Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

nit der unsere Bauern im Schweiße ihres Angesichts ihr Brod verdie⸗
nen, eine arkadische Beschäftigung. Sie brauchen nur einen Schritt zu
hun, den übrigen Weg legt die Natur für fie zurück.
Um Rosen zu pflanzen, wird der Acker leicht und oberflächlich mit
)en ausgepreßten ölgeränkten Blättern gedüngt, dann mit Ochsen ge⸗
oflügt, nach dem Pflügen sorgfältig gejätet, die Stöcke beschnitten und
alte erschöpfte durch junge kräftige ersetzt. Darauf beschränkt sich die
Menschenarbeit; das Uebrige thut willig die Natur. Im nächsten Jahre
erscheinen schon auf den neuen Stocken eine beträchtliche Anzahl Rosen,
ziber erst im vierten Jahre erreicht der Strauch den Culminationspunkt
einer Kraft und Fruchtbarkeit. Ein mittelmäßig kräftiger Strauch trägt
»ann bis zum achten Jahre reichliche Blumen. 10,000 Rosenstöcke
zedecken den Raum eines Acre (17/12 preuß. Morgen) und liefern all—
jährlich 5000 Pfd. Rosen (ungefähr 600 Pfd. Rosen geben 1 Unze
Rosenbl).
Jasmin wird erhalten, wenn man auf Stockreiser von wildem
Jasmin nach 2 Jahren edlen oder spanischen Jasmin pfropft. 8000
Zetzlinge werden auf jeden Acre gerechnet, sie blühen erst im zweiten
Jahre, gewähren dann aber 60,000 Pfd. per Acre. Im August, der
Zeit des Jasmins, wimmeln die Felder von jungen und alten Weibern,
Mädchen und Kindern; alle tragen kleine Körbe, die mittelst eines brei⸗
en Bandes an ihrer Seite befestigt sind. Tausende von Händen sind
aermüdlich thätig, die Blumen von den Stämmen zu pflücken und in
die Körbe zu füllen. Vom Morgen bis zum Abend währt dieses
Ameisentreiben auf den Feldern.
Am meisten Pflege und Sorgfalt erfordert die Tuberose, „die Kö—
nigin und Braut der Mondnacht, die erst zu duften beginnt, wenn die
Sonne ins Meer gesunken.“ Sie zahlt aber auch die ihr gewidmete
pflege besser als jede andere Blume. Und welch' ein Duft entströmt
hr! Sie scheint von allen Blumen das beste entlehnt zu haben, um
daraus ihr Aroma zu bilden.
Orangenbäume benöthigen 15 Jabre, um ihre größte Kraft zu
zrreichen. Sie tragen jedoch schon nach 5 Jahren und zwar Blüthen
und Früchte in den verschiedensten Stadien der Reife zu gleicher Zeit.
Jährlich gibt ein jeder Baum 25 Pfd. Blüthen im Durchschnitt (500
pfd. geben ungefähr 2 Pfd. reines Neroly-Oel).
Bei uns wachsen und gedeihen die Veilchen allerorten, wenn sie
2s auch lieben, sich bescheiden im dichten Gras zu verstecken; nicht so
unter dem ewig heitern Himmel von Nizza. Sie müssen dort in den
Schatten der Bäume gepflanzt werden, wenn sie in der gewünschten
Fülle wachsen sollen. Auch sie werden gepflanzt und zwar durch Ab—
leger, die sich sehr rasch zu selbststärndigen Gruppen entwickeln.
Nebst den genannten Blumen und Pflanzen wird noch rosenblätte—
riges Geranium wegen der duftigen Blätter, Rosmarin und Lavende!
ingebaut. Die letzten zwei wachsen und gedeihen wie das Wiesengras
ohne jede Cultur.
Das Auge kann nicht lange über diese farbenglänzenden, duft⸗
athmenden Gefilde hinschweifen, ohne daß sich dem Sinn die Frage
nufdrängt, wozu alle diese Pracht und Verschwendung des Schoönsten
und Besten, was die Natur hervorgebracht. Sicherlich sind diese Schätze
zon Duft und Farbe nicht bloß Ornamente allein. Die Antwort kann
aus dem geschäftsmäßigen Treiben und dem industriosen Verfahren
eicht herausgelesen werden; die Antwort: Erwerb. Der Mensch ist
ein riechendes Thier. Er liebt Wohlgerüche, weil sie seinem vorstechen⸗
den Riechorgane schmeicheln und weil er ihrer benöthigt, um mancher—⸗

ei üble Düfte, die sich in diesem Erden-, Pech- und Jammerthale an⸗
ammeln, zu vergessen. Gegenwärtig versieht Europa die ganze civili⸗
ärte und uncivilisirte Welt mit Parfüms aller Sorten. Selbst die ein⸗
zebildeten, aber nicht weniger riechenden Wilden benöthigten die in
Spirituosen und Oelen aufgelösten Düfte. Die Unterthanen des Kö—
nigs von Dahomey (Negerstaat in Ober-Guinea in Afrika) consumi⸗
ren große Mengen Lavendelwassers, wofür sie uns Elfenbein und
Palmol zurückgeben — arme unwissende Geschöpfe! Im fernen Westen,
zit nordamerikanischen Jäger, tauschen gern ihre kostbaren Hermelin-,
Biber⸗ und Fischotterfelle gegen Päckchen mit Bergamottessenz wohl⸗
siechend gemachten Schnupftabaks, den sie essen, um ihn mit zwei Sin—
ien zu genießen. Leute, die nicht von den üblen Düften Cölns be—
ästigt werden, verschmähen gleichwohl das aromatische Product Itan
Maria Farina's mit nichten.
Um die lieblichen Kinder Flora's zur Abgabe ihres schönsten
—A—
ind einen rein mechanischen. Die Laboratorien stehen mitten in den
Feldern, und wie man in anderen Gegenden das Getreide in Säcken
ur Mühle fährt und trägt, so trägt und fährt man hier die Blumen
n die Laboratorien. Hier werden die Wohlgerüche entweder durch
Destillation, in den seltenern Fällen, oder durch Maceration und
Enfleurage aus Blättern und Blumen gezogen. Orangeblüthen, Tube⸗
rosen, Akazien, Jasmin, Veilchen, Rosen, Jonquillen ꝛc. werden nach
der zweitgenannten Methode behandelt. Es wird thierisches Fett, das
zurch Kochen in natronhaltigem Wasser von allen Fasern und fremden
Zeimischungen sorgfältig gereinigt worden, auf eine ziemlich breite
Blasplatte gegossen, die mit einer hölzernen Einfassung umgeben ist.
Das Fett, wieder fest geworden, wird mit ven frisch gepflückten Rosen⸗
ind anderen Blumenblättern dicht bestreut. Viele Hunderte solcher
Blasplatten sind auf einmal in Verwendung. 24 bis 26 Stunden
bleiben die Blumen mit dem Fette in enger Verbindung und geben
ihren Duft während dieser Zeit gänzlich an das Fett ab. Erscheint
dieses nicht gehörig parfümreich, so werden die alten Blumen durch
frische ersetzt und dies Verfahren so lange wiederholt, bis das Fett den
Jewünschten Grad erreicht hat. Es wird bei Kohlenfeuer abermals ge⸗
chmolzen und die Pflanzenreste entfernt, dann füllt man es in die ent—
prechenden Gefäße und es ist für den Handel reif.
Maceration ist ein ähnliches Verfahren, nur wird feineres Olivenbl
ind geschmolzenes Fett in Anwendung gebracht. Manche Blumen eig—
nen sich besser zur Enfleurage, andere wiederum zur Maceration. Bei
Veilchen müssen beide Methoden angewendet werden. Das Feit wird
nach Beendigung des Prozesses Pomade genannt, was eigentlich in ge⸗
zauer Uebersetzung Apfelfett bedeutet. Pomade ist ein verhältnißmäßig
sehr junges Wort; es hat seit 100 Jahren ungefähr Butter ersetzt.
Ansere Großmütter sprachen von Jasmin- und Rosenbutter, wie wir
nun von Pomade reden. Der chemische Proceß, die Destillation kann
nur mit den gröberen Pflanzentheilen, Stengeln, Wurzeln und Blättern
zorgenommen werden. Diese bewahren das duftende Prinzip in klei—
nen Säckchen, die zwischen den anderen Zellen sich befinden, während
zie Blumen athmend duften. Die letzteren vertragen keine Destillation.
Fine scheinbare Ausnahme bildet der Lavendel, den man auf chemische
Weise behandeln kann; in der That zeigt er sich aber denselben Ge⸗
setzen unterworfen, wie die anderen Blumen. Frischer Lavendelextract
hat einen wesentlich verschiedenen Duft von älteren, der erst nach Auf⸗
nabme des Sauerstoffes aus der Atmosphäre einen lavendelähnlichen
Parfüm gibt. (Nach d. „Wien. Presse“.)
Die Lieferung von neuen Utensilien (Sche—
mel, Tische und Feuerleiter) für das diesseitige
Kasernement, soll im Wege der Submiffion
an Unternehmungsgeneigte übertragen werden,
wozu die Bedingungen zur Einsicht im Büreau
der unterzeichneten Verwaltung offengelegt sind.
Die Eröffnung der bis zum 26. d. Mits. in
dem vorgenannten Büreau einzugebenden Sub—
missionen, in welchen bestimmt ausgesprochen
sein muß, daß die Bedingungen gelesen und
vohl verstanden sind, erfolgt ebendaselbst am
27.d. Mts., des Vormittags um 10 Uhr, in
gegenwart der erschienenen Submittenten.
Saarbrücken, 21. März 1866.
Königl. Kasernen-Verwalfung

Bekanntmachung.
Die Anlieferung von 40 Stück Black'scher
Sicherheits-Mpparate und des etwaigen
Mebrbedarfs, sowie die zu denselben gehörigen
Reserve⸗Metallpfropfen für die Königl. Stein—
sohlen⸗Gruben bei Saarbrücken im Jahre 1865
oll im Wege der Submission vergeben werden.
Die Lieferungsbedingungen, auf welche in den
Offerten ausdruͤcklich Bezuͤg zu nehmen ist, lie—
jen bei unterzeichneier Stelle zur Einficht offen
onnen auch gegen Erstattung der Copigiien
zbschriftlich bezogen werden.
Die Ofserten sind versiegelt, frankirt und mi—
entsprechender Aufschrift versehen, spälestens bis

12. April er, Vormittags 11 Uhr,
der Bergfactorei einzusenden, wo dieselben um
diese Zeit in Gegenwart der etwa erschienenen
Zubmittenten eröffnet werden.
Kohlwaage bei Saarbrücken, den 16. Mär—
865.
Königliche Bergfaectorei.

Ein zu Freilingen, eines der besten Orte
»es Kreises Bitburg, gelegenes Ackergut vor
O Morgen, nebst schͤnen Wohn⸗ und Oeconomie
BHebäuden steht aus freier Hand zu verkaufen.
Nähere Auskunft ertheilt der Eigenthüme
Fohann Diederich ju Freilingen.
            
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