Was nützt dem Landwirthe der Waldbesitz?
(Fortsetzung aus Nr. 29.)
Die für den Landwirth wichtigsten meteorologischen Erscheinungen
ind neben den Temperaturverhältnissen der Regen und der Feuchtig—
zeits zustand der Atmosphäre, sowie der Wind. Die ersteren will der
Herr Verf. hier nicht in den Kreis näherer Erbrterungen ziehen, wenn
schon die Wälder auch darauf einen wesentlichen Einfluß äußern, weil
dieser meistens doch nur von großen oder größeren Waldmassen aus—
zeht und überdem auch in seinen Folgen auf das Klima bekannter ist.
Zuerst also zu der Frage: „Wie wirkt der Wald auf die Regenmenge
ind auf die Feuchtigkeit der Luft?“
Die Erscheinung, daß der Wald sich stets kühler hält, die Luft in
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fannt. Sie erklärt sich dadurch, daß der vom Laubdache der Bäume
veschattete Waldboden die Wärmestrahlen nicht reflectirt, und die Blät—
er (Nadeln des Nadelholzes) dieses nicht ersetzen können, weil sie die
Sonnenstrahlen nicht zurückwerfen, sondern aufnchmen. Dabei trägt
die im Walde stattfindende Wärmeausstrahlung und die bedeutende Ver⸗
zunstung der Blätter ebenfalls zur Erniedrigung der Temperatur bei.
Wenn nun die mit Feuchtigkeit geschwängerten Wolken über einen Wald
zinziehen, so wirkt dessen niedrige Temperatur auf ihre Verdichtung und
der Regen fällt, während die höhere Temperatur des waldlosen Landes
die Wasserdämpfe der Wolken nicht verdichten und demnach Regen
nicht erfolgen kann, sondern auch der Feuchtigkeitsgehalt der Luft sich
nindert.
Die Gebirge, namentlich die bewaldeten, üben nun einen entschie—
denen Einfluß auf die Regenmenge aus, indem sich, der Windrlchtung
folgend, die in horizontaler Richtung fortbewegende feuchte Luftmasse
an der Gebirgswand stößt, dadurch in die Höhe zu steigen gezwungen
wird und nun die Wasserdämpfe in derselben zur Wolkenbildung über—
zehen. Daher die bemerkbare häufigere Wolkendecke oder die dichte
Nebelmasse im Gebirge. Ziehen nun diese Regenwolken, durch heftige
Winde getrieben, rasch über das Gebirge fort, so können sie sich, in
die wärmere Ebene gelangt, möglicherweise ohne befruchtenden Regen
zu spenden, wieder auflösen. Haften sie aber länger am bewaldeten
Gebirge, so bewirkt die niedrigere Temperatur eine Verdichtung der
Wolken und Regen. Daher hat das Gebirge mehr Regen als die
Ebene.
Aber der Regen allein ist es nicht, welcher einen befruchtenden
Einfluß auf das Pflanzenwachsthum, auf die Fruchtbarkeit des Landes
und viele andere Momente des menschlichen Lebens ausübt, sondern
der Feuchtigkeitszustand der Luft verdient in diesen Beziehungen eine
wesentliche Beachtung. Der Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre spielt
für die sociale Entwickelung eines Landes überhaupt eine große, nicht
zu unterschätzende Rolle. In überreichem Maße vorhanden, wird der—
elbe der Entwickelung und selbst dem Leben der Menschen und Thiere
chädlich oder gefährlich, wogegen das Wachsthum der Pflanzen und
die reiche Entwickelung der Insectenwelt dadurch befördert wird. Die
Ausdünstung stehender Gewässer, die Sümpfe in waldlosen Gegenden ha⸗
zen die berüchtigsten Sumpffieber zur Folge, welche das Leben der
Menschen bis ins Mark vergiften und jährlich viele Opfer erfordern.
Ebenso sind diese mit Sumpfluft geschwängerten Niederungen der Heerd
der Rinderpest und anderer Krankheiten bei den Thieren. Umgekehrt
vird die Trockenheit der Atmosphäre zwar weniger direct nachtheilig
ür die Gesundheit der Menschen, aber hindernd auf die Vegetation,
»aher sind absolut trockene Länder, wie die Wüste, unbewohnbar. Die
Wälder nun spielen in dieser Beziehung die Vermittlerrolle, sie regeln
das Feuchtigkeitsverhältniß der Luft und mindern die Extreme, wobei
zuch die kleineren Holzungen, selbst einzelne Baumpflanzungen, eine
mverkennbare günstige Einwirkung äußern. Die Blätter (oder Nadeln)
der Bäume fangen einen groößeren Theil des Regens auf, welcher nicht
um Boden gelangt, sondern verdunstet und die Luft mit Feuchtigkeit
schwängert. Um die Masse zu erforschen, welche auf diese Weise zur
Perdunstung gelangt, wurden auf der meteorologischen Station zu
Hrillenburg während 16 Monaten Beobachtungen an zwei Regenmesern
angestellt, wovon der eine im Freien, der zweite in einer Entfer—
ung von etwa 150 Schritt von diesem in einem gut geschlossenen,
z0, bis 40jährigen Fichtenbestande aufgestellt waren. Es ergab sich,
daß von den im Freien gefallenen Regen in Letzterem nur 46,73 pCt.
zur Erde gelangte. Sind diese Beobachtungen auch noch nicht als ab⸗
zeschlossen zu betrachten, um in den erlangten Zahlen für alle Ver—⸗
hältnisse als maßgebend zu gelten, indem namentlich durch die Lage des
Drtes und noch mehr durch die Baumarten mit ihrer verschiedenen Be⸗
aubung andere Verhältnißzahlen entstehen werden, so geben sie doch
einen werthvollen Anhalt, um die Bedeutung der Wälder in dieser Be
ziehung, herbortreten zu lassen.
Zugleich aber stellen die Resultate dieser Beobachtungen in helles
dicht, welchen großen Einfluß die Wälder auf das plötzliche Anschwel—
en der Bäche und Flüsse ausüben müssen, welches bei jedem anhal⸗
enden Regen dem Landwirthe oft so verderblich wird. Es ist eine
Thatsache, daß dieses rapide Steigen der Gewässer gegenwärtig, und
war ganz entschieden seit die Entwaldung in den Gebirgen den raschen
Abfluß der meteorischen Niederschläge gestattet, weit mehr und weit
zerderblicher eintritt, als früher, daß die Flüsse und Bäche den höchsten
Fluthpunkt in weit kürzerer Zeit erreichen und dann ebenso rasch wie—
der fallen. Die zerstörenden Wirkungen solcher Hochfluthen sind be—
annt, sie erstrecken sich nicht allein auf deren direkten Schaden, sondern
die Gewässer, welche von unbewaldeten Höhen herabstuͤrzen, führen auch
eine weit größere Menge von Gerollen, Sand u. dgl. mit sich und
überschütten damit die fruchtbaren Ländereien, welche in ihrem Gebiete
iiegen. Belege dazu geben die Klagen, welche über derartige Verhee⸗
rungen in den Zeitungen laut werden, und zwar nicht allein von den
Hochgebirgen Deueschlands, sondern auch aus fast allen übrigen Land⸗
trichen.
Auch über das in neuerer Zeit vielfach beobachtete Versiegen der
Quellen bei einem nur einigermaßen trockenen Witterungszustande wird
nit Recht geklagt, und wie dabei die Entwaldung einwirkt, geht aus
dem Vorgesagten klar hervor. Der Landwirth aber, welcher gegenwär—⸗
tig das Wasser so viel zu Bewässerungen benutzt, hat wohl Ursache,
auch diesen Punkt im Auge zu behalten, und selbst kleinere Wälder,
welche Quellen enthalten, in dieser Beziehung zu schonen.
(Fortsetzung folgt.)
Die Düngung der Wiefen.
Als Düngungsmittel der Wiesen werden verschiedene Mittel ge—
»raucht. Die Jauche kann nirgends mit mehr Vortheil angewendet
verden, als auf Kleefeldern und Grasländereien. Sie bringt hier
zine schnelle und auffallende Wirkung auf das Wachsthum der Pflan—
en hervor und kann zu jeder Zeit des Jahres mit Vortheil darauf
zebracht werden. Am häufigsten und wohl auch mit dem meisten
Erfolg geschieht solches jedoch in den ersten Tagen des Frühjahrs,
im liebsten des Morgens bei Frost. Sie kann indessen auch während
des Winters auf den Schnee und im Sommer nach jedem Grasschnitt
nit erheblichem Nutzen aufgebracht werden. In letzterem Falle darj
ndessen die Jauche nur mit Wasser versetzt zur Anwendung kommen.
Man hüte sich überhaupt, die Jauche bei trockenem Wetter im Som—
ner anzuwenden, oder versetze sie alsdann stark mit Wasser. Com—
»ost, Cloakenauswurf, Geflügelmist gewähren nirgends größeren Nutzen,
ils auf Wiesen. Sie werden zu Anbeginn des Frühjahrs wohl zer—
leinert darauf gebracht und gleichmäßig ausgestreut. Eine Mengung
yon gestampftem Geflügelmist, Cloakenauswurf, Mehlkalk, Asche,
Scheunenabfall mit Jauche begossen, gibt einen sehr wirksamen Dün—
zer für Wiesen. Eine von den größten Erleichterungen, welche das
düngen der Wiesen mit sich führt, ist, daß das, was sonst in der
Wirthschaft verloren gehen würde, bei ihnen angewendet werden
'ann. Alles, was auf den Gassen, Straßen, Thorwegen, auf dem
dofe, in den Häusern, vor den Scheuern, auf dem Heu—- und Frucht—
hoden zusammengekehrt, geschrappt und gekratzt werden kann, Alles
das ist zur Bedüngung der Wiesen förderlich. Habsucht wird hier
Tugend und Sucht nach dem Kleinlichen — Größe. Asche aller Art
st eins der trefflichsten Düngungsmittel für die Wiesen, besonders
imausgelaugte Holzasche. Sie ist der größte Moosvertilger und
zringt, wie mit einem Zauberschlage, Klee-, Wicken- und Grasarten
auf Stellen hervor, wo man fruͤher kaum etwas davon merkte.
Zteinkohlenasche ist namentlich für nasse und saure Wiesen zu em⸗
Fehlen. Aber auch die ausgelaugte Asche, die Seifensiederasche