Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Was nützt dem Landwirthe der Waldbesitz?
(Schluß.)
Die Winde nehmen die Eigenschaften der Flächen an, über welcht
ie wegstreichen. Sie sind feucht, bringen Regen, sind mehr oder min—
der kühl, wenn sie uͤber Wasser und aus waldreichen Gegenden kommen,
ie haben die entgegenstehenden Eigenschaften, wenn sie baumlose, trockene
dandstriche beruhren. Die Zerstörung der Wälder läßt nicht allein ihre
mechanischen Wirkungen in vollem Maße eintreten, weil die Heftigkeit
der Stürme nicht durch sie gebrochen wird, sondern sie ändert auch
deren physikalische Beschaffenheit. Daher wird der Wald überall als
Schutz gegen diese Wirkungen angesehen, und daß dabei auch kleinere
Waldparzellen, selbst einzelne Baumpflanzungen von Bedeutung sind,
ehrt die iägliche Erfahrung. Deshalb wird die Erhaltung dieser klei⸗
nen Wälder innerhalb der Feldfluren so wichtig, deshalb erhalte man
sorgfältig die Bepflanzungen an den Bachufern. Ebienso äußern schon
Durchpflanzungen von Alleen, welche als Schutzwände dienen, beson⸗
ders wenn sie doppelten Reihen angelegt werden, eine sehr günstige
Wirkung. Man hat auch bereits in einigen Ländern Umpflanzungen
der mehr exponirten Aecker mit einem einige Ruthen breiten Wald⸗
saume mit dem besten Erfolge ausgeführt. Auch kleinere Schutzgehege
an den Windseiten zeigen sehr günstige Wirkungen. Auf den Höhen
»es Westerwaldes hat man vor einigen 20 Jahren solche in 32 bie
18 Fuß Breite von Fichten angelegt. Medieus in Wiesbaden be
richtet über deren Einfluß, daß, nachdem dadurch die austrocknenden
Winde abgehalten wurden, der Preis der Quadratruthe des hinter den⸗
selben belegenen Landes statt früher mit 12 kr. — mit 1 fl. 12 kr.
bezahlt wurde. In Norddeutschland, wo die Umwallung der Weiden
nit Erdaufwürfen, welche man mit Laubholz bepflanzt, und dieses als
Niederwald behandelt, sehr gebräuchlich ist, bemerkt man deutlich deren
günstigen Einfluß auf Abhalten und Mäßigen der Winde. Auch Hecken.
und selbst Zäune, äußern gleiche Wirkung. In Norwegen sah der
herr Verf. in einem nach Osten geöffneten, total baumlosen, aber sonst
varmen und fruchtbaren Thale in der Entfernung von 80 bis 40 Fuß
ämmtliche Felder in der Richtung von Nord nach Süd mit Staudenäunen
 durchzogen, um die schützende Schneedecke auf den Saaten zu
erhalten, ohne welche die Winterfrüchte nicht gedeihen.
Die Wahl der Holzarten zu derartigen Durch⸗ und Umpflanzungen
muß sich nach der Oertlichkeit richtn. Im Allgemeinen wird man zu
Alleen in den Feldern Obstbäume wählen und dabei sein Augenmerk
zuf solche Sorten richten, welche keine tief angesetzten Kronen haben.
hierbei macht der Landwirth häufig Fehlgriffe, ebenso bei der Pflege
olcher Bäume, da man durch deren Schnitt viel zur Entwickelung der⸗
enigen Form beitragen kann, welche man haben will. — An Bachufern
indet die Schwarzerle, die Esche, die Schwarzpappel ibre Stielle, alle
»rei nebenbei zu Futterlaub so gut zu verwenden; auch Weiden dürfen
nicht unbeachtet bleiben, besonders da, wo es sich um Befestigen der
Afer handelt; die dreimännige Weide (Salix triandra), die Bruchweide
8. fragilis), die Dotterweide (S. vitellina), die Bachweide (8. helix),
die Werftweide (8S. acuminata) und dvie Korbweide (8. viminalis). —
Zu Schutzgehegen zeigt sich die Fichte ihrer Dichtigkeit wegen am besten,
da sie überdem auf fast allen Bodenarten, mit Ausnahme des trockenen
Sandes, wohin die Kiefer gehört, gut forikommt. Auch die Weißtanne
wird auf kräftigerem Boden zu beachten sein. Man pflanze diese
Streifen nicht unter 6 Fuß Entfernung, damit die Stämme sich mög
lichst lange tief herab beastet erhalten. — Umpflanzungen koönnen auch
son Nadelholz angelegt werden, allein meistens wird Laubholz als Mit⸗
jelwald mit kurzer Hiebsart des Unterholzes der gerigeren Beschattung
vegen vorzuziehen sein. Hier finden die Ulme, die Eiche, der Ahorn,
die Weißbuche, auch die Akazien und einzelne Lärchen ihre Stelle, wo—
durch der Landwirth auch manches Geschirrholz erziehen kann.
Einen großen indirecten Nutzen stiften unzweifelhaft, wenn auch
von den Landwirthen derselbe weniger zugegeben wird, die kleinen
Waldparzellen, einzelne Bäume oder kleine Partien Buchholz in den
Feldern, an den Wiesen, um den nützlichen Vögeln Brutsiellen zu ver—
chaffen oder vielmehr zu erhalten. Unleugbar hat man den Weg, das
Bleichgewicht in der Natur zwischen der Vermehrung der Insecten und
anderen Ungeziefers und deren Vertilgung aufzuheben, bereits erfolgreich
hetreten, iheils durch directe Verminderung deren Feinde (entschieden

eine Folge der Jagdfreiheit), theils aber durch Störung der Forlpflan
ung der nützlichen Vogel, indem man alles, was Wald, Baum, Busq
»der Hecke heißt, sorgfältig aus den Fluren entfernt. Wo sollen dies
ieblichen Sänger, zum größten Theile nur emsige Vertilger der In
ecten, nisten, wo sollen die Bussarde, die Weiher, die Eulen, diese ge
chworenen Feinde der Mäuse und derartigen Ungeziefers, ihre Horst
zauen, wenn sie nirgends in den Feldern eine Versteckstelle finden⸗
Sie ziehen fort und überlassen es uns, allein mit der Unzahl m
chädlichen Insecten, die Feld und Wald heimsuchen, mit der don Ich
u Jahr sich mehrenden Mäuseplage fertig zu werden. Die leider be
rechtigten Klagen über das Zunehmen dieser Plagen des Land- um
Forstwirths sind im steten Steigen, die Verwüstungen der Insecien
Mäuse u. dgl. erreichen mitunter die Höhe tiner wahren Landescalami
at. — Die Wahrheit der hier angestellten Betrachtungen, wird sie auch
nicht selten noch angezweifeli, muß sich Bahn brechen, wenn erst vi
Nachtheile unseres gegenwärtigen Gebahrens mit dem Walde und der
Bäumen immer mehr und immer schärfer in die Augen springen.
Dieser letzte Satz gilt für alle die Betrachtungen, welche hier be—
üglich des indirecten Nutzen des Waldes angestellt worden sind. „Durch
Zchaden wird man klug,“ ist ein altes Wahrwort, aber wenn man be
illen anderen Gewerben, sie mögen Namen haben wie sie wollen, du
Schaden leicht, wenigstens in einigen Jahren wieder gut macheun kann
o ist das beim Walde nicht der Fall. Ein Jahrhundert kann of
nicht gut machen, was die Habgier und der Unverstand in wenlgen
Jahren verdorben hat, selbst wenn der beste Wille da ist, die gröhien
zecuniären Opfer zu bringen. Das mögen insbesondere die waldbe⸗
itzenden Landwirthe erkennen. Die Bewohner und Regierungen von
der Schweiz, von Frankreich, Spanien, Griechenland, Italien u. a. m.
ind zwar klug geworden, aber zu spät, erst wie es unmöglich war,
zor dem Nachtheil der Entwaldung die Augen zu verschließen, wie aus—
zedehnte Landstriche absolut unproductiv geworden waren, wie die frucht
»arsten Theile mit Gerollfluthen überdeckt wurden, wie Tausende von
Menschen arm und elend, voll Verweiflung an ihrem Geschide, die
Wohnstätte ihrer Väter zu verlassen gezwungen wurden. Das sind
Thatsachen, welche speciell zu belegen dem Herrn Verf. leicht sein würde
Also nicht der Thaler, welcher in der Tasche klingt, ist es, wo
durch der Landwirth in seinem eigenen Interesse veranlaßt werden muß
eine Wälder zu schonen und zu pflegen, ihr Einfluß auf die klimati—
chen Zustände des Landes verlangt es noch gebieterischer. Die Rech
nung, welche dem Landwirthe die Waldrodung als vortheilhaft für sein
Lasse darstellt, ist falsch, wenn die Factoren unbeachtet bleiben, die oba
in den Vordergrund gestellt worden sind.

Substanzen, die sich in Verbindung mit anderen
leicht selbst entzünden.
Als solche führt eine englische Versicherungszeitung folgende auf
1) Leinen, Baumwolle und wollene Stofse mit Oel getränkt, gt
ärbt und gefirnißt, gehören zu den meist gewöhnlichen Ursachen plötß
icher Verbrennung. Die Erfahrung zeigt, daß Baumwolle, mit beinöl
gesättigt, sich in zwei Stunden von selbst entzundet. Lappen, welcht
zum Putzen zu benutzen, und Stoffe, in Malerwerkstätten gebraucht
entwickeln Feuer.
2) Segeltuch mit Bleiweiß und Oel gestrichen, in der Sonne ge
rocknet und dann zusammengerollt und verdeckt hingelegt, brennt
einer Nacht zu Zunder.
3) Altes Pachpapier, welches in einem gestrichenen Lagerhause lae
ind zufällig mit Oel getränkt wurde, gerieth von selbst in Brand.
4) Baumwollene Lappen, die aus einem Keller, in welchem si
längere Zeit gelegen, geworfen wurden, fingen Feuer, weil sie mit Oe
begossen waren.
5) Leinöl auf Wolle. 2 Pfd. Wolle mit Leinöl gefettet, setzter
zu Germantown ein Gebäude in Brand.
6) Holz bestrichen mit Leinbl. Der Verschlag einer Wagenfabri
n Richmond, in welchem Farbe und Oel aufbewahrt und damit
chmiert worden, gerieth in Flammen.

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