, dem Baume eine angenehme
Form zu geben und ihn bald fruchtbar zu machen. Während des wei⸗
eren Verlaufes der Vegetation werden die vorzeitigen (d. h. im Laufe
des Sommers an den seit dem Frühjahre gebildeten Zweigen sich ent⸗
vickelnden) oder kräftigen Triebe bis nahe zur Basis gekappt, um junge
Aeste oder Fruchtspieße zu erzeugen. — Der Leittrieb, welcher den Mut—
erast fortzusetzen bestimmt ist, und gewöhnlich nicht entspitzt wird, muß
Jleichfalls der Operation unterworfen werden, in dem Falle, daß man
2oder 3 Mutterzweige nöthig hat, um leere Siellen in der Krone des
Baumes auszuflillen. Wenn man den Trieb in der gewünschten Länge
entspitzt, schont man die nächsten 8 bis 3 Augen, doch muß man diese
Operauion rechtzeitig vornehmen, d. h. wenn die Internodien noch nicht
üͤber 5 Linien lang geworden sind. Hat man das versäumt, so muß
man tiefer entspitzen und die Operqtion wiederholen. Alsdann ver—
ängern sich die jungen Triebe gabelförmig und bilden somit die be—
wöthigten Zweige. Wenn der Leittrieb zu stark treibt und das Gleich—
zewicht der Vegetation dadurch bedroht ist, so muß man ihn ebenfalls
intspitzen, um die Ausbildung der achselständigen Augen zu befördern,
)amit sie zu Blüthenknospen und Fruchtspießen werden. Wie man
ieht, sind es die benachbarten Productionen des entspitzten Triebes, dem
jer überflüsssze Saft zu Gute kommt, der von dem unterdruͤckten Theile
des Triebes consumirt worden wäre. — Die zweite und dritte Opera⸗
ion wird später über dem ersten Blatte des neuen Tricbes bewirkt,
velcher in Folge des ersten Entspritzens sich ausgebildet hat. Bei die⸗
er nutzlichen Operation, welches einiges Geschick und viel gesundes
Artheil erfordert, läßt man lieber die Triebe zu lang, daß man sie zu

nief abspitzt. Im ersten Falle wird es niemals an Augen fehlen, wenn
nan ihrer bedürfen sollte, im zweiten läuft man Gefahr, statt Frucht—
augen, Holzaugen zu erzeugen.

Vermischtes.
Die Dichtung der Spiritusfässer. Ein Versuch, Spiri⸗
usfässer zu dichten, ist vor Kurzem in folgender Weiser sehr vortheil⸗
haft mit Lederlösung gelungen: Es wurde 1 Pfd. Lederabfälle in 2?
doth Oxalsäure und 2 Pfy. Wasser im Wasserbade gelöst, und die
rösung allmälig mit 3 Pfd. warmem Wasser verdünnt und das Faß
damit ausgestrichen. Sobald die Losung trocken ist, bräunt sie sich durch
Zauerstoffaufnahme aus der Luft, und die Masse ist nun ganz unlös⸗
ich in Alkohol; sie verdichtet alle Poren, springt nicht ab, ist billig
verzustellen und leicht zu handhaben. Welche Sorte Leder man anwen—
»et ist völlig gleichgültig, nur hat man darauf zu achten, daß der Lö—
ungsprozeß des Leders nicht zu sehr verlangsamt wird, weil sich sonst
zrößere Antheile des Lederleims in Zucker umwandeln.

Guano und Ascht. Obwohl schon öfters in landw. Versamm—
ungen und Zeitschriften auf den Nachtheil aufmerksam gemacht worden
ist, der sich ergibt, wenn man den Guano mit Asche mischt, so gibt
es doch noch allerwärts eine Menge von Leuten, die, weil sie die landw.
Versammlungen nicht besuchen und die Zeitschriften nicht lesen, jenes
Verfahren fortwährend in Uebung behalten, ohne zu ahnen, wie groß
der Schaden ist, den sie sich dadurch verursachen. Bekanntlich hat die
Asche die Eigenschaft, das im Guano vorkommende werthvolle aber
lüchtige Ammoniak frei zu machen und auszutreiben, so daß also durch
»ie Zumischung von Asche zum Guano der Werth desselben, wie dite
randleute so leicht annehmen, nicht vermehrt, sondern vermindert wird.
WDir haben in den letzten Jahren öfters Versuche mit purem Guano
ind mit Guano, der mit Asche gemischt war, angestellt und die gewon
ienen Ernteresultate lassen es uns außer allem Zweifel, daß 1 Ctr.
Buano, der mit 1 Ctr. Asche gemischt ist, in seiner Wirksamkeit mehr
als um das doppelte übertrifft. Nach unserer festen Ueberzeugung ist
ein Düngergemisch von 1Ctr. Guano zu 51/2 Thlir. und w Ctr. Asche
zu 1/, Thlr., nicht 6 Thlr., sondern noch keine 4 Thlr. werth, weil
durch die Mischung selber mehr als für 2 Thlr. werthvolle Stoffe aus
dem Guand in Luftform ausgetrieben werden.

Unser sonst humanes Zeitalter hat es, trotz der Thierschutzver—
eine, noch nicht durchgesetzt, daß die Doppeljoche bei der Anspannung
des Rindviehes verdrängt und die Einzeljoche allgemein eingeführt
vurden. Die nützlichen Belehrungen, daß das Doppeljochen Thier—
snälerei sei, sind nicht überall zur Anerkennung gelangt. Wir geben
ins daher der Hoffnung hin, daß diese Mittheilung des folgenden
Verfuches nicht ungeeignet sein dürfte, auch diejenigen für die Ein—
zeljoche zu gewinnen, die sich seither noch nicht entschließen konnten,
dieselbe einzuführen. Wir haben zwei Kühe sechs Wochen lang täg—
lich fünf Stunden als Zugvieh am Wagen arbeiten lassen, und sie
vährend dieser Zeit in gleichmäßiger Fütterung und Pflege gehalten.
Nach Ablauf der ersten zwei Wochen, während welchen wir sie ins
Doppeljoch spannten, hatten wir gegen früher einen Verlust an Lebens—
zewicht um 21 Pfund und einen Milchverlust gegen die vorhergehen⸗
den zwei Wochen von 261,, Maas. In den zweiten zwei Wochen
pannten wir sie an Einzeljoche. Nach Ablauf derselben hatten die
dühe wieder an Lebensgewicht um 21 Pfund und an Milch um 18
Maas zugenommen. In den dritten zwei Wochen spannten wir sie
vieder an's Doppeljoch und hatten am Ende derselben einen Ver—
lust an Lebensgewicht von 19 Pfund und einen Verlust an Milch von
31 Maas.

Der Riesling verträgt eine sterile, steinige Lage am besten und
zibt bei voller Reife den werthvollsten Wein. Zu neuen Weinberg⸗
anlagen empfiehlt Herr Baron v. Babo den Muskateller oder Gewürz
Traminer, die Mosler⸗Rebe, welche auch in steinigem Grunde gedeihe,
en weißen Burgunder, den Orllieber und grünen Muslkateller.
            
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