Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

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den Kreis Saarbrücken.

M 39.

— EX

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Sonnabend den 1. Abril

—

1865.

Ginladung zum Abonnement.

Zu dem mit dem 1. Aprilec. beginnenden Abonnement des II. Quartals auf das „amtliche Kreisblatt
für den Kreis Saarbrücken“ ladet die unterzeichnete Expedition mit dem Hinzufügen ergebenst ein, daß das
Kreisblatt auch in dem bevorstehenden neuen Quartale in der bisherigen Weise unverändert forterscheinen wird.
Saarbrücken, im März 1865.

Die Expedition,
EOMn. Möüttnger,
gegenüber dem Hauptzollamte.

Wie erhält man die italienische Biene rein und
was versteht man unter reiner Race.
Ueber diese wichtige apistische Frage hat Herr Graf v. Stosch,
Rittergutsbesitzer auf Manzk bei der 23. Wanderversammlung deutscher
Bienenzüchter zu Gotha nachstehenden interessanten Vortrag gehalten.
Was den ersten Theil der Frage anlangt: Wie erhält man die
talienische Race rein? so hat der Züchter, wie bei aller Zucht, auch
hier sein Augenmerk vor allen Dingen auf das Zuchtthier zu richten.
Man wähle eine Königin zur Zuchtmutter, deren Königinnen-Töchter
ümmilich schön gefärbt sind. Ist nun gar noch die Vererbung eine
constante, daß die Königinnen-Töchter nur gelbe Arbeiter hervor—
zringen, sie mögen von gelben oder schwarzen Drohnen befruchtet sein,
o ist der Erfolg der Züchtung im Voraus gesichert. Solche Zucht—
nütter sind bei der großen Vererbungsfähigkeit der italienischen Bienen
zei weitem nicht so selten, als man gewöhnlich glaubt. Der Herr Vor—⸗
ragende hat nur von solchen Königinnen gezüchtet.
Die Auswahl der Zuchtmutter wird sehr erleichtert durch soge—
nannte Probirkästchen. Ein solches Kästchen hat die Größe einer Ci—
zarrenkiste zu 250 Stück. Man theile dasselbe durch eingeschobene
leinere Zwischenwände in 4 Abtheilungen, von denen jede dann unge—
ähr 4 Zoll lang, tief und hoch sein wird. Mit 2 kleintn Waben aus⸗
zestattet, deren eine etwas Honig enthalten muß, stellte jede Abtheilung
ine Miniaturbeute dar, nur daß das Fluchloch fehlt. — Will man
run die königliche Nachzucht einer Mutter prüfen, so besetzt man diest
leinen Stöckchen mit ziemlich reifen Weiselzellen von der zu prüfenden
dönigin, schüttet einige Dutzend Bienen zur Pflege hinzu, bedeckt dit
Ibtheilung mit passenden Glasscheiben und stellt das ganze Probir—
äsichen an einen dunkeln Ort. Hier halten sich die Bienen ziemlich
ruhig und brüten die jungen Prinzessinnen vollends aus, von deren
Beschaffenheit man sich später durch die Glasscheiben auf das bequemste
iberzeugen kann. Sind sie sämmtlich schön, so züchte man von der
Mutter weiter; sind sie es nicht, so drücke man sie todt und versuche
s mit einer anderen.
Um Weiselzellen von einer bestimmten Mutter zu erhalten, macht
nan am zweckmäßigsten einen kleinen Ableger von Bienen aus beliebi—
zen Stöcken und Brut von der zu prüfenden Königin. Tie Bienen
nüssen mindestens 24 Stunden eingesperrt bleiben, sonst zerstreuen sit
ich in der Regel, setbst wenn sie von einem fernen Stande hergenom
nen wurden. Wird die einzustellende Brutwabe durchschnitten, so daß
in beiden Schnitiflächen junge Brut steht, so erbauen die Bienen nich
illein in der Regel sehr zahlreiche Zellen, sondern man hat sich auch
wch den Vortheil einer Brutwabe verschafft. Das abgeschnittene Stück
in ein Wabenholz, die Schnittfläche nach unten, in geeigneter Wrise
mnqgebunden, wird von den Bienen in wenig Stunden festgebaut.

Dercrariige kleine Ableger sind das Fundament der italienischen, ja
überhaupt jeder Bienenzucht. Ihnen bürde man alle Vorarbeiten auf,
als das Ansetzen von Weifelzellen, das Erziehen von Reserve⸗Konigin⸗
nen ꝛc. Man schont dadurch die starken Nutzstöcke und außerdem ar⸗
»eitet es sich mit kleinen Volkern bequemer als mit großen. Vor dem
Beginn der eigentlichen Züchtung müssen also solche kleine Ableger ge⸗
nacht, Reserve-Königinnen erzogen und Weiselzellen bereit gehalten
verden. Wunderbar ist, daß in diesen kleinen Stockchen die jungen
doöniginnen in der Regel viel früher fruchtbar werden, als in großen.
Die eigentliche Züchung beginnt zur Zeit des Ablegens. Bei Gele—⸗
zjenheit des Ablegens setzt man dem entweiselten Stock eine oder besser
wei italienische Zellen ein; doch dürfen dieselben nicht zu reif sein,
onst bringt man die junge auslaufende Mutter in die Gefahr, abge⸗
zaissen zu werden. Gleich nach der Entweiselung ins Brumest einge⸗
fügt, sind dem Vortragenden die Zellen fast regelmäßig angenommen
vorden. Der Sicherheit wegen sehe man jevoch nach, ebenso ob die
söniginnen auch ausgelaufen, und später ob sie fruchtbar geworden
ind. Waren die Zellen abgebissen oder die Weisel in den Zellen ab⸗
zestorben, so müssen 9 Tage nach der Entweiselung sämmtliche ange—
etzte Zellen abgedrückt und neue italienische gegeben werden, die dann
mmer willige Aufnahme finden. Ein weisellos gewordener Nutzstock
erhält gleich eine bereit gehaltene Reservekönigin. — Die nach dem
Ableben noch übrig gebliebenen deutschen Königinnen werden 4 bis
5Wochen vor Schluß der Tracht beseitigt. Eine Brutunterbrechung
zu dieser Zeit bringt keinen Nachtheil, da mindestens 4 bis 5 Wochen
zergehen, ehe aus einem Ei eine arbeitsfähige Biene wird.
Wer auf die angegebene Weise verfährt, betreibt die italienischt
Zucht, ohne am Ertrag das Geringste einzubüßen.
Dem zweiten Theil der Frage: Was versteht man unter reiner
Race? gibt der Herr Vortragende eine andere Fassung, um genau das
auszudrücken, was nach dem Zusammenhange darunttr verstanden werden
'oll und jede Nebenbedeutung auszuschließen. Auf die Frage: „Was
versteht man unter einer ächten Königin?“ gibt er seine Antwort dahin
ab: „Aecht nenne ich allein nur die Königin, welche nur gelbe kö⸗
rigliche Töchter hervorbringt.“ Die Arbeitsbienen sind nichts we⸗
aiger als maßgebend. Es gibt Königinnen, denen eine so hervorra⸗
zende Vererbungsfähigkeit inne wohnt, daß ihre Töchter, selbst wenn
sie von dentschen Drohnen befruchtet sind, durchaus keine anderen als
aur die schönsten Arbeitsbienen hervorbringen. Man sollte glauben,
daß eine Königin, die nur die schönsten Arbeiter heroorbringt, welcht
ohne Ausnahme durchweg so schön find, wie nur Italiener fein können,
auch eben solche königliche Tochter haben müßte, da aus jeder Arbtits⸗
— DD———
königlichen Tochter kommt das Blut des Vaters vollständig zur Gel⸗
            
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