Industrie, Handel, Gewerbe und Landwirthschaft.
Zur Gründüngung. saat dazu benutzt werden kann, und hat dreimal eine schöne Weide ge—
tiefert, was in weide⸗ und futterarmen Gegenden wohl zu beachten ist.
Von Nobler in Eworna. Da steuern wir nun Beiträge zu Acclimatisons-Versuchen für ð
zuführende fremdländische Gewächse, verwenden ungeheuere Summer
für Kunstdünger, weil der selbstgewonnene nicht mehr ausreichen soll
während die gütige Vorsehung uns mit einem unscheinbaren Gewächt
heschenkt hat, das überall, wenn auch mitunter gekrümmt und gebüch
fortkommt, jedem Bauerknaben unter dem Namen „Knörich“ bekannt
von umsichtigen Männern durch Wartung und Pflege schon zum Rie
sen erzogen worden und noch dazu eine ausgezeichnete Beihülfe alt
Dungersatz zu liefern im Stande und geeigenschaftet ist
Seidenzucht.
Unser erfahrener Deutscher Vorkämpfer für die Seidenzucht Her
C. Netz sagt: Wir müssen es aufrichtig beklagen, daß bis jetzt noch
keiner unserer größeren Gutsbesitzer den Versuch gewagt hat, vurch
Maulbeer⸗Anlagen und den Betrieb der Raupenzucht den Ertrag seiner
Güter zu erhöhen. Ein Blick auf Frankreich und Italien müßte dod
diese Herren zur Genüge belehren, daß es dort der höchste Adel nich
unter seiner Würde hält, die Kultur der Seide und dadurch seine eige—
nen Revenüen mächtig ergreifend zu befördern.
Gleich unerfreulich ist die Erfahrung, daß bis jetzt von aller
Herren des geistlichen Standes nur ein Einziger sich mit Seidenzuch!
beschäftigt, obschon dieselben durch eine nur kurze Bemühung im Lauft
des Jahres ihre häufig kärglichen Jahres-Einnahmen doch so wesen⸗
lich erhöhen könnten. Es mag vielleicht die Aussicht auf eine Ver—
setzung an eine bessere Pfarrstelle daran Schuld sein, daß die Geist
lichen keine Maulbeerpflanzung auf eigene Kosten wagen wollen, aber
es liegt doch nicht allein in dem allgemeinen Interesse, sondern auch
in ihrem eigenen und demjenigen ihrer Nachfolger, die Ortsvorständt
hierzu zu vermögen, was ihnen bei dem hohen Ansehen, welches sie
doch meist bei den Gemeindegliedern genießen, keineswegs schwer fal
len dürfte.
Daß die Gemeindevorstände selbst noch so wenig daran denken
ihren ärmern Gliedern, namentlich den Wittwen und Waisen, durg
Seidenzucht Gelegenheit zu einem anständigen Erwerbe zu bieten, muf
in der That aufrichtig beklagt werden. Die Opfer, welche eine Maul
beeranlage erheischen, sind für Gemeinden, welchen es niemals an hin—
reichenden Plätzen zur Anpflanzung fehlen wird, so höchst unbedeutend
daß sie gar nicht ins Gewicht fallen können. Wir haben bis jetz
kaum zwei Gemeinden, welche für eigene Rechnung Maulbeerbäum
angepflanzt haben.
Wir erwähnen bei dieser Gelegenheit, daß eine solche Pflanzunt
selbst alsvann noch einen bemächtlichen Ernag liefern würde, wenn si
auch nicht für die Zucht von Seidenraupen benutzt werden sollte, denr
1 wächst der Maulbeerbaum sehr schnell und sein vortressliches Hol
kann vielerlei Anwendung finden, sein Laub gibt ein vortreffliche
Futter für Kühe, Schafe und Ziegen;
geben dessen Früchte nicht allein einen hoch im Preise stehenden
Samen zur Fortpflanzung, sondern auch einen ausgezeichneter
Spiritus.
s(Schluß.
Auf reichem guten Boden, wo natürlich auch Buchweizen unt
Spörgel voluminbser gedeihen und daher auch besser düngen, benutzt
man, wie schon bemerkt, gewöhnlich zur Dungsaat Erbsen, Wicken
Lupinen, Roggen, Oelgewächse u. dergl. Alle jene Wirkungen übertriffr
jedoch der Klee, namentlich der rothe Kopfklee. Während man die
beiden ersten Schnitte desselben zur Grünfütterung benutzt, verwende
man den dritten Schnitt zur Gründüngung. Er liefert die bedeutendst
Masse und außer den saftigen Blättern und Stengeln, wirkt noch vor
züglich sein reiches Wurzelvermögen zur Düngung. Man pflügt der
dritten Schnitt vier Wochen vor der Wintersaat zur gehörigen Tieft
unter, säet später auf und eggt scharf ein. Stand der Klee gut unt
dicht, so geräth die Winterung darnach ebenso gut, wie diejenige auf
gedüngter Brache. Nur muß der Umbruch des Klees, wie schon er—
wähnt, wenigstens vier Wochen vor der Aussaat erfolgen, damit der
Boden Zeit hat, sich gehörig zu setzen und die Furchen nicht hohl lie
gen bleiben, unter welche sich in diesem Falle bei Schnecthau leich
Wasser ansammelt und dadurch ein Ausfrieren der Saat bewirkt wer—
den kann, oder auch in jene Höhlungen sich Mäuse einnisten.
Unter allen Dungarten ist die vegetabilische unbestritten die bil
ligste, und es steht daher mit Recht zu verwundern, weshalb sie nich
häufiger angewendet wird. Alle üppig und voluminös wachsender
pPflanzen sind dazu verwendbar, selbst mit Unkräutern und Giftgewäch
sen hat man entsprechende Versuche nachzuweisen, und da die Dung—
saat jedesmal in der Blüthe umgebrochen wird, daher nicht Samen er—⸗
zeugen kann, so erwächst dem Acker durch ihre Verwendung nicht im
Geringsten irgend ein Nachtheil durch Verunreinigung.
Selbst zu Sommerfrüchten ist die Gründüngung und zwar in der
Art verwendbar, daß man im Herbste in die umgebrochene Stoppe
Raps oder Rübsen säet und im Frühjahr zu Gerste, Hafer oder auch
zu Kartoffeln unterpflügt. Thut man dies im Vorherbst mit Sporgel
so hat man noch bei günstiger Witterung eine gute Herbstweide zu
gewärtigen und erreicht noch den Zweck der Düngung.
An vielen Orten und besonders in England, werden Turnips und
andere Rübenarten zur Gründüngung benutzt. Die obere Hälfte der
Rüben wird im Herbste gewöhnlich durch Rind- und Schafvieh auft
dem Felde abgeweidet, was jedoch für unser Klima und unsere Wirth
schaftseinrichtungen nicht eben passend erscheint. Schon in früheren
Jahren, besonders aber in der Neuzeit, hat die Anwendung der
dupinen zur Gründüngung allgemeine Aufmerksamkeit erregt; dieselbe
rignet sich wegen ihrer umfangreichen Masse ganz besonders dazu
vorausgesetzt in einem Klima, wo der Samen alljährlich reif wird
soll aber dieser in jedem Jahre aus südlichen Gegenden neu bezog er
werden, so dürfte diese Düngung zu theuer sein.
Nach des Verf. Meinung wird immer der Spörgel das vorzüg
lichste Surrogat zur Gründüngung verbleiben und zwar aus nachste
henden Gründen: 1) Ist der Samen sehr leicht und überall zu gewin
nen. Auf einem gedüngten Morgen Acker mit 4 Metzen besäet, kann
man mit Sicherheit eine Ernte von 6 bis 8 Scheffel erwarten. Au
die umgebrochene Stoppel zum zweitenmale gesäet, eine zweite derglei
chen von 3 bis 4 Scheffel, vom Morgen also 9 bis 12 Scheffe
MEr wächst auf dem leichtesten Sandboden, wo kein anderes Gewäche
ihm gleichkommt. 3) Man bedarf nur wenig Samen zur Aussaat
M Er vegetirt schnell uud kann vom April bis in den September
dreimal zur Weide und zum Unterpflügen benutzt werden. 5) Er be—⸗
sitzt eine Milchproductionskraft für Kühe, welche von keinem andern
Gewächs, selbst von den Kleearten nicht übertroffen wird, sowohl im
grünen als getrockneten Zustande. 6) Seine abgeweidete Stoppel ist
leicht umzubrechen, wäͤhrend bei Erbsen, Wicken und besonders bei Lu
pinen dies Schwierigkeit hat und zuvor gewalzt oder gehauen werden
muß. 7) Er theilt dem Acker nach dreimaligem Unterpflügen zur Grün—⸗
düngung dieselbe Dungkraft mit, als das voluminðseste Gewächs, wel⸗
Hes nicht überall voluminös aedeiht und nur einmal vor ver Winter-Neue
Weincultur.
Die neue Methode Hudelots, den Wein durch Augen fortzupflat
zen, wodurch wenigstens drei Jahre erspart sind, macht außerordentl
ches Aufsehen und scheint, was dabei das Beste ist, keine Schwindele
zu sein, denn Herr Hudelot hat seit 1860 Versuche angestellt und be
reits zwei Ernten gehabt, die an einem guten Erfolge keinen Zweift
mehr lassen; mithin steht es fest, daß beim Anlegen von Weinbergen
mittelst dieser Methode wenigstens drei Jahre erspart sind und daß die
Rebschulen überflüssig werden.
Die Saat geschieht durch abgelöste Augen. In einer Blechschach
tel von 1 Kubikfuß kann man, wie Prof. Arnstein sagt, 8 bis 10,00b
Augen versenden, ist dabei ganz sicher, dieselbe veredelte Pflanze, welch
man gewünscht hat, zu erhalten und braucht auf die erste Ernte nich
länger als 11, Jahr zu warten, profitirt also im Durchschnitt wenie
stens 3 Jahre