Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Im vorigen Monat August hatte Hudelot zu Vesoul zum ersten
male seine Reben ausgestellt und zwar solche, die 1860 gelegt, die
zweite Ernte trugen und solche, die 1861 gelegt, die erste Ernte brach—
n. Der anwesende General⸗-Inspector Cazeaur, welcher schon früher
die Hudelo'schen Weinaugen-Pflanzungen besucht hatte, empfahl dessen
Methode unbedingt und auch der gegenwärtige Gen.«Insp. des Wein
baues in Frankreich, Guyot mit Namen, ist ganz und gar hiefür ein⸗
genommen und will sie —
ihren.
su Das Verfahren dabei ist ganz einfach, kinderleicht. Jede Rebt
liefert so viele Stecklinge neuer Pflanzen, als sie gesunde, kräftige Au—
gen hat, indem man diese ausschneidet und zwar etwa 2 Linien ober—
halb des Auges, so daß man einen Cylinder erhält, der circa 5 bis 6
dinien lang ist und in dessen Mitte das Auge fitzt. Diese Augen, im
Herbste geschnitten, werden über Winter im Keller aufbewahrt. Man
fann sie auch im Winter schneiden. Im Februar legt man die Augen
in 2 bis 3 Zoll tiefe und etwa 6 Zoll von einander entfernte Furchen
in Gartenbeete und bedeckt sie mit ewas Düngererde. Ist das Jahr
zrocken, so muß man durch öfteres Begießen nachhelfen, sowie eint
zeitweilige Lockerung des Bodens den Erfolg foͤrdert.
Den Vortheil später Blüthe
betreffend, macht Dr. K. Fickert in der Monatsschrift für Pomologit
sehr praktische Vorschläge, die alle Beachtung verdienen. Er sagt:
Späifröste sind zwar seit 50 Jahren immer seltener geworden, sie
kommen aber im mittlern Deutschland doch noch oft genug vor und
zerstören die Hoffnungen auf eine reiche Obsternte. Das ist auch im
verflossenen Jahre wieder geschehen, wenigstens bei uns in Schlesien
Trotz der reichen Obsternte des vorigen Jahres hatten die Bäume
wieder viele Blüthenknospen gebildet; aber die milde Witterung im
Nachwinter und Anfang des Frühjahrs hatte die Vegetation vor der
Zeit angeregt, dann trat wieder Kälte ein und die Folge davon war,
daß die Blüthen, noch ehe sie ganz entwickelt waren, zerstört wurden
Zwar entfalteten sie sich noch, aber ein geübtes Auge entdeckte bald,
daß bei dem meisten Fruchtansatz nichts zu erwarten sei. Nur die
spätblühenden Sorten, wie der Borsdorf, der Tulpentäubling u. a. ent⸗
wickelten die Blüthe regelmäßig, ebenso solche, welche in der Blüthe
gegen Kälte unempfindlich sind, wie der Limonenpepping. Die übrigen
haben nur auf der Nordseite, oder wo sonst zufällig eine Blüthenknospe
zurückgeblieben war, Früchte angesetzt. Außerdem ist dasselbe geschehen
an einigen von meinen Topfbäumen, die theils mit, theils ohne Absich
in der Vegetation zurückgehalten waren. Wie steht es nun aber im
Gebirge, wo die Vegetation sich überhaupt später enwickelt? Ich habi
wweinal den größten Theil der schlesischen Gebirge bereist, und zwa

sowohl die Vorberge wie das innere Gebirge und habe meine Auf—
merksamkeit besonders auf die Obstbäume gerichtet: überall fand ich
diese, freilich nur schlechtere Sorten, dicht mit Früchten behangen, meisi
so dicht, daß ich die Hälfte würde ausgebrochen haben. Was folgi
aun daraus? Erstlich, daß man die spätblühenden Sorten bei dem An—
pflanzen von Obstbäumen besonders berücksichtigen soll, namentlich da,
vo die Lage nicht selbst gegen die schädlichen Einflüsse der Spätfröste
schützt. Zweitens, da man doch an solchen Orien nicht bloß spätblü—
hende Sorten kultiviren kann, daß man diejenigen, welche in der Blü—
the empfindlich sind, in der Vegetation zurückhalten muß. Daß man
dies kann, und wie man es kann, ist längst bekannt; aber über dem
Neuen wird das Alte vergessen, oder wie Albrecht Dürer sagt: „Gar
schwer werden die Künste erfunden, und gar leicht werden fie wieder
vergessen.“ Daher wird es nicht überflüssig sein, daran zu erinnern
daß man die Vegetation jedes Baumes, der im Freien steht, zurück—
halten kann, wenn man den Boden, soweit eiwa seine Wurzeln rei—
chen, nachdem er gefroren ist, bedeckt. Dies kann mit Laub, Dünger,
Tiefernadeln, Heidekraut u. s. w. geschehen. Eine handhohe Deckung
genügt schon, um den Frost in der Erde und dadurch die Vegetation
zurückzuhalten. Besonders zu empfehlen ist dies bei den Spalierbäu—
men, namentlich bei Aprikosen und Pfirsichen. Man glaube ja nicht,
daß dadurch die Reife der Früchte oder ihre Güte irgendwie beein—
rächtigt werde. Das Versäumte wird bald nachgeholt, und gesetzt
auch, die Früchte reifen 8 Tage später, so ist es doch immer besser,
päter reife Früchte, als gar keine zu haben.

Technische Rotizen

Potasche wird in Frankreich bereits in großen Massen aus den
Rücksständen der Rübenzuckerfabrication dargestellt. Die Rüchkstände,
die zur Neutralisirung etwa vorhandener Säuren, mit kohlensaurem
Kalke versetzt sind, werden getrocknet und geglüht und die trockne Masse
wird mit Wasser ausgezogen. Sie enthält nach Richardson bis
600/0 Kalisalze, namentlich als kohlensaure und Colorverbindungen.

Eine Dampftrockenvorrichtung, welche auf den Engl
Kanonenbooten angewendet wird, besteht nach d. Zischr. d. Vrs. D.
Ingen. aus einem im höchsten Punkte des Dampfraumes liegenden
Rohre, welches im Querschnitte nicht kreisförmig sondern spiralförmig
gebogen ist. Der Dampf tritt auf der ganzen Länge des Rohres durch
den schmalen Schlitz zwischen zwi Windungen ein, bewegt sich wirbelnd
an den Rohrwänden hin und setzt das mitgerissene Wasser ab. Dieses
fließt nach dem Ende des Rohres und fällt hier in den Wasserraum
zurück, während der Dampf getrocknet abgeht.

Verlassung von Bau-Arbciteu.
Am Freitag den 1. Apriltc. Morgens 9 Uhr,
werden in dem Gasthause des Herrn Dill zu
Dudweiler die zum Baue der katholischen Kirche
dahier erforderlichen Arbeiten öffentlich verlassen
und zwar:

Tohe⸗ Versteigerung.
Am Dinstag den 5. Aprilse.
Vormittags 10 Uhr,
soll bei Wirth Wüsschner in Illingen, i
den zum Illinger Rittergute gehörigen War
sdungen die diesjährigen Loheschläge au
dem Stocke öffentlich versteigert werden, un
war:
1) der Distriet Rothstall, circa 14 Mor
gen groß,
2) derDiftriet Heister, circa 5 Morge
groß.
Illuͤngen, am 13. März 1864.
Bekanntmachung.
Der Transport der Steinkohlen und Berg
vermittelst Pferden auf der Königlichen Stein
tohlengrube Geislautern vom 1. Juli 1864 ar
dill im Wege der Submission verdungen wer—
den.
Die desfallsigen Bedingungen liegen sowoh
in der Schichtmeisterei zu Geislautern wie in
der Registratur der Koniglichen Bergwerks—
Direction zu Saarbrücken offen.

— Der Transport wird fast ausschließlich in
der ersten Tiefbausohle des Alvenslebenflotzes
auf 600 resp. 1000 Lachter Förderlänge statt—
fiunden und haben in den letzten Jahren 5 bis
s Pferde auf der Grube Beschäftigung gefun—
den.
Unternehmungslustige für diesen Transport
wollen ihre, nach Inhalt der Bedingungen zu
formulirenden Offerten in verfiegelten Schrei—
ben bis zum 21. April d. J. Vormittaas 17
Uhr, mit der Aufschrift:
„Submission fur den Transport von
Steinkohlen und Bergen durch Pferde
auf der Königl. Steinkohlenarube eis
lautern,“
oei dem Konigl. Schichtmeistergehülfen Mül ler
zu Geislautern abgeben, wo dieselben in Ge—
enwart der etwa erschienenen Submittenten zu
8* bezeichneten Stunde eröffnet werdin.
Der Zuschlag bleibt vorbehalten und wird
saus den Concurrenten der Uebernehmer bestimm“
werden.
Saarbrücken, den 15. März 1864.
Konigliche Bergwerks⸗Direction
Inspection J.

— —
1) Erdarbeiten, veranschlagt zu 78 6
2) Maurerarbeiten «“ 5,1982 24 10
3) Steinhauerarbeiten, 4,121 250 6
) Zunmerarbeiten 386 29 —
5) Dachdeckerarbeiten, 007 23 4
6) Glaferarbeiten 480 — —
N Schmiede⸗, Tüschlers,
Schlosser⸗ und An⸗
streicher⸗ AArbeiten. 833s 20 -
Summa 12,781 13
i Die Pos 4, 5, 6 und 7 inclus. Materia
er und Kosten-Anschläge liegen bei dem
nterzeichneten zur Einsicht offen.
Dudweiler, den 23. März 1864.
Der Bürgermeister,
Ganns.
            
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