sen alle anderen Rücksichten weichen und dieser ausgezeichnete Vorzug
benutzt werden, wenigstens zur Anbringung eines beschatteten Sitzes
Es lohnt sich, zur Erreichung einer solchen Aussicht die Kosteu auf ein
künstliche Bodenerhöhung zu verwenden. Ausficht auf Wasser ist be
sonders köstlich, dann auf schöne Landschaften und Gebirge, am wenig
sten auf Gebäude oder Städte, selbst wenn sie schön sind.
Die Aussichten des Landwirths für das gegenwärtige
Jahr.
Der im Scheiden begriffene Winter war wieder, gleich dem vor—
jährigen, für den Landwirth sehr bequem. Er brachte hinlänglichen
Frost, um gute Wege zu den nöthigen Fuhren zu machen, auch um
den etwa gewonnenen Samenklee — dessen freilich wenig genug war —
leicht auszudreschen; ob er noch Kälte in seinem Gefolge haben werde,
das ruht freilich noch im Schoße der Götter. Bis jetzt haben sich
die Saaten sehr gut erhalten, und wenn sie gegenwärtig gleich eine
graue Farbe zeigen, so ist der Wurzelstock noch gesund und frisch, se
daß sich jetzt schon die Triebkraft zu regen anfängt. Am meisten Be
denken hatte man noch vor Kurzem wegen des Rapses; da aber jetz
der Frost so ziemlich durchgethaut ist, so ist auch das Bedenken vor—
läufig beseitigt. Bekanntlich liegt die größte Gefahr für ihn darin,
wenn der Frost in der Tiefe noch nicht durchgethaut ist, und neuen
eintritt, wo dann in der Mitte die Erde aufgethaut bleibt und durch
den obern Frost die Wurzeln in die Höhe gezogen und abgerissen
werden. Das wird nun wahrscheinlich nicht geschehen, auch wenn
noch einmal strenge Kälte kommen sollte. Weizen und Roggen, dite
bekanntlich sehr stark in den Winter kamen, sind nunmehr wohl über
alle Gefahr hinüber.
Die Frühjahrs-Einsaat wird, wie es scheint, dies Jahr eben so
bald und wohl noch rascher, als im vorigen Jahre, vollzogen werden
können, und so darf man wieder auf eine gesegnete Ernte hoffen.
Was wird aber die Folge davon sein? Noch niedrigere Getreide
preise, als sie jetzt sind. Wird das den Landwirth zu Grunde richten?
Schwerlich; denn die Menge des Verkäuflichen wird die niedrigeren
Preise ausgleichen. Wie wird es aber da um das Raisonnement de
rer stehen, die da beweisen wollten, daß der rege Verkehr auf den Ei—
senbahnen rasch und leicht den Ueberfluß dahin bringt, wo Mange
ist, daher nirgends mehr eine Entwerthung der Frucht stattfinden könne!
Es wird das auf's Neue beweisen, daß alle dergleichen Calcüle einer
festen Basis ermangeln.
Eine andere Lebensfrage ist für die meisten Landwirthe die, wie
der Wollmarkt ausfallen wird? Die zeitherige Flaue im Wollhande
berechtigt freilich zu keinen großen Erwartungen. Und dennoch glaub
ich, daß man solche hegen darf, und stütze mich dabei auf die Erschei
nung, daß seit Kurzem Leben in diesem Handel sich zu regen anfängt
Von allen bedeutenden Plätzen gehen Nachrichten ein, daß lebhaft ge—
zauft wird, und wenn auch die Preise um einige Thaler pro Centner
gegen voriges Jahr herabgegangen sind, so hat das wohl wenig zu
fagen, da ja stets die im Jahre gelagerte Wolle im Werthe gegen die
frische verliert, und da ja auch ausgesuchte Waare selten lange aul
Lager bleibt. Ein Umstand aber, der nicht zu unterschätzen, ist der
daß es um blanke Wäsche bedenklich stehen wird, weil bei den vergan
genen trockenen Jahren die Schafe so eingestaubt sind, daß die größte
Mühe und Kunst sie nicht ganz weiß zu Stande wird bringen können
Indeß leisten ja bekanntlich unsere Schafzüchter hierin das Möglichste
Freilich gibt es Oertlichkeiten, — wie z. B. schwarzer Boden und har—
tes Wasser — wo aller Fleiß und alle Kraft scheitern.
Um die Ausgiebigkeit der Schur dürfte es nicht schlimm stehen,
denn die Schafe sind gesund; und wenn auch das Futter knapp ist, so
nährt es doch gut, weil es so sehr gesund und gut eingebracht ist; auch
habe ich überall in einer Menge Schäfereien den Wollwuchs sehr kräf—
sig gefunden, so daß sicher eine reiche Schur zu erwarten ist.
Wollte ich das, was ich mir von diesem Wollmarkte — nämlich
höhere Preise als im vorigen Jahre — verspreche, hier veröffentlichen.
so konnte das als eine Vermessenheit erscheinen; ich schweige deshall
und hoffe, daß die Zeit es ja früh genug bethätigen werde.
Das Blühen der Hyacinthen zu befördern
Manchem, der Zwiebelblumen, namenilich Hyacinthen im Zimm
gezogen hat, wird der Fall vorgekommen sein, daß die Blüthentrauh
mit den Blättern zugleich emporkommt; die oberen Blüthen entfalte
sich dann zuerst, während die untern zwischen den Blättern erstick
Man nennt das in der Gärtnersprache das „Sitzenbleiben“. Die en
Veranlassung ist gewöhnlich die, daß die Zwiebeln zu spät in die Tbf
eingepflanzt oder auf die Wassergläser gesetzt wurden und dann soglei
ehe sie sich noch vollständig bewurzelt hatten, getrieben wurden. D
Blumenzwiebeln, die um Weihnachten blühen sollen, müssen längst
zu Ende des Septembers in die Topse eingeflpanzt und dann etwa
bis 12 Zoll tief an einer schattigen Stelle im Freien in die Erde en
gegraben werden, wo sie bleiben können, bis sich ernstliche Froste eir
stellen, dann erst werden sie zum Treiben ausgesetzt. Auf diese Wei—
bewurzeln sie sich hinlänglich und es wird nicht fehlen, daß fie eine
8 bis 10 Zoll hohen Blumenschaft treiben und die Blumentrauben
gehörigermaßen von unten zu blühen anfangen. Um aber nicht ww
das Aufblühen zu befördern, sondern auch die Blumen zu vergrößem
und ihre Farbe feuriger zu machen, empfehle ich folgendes Mittel:
Man füllt eine Glasflasche mit Regen- oder Flußwasser und li
in diesem 8 Loth Kochsalz u. ein Loth Pottasche auf. Von diese—
Auflbsung wird von der Zeit an, wo die Blumenzwiebeln in das Zim⸗
mer zum Treiben gebracht werden, jedesmal, wenn sie frisches Wasser
(entweder in das Wasserglas, auf welches die Zwiebel gesetzt ist, ode
in den Untersetzer, in welchem der Blumentopf steht) bekommen, *
dasselbe 10 bis 12 Tropfen gegossen und damit vermischt. Es ist un
glaublich, welche guten Dienste dieses Mittel zur Beförderung der Ve
getation leistet. Sobald aber die Blüthenknospen sich färben und auf
brechen wollen, muß man damit aufhören, sonst geht der Flor zu schne
vorbei. Bei allen andern Blumen, die man im Winter treibt, so
dieses Mittel mit demselben guten Erfolge anwendbar sein.
Darstellung einer neuen Seife zum Waschen und
Bleichen gebrauchter Strohhüte, Wollenstoffe
und Seidenwaaren.
Von Professor Dr. Artus.
Das Waschen und Reinigen obiger Stoffe hat bisweilen seip
Schwierigkeiten und namentlich ist dies anzunehmen von der Operatio
des sogenannten Schwefelns, wo man gewöhnlich die Stoffe unmitte
bar der Einwirkung der schwefeligen Säure aussetzt. Dem wird 4.
doch vorgebeugt durch Anwendung folgender Seife, die man mit den
Namen Bleichseife bezeichnen könnte.
Man verschafft sich auf die gewöhnliche Weise eine gute Natron
seife. Nachdem diese mit verdünnter Lauge und einem Zusatze vot!
Kochsalz abgeschieden ist, wird der noch weichen Seife /, ihres Ge⸗
wichtes zerriebenes, schwefligsaures Natron zugesetzt, diese dann, win
gewöhnlich, noch etwas feucht, in Riegel geschnitten, getrocknet undn
zum Gebrauche aufbewahrt. — Statt der Natronseife kann jedoch auch
eine Kaliseife (Schmierseife) verwendet werden. In beiden Fällen —*
hält man eine Seife, die zu nachbeschriebenen Zwecken verwendet wer
den kann, und es steht zu erwarten, daß beide Seifen für die Folg'
zu den gesuchten Handelsartikeln gezählt werden können.
Bei ihrer Anwendung werden zunächst die zu bleichenden Gegen⸗
stände in Wasser geweicht, dem man, etwa auf 12 Maß weiches Fluß
wasser, 1 Loth Ammoniak zugesetzt hatte, welches aus jeder Apothelr
bezogen werden kann. Nachdem die Gegenstände gehörig durchweich⸗
— A
fernt sind, wird dann; 1 Theil von der obigen Bleichseife in 10 bi
12 Theilen warmem Wasser gelöst und mit dieser Lösung das eigen
liche Waschen vollzogen. Nachdem sie gehörig damit behandelt wor
den sind, werden die Stoffe in ein Gefäß gebracht, in welchem id
verdünnte Salzsäure befindet (etwa auf 20 Theile Wasser 1 The
Salzsäure); man taucht die Gegenstände gehbrig ein, damit fie v
der Flüssigkeit durchdrungen werden, bedeckt hierauf das Gefäß um—
läßt dieselben 1 Stunde lang stehen, worauf sie dann herausgenom
men, mit Wasser gespült und getrocknet werden.
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